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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Christentum in China: Höhlenkirchen und tolle Kreuze 6. August 2012

Filed under: Christenverfolgung — Knecht Christi @ 18:45

         Die Messe am Heiligen Abend des Jahres 2011 in einer katholischen Kirche in Peking.        

 

Zwischen 70 und 80 Millionen Christen soll es in China geben.

Sie werden verfolgt und gefoltert.

Gleichzeitig ist das Christentum schwer in Mode

Denn die christlichen Missionare kümmerten sich um die Armen, wenn Regierungsvertreter längst gegangen waren.

 

 

 

Kardinal Joseph Zen (Hongkong) und Michael Ragg

www.raggs-domspatz.de

 

 

In China leben heute zwischen 70 und 80 Millionen Christen. Die Zeitschrift China Daily sprach 2007 von etwa 40 Millionen Protestanten und zehn Millionen Katholiken, zählte aber nur die offiziell registrierten Christen. Die wirkliche Menge ist nur zu schätzen. Aber sicher ist: Es werden täglich mehr. Als 1949 christliche Missionare gezwungen wurden, China zu verlassen, soll es im Land gerade einmal 700.000 Christen gegeben haben. Heute ist das Christentum die größte organisierte Religion in der Volksrepublik China. Es gibt christliche Kirchen, die unter der Fuchtel des Staates stehen, und es gibt Christen, die sich dieser Aufsicht entziehen, und solche, die sich ihr entgegenstellen. Es gibt Christen in fernen Dörfern, die seit Generationen als verfolgte Minderheiten leben. Und es gibt Christen, die es jetzt gerade erst geworden sind, weil es in bestimmten Kreisen in den Millionenstädten – trotz und vielleicht ein klein wenig auch wegen aller Widrigkeiten – schick geworden ist, Christ zu sein. Thaddeus Ma Daqin sst sich in Schanghai zum Bischof weihen und erklärt dann in aller Öffentlichkeit – auf Youtube weltweit zu sehen: „Vom Moment meiner Weihe an ist es für mich nicht mehr angemessen, ein Mitglied der Patriotischen Katholischen Vereinigung zu sein.“ Ein paar Stunden später ist er für keinen seiner Freunde mehr zu sprechen. Die Staatskirche soll ihn in einem Kloster bei Shanghai gefangen halten. Er habe dort die Gelegenheit zur Meditation, lässt man durchsickern. Die offizielle chinesische katholische Kirche und der Vatikan liegen im Clinch. Thaddeus Ma Daqin war bis zu seiner Weihe Vizevorsitzender der Schanghaier Sektion der Staatskirche. Er hat also einen spektakulären Seitenwechsel vollzogen. So etwas geschieht nicht ungestraft. Derzeit sollen sich mindestens zwanzig hochrangige Vertreter der katholischen Kirche in chinesischen Gefängnissen befinden, berichtet der Spiegel.

 

Liao Yiwu ist bei uns berühmt geworden mit seinem Gedicht „Massaker“, mit den Büchern „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“ und „Für ein Lied und hundert Lieder“ (Letzteres erschienen im S.-Fischer-Verlag). Er ist mit der gleichen Intensität auch dem Schicksal der chinesischen Christen nachgegangen. Er hat sie in Städten und Dörfern aufgesucht, in Gefängnissen und auf den Feldern. Die Gespräche mit ihnen sind im September vergangenen Jahres auf Englisch erschienen. Im Verlag HarperOne. „God Is Red – The Secret Story of How Christianity Survived and Flourished in Communist China“ heißt der Band. Wie der Titel sagt, spielt die große Vergangenheit des Christentums in China, spielen weder die allerfrüheste Geschichte der nestorianischen noch die der jesuitischen Mission zwischen 1582 und 1744 eine Rolle. Dieses Datum steht übrigens für die Entscheidung des Vatikans, die jesuitischen Missionare zurückzuziehen, weil sie – so die Ansicht des Papstes – sich stärker von den Chinesen hatten beeinflussen lassen, als dass sie sie beeinflusst hatten.

 

 

 

Protestant im Untergrund

 

Liao Yiwus Interesse am Christentum wurde geweckt, als er 1998 einen Neurologen traf, der seinen Beruf aufgegeben hatte und stattdessen Prediger in einer protestantischen Untergrund-Kirche geworden war. Der erzählte ihm vom Leben der christlichen Gemeinden in China, vom christlichen Glauben und von der Erlösung des Menschen durch Gott. Liao Yiwu schreibt: „Ich wusste damals wenig über das Christentum. Ich interessierte mich für das, was er sagte, aber sein Missionseifer missfiel mir. So erklärte ich: ‚Ich gehe nicht zur Kirche.‘ Er lachte: ‚Ich auch nicht. Die Kirchen werden alle von der Regierung kontrolliert.‘“ Das ist es, was Liao Yiwu am Christentum interessiert. Nicht nur, dass es vom Regime verfolgt wird, sondern auch, dass es sich ihm entgegenstellt, dass es die Kraft zur Opposition hat, dass es die Kraft der Opposition stärkt. Ein Dokumentarfilm von Yuan Zhiming „Das Kreuz: Jesus in China“, der sich mit der sogenannten „Haus-Kirchen-Bewegung“ beschäftigt, zeigte Liao Yiwu die Breite und die Bedeutung des christlichen Widerstandes. Christen ziehen sich zurück aus der Staatskirche, bilden eigene Gemeinden und feiern die Gottesdienste in ihren Wohnungen. Sie übernehmen ihren Glauben nicht nur. Sie schaffen ihn sich auch selbst. Auf jeden Fall aber verzichten sie darauf, in den aufgezwungenen Formen und Institutionen zu leben. Liao Yiwu erkannte, dass sein großes Projekt, das China von heute durch das China von unten zu zeigen und zu verstehen, unmöglich auf die Perspektiven der verfolgten Christen und des verfolgten Christentums verzichten konnte.

 

Liao Yiwu durchwandert China und stößt in entlegenen Provinzen auf ganze Dörfer, die am christlichen Glauben festgehalten haben. Er lernt eine ganz andere Sicht aufs Christentum kennen, als die, mit der er aufgewachsen war. Missionare – nichts als Gehirnwaschmaschinen, die die kolonialen Feldzüge begleiten? Die christlichen Bauern sehen das anders. Es waren, so erzählen sie Liao Yiwu, die Missionare, die während Hungersnöten und Seuchen in den Dörfern blieben, als die Regierungsvertreter längst gegangen waren. Sie halfen mit ihrer Medizin, aber auch mit ihrem Glauben an einen helfenden Gott den Ärmsten der Armen. Sie zeigten ihnen, wie sie die Brunnen rein halten, wie sie und ihr Vieh durch Hygiene überleben konnten. Sie lehrten die Bauern und Bäuerinnen lesen und schreiben, bauten Schulen und Krankenhäuser und kümmerten sich um die Waisen. Das ist das Bild, das die Christen auf dem Land von der christlichen Mission malen. Es ist ein in China unterdrücktes Bild. Eine verbotene Ansicht der chinesischen Geschichte. Die interessiert Liao Yiwu natürlich sehr. Die Auseinandersetzung mit dem Regime wird nicht nur um die Zukunft geführt. Auch um die Vergangenheit wird gestritten. Man darf sich, das zeigt Liaos Reise durch das chinesische Christentum mit dessen beiden Seiten, dem Christentum mit und dem ohne Lizenz, nicht als zwei völlig getrennte Welten vorstellen. „Der Gekreuzigte über der Kanzel ist mein Herr. Ganz gleich, ob die Kanzel in einer Regierungs-Kirche oder in einem Privathaus steht“, erklärt ein Vierundzwanzigjähriger Liao Yiwu. Bei vielen christlichen Familien findet man, beobachtet Liao, ein Porträt des Vorsitzenden Mao gleich neben einem Christusbild.

 

„God Is Red“ versammelt auf 256 Seiten 18 Interviews und Aufsätze, die zwischen 2002 und 2010 entstanden. Natürlich sammelt Liao Yiwu nicht einfach Geschichten. Er tut es, weil er sich Klarheit verschaffen möchte über das wirkliche China, das China hinter dem wirtschaftlichen Aufschwung, das verborgene China. Es geht ihm nicht nur um die Erzählung von Armut und Verzweiflung. Es geht ihm auch darum, dort zu suchen nach den Schätzen, die China herausführen können aus dem Elend eines entfesselten Egoismus. Er ist nicht nur ein scharfer Beobachter, ein Erforscher der gesellschaftlichen Verhältnisse in China. Er ist auch ein Suchender, einer von Millionen, die in China nicht daran glauben können und wollen, dass sie im Wesentlichen schon Bescheid wissen. Aber Liao ist auch Skeptiker. Ihn freut, was Menschen stark macht gegen die Gewalt. Aber er weiß auch, dass etwas nicht schon allein darum richtig ist, weil es uns stärkt. Liao Yiwu ist Künstler, und man spürt seine Begeisterung, wenn er Zunftgenossen dort entdeckt, wo niemand sie vermutet: „Dörflerinnen, die kaum lesen können, die lange kein Recht hatten zu sprechen, erzählten ihre Geschichten nicht. Sie führten sie auf. Wie gelernte Schauspielerinnen. Sie wurden laut, sie weinten. Ich bin nur ein ärmlicher Schreiber im Vergleich zu ihnen.“ Liao Yiwu hat die Höhlen gesehen, in denen Christen in Yunnan während der Kulturrevolution heimlich ihre Gottesdienste abhielten. Er erinnert an Wang Zhiming, der während der Kulturrevolution aus einem dieser Höhlen-Gottesdienste herausgerissen wurde, und den man, nachdem man ihm die Zunge abgeschnitten hatte, um ihn am Predigen zu hindern, hinrichtete.

 Über das Christentum in den Städten schreibt Liao Yiwu: „Viele der Neu-Bekehrten sind bestens ausgebildete und gut verdienende Angestellte. Sie haben das Christentum ergriffen, wie sie nach einer Flasche Coca-Cola oder einem Volkswagen gegriffen haben. Sie glauben, wie ein ausländisches Produkt, sei auch ein ausländischer Glaube einfach von besserer Qualität. Viele junge Christen in den Städten werfen sich Jesus zu Füßen, weil sie es hip finden, ein Kreuz um den Hals zu tragen und fremde Lieder zu singen“. In den Dörfern der Minderheiten der Yi und Miao dagegen ist der christliche Glaube nicht nur so heimisch wie das dortige Brot. Er ist für die Bevölkerung ein ebenso wichtiges Lebensmittel. „In diesen weit entfernten Ecken Chinas habe ich ein Zentrum entdeckt, in dem sich West und Ost treffen. Hier stießen die Kulturen aufeinander. Jetzt gibt es dort aber eine neue christliche Identität, die spezifisch chinesisch ist“. {Quelle: www.fr-online.de – Von Arno Widmann}

 

One Response to “Christentum in China: Höhlenkirchen und tolle Kreuze”

  1. „Wenn dein Lebensglück dir am Herzen liegt, so lass dir das Christentum durch keine Theologie oder Kirchlichkeit erklären, sondern suche es selbst an der Quelle, in den Evangelien, und auch in diesen vorzugsweise in den eigenen Worten Christi auf, die ihresgleichen in keiner anderen Weisheit haben.“

    Carl Hilty, Staatsrechtler (1833 – 1909)

    Die „Bildzeitung der Antike“, das „neue Testament“ der Bibel (die Bildzeitung möge mir verzeihen), beinhaltet nur noch gegenständlich-naive Fälschungen der originalen Gleichnisse des genialen Propheten Jesus von Nazareth. Beispiel:

    (NHC II,2,16) Jesus sagte: Vielleicht denken die Menschen, daß ich gekommen bin, um Frieden auf die Welt zu werfen, und sie wissen nicht, daß ich gekommen bin, um Spaltungen auf die Erde zu werfen, Feuer, Schwert, Krieg. Es werden nämlich fünf in einem Hause sein. Drei werden gegen zwei und zwei gegen drei sein, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater. Und sie werden als Einzelne dastehen.

    (Lukas 12,51-53) Meint ihr, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht. Denn von nun an werden fünf in einem Hause uneins sein, drei gegen zwei und zwei gegen drei. Es wird der Vater gegen den Sohn sein und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen die Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

    Was hier das Original und was die gegenständlich-naive Fälschung ist (der Grad der Naivität ist nach dem Erkenntnisprozess der „Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion“ geradezu unfassbar), sollte auch demjenigen auffallen, der noch gar nicht weiß, worum es geht. Denn abgesehen davon, dass Vater + Sohn + Mutter + Tochter + Schwiegermutter + Schwiegertochter bereits sechs Personen ergeben und nicht fünf (möglicherweise war der Evangeliendichter Lukas der Ansicht, das „uneins“ noch hinzuzählen zu müssen), könnte man bei unvoreingenommener Betrachtung der Fälschung zu dem Schluss kommen, dass Jesus offenbar ein Wahnsinniger war, was auch die „heilige katholische Kirche“ bestreiten dürfte.

    Auch geht es hier nicht um natürliche Personen in einem Wohnhaus und schon gar nicht um eine Mutter, eine Tochter, eine Schwiegermutter und eine Schwiegertochter, sondern um elementare Prinzipien des menschlichen Zusammenlebens in einer arbeitsteiligen Zivilisation.

    (NHC II,2,108) Jesus sagte: Wer von meinem Mund trinken wird, wird werden wie ich; ich selbst werde er werden, und die verborgenen Dinge werden sich ihm offenbaren.

    http://www.juengstes-gericht.net


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