kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Braucht das amerikanische Empire einen Krieg? 8. September 2012

Filed under: Pater Zakaria & co. — Knecht Christi @ 20:43

 

 

Der französische König Ludwig XVI. bedurfte einer Revolution. Napoleon brauchte zwei historische militärische Niederlagen, das Spanische Weltreich in der Neuen Welt benötigte gleich mehrere Revolutionen,

der russische Zar brauchte eine kommunistische Revolution,

das österreichisch-ungarische Reich und das Osmanische Reich brauchten den Ersten Weltkrieg,

das Dritte Reich brauchte den Zweiten Weltkrieg,

das Land der aufgehenden Sonne bedurfte des Abwurfs zweier Atombomben

und das portugiesische Kolonialreich in Afrika brauchte einen Militärputsch im eigenen Land.

 

Was braucht das amerikanische Empire?

 

 »Wir verpflichten uns zur Loyalität gegenüber der Republik,

für die Amerika beispielhaft steht, und nicht gegenüber seinem Empire, unter dem es jetzt leidet«

Sam Smith, Herausgeber der Progressive Review.

 

Vielleicht muss es erst die zuvor langgehegte Bewunderung und die Unterstützung einer Gruppe nach der anderen und eines Landes nach dem anderen verlieren, während die imperialen Kriege, Bombenangriffe, Besatzungen, das Foltern und die Lügen die Fassade eines geliebten und mythenumwobenen »Amerikas« zerstören; ein Empire, wie es in der Geschichte noch keines gegeben hat, das sich in Kriegen und Friedenszeiten mit vollem Ernst und schmerzlich in die Geschicke der meisten Länder dieser Erde einmischte und gleichzeitig der Welt predigte, der »American Way of Life«, die amerikanische Lebensart, sei ein leuchtendes Beispiel für die ganze Menschheit und Amerika müsse an der Spitze stehen, um die Welt zu führen. Die auf der Enthüllungsinternetseite WikiLeaks veröffentlichten Dokumente und Videos haben [der Weltöffentlichkeit] eine Demütigung nach der anderen  präsentiert … und Lügen aufgedeckt, politische Manipulationen, krasse Scheinheiligkeiten und kaltblütige Morde enthüllt, … auf die noch die Folter an Bradley Manning und die Verfolgung Julian Assanges folgten. Washington bezeichnet die Enthüllungen als »Bedrohung der nationalen Sicherheit«, aber die Welt vermag wohl zu erkennen, dass es sich dabei um das kaum verhüllte, altbekannte Gefühl der Verlegenheit handelt. Mannings Verteidiger hat das Militärgericht immer wieder aufgefordert, den Vorwurf der Gefährdung der nationalen Sicherheit zu präzisieren und genau darzulegen, in welcher Weise die nationale Sicherheit gefährdet worden sei. Aber das Gericht hat niemals darauf reagiert.

 

Wenn »die Hölle selbst nicht so wüten kann wie eine verschmähte Frau«,

wie reagiert dann wohl ein Empire, dass sich völlig blamiert hat?

 

Die internationale Seifenoper Die Assange-Affäre, in der Schweden, Großbritannien, die Vereinigten Staaten, Ecuador und Julian Assange selbst die Hauptrollen spielen, läuft schon seit einiger Zeit. Die neokolonialen Klientelstaaten Schweden (ein praktisch kriegführendes NATO-Mitgliedsland) und Großbritannien (aufgrund seiner »Sonderbeziehung« zu den USA) wissen, was von ihnen erwartet wird, damit sie sich ein wohlwollendes Tätscheln ihres Onkels aus Washington verdient haben. Da sich Schweden wiederholt geweigert hat, Assange in England zu befragen und ebenso eine Erklärung dafür schuldig geblieben ist, warum sie diese Möglichkeit nicht genutzt haben, ist der Schluss erlaubt, dass Schweden keinen legitimen Grund hat, die Auslieferung Assanges aus England zu fordern. England steht unter »immensem Druck der Regierung Obama«, wie dem früheren britischen Botschafter Craig  vom britischen Außenministerium1 mitgeteilt wurde, und drohte sogar in einem Schreiben an die Regierung Ecuadors damit, die ecuadorianische Botschaft in London zu stürmen, um Assange in Gewahrsam zu nehmen. Wörtlich hieß es in dem Brief: »Sie müssen sich klar darüber sein, dass es hier im Vereinigten Königreich eine gesetzliche Grundlage, den Diplomatic and Consular Premises Act von 1987, gibt, die es uns gestattet, Maßnahmen zur Verhaftung von Herrn Assange auf dem derzeitigen Gelände der Botschaft zu ergreifen«.

 

 Und am 18. August drangen Polizeikräfte tatsächlich über die inneren Notausgänge und Fluchtwege innerhalb des Gebäudes bis auf wenige Meter an das Zimmer vor, in dem sich Assange aufhielt (wie er hören konnte). Das Gesetz, auf das sich das Außenministerium bezog, ist ein rein britisches Gesetz, das sich nicht notwendigerweise in Übereinstimmung mit völkerrechtlichen Gepflogenheiten befinden muss. Wahrscheinlich als Folge der internationalen Entrüstung, die der Regierung Ihrer Majestät entgegenschlug, hat Großbritannien inzwischen seine Drohung gegenüber der Botschaft zurückgenommen. Das weltweite System der Asylgewährung bräche zusammen, wenn das asylgewährende Land mit Sanktionen rechnen müsste. In dieser von Gewalt geprägten Welt der Terroristen, Imperialisten und anderer Horrorgestalten wirkt es etwas beruhigend, zu wissen, dass ein altehrwürdiger Wert wie das Recht auf politisches Asyl immer noch geachtet wird.

 

Ein Blick auf den Umgang der USA und Englands

mit Botschaften und dem Recht auf politisches Asyl

ist sowohl interessant wie auch erhellend:

 

Als die USA im Jahr 1954 die demokratisch gewählte sozialdemokratische Regierung unter Jacobo Árbenz in Guatemala stürzte und sie durch eine Militärregierung unter Oberst Carlos Castillo Armas ersetzte, suchten viele Guatemalteken Zuflucht in ausländischen Botschaften. Der damalige amerikanische Außenminister John Foster Dulles drängte die neue Regierung des Landes, sie solle die Botschaften stürmen und diejenigen, die dort Zuflucht gesucht hatten und die Dulles als »Kommunisten« bezeichnete, verhaften. Aber Castillo Armas weigerte sich, diesem Ansinnen von Dulles nachzukommen. In ihrer ausführlichen historischen Darstellung des Putsches2 schreiben Stephen Schlesinger und Stephen Kinzer: »Letzten Endes verwarf Castillo Armas die Forderungen von Dulles. Er selbst war stark von der in Lateinamerika verbreiteten Ansicht beeinflusst, Asyl in Botschaften und ›sicheres Geleit‹ gewährende Pässe stellten eine gerechte Lösung politischer Konflikte dar. Praktisch jeder politisch aktive Guatemalteke – darunter auch Castillo Armas selbst – hatte schon einmal im Lauf der Zeit um politisches Asyl in einer Botschaft nachgesucht oder von der Regierung die Zusicherung sicheren Geleits erhalten. Die Forderung von Dulles, man solle dieses Asylrecht ›anpassen‹, wurde nicht einmal in der amerikanischen Botschaft befürwortet«.

 

Zu den Personen, die einmal in der argentinischen Botschaft in Guatemala um politisches Asyl nachsuchten, befand sich auch der 25-jährige junge argentinische Arzt Ernesto »Che« Guevara.

 

Der spanische Richter Baltasar Garzón, einer der Rechtsanwälte Assanges, geriet 1998 in den Mittelpunkt internationalen Interesses, als er den früheren chilenischen Diktator Augusto Pinochet anklagte, der sich zu dieser Zeit gerade in England aufhielt. Aber Großbritannien weigerte sich, Pinochet an Spanien auszuliefern, wo er sich vor Gericht verantworten sollte, sondern gewährte ihm faktisch politisches Asyl und gestattete dem berüchtigten Massenmörder und Folterer, sich frei zu bewegen und schließlich sogar nach Chile zurückzukehren. Julian Assange, gegen den bisher weder Anklage erhoben wurde noch irgendein Schuldspruch erging, ist praktisch Gefangener in England, während einflussreiche Medien wie die New York Times, die britische BBC und viele weitere, die ebenfalls WikiLeaks-Geheimdokumente veröffentlichten und WikiLeaks-Videos ausstrahlten, bisher unbehelligt blieben. Im vergangenen April gelang es dem chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng, seinem Hausarrest in China zu entfliehen und in die amerikanische Botschaft in Peking zu flüchten, was zu schweren diplomatischen Spannungen zwischen beiden Ländern führte. Aber die als »autoritär« verschriene chinesische Regierung drohte nicht mit einer Erstürmung der Botschaft, um Chen zu verhaften, sondern gestattete ihm wenig später, auf das amerikanische Angebot sicheren Geleits bis nach Amerika einzugehen.

 

Wird Assange jemals die Zusicherung erhalten,

unbehelligt nach Ecuador ausreisen zu dürfen?

 

Im August 1989, also noch während des Kalten Krieges, überschritten viele Ostdeutsche die Grenze zu ihrem [sozialistischen] Bruderstaat Tschechoslowakei und erhielten politisches Asyl in der westdeutschen Botschaft in Prag. Wie hätten sich die Amerikaner, die bisher mit keinem Wort die britische Drohung verurteilten, die Botschaft Ecuadors zu stürmen, wohl verhalten, wenn Ostdeutschland oder die Tschechoslowakei die westdeutsche Botschaft gestürmt oder die dort ausharrenden Ostdeutschen an der Ausreise gehindert hätten? Später wurde es Westdeutschland gestattet, die Zuflucht suchenden Ostdeutschen per Bahn nach Westdeutschland zu bringen, ohne dass der Sowjetblock dies vereitelt hätte. Wenige Monate später brach das geschwächte »Reich des Bösen« in sich zusammen und überließ damit die Welt dem Einfluss des stärkeren »Reichs des Bösen«, das seitdem per Autopilot auf permanenten Kriegskurs gegangen ist. Als sich die französische Regierung 1986 geweigert hatte, den französischen Luftraum  für amerikanische Kampfflugzeuge, die auf dem Weg zu Luftangriffen nach Libyien waren, zu öffnen, mussten die amerikanischen Flugzeuge einen längeren Umweg fliegen. Als sie schließlich Libyen erreichten, warfen sie ihre Bombenlast so nahe der französischen Botschaft ab, dass das Gebäude beschädigt wurde und alle Kommunikationsverbindungen ausfielen.3

 

 

 

Und 1999  bombardierte die NATO (auch als USA bekannt)

vorsätzlich die chinesische Botschaft im jugoslawischen Belgrad.4

 

Nachdem Assange in der Botschaft Ecuadors in London Zuflucht gesucht hatte und ihm von dem südamerikanischen Land Asyl gewährt worden war, erklärte das amerikanische Außenministerium: »Die USA haben 1954 die Konvention der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) über diplomatisches Asyl nicht ratifiziert und erkennen das Konzept des diplomatischen Asyls nicht als Bestandteil des Völkerrechts an«5. Ecuador beantragte ein Treffen der Außenminister der OAS-Staaten, um über die ganze Angelegenheit zu diskutieren. Die USA lehnten diese Forderung ab. Für Washington lag der Fall klar und einfach: England hält sich an das Völkerrecht und liefert Assange an Schweden aus. (Und übergibt uns dann den Burschen einfach.) Ende der Diskussion. Washington wollte verhindern, dass die ganze Angelegenheit weiter verzögert und in der Öffentlichkeit breitgetreten wird. Aber von den 26 Staaten der OAS stimmten nur drei gegen das Dringlichkeitstreffen: die USA, Kanada und Trinidad und Tobago. Vielleicht ist dies schon ein weiteres Beispiel dafür, was oben über ein untergehendes Empire gesagt wurde, das die langgehegte Bewunderung und Unterstützung eines Landes nach dem anderen verliert.

 

Welchen Preis muss Ecuador für seinen Mut bezahlen? Ein Leitartikel in der Washington Post vom 20. Juni 2012 schreibt dazu: »Da gibt es allerdings einen Stolperstein für die ehrgeizigen Bestrebungen [des ecuadorianischen Präsidenten Rafael] Correa. Das amerikanische ›Empire‹, das er erklärterweise geringschätzt, hat Ecuador [das den Dollar als Landeswährung benutzt] besondere Handelsvorteile eingeräumt, die es dem Land erlauben, viele Güter zollfrei zu exportieren. Ein Drittel aller Auslandszahlungen Ecuadors (2011 waren dies zehn Milliarden Dollar) gingen an die USA. Etwa 400.000 Arbeitsplätze hängen in dem Land mit einer Gesamtbevölkerung von 14 Millionen Menschen davon ab. Diese bevorzugte Behandlung muss im kommenden Jahr vom Kongress erneuert werden. Wenn Correa in dieser Zeit zum Hauptfeind der USA in Lateinamerika werden will und sich zum Beschützer Julian Assanges aufschwingt, kann man sich leicht ausmalen, wie die Entscheidung ausfallen wird«. Als Präsident Obama verschiedentlich dazu gedrängt wurde, gegen Bush und Cheney Ermittlungen wegen des Verdachts auf Kriegsverbrechen einzuleiten, erklärte er: »Ich ziehe es vor, nach vorne und nicht zurück zu schauen«. Stellen Sie sich einmal vor, ein Angeklagter würde mit diesem Argument gegenüber dem Richter auf »unschuldig« plädieren. Mit einer solchen Einstellung sind Gesetze, Strafverfolgungsbehörden, Kriminalität, das Justizwesen und auch Tatsachen bedeutungslos. Malen Sie sich nur einmal aus, Julian Assange würde so vor einem Militärgericht in West Virginia argumentieren. Und stellen Sie sich dann vor, wie Obama, der sich zum schärfsten Verfolger der Whistleblower (Personen oder Gruppen, die vertuschte oder geheim gehaltene Skandale oder Verbrechen an die Öffentlichkeit bringen) in der amerikanischen Geschichte gemausert hat, darauf reagieren würde.

 

Seit die Assange-Affäre ihren Weg in die weltweiten Schlagzeilen gefunden hat, haben sowohl die USA als auch Großbritannien in verschiedenen Stellungnahmen auf die fest verankerten internationalen Verpflichtungen der Staaten verwiesen, Auslieferungsersuche anderer Länder zu erfüllen. Aber die USA selbst haben in ihrer Vergangenheit keineswegs immer entsprechenden formellen oder informellen Auslieferungsanträgen stattgegeben, die sich gegen in den USA lebende Personen richteten, die sie als ideologische Verbündete betrachteten – im Gegenteil. Hier eine kurze Auflistung aus der jüngeren Vergangenheit:

= Der frühere venezolanische Präsident Carlos Andrés Pérez, dessen Auslieferung die Regierung Venezuelas gefordert hatte, weil sie ihn vor Gericht wegen seiner Beteiligung an der Niederschlagung von Unruhen 1989 zur Verantwortung ziehen wollte. Er starb 2010 in Miami (Associated Press, 27.12.2010).

 

= Der frühere bolivianische Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada floh 2003 in die USA, um sich einem Gerichtsverfahren wegen des Todes von etwa 60 Menschen in La Paz im Zusammenhang mit der Niederschlagung von Demonstrationen durch das Militär zu entziehen. 2008 stellte Bolivien in den USA einen formellen Auslieferungsantrag, der aber abgelehnt wurde (siehe dazu: Associated Press, 13.2.2006, sowie diesen Eintrag auf der Internetseite Wikipedia).

 

= Im Jahre 2010 lehnte ein amerikanischer Bundesrichter einen Auslieferungsantrag Argentiniens gegen den früheren Offizier Roberto Bravo ab, dem im Zusammenhang mit einem Massaker an linken Guerillas in seiner Heimat 16 Morde zur Last gelegt wurden (Associated Press, 2.11.2010).

 

= Der in Kuba geborene venezolanische Staatsbürger Luis Posada war 1976 der führende Kopf hinter einem Bombenanschlag auf ein kubanisches Passagierflugzeug, bei dem 73 Zivilisten ums Leben kamen. Da ein Großteil der Planungen für dieses Attentat in Venezuela erfolgt war, beantragte Venezuela 2005 in den USA seine Auslieferung. Aber anstatt diesem Antrag zu entsprechen klagten die USA Posada wegen einiger geringfügiger Verstöße gegen das Einwanderungsgesetz an, wobei das Verfahren später im Sande verlief. Posada lebt weiterhin als freier Mann in den USA.

 

= 2007 verhängte ein deutscher Staatsanwalt gegen 13 mutmaßliche CIA-Agenten Haftbefehle, die den deutschen Staatsbürger Khaled al-Masri 2003 entführt und zu Verhören (also Folter) nach Afghanistan geflogen hatten. Als die CIA erkannte, dass sie den Falschen gefangengenommen hatte, ließ sie al-Masri in Albanien einfach am Straßenrand frei. Später erklärte die deutsche Justizministerin unter Verweis auf die amerikanische Weigerung, die betreffenden Agenten zu verhaften oder zu überstellen, sie fordere nicht länger eine Auslieferung (The Guardian, 7.1.2011).

 

= Im November 2009 verurteilte ein italienischer Richter in Abwesenheit den dortigen CIA-Stationschef sowie 22 weitere Amerikaner, von denen mit einer Ausnahme alle für die CIA arbeiteten, wegen der Entführung des muslimischen Geistlichen Abu Omar in Mailand. Später wurde dieser nach Ägypten gebracht, wo er »normalen« Befragungen unterzogen wurde. Alle Beklagten hatten Italien zu dem Zeitpunkt bereits verlassen und werden in Italien als »flüchtige Verbrecher« geführt. Trotz der gegen sie ergangenen Urteile, Haftbefehle und Auslieferungsanträge weigerte sich die italienische Regierung, in der Angelegenheit an die Adresse ihres engen Verbündeten, der USA, formelle Auslieferungsersuchen zu richten, die ohnehin abgelehnt würden (Der Spiegel Online, 17.12.2010, gestützt auch auf die Veröffentlichung eines von WikiLeaks veröffentlichten diplomatischen Berichts).

 

Die versteckte, aber offensichtliche, eigentümliche, verhängnisvolle und allgegenwärtige Voreingenommenheit der amerikanischen Leitmedien gegenüber der amerikanischen Außenpolitik

 

In den USA erscheinen täglich mehr als 1.400 Zeitungen. Findet sich darunter auch nur eine einzige Zeitung oder eine einzige Fernsehstation, die sich eindeutig gegen die amerikanischen Kriege aussprach, die gegen Libyen, den Irak, Afghanistan, Jugoslawien, Panama, Grenada oder Vietnam geführt wurden? Oder die sogar nur zwei dieser Kriege kritisierte? Oder gar nur einen? (Ich stelle diese Frage schon seit Jahren, und bisher habe ich nur eine Antwort erhalten – irgendjemand berichtete mir, dass die Zeitung Seattle Post-Intelligencer eindeutig gegen die Invasion des Irak Stellung bezogen hatte. Kann dies irgendjemand bestätigen oder noch ein weiteres Beispiel nennen)? Sechs Jahre nach Ausbruch des Vietnamkriegs untersuchte der Boston Globe die Haltung der Redaktionen 39 führender amerikanischer Zeitungen zum Krieg und fand keine, die »einen Abzug befürwortete« 6.

 

Und können Sie eine amerikanische Tageszeitung oder eine Fernsehstation anführen, die mehr oder weniger regelmäßig Personen, Gruppen oder Staaten unterstützt, die von der amerikanischen Regierung offiziell zu Feinden (so genannten »Officially Designated Enemies«, ODE) erklärt wurden?

Wie etwa Hugo Chávez in Venezuela, Fidel oder Raúl Castro auf Kuba, Baschar al-Assad in Syrien, Mahmud Ahmadinedschad im Iran, Rafael Correa in Ecuador (auch schon vor dem Fall Assange) oder Evo Morales in Bolivien?

Ich beziehe mich hier auf Medien, die die Meinungen und Positionen eines »offiziellen Feindes der USA« meistens fair und unvoreingenommen darlegen.

Und wie steht es mit »offiziellen Feinden der USA« in der jüngeren Vergangenheit wie Slobodan Milošević in Serbien, Muammar al-Gaddafi in Libyen, Robert Mugabe in Simbabwe oder Jean-Bertrand Aristide in Haiti?

 

Welche Zeitung oder welcher Fernsehsender

unterstützt die Hamas in Gaza? Oder die Hisbollah im Libanon?

 

Wer in den Leitmedien kritisiert unverhohlen die israelische Innen- oder Außenpolitik?

Und behält dann seinen oder ihren Job?

 

Wer in den etablierten Medien behandelt Julian Assange

oder Bradley Manning als das, was sie sind – nämlich Helden?

 

Im Gegenteil – alle diese etablierten Medien berichten uns, in Kuba, Venezuela, Ecuador und allen anderen ähnlichen Ländern gebe es keine wirklich kritischen Medien. Nach der tiefverankerten, ideologisch bedingten Überzeugung der amerikanischen etablierten Medien sind sie selbst in keiner Weise ideologisch gebunden, sondern berichten, wie sie es zu nennen pflegen, »unvoreingenommen«. Man sagt, das politische Spektrum in den amerikanischen etablierten Medien hinsichtlich der US-Außenpolitik erstrecke sich »auf der gesamten Skala von A bis B«. Lange vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion bereiste eine Gruppe russischer Autoren die USA und war nach der Lektüre der Zeitungen und nach dem Betrachten einiger Fernsehsendungen sehr überrascht, dass sich die dort geäußerten Meinungen zu wichtigen Themen praktisch kaum unterschieden. »In unserem Land«, erklärte einer von ihnen, »ist so etwas nur unter den Bedingungen einer Diktatur möglich. Wir sperren Menschen ein. Wir reißen ihnen ihre Fingernägel heraus. Hier [in den USA] gibt es das alles nicht. Wie schaffen Sie das trotzdem? Was ist Ihr Geheimnis«? Am 8. Oktober 2001, dem zweiten Tag der amerikanischen Luftangriffe auf Afghanistan, wurden die Sendeanlagen des Regierungssenders der Taliban, Radio Shari, angegriffen. Und später zerstörten die USA weitere etwa 20 regionale Radiosender. Der damalige amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld verteidigte die Luftangriffe auf diese Einrichtungen mit den Worten: »Es handelt sich bei [diesen Einrichtungen] selbstverständlich nicht um ›freie und unabhängige Medien‹. Sie sind Propagandainstrumente der Taliban und gewähren Terroristen Zuflucht«. 8

 

Anmerkungen:

1. Craig Murray, »America’s Vassal Acts Decisively and Illegally: Former UK Ambassador«, in: Information Clearing House, 16. August 2012.

2. Stephen Schlesinger und S. Kinzer, »Bitter Fruit: The Untold Story of the American Coup in Guatemala«, 1982, S. 222-223.

3. Associated Press, »France Confirms It Denied U.S. Jets Air Space, Says Embassy Damaged«, 15. April 1986.

4. William Blum, »Rogue State: A Guide to the World’s Only Superpower«, S. 308-309.

5. Josh Rogin, »State Department: The U.S. does not recognize the concept of ›diplomatic asylum‹«, in: Foreign Policy, 17. August 2012.

6. Boston Globe, 18. Februar 1968, S. 2-A.

7. John Pilger, in: New Statesman (London), 19.  Februar 2001.

8. Index on Censorship (London), 18. Oktober 2001.

{Quelle: info.kopp-verlag.de – William Blum}

 

3 Responses to “Braucht das amerikanische Empire einen Krieg?”

  1. […] Gruppen und Alliierten des Counterjihad durchzusetzen. Mitunter liest man dort sogar Beiträge, die klar antisemitischer Natur sind, obwohl man durch die kunterbunte Schriftwahl, das exzessive […]

  2. thogi-62 Says:

    Derlei israelfeindliche Beiträge sind sachlich unzutreffend und zumindest kontraproduktiv für den Ansatz, den sich bislang auf diesen Seiten hier so geschätzt habe. So etwas ist spalterisch. Liebe koptische Brüder: Ihr solltet schon noch bedenken, wen ihr hier schreiben laßt. Nicht jeder „Feind eines Feindes“ ist auch ein Freund.

  3. Shaymala Says:

    Sehr guter Artikel. Danke.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s