kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Die Tragödien der albanischen Blutrache-Fehden 3. August 2012

Filed under: Pater Zakaria & co. — Knecht Christi @ 15:01

Schwester Christina Färber hat die albanischen Jugendlichen mit auf eine...

Blutrache-Doku „Die Gejagten“

 

Schwester Christina Färber hat die albanischen Jugendlichen

mit auf eine Rundreise durch Deutschland genommen:

Kampf gegen das „Phantom der Angst“.

 

 

Hier kommt der Tod aus Tradition: Im Norden Albaniens bekämpfen sich verfeindete Familien noch heute über Generationen hinweg. Die Blutrache-Fehden treffen Jugendliche besonders hart, viele verschanzen sich über Jahre im Elternhaus. Eine düstere ARD-Doku erzählt von ihrem Schicksal.

 

Silvana, Schwester des von Blutrache bedrohten Christian, hat seit Jahren Haus...

Silvana, Schwester des von Blutrache bedrohten Christian, hat seit Jahren Haus und Hof der Familie nicht verlassen, weil sie auf den Bruder aufpassen muss: „Dieser Mord, das war eine Riesendummheit“.

 

Es gibt zwei Götter in dieser finsteren und sehenswerten Dokumentation. Der eine ist der Allmächtige im Gewohnheitsrecht der mittelalterlichen Familienclans im abgeschiedenen Norden Albaniens. Er will Blut sehen. „Zwei Fingerbreit Ehre auf die Blume der Stirn gab uns Gott“, zitiert ein Mann am Lagerfeuer den Kanun, den Kanon der Ehre, der bis heute in manchen Gegenden des Landes gilt. „Die geraubte Ehre kennt keine Buße. Sie kann nicht verziehen werden. Die geraubte Ehre wird nur durch das Vergießen des Blutes gerächt“. Der andere Gott ist der Gott von Christina Färber. Die deutsche Ordensschwester kämpft von einer Missionsstation im albanischen Shkodra aus gegen das blutige Gesetz des Kanun – und ihr stehen die Tränen der Ergriffenheit in den Augen, wenn sie vor dem Papst niederkniet. In einer improvisierten Zeremonie legt sie ihren Schutzbefohlenen – Jugendlichen, deren Leben von Blutrache bedroht ist – die Bibel und den Kanun zur Auswahl vor, damit sie ihre Entscheidung für den richtigen Gott symbolisch vollziehen. „Ihr habt euch entschieden, einen sehr großen, sehr mutigen Schritt zu gehen“, sagt sie. „Ihr wagt einen Schritt, bei dem ich euch nur beistehen kann“.

 

Asservatenkammer der Polizei im albanischen Shkodra: Hunderte von Familien...

Asservatenkammer der Polizei im albanischen Shkodra: Hunderte von Familien leben hier „in Blutrache“, wie sie sagen.

 

Die Dokumentation begleitet albanische Jugendliche auf einer Deutschlandreise, die die Ordensschwester mit ihnen im Frühjahr 2012 unternimmt, um sie wenigstens für zwei Wochen aus dem grausamen Blutrache-System zu befreien. Viele von ihnen haben seit Jahren nicht das elterliche Haus verlassen. Es ist der einzige Ort, in dem sie vor den „Rächern“ aus der verfeindeten Sippe sicher sind. „Ich kannte nichts anderes, als eingesperrt zu sein“, berichtet Christian, der ein Kleinkind war, als das Leben seiner Familie „in Blutrache fiel“, wie es im Film immer wieder heißt.

 

Einige der Jugendlichen leben seit Jahren isoliert von der Außenwelt - und...

Einige der Jugendlichen leben seit Jahren isoliert von der Außenwelt – und bauen erst langsam die Angst ab, über die Blutrache zu sprechen.

 

 

Keine Vergebung, niemals

 

Was war geschehen? 1994 waren Christians Vater und sein Onkel bei einem Fest betrunken in Streit mit einem entfernten Verwandten namens Simon geraten. Simon stieß den Vater zu Boden, die beiden holten Waffen und erschossen ihn. Seither darf Christian das düstere Wohnzimmer des elterlichen Hauses nicht mehr verlassen. Täte er es, wäre er Freiwild für die Sippe des Ermordeten. „Wenn ich durch diese Tür gehe, erschießen die Rächer mich“ sagt Christian. „Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals mit einem Ball da draußen gespielt zu haben“. Die Filmemacher besuchen Angehörige des Ermordeten. „Ich kann mich nicht versöhnen“, sagt dessen Schwester. Der Großvater raucht mit finsterer Miene Zigaretten: „Sie finden weder vor uns noch vor Gott Vergebung, so lange ich lebe.“ Die Regel ist ehern: Wenn in der Familie jemand ermordet oder beleidigt wird, muss jemand aus der Familie des Täters sterben. Auch die Mörder kommen zu Wort: „Das war eine Beleidigung“, sagt Christians Vater, ein trauriger Mann, der im Muskel-Shirt auf dem Gefängnishof steht. „Deshalb ist der Mord geschehen. Ich weiß schon, dass das vielleicht ein Fehler war. Aber ich musste es tun. Es gilt der Kanun“.

 

 

„So wurde es von Gott geschrieben“, ergänzt der Onkel.

 
 
Der Film von Marc Wiese im Auftrag des SWR ist mit 45 Minuten etwas zu kurz geraten. Um zu zeigen, wie Christian und seine Leidensgenossen auf ihrer Fahrt durch das sichere Deutschland ihre Angst abstreifen und über ihre traumatische Welt zu reden beginnen, hätte man mehr Zeit gebraucht. Auch die historischen und sozialen Zusammenhänge, in denen der Kanun seine religiöse Macht und Zwangsläufigkeit entfalten kann, fehlen in „Die Gejagten“ weitgehend. Etwa die Frage, wie die Blutrache nach dem Ende des Realsozialismus wieder eine solche Bedeutung hat entfalten können – oder ob sie überhaupt jemals verschwunden war. Es ist die große Stärke der Dokumentation, dass sie die Tragödien der albanischen Blutrache-Fehden nicht im einfachen Opfer-Täter Schema verhandelt, sondern als Glaubenssystem, das die Opfer zu Tätern und die Täter zu Opfern werden lässt. So entsteht eine vermeintlich unentrinnbare Rachelogik, unter der alle leiden, die aber keinen entlässt. „Es ist schwer für uns Gejagte, in Blutrache zu leben. Doch es ist auch schwer für den Rächer, das Blut zu nehmen“, sagt Christian. Am Ende fahren die albanischen Jugendlichen zurück in die Heimat, zurück in die Verliese ihrer Wohnungen. Das Morden wird weitergehen. Doch ebenso der Kampf gegen das „Phantom der Angst“, wie die unermüdliche Schwester Färber die Blutrache nennt.

 

 Die Gejagten. Ferien von der Blutrache:

1. August 2012, 23:30 Uhr, ARD

{Quelle: www.spiegel.de – Von Christoph Twickel}

 

One Response to “Die Tragödien der albanischen Blutrache-Fehden”

  1. Johannes Says:

    Die Blutrache ist nicht etwa nur eine Tradition der Wüstenreligion, sondern in den Suren 2:173; 17:35 festgelegt.

    Unsere Bildungsministerin Schavan (CDU) ist ja der Ansicht, dass die Lehren des Koran in unseren öffentlichen Schulen verbreitet werden müssen und die Multiplikatoren, also die Lehrer dieser Lehren, zu Lasten unserer Steuern an den Hochschulen gemästet werden sollen. Warum es allerdings eines Hochschul-Studiums bedarf, den Koran zu lesen und auswendig zu lernen, ist mir schleierhaft!

    Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Böhmer (ebenfalls CDU), übrigens auch eine Professorin, ist vom Islam begeistert und freut sich darüber, dass die Mohammedaner soviel Herzlichkeit und echte Kultur in unserem Land verbreiten.


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