kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Frauenrechte in Tunesien: „Ich bin bereit zu sterben“! 17. August 2012

Filed under: Moslembrüder — Knecht Christi @ 18:31

 Tunesien: Touristen werden beschimpft

 

Tunesien schaffte 1956 die Polygamie ab und gab sich dadurch einen moderneren Anstrich als die übrigen Islamländer. Das Land entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem beliebten Urlaubsziel und die Frauen mussten nicht verschleiert herumlaufen. Als die Tunesier letztes Jahr den über 24 Jahre regierenden Diktator Ben Ali verjagten, reisten sofort die beiden FDP-Minister Westerwelle und Niebel freudestrahlend durch Nordafrika, um Millionen von Euros zu verteilen. Zum Aufbau der Demokratie hieß es. Niebel beeilte sich zu sagen: Die Demokratiebewegung in Nordafrika soll nicht vom westlichen Ausland gesteuert werden. Dank dieser großzügigen Wahlkampfspende schaffte es die Islam-Partei Ennahda als stärkste Kraft ins tunesische Parlament. Im März schwante sogar der taz, dass da was schief gelaufen war und Frauenrechte (geschweige denn Schwulenrechte) nicht auf der Tagesordnung von Ennahda stehen. Jetzt fällt die Maske hieß es, denn in Ennahdas Programm steht: „Der Islam hat nie – weder in seinen Texten noch in seiner Geschichte – die Trennung von Religion und Politik oder dem Irdischen und dem Geistlichen gekannt“. In den vergangenen Monaten haben führende Politiker von Ennahda immer wieder vom „neuen Kalifat“ geredet, in Anlehnung an die traditionellen Gesellschaften, in denen Religion und Politik eine Einheit bilden. Außerdem wetterten sie gegen den Alkoholkonsum, verteidigten die Polygamie und forderten den Schleier für alle Frauen. Das ist exakt das, worüber Islamkritiker seit Jahren sprechen. Interessiert aber niemanden. Nun wird der Islam sich also voll entfalten, was sofort auch den Bodensatz aus den tunesischen Gefängnissen und allerlei Bärtige aus dem Ausland anzieht.

 

 

 

Für Tunesien-Urlauber wird es jetzt richtig spannendDie Welt schreibt: Berichte über Belästigungen und Beschimpfungen leicht bekleideter Touristen nehmen zu. Der Tunesier Mohammed O. geht noch weiter. Er sagte der “Welt”: “Etwa 10.000 Salafisten haben Tunesien wie eine Mafia-Organisation unterwandert, die Hälfte kommen aus den tunesischen Gefängnissen, die andere aus dem Ausland, vor allem aus den USA und Europa. Sie sind gut zu erkennen an ihren 20 Zentimeter langen Bärten. Und das was sie wollen, ist nicht unser Islam, das ist eine Katastrophe”. Sie kämen immer in Gruppen, hätten viel Geld und Waffen. Richter und Polizisten würden bedroht. Die Ennahda befördere diesen Terror, um sich als mildere Alternative präsentieren zu können. Die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts sprechen bereits von erhöhter Kriminalität und Entführungsgefahr… {Quelle: www.pi-news.net}

 

 

 

 

Frauenrechte in Tunesien

 

Ich bin bereit zu sterben„!

 

 

 

In Tunesien hatte es angefangen mit dem „arabischen Frühling“. Und selbst die PessimistInnen waren überzeugt: In dem kleinen, westlich orientierten Land werden die Frauen es schaffen! Schließlich sind sie die Gebildetsten, Aufgeklärtesten und Gleichberechtigtsten in ganz Nordafrika. Doch bei den Wahlen im November siegte die islamistische Partei Ennahda. Es gab Druck und Manipulationen, und nicht nur auf dem Land waren Stimmen gekauft worden von der mit Petrodollars gut ausgestatteten Ennahda. Aber zu viele TunesierInnen schenken den Rattenfängerparolen der Islamisten Glauben. Eines der Versprechen der Ennahda lautet, dass sie die Rechte der Frauen nicht antasten wollen. Gleichzeitig aber kündigte der aus dem Londoner Exil zurückgekehrte Parteichef Rachid Ghannouchi die Wiedereinführung der Polygamie an. Der Rest der Scharia wird nicht lange auf sich warten lassen, inklusive Schleierzwang. „Der Schleier ist das Symbol der Unterwerfung der Frauen. Ich werde ihn niemals tragen! Sie könnten mich umbringen, ich bin bereit zu sterben. Aber ich werde meine Freiheit bis zum Letzten verteidigen.“ Diese drastischen Worte sind von Lina Ben Mhenni, die im Herbst für den Friedensnobelpreis im Gespräch war. Die 28-Jährige ist mit ihrem Blog A tunesian Girl bekannt geworden. Und sie ist eine von hunderten, ja tausenden Tunesierinnen, die Widerstand ankündigen.

 

Stellvertretend für sie alle erhielt die „Association Tunisienne des Femmes Démocrates“ jetzt den Simone-de-Beauvoir-Preis. Deren Präsidentin, Ahlem Belhadj nahm den mit 20.000 Euro dotierten Preis am 9. Januar in Paris entgegen. „Die Jury hatte bei der Preisvergabe einen Teil der Welt im Blick, wo es besonders dringlich ist, für Freiheit und Frauenrechte zu kämpfen, da sie entweder nicht existent oder bedroht sind“, so Jurypräsidentin Josyane Savigneau in der Begründung. Die tunesische Frauenorganisation, die seit 1989 für die Gleichheit der Geschlechter und die Trennung von Staat und Religion kämpft, hatte während der „Arabischen Revolution“ gemeinsam mit 15 weiteren Frauenorganisationen einen Appell veröffentlicht. „Wir können es nicht fassen, dass reaktionäre Kräfte völlig ungestraft erklären, dass sie ein Kalifat gründen und die Polygamie einführen wollen!“, schrieben sie. „Unsere Rechte dürfen keine Verhandlungsmasse sein“. Das war noch vor dem Wahlsieg der Islamisten. EMMA sprach mit der Psychologin Souad Rejeb, Mitstreiterin der „Association Tunisienne des Femmes democrates“, bei einem Kongress von Terre des Femmes in Berlin über das Wahlergebnis, die Rolle der islamistischen Partei Ennahda und den Kampf für Frauenrechte. Was sie zu sagen hat, ist alarmierend.

 

 

Souad Rejeb, wie haben Sie und ihre Mitstreiterinnen in Tunesien

auf das Wahlergebnis reagiert?

 

Wir haben geweint. Weil wir wissen, dass der Wahlsieg der Islamisten eine enorme Bedrohung für uns ist. Denn wir wurden schon vor den Wahlen bedroht. Sofort nach der Revolution haben wir Demonstrationen für Frauenrechte veranstaltet, und schon da haben sie uns als Huren beschimpft. „Was habt ihr auf der Straße zu suchen? Geht nach Hause! Euer Platz ist in der Küche!“ Und auf Facebook haben die Islamisten eine unglaubliche Diffamations-Kampagne gegen uns gestartet. Sie haben die vollen Namen von vielen Feministinnen genannt und alle möglichen Informationen veröffentlicht: Wo sie studiert haben, ob und mit wie vielen Männern sie ausgehen. Und auch in den Moscheen haben sie gepredigt, dass Feministinnen Prostituierte seien. Und dass wir gegen den Islam seien. Aber diese Leute verwechseln den Laizismus, also die Trennung von Kirche und Staat, für die wir uns einsetzen, mit Religionsfeindlichkeit. Sie wissen auch, dass ihr Vorwurf nicht stimmt. Sie verleumden uns absichtlich, um Verwirrung zu stiften. Das ist Strategie.

 

 

Wie erklären Sie sich eigentlich

den Wahlsieg der islamistischen Partei Ennahda?

 

Es gibt zwei Tunesien: Es gibt einerseits die progressiven, demokratischen Kräfte in den Städten und andererseits die arme und gläubige Bevölkerung auf dem Land, die sehr unter Ben Ali gelitten hat und die jetzt sehr leicht manipulierbar ist. Die Islamisten haben vor den Wahlen die Parole ausgegeben: „Wer nicht Ennahda wählt, kommt in die Hölle!“ Und der Teil der Bevölkerung, der nicht sehr gebildet, aber sehr gläubig ist, nimmt das für bare Münze. Diese Propaganda hat stark zum Sieg der Islamisten beigetragen. Ein anderer Grund ist, dass die islamistische Partei unter Ben Ali verfolgt wurde und ihre Aktivisten oft zu 20 oder 25 Jahren Haft verurteilt worden waren. Das hat ihnen einen Märtyrerstatus und damit eine gewisse Sympathie eingebracht.

 

 

Wer sitzt jetzt in der verfassungsgebenden Versammlung?

 

Es sind jetzt 218 Leute gewählt, die eine Verfassung erarbeiten sollen. Davon sind 90 von der islamistischen Partei. Das heißt: Die anderen 128 können also ein Gegengewicht sein. Aber das Problem ist, dass kaum eine bewusste Frau oder gar Feministin in die verfassungsgebende Versammlung gewählt wurde. Dabei haben großartige Frauen kandidiert: brillante, international bekannte Rechtsanwältinnen zum Beispiel – aber keine von ihnen sitzt in der Versammlung. Weil sie uns dermaßen diffamiert haben. Wenn man einem Tunesier heute den Namen unserer Organisation nennt, sagt er: „Um Gottes Willen! Die Femmes Démocrates“, das sind doch diese atheistischen Nutten, die mit jedem Mann ins Bett gehen!“ Sie haben systematisch unsere Reputation ruiniert. Es ist furchtbar. Was bedeutet das für die Frauenrechte? Im Fernsehen erklären die Ennahda-Leute, dass sie die Frauenrechte nicht antasten wollen. Aber das ist nicht wahr. Denn schon am zweiten oder dritten Tag nach den Wahlen haben sie angefangen, das Terrain zu sondieren. Und jetzt hört man überall Sätze wie: „Adoption ist Sünde.“ „Abtreibung ist schlecht.“ Oder: „Es gibt zu viele Frauen, die mit 40 noch nicht verheiratet sind. Bigamie wäre eine gute Lösung.“ Die Islamisten beanspruchen das Erziehungs- und das Kulturministerium. Wenn sie diese Ministerien bekommen, werden sie die Kinder in den Schulen einer Gehirnwäsche unterziehen, und das wäre eine Katastrophe. Wir müssen unbedingt verhindern, dass sie diese Ministerien bekommen! Und wenn sie die Macht über die Armee kriegen, dann ist es ganz vorbei.

 

 

Droht jetzt in Tunesien

die gleiche Gefahr

wie in Algerien oder dem Iran?

Natürlich. Ein bedeutender tunesischer Historiker hat schon eine Woche nach der Revolution gewarnt:

Freut euch nicht zu früh„!

Es ist wirklich paradox: Die jungen Leute sind für Freiheit, Gleichheit und Würde auf die Straße gegangen. Und jetzt haben die Rückwärtsgewandten die Revolution vereinnahmt.

 

Sehen Sie noch eine Chance?

Die Islamisten sind viele, aber sie haben noch nicht die Mehrheit. Und wir werden keinen Rückschritt in Sachen Frauenrechte hinnehmen, das ist sicher. Wir werden alles tun, um das zu verhindern. Wir sind 17 Frauenorganisationen, die sich zusammengetan haben und wir werden unsere Rechte verteidigen, bishin zum Hungerstreik. Wir sind auch mit algerischen und marokkanischen Feministinnen vernetzt, zum Beispiel im Netzwerk Aisha, und wir arbeiten auch mit den Kanadierinnen und Französinnen zusammen. Und es gibt eine Menge Männer, die uns unterstützen. Wir werden auf die Straße gehen, wir werden einfach alles tun, was wir tun müssen. Hoffen wir, dass wir es schaffen. Aber wir brauchen die Solidarität der westlichen Regierungen und ihre Unterstützung für unseren Kampf. Das ist sehr wichtig für uns. Alle Welt schaut jetzt auf Tunesien. Wenn wir scheitern, wird das Folgen für alle arabischen Länder haben. {Quelle: www.emma.de – Das Interview mit der Psycholgin Souad Rejeb von de „Association Tunisienne des Femmes Démocrates“ steht auch in der EMMA Winter 2012}.

 

One Response to “Frauenrechte in Tunesien: „Ich bin bereit zu sterben“!”

  1. °°wenn die Welt sich immer nur mit Gewalt und Kriegen weiter entwickeln darf–dann ist der Mensch sehr Klein!°°

    Länder mit Staatsreligionen:
    katholisches Christentum
    orthodoxes Christentum
    evangelisches Christentum
    anglikanisches Christentum
    Theravada-Buddhismus
    tibetischer Buddhismus
    sunnitischer Islam
    schiitischer Islam
    ibaditischer Islam
    Judentum
    keine Staatsreligion
    Die Trennung von Kirche und Staat bezeichnet staatskirchenrechtliche Modelle, in denen Staat und Religionsgemeinschaften nicht wie in Staatskirchentum oder Theokratie verbunden, sondern kraft staatlicher Anordnung organisatorisch getrennt sind. Diese Trennungsmodelle können unterschiedlich ausgeprägt sein. Sie reichen vom restriktiven Verbot der Religionsausübung im öffentlichen Raum, wie zum Beispiel Albanien 1968–1990 (Staatsatheismus), über die besonders strikte Trennung von Staat und Kirche in öffentlichen Schulen und sonstigen Körperschaften des Staates (Laizismus) bis hin zu verschiedenen Kooperationsformen, in denen eine Trennung der Aufgaben- und Durchführungsbereiche prinzipiell aufrechterhalten bleibt. Zwar werden in Kooperationsformen (Runder Tisch, Schulunterricht u. ä.) Religionen und Weltanschauungen nicht mehr traditionell als Verbündete mit ähnlicher Machtstellung aufgefasst, weil der Staat ihnen gegenüber ein Rechtsmonopol behauptet, aber ihre bevorzugte Behandlung und ein nachhaltiger Schutz zu ihrer freien Entfaltung werden noch als eine öffentliche Angelegenheit angesehen. Deshalb erlauben diese schwachen Formen der Trennung unter weitgehender Wahrung der weltanschaulichen Neutralität des Staates auch eine punktuelle Partnerschaft mit Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Trennung_von_Kirche_und_Staat


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