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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Ägypten als neue Terrorismus-Drehscheibe 11. September 2012

Filed under: Islamischer Terror — Knecht Christi @ 18:26

Der Dschihad wird entgrenzt

 

Vor elf Jahren rasten zwei Flugzeuge in das World Trade Center und töteten 3000 Menschen.

Wie gefährlich ist der islamistische Terror heute?

Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz,

spricht mit dem Tagesspiegel über die Gefahr

durch Einzeltäter, Einsichten im Fall Kurnaz und Reformen in seiner Behörde.

 

 

Herr Maaßen, wie haben Sie den 11. September 2001 erlebt?

Es war natürlich ein Schock, diese Nachricht zu hören. Wir alle waren fassungslos, als wir die Bilder aus New York und Washington sahen. Als damaliger Referatsleiter Ausländerrecht im Bundesinnenministerium saß ich am 11. September im Bundestag und verhandelte in einer Arbeitsgruppe das Zuwanderungsgesetz. Sehr bald nach den Terroranschlägen wurde klar, dass jetzt das Thema Sicherheit auch im Zuwanderungsgesetz stärker gewichtet werden musste.

 

Elf Jahre nach den Anschlägen: wer ist gefährlicher für Deutschland, ein einzelner, radikalisierter Jüngling oder Al Qaida?

Beide Phänomene sind gleich gefährlich. Die so genannte Kern-Al Qaida im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet ist zwar geschwächt, aber die Filialen in Nordafrika wollen die Veränderungen in den Staaten des Arabischen Frühlings massiv beeinflussen. Außerdem propagiert Al Qaida den individuellen Dschihad, also Aktionen von Einzeltätern oder Kleinstgruppen. Der Dschihad ist dadurch entgrenzt. Das wird gerade auch für Europa und Deutschland gefährlich, wie zwei Fälle verdeutlichen: Im März 2011 hat Arid Uka zwei US-Soldaten am Frankfurter Flughafen erschossen, im März dieses Jahres tötete Mohamed Merah in Frankreich sieben Menschen, darunter drei jüdische Kinder. Beide Attentäter gehörten keiner Organisation an, wurden aber durch islamistische Propaganda aus dem Umfeld terroristischer Organisationen wie Al Qaida radikalisiert.

 

 

Sind Merah und Uka die Prototypen künftiger Anschläge?

Einzeltäter, die sich individuell radikalisiert haben, vor allem über das Internet, sind eine große Bedrohung. Auch wenn Al Qaida diese nicht steuert, propagiert die Organisation den individuellen Dschihad. Der jemenitische Zweig von Al Qaida hat 2011 in seiner Internet-Publikation „Inspire“ Arid Uka für seine Morde gelobt.

Wie groß ist das Potenzial militanter Salafisten in Deutschland?

Wir schätzen das Gesamtpotenzial von Salafisten in Deutschland auf rund 3800 Personen, mit steigender Tendenz. Außerdem ist der Übergang vom rein politischen Salafismus zum dschihadistischen, also. gewaltgeneigten Salafismus fließend. Der politische Salafismus führt nicht zwingend zur Militanz, aber fast jeder Dschihadist hat Bezüge zum Salafismus. Außerdem haben die salafistischen Krawalle vom Mai in Solingen und Bonn gezeigt, dass Personen aus dem politischen Salafismus sich so rasch radikalisieren, dass sie Gewalttaten verüben, bis hin zum Messerangriff auf Polizisten.

 

 

Im Juni hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich den salafistischen Vereins Millatu Ibrahim verboten und entsprechende Verfahren gegen die Gruppierungen Dawa FFM und „Die wahre Religion“ eingeleitet. Hat das die Szene geschwächt?

Das Bundesamt für Verfassungsschutz stellt zumindest einen Rückgang der Propagandaaktivitäten fest. Hierfür gibt es verschiedene Gründe: Die salafistische Szene wurde durch die Massivität der staatlichen Exekutivmaßnahmen überrascht. Die Polizei konnte zudem zahlreiche Computer und weiteres Material beschlagnahmen, das hat die Salafisten getroffen. Nun verlagert sich die Propaganda nach Ägypten, wohin der Anführer von Millatu Ibrahim, Mohamed Mahmoud, schon im April ausgereist war.

 

Nach den Krawallen in Solingen und Bonn rief der Dschihadist Yassin Chouka von der pakistanischen Terrorhochburg Wasiristan aus zum Mord an Journalisten und Mitgliedern der islamfeindlichen Partei Pro NRW auf. Wie haben die Salafisten in Deutschland reagiert?

Bislang haben wir darauf keine Reaktionen registriert. In Teilen der Szene werden die Chouka-Brüder nicht ernst genommen. Sie sind nicht so stark verankert wie Mahmoud und der Berliner Salafist Denis Cuspert, der früher als Rapper Deso Dogg auftrat und sich später als Sänger islamistischer Kampflieder hervortat.

 

 

Ägypten als neue Terrorismus-Drehscheibe

 

Im August blieb es bei den provokativen Auftritten von Anhängern der islamfeindlichen Pro-Bewegung in Berlin ruhig, obwohl die umstrittenen Mohammed-Karikaturen gezeigt wurden. Hat die salafistische Szene ihre Taktik geändert?

Erstaunlich war, dass es für diese Veranstaltungen keine Mobilisierung über soziale Netzwerke gab und Aufrufe von salafistischen Protagonisten fehlten. Zudem waren in Berlin die Rädelsführer der Krawalle von Solingen und Bonn nicht anwesend. Schließlich war die Berliner Polizei gewarnt und massiv präsent.

Außer dem Österreicher Mahmoud haben sich weitere Salafisten nach Ägypten abgesetzt. Was treiben die da?

Ägypten wird mehr und mehr zum Reiseziel für Dschihadisten, das bereitet uns besondere Sorge. Die Zahl der Ausreisen aus Deutschland hat stark zugenommen. Allein von Januar bis Ende August 2012 haben wir die Ausreise von 23 Personen aus Deutschland nach Ägypten registriert. Das ist jetzt schon eine Verdopplung der Zahl aus dem gesamten Jahr 2011. Und schätzungsweise 30 weitere, die nach Ägypten wollen, sitzen auf gepackten Koffern. Hinzu kommt, dass Islamisten früher aus anderen Gründen nach Ägypten reisten. Bislang ging es vorwiegend darum, die arabische Sprache zu lernen.

 

Und nun wird das Land am Nil zur neuen Drehscheibe des islamistischen Terrors?

Wir befürchten, dass Ägypten aufgrund der starken islamistischen Kräfte dort zur Drehscheibe für Salafismus und Terrorismus werden könnte. Mahmoud konnte eine Art Brückenkopf aufbauen und dabei örtliche Strukturen nutzen. Ägypten spielt zudem eine Rolle als Transitland in Richtung Somalia, Maghreb oder Mali.

 

 

Mohamed Mahmoud, Ägypter mit österreichischem Pass, nahm die ganze Terrorgruppe nach Ägypten mit

 

Denis Cuspert ist ebenfalls nach Ägypten gereist und hat in einem Video, das kürzlich das ZDF in Teilen ausstrahlte, Anschläge in Deutschland angekündigt . . .

Von dem Ex-Rapper selbst dürfte zwar nur begrenzte Gefahr ausgehen, aber eine viel größere steckt in seiner Botschaft. Cuspert hat Deutschland zum Kriegsgebiet erklärt. Das kann dazu führen, dass sich junge Männer, die sich auf dem Weg der Radikalisierung befinden, animiert fühlen könnten zu Selbstmordanschlägen oder zu Attentaten nach dem Muster von Arid Uka. Das Video wurde allerdings bislang nicht über die einschlägigen Kanäle im Internet veröffentlicht.

 

 

Wie viele Islamisten sind in diesem Jahr nach Wasiristan und in andere Dschihad-Regionen gereist?

Generell hat die Zahl der Reisen an die bisher bekannten Dschihad-Schauplätze erheblich abgenommen und bewegt sich jeweils im niedrigen einstelligen Bereich. So gilt die die Region Wasiristan als zu entbehrungs- und risikoreich. Auch wenn die Zahl der Reisen nach Somalia geringfügig angestiegen ist, ist hier kein neuer Ausreisetrend zu erkennen. Über Ausreisen in Richtung Mali, wo Islamisten den Norden besetzt halten, haben wir bislang keine Erkenntnisse. Auch der Irak spielt als Reiseziel keine Rolle. Und Personen, die aus Deutschland nach Syrien gereist sind, wollen zwar das Assad-Regime bekämpfen, gehören aber nicht zum Spektrum der Dschihadisten.

 

Welche Formation von Al Qaida ist für Deutschland besonders gefährlich? Der Kern in Wasiristan oder einer der Ableger und Verbündeten im Nahen Osten und in Afrika?

Die so genannte Kern-Al Qaida in Wasiristan ist zwar durch den Tod Osama bin Ladens und die vielen Drohnenangriffe geschwächt – aber der Fall der Düsseldorfer Zelle, die schwere Anschläge plante, belegt, dass Kern-Al Qaida weiterhin operativ im Ausland tätig ist. Besonders gefährlich ist auch Al Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAH), die an Bedeutung gewonnen hat. Von hier wird nicht nur der individuelle Dschihad propagiert. AQAH hat bereits 2010 vom Jemen aus Paketbomben als Frachtgut in Flugzeugen verschickt. Eine Bombe wurde unerkannt im Flughafen Köln-Bonn in Richtung Großbritannien umgeladen. Al Qaida im Maghreb (AQM) hat durch den Arabischen Frühling an Einfluss gewonnen. Mittelfristig kann AQM eine Bedrohung für die Staaten der Region werden und gefährdet schon jetzt deutsche Interessen in Nordafrika.

 

Bedroht wurde Deutschland auch durch andere Terrorgruppen in Wasiristan.

Die Islamische Bewegung Usbekistans spielt wegen der Propaganda der aus Bonn stammenden Chouka-Brüder eine Rolle. Im Vergleich dazu hat die ebenfalls usbekische Islamische Dschihad Union, von der die Sauerlandgruppe mit Anschlägen in Deutschland beauftragt wurde, an Bedeutung eingebüßt. Hinweise auf Taliban-Strukturen in Deutschland haben wir nicht, deutsche Institutionen in Afghanistan bleiben weiterhin gefährdet. Generell ist zu sagen, dass die Gefahr, dass in Deutschland ein Angriff vom Ausmaß des 11. September stattfindet, gering erscheint. Auch weil die Sicherheitsbehörden national wie international besser aufgestellt sind als vor über elf Jahren. {Quelle: www.tagesspiegel.de – Interview mit Hans-Georg Maaßen}

 

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