kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Kirche ja, Predigt nein 17. August 2012

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 16:26

Kirchen und Klöster sind bei Reisenden beliebt, allerdings selten aus religiösen Gründen

 

Hannover (epd): Margrit und Willi Kappenberg verlangsamen ihren Schritt, als sie in die Marktkirche in Hannover eintreten. Sie heben die Köpfe zum Gewölbe über den mächtigen Pfeilern der gotischen Hallenkirche. „Ich bin fasziniert von dem roten Backstein und von der Stille hier“, flüstert Margrit Kappenberg. Das Ehepaar aus Burgwedel bei Hannover sucht nach einem Einkaufsbummel einen ruhigen Moment abseits der Baustellen in der Stadt. Doch auch auf Reisen gehen die Kappenbergs regelmäßig in Sakralbauten und auf Friedhöfe, wie viele andere Urlauber auch. „Touristen mögen Kirchen und Klöster“, sagt der hannoversche Fachhochschulprofessor Ralf Hoburg. Er hat für die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers im vergangenen Jahr die Motive der „anonymen Kirchenbesucher“ erforscht, die außerhalb der Gottesdienste kommen. Mehr als die Hälfte der 325 Befragten aus 18 Dörfern und Städten besuchten der Studie zufolge häufiger Kirchen. Auch eine Untersuchung der Uni Paderborn und der Thomas-Morus-Akademie belegt: Jeder zweite Deutsche rechnet Kirchen und Klöster zu den beliebtesten Zielen im Urlaub. Die meisten allerdings sehen die Gebäude als eindrucksvolle Sehenswürdigkeiten – und weniger als Orte des Glaubens. „Die Kultur interessiert mich“, sagt Irina Niller, während sie in der Marktkirche Fotos aus der bewegten Geschichte des Baus studiert, dessen Ursprünge im 14. Jahrhundert liegen. Die junge Frau aus Kasachstan will während ihrer Deutschlandreise auch etwas über das Land erfahren, aus dem ihre Großmutter stammte.

 

Bei jedem dritten Kirchenbesucher steht nach Hoburgs Forschungen ein kulturhistorisches Interesse im Vordergrund: Die Kirche wird als Zeugnis der Vergangenheit gesehen. „Noch ist das Bewusstsein da, dass dort auch Gottesdienste gefeiert werden. Ich vermute aber, dass es in großen Kirche wie der Dresdner Frauenkirche allmählich verloren gehen wird“. Immerhin hat nach seinen Daten noch fast jeder fünfte Kirchentourist zumindest ein diffuses Interesse an Glauben und Andacht. Selbst bei spontanen Besuchen bleiben viele oft bis zu einer halben Stunde, manche zünden Kerzen an und sprechen ein Gebet. „Das ist eine Unterbrechung des Alltags. Sie sehen die Kirche als einen Ort, an dem sie zu sich selbst kommen können“. Vor allem Klöster versprächen eine Gegenwelt, sagt der Potsdamer Psychologieprofessor Christoph B. Melchers. „Da kommt es nicht darauf an, über das Neuste informiert zu sein und sich in Szene zu setzen, sondern Klöster stehen für Beständigkeit und Bescheidenheit“, erläutert der Leiter des Institutes für Markt- und Kulturforschung „zweieinheit“. „Sie versprechen etwas, was es sonst schon gar nicht mehr zu geben scheint“.

 

 

 

Im Alltag würden Menschen von Sinnversprechen überhäuft, die von der Entspannung beim Yoga bis zur Chance auf Reichtum reichten, sagt der Psychologe, der über „spirituellen Tourismus“ geforscht hat. „Manche sind das leid und suchen etwas Bleibendes“. Eine Statistik der Klosterkammer Hannover unterstreicht diesen Trend: Mehr als 110.000 Gäste besuchten im vergangenen Jahr die 15 evangelischen Damenklöster und Stifte in Niedersachsen. Besonders hoch im Kurs standen dabei die sechs Klöster in der Lüneburger Heide, in denen noch heute Gemeinschaften evangelischer Frauen leben. Auch für die Tourismusbranche ist so etwas attraktiv: Wenn im kommenden Jahr das evangelische Kloster Loccum bei Nienburg sein 850jähriges Bestehen feiert, bieten gleich mehrere Reiseveranstalter ihren Kunden Fahrten zu dem historischen Kleinod an. „Davon profitieren wir alle“, ist Martin Fahrland von der Mittelweser-Touristik GmbH überzeugt, die gleich mehrere Pauschalen zusammengestellt hat. Neben Highlights wie dem Kölner Dom und der Dresdner Frauenkirche, die zu den zehn meistbesuchten Touristenzielen in Deutschland gehören, findet auch die kleine Dorfkapelle Liebhaber, wenn sie an den Routen der Reisenden liegt. Immer mehr Gemeinden reagieren darauf, indem sie die Türen auch außerhalb der Gottesdienstzeiten öffnen. An Radwanderstrecken machen mittlerweile bundesweit 175 Radwegekirchen Urlaubern besondere Angebote wie Bänke und Tische für eine Rast. In der Marktkirche in Hannover hat sich das Ehepaar Kappenberg in die erste Stuhl-Reihe gesetzt. Mitglieder einer Kirche sind sie nicht mehr. „Aber wir haben schon ein Verhältnis zum Glauben“, sagt Willi Kappenberg, während er den Altar und die bunten Glasfenster betrachtet. Zwei Paare aus Dänemark lichten einander mit ihren Smartphones neben dem Taufbecken ab. Und Monika Wäldner, die ehrenamtlich Aufsicht führt, erläutert ihre ganz eigene Theorie über die Gäste: „Die kommen nicht nur, um die Kirche abzuhaken und zu fotografieren. Sie sind Suchende, ohne dass sie sich darüber im Klaren sind. {Quelle: www.epd.de}

 

2 Responses to “Kirche ja, Predigt nein”

  1. G.K Says:

    Gebet und Stille
    Es gibt keine freie Gesellschaft ohne Stille, ohne einen inneren und äußeren Bereich der Einsamkeit, in dem sich individuelle Freiheit entfalten kann.

    Zwölf Gründe, in der Kirche zu sein

    Im christlichen Glauben bewahrt die Kirche eine Wahrheit, die Menschen sich selbst nicht sagen können.
    In der Kirche wird die menschliche Sehnsucht nach Segen gehört und beantwortet.
    Die Kirche begleitet Menschen von der Geburt bis zum Tod. Das stärkt auf geheimnisvolle Weise.
    In der Kirche können die Menschen an einer Hoffung auf Gott teilhaben, die über den Tod hinausreicht.
    Die Kirche ist ein Ort der Ruhe und Besinnung. Unsere Gesellschaft ist gut beraten, wenn sie solche Orte pflegt.
    In der Kirche treten Menschen mit Gebeten und Gottesdiensten für anderen ein. Sie tun das auch stellvertretend für die Gesellschaft.
    Die kirchlichen Sonn- und Feiertage mit ihren Themen, ihrer Musik und ihrer Atmosphäre prägen das Jahr. Die Kirche setzt sich dafür ein, diese Tage zu erhalten.
    In Seelsorge und Beratung der Kirche wird der ganze Mensch ernst genommen.
    In Krankenhäusern und anderen Einrichtungen der Kirche schaffen viele haupt- und ehrenamtlich Engagierte ein besonderes, menschenfreundliches Klima.
    Wer die Kirche unterstützt, übt Solidarität mit den Schwachen.
    Kirchliche Musik und Kunst sind bis heute prägende Kräfte unserer Kultur.
    Wo immer Menschen hinkommen oder hinziehen, treffen sie auf die weltweite christliche Gemeinschaft. Dazu kann jede und jeder beitragen.

  2. G.K Says:

    Ich denke auch, dass man ohne Gottesdienst etwas versäumen würde. Zumindest, weil Gott ja auch gesagt hat, dass, wir uns als Christen treffen und nicht völlig alleine leben sollen.

    http://www.gutefrage.net/frage/warum-gehen-sonntags-oft-so-wenige-menschen-in-die-kirche

    Die Gesellschaft hat sie auch nicht ermutigt, nach Erfahrungen in der Kirche zu suchen. Ihre Vorstellung von Kirche, Gott und Gottesdienst haben sie von Serien, Filmen und Zeitungsartikeln. Dieses Bild ist nicht gerade einladend und so haben die modernen Menschen heute kaum einen Grund in den Gottesdienst zu gehen. Zu starr sind die Zeiten eines Gottesdienstes für eine Gesellschaft, die den Individualismus betont, zu gering sind die Erwartungen an den Gottesdienst, zu negativ das Image. Die Zahlen belegen diesen Wandel eindrücklich: So besuchten noch 65% der Kriegsgeneration regelmässig einen Gottesdienst am Sonntag, bei den Babyboomern (Jahrgänge 1950-1965) besuchten noch 35% regelmässig einen Gottesdienst, bei den Babybustern der Generation X (Jahrgänge 1966- 1980) sind es noch 15% und bei der Generation Y (ab 1981) noch gerade 6%. Viele Menschen verstehen heute schlicht und einfach nicht mehr, was der Gottesdienst soll.

    Hat der Gottesdienst seinen Sinn verloren? Auf keinen Fall. Aber die Menschen müssen erst den Sinn dafür wieder entdecken und umgekehrt müssen wir wieder entdecken, was Menschen suchen. Im ersten Buch der Bibel sagt Gott über den Menschen, dass es nicht gut ist, dass der Mensch allein sei. Diese Aussage ist bis heute wahr geblieben. Noch immer haben Menschen um uns einen tiefen Hunger nach echter Gemeinschaft, nach bedeutungsvollen Beziehungen und nach wahrer Freundschaft. Daran hat sich auch heute noch nichts geändert. Wenn Kirche oder Gottesdienst das anbieten können, dann kommen auch die Menschen

    http://www.vineyard-olten.ch/kirche-ohne-mauern/um-was-gehts/177-warum-nicht-in-den-gottesdienst


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