kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Das ganze Viertel stinkt 31. Juli 2012

Filed under: Pater Zakaria & co. — Knecht Christi @ 16:37

Die Müllabfuhr in der ägyptischen Hauptstadt Kairo funktioniert nur unzuverlässig.

Um die Abfallberge kümmern sich Kopten, die den Müll sortieren.

 

 

Für sie ist es eine der wenigen Chancen, Geld zu verdienen.

 

Wie das stinkt . . . Süßlicher Verwesungsgeruch hängt über den Straßen. Er lauert überall, in unterschiedlich starker Konzentration – vor der Kirche, in den kleinen Läden, um die klapprigen Tische samt Wasserpfeifen im Café. Für die Bewohner des Kairoer Stadtteils Manshiyet Nasr gehören die Fäulniswolken zum Leben wie die Schwärme fetter, schwarzer Fliegen, die in den schmalen Gassen des Viertels ihr Paradies auf Erden gefunden haben. Für Besucher ist der Stadtteil die Hölle, für die 75 000 Einwohner Normalität. Denn die Menschen in Manshiyet Nasr leben vom Müllsammeln und -verwerten. Es sind Kopten und damit Angehörige einer christlichen Minderheit. Aus Oberägypten sind viele nach Kairo gekommen. Eine wirkliche Perspektive haben sie an ihrem neuen Wohnort nicht. Vielen fehlt eine richtige Schulbildung. Nur der Müll der anderen gibt Arbeit, auch wenn die Christen dafür von Muslimen oft genug verachtet werden. Kairo würde ohne Kopten im Dreck ersticken. Die staatlichen Entsorgungssysteme arbeiten unzuverlässig. So steckt für die Müllsammler im Abfall so etwas wie eine Zukunft, wenngleich das Wort unter diesen Umständen süßlich-modrig auf der Zunge liegt.
 

 

Lastwagen mit meterhohen Abfallsäcken schwanken durch die Gassen. Sie kommen Eselskarren, von denen brauner Saft von der Ladefläche tropft, gefährlich nahe. Überall liegt Müll: vor den Hauseingängen, in Zimmern im Parterre, aus Gassen quellen Säcke mit Abfall Sturzbächen gleich; selbst auf den Dächern der mit dünnen Betonstelen in die Höhe gezogenen Wohntürme wird der Abfall gelagert. Frauen sortieren vor ihren Häusern mit bloßen Händen Säcke nach Verwertbarem aus. Kinder fischen nach Papier und Tand, in kleinen Werkstätten wird Plastik geschreddert und Metall getrennt, bis eine fast nicht vorstellbare Recyclingquote von rund 90 Prozent erreicht ist. China nimmt Schiffsladungen gereinigter Plastikschnipsel ab. Auch Altmetall erzielt einen guten Preis. Zwischen all dem Müll laufen Ziegen, scharren Hühner und suchen Ratten nach Essbarem. Überall ist es mehr als genug. Denn die organischen Abfälle sind das Problem. Sie sorgen für Gestank, Ungeziefer und Hepatitis C, eine Krankheit, unter der viele Bewohner leiden. Seit 2009 unter dem Vorwand, die Schweinepest einzudämmen, hunderttausende Säue binnen weniger Tage gekeult wurden, fault der organische Müll mitten in der Stadt. Die Allesfresser hatten bis dahin knapp die Hälfte des Mülls vertilgt. Für die Müllsammler waren Schweine unentbehrlich – zumindest so lange, bis sie reif für den Schlachter waren. Jede Familie hatte an die 20 Schweine um das Haus. Doch die enge Nachbarschaft zwischen Menschen und Tieren nährte auch Argwohn – vor allem bei Muslimen, in deren Augen Schweine unrein sind.

 

 

 

Die Zucht der Allesfresser ist seit der großen Schlachtaktion verboten – ob aus Schikane gegen die christliche Minderheit, die je nach Zählweise rund 10 Prozent der ägyptischen Bevölkerung ausmacht, oder aus Vernunft. Auf jeden Fall aber zum Schaden der Müllsammler. Diese kommen heute meist kaum mehr über die Runden. Wer mit dem Hand- oder Eselskarren nur in den direkt angrenzenden ärmeren Gegenden Abfall sammelt, steht im Viertel auf unterster Stufe. Mehr Chancen, mit Müllverwertung Geld zu machen hat, wer mit einem Pick- up Abfall aus den besseren Vierteln der Stadt holt. „Die Gebiete sind aufgeteilt“, sagt Waghai, ein junger Mann, der die Gegend kennt. „Die Familien, die mit dem Müllgeschäft angefangen haben, machen heute ein gutes Geschäft“. Doch die „Oligarchen“ der Müllsammler – sie gehen auf zwei Familien zurück, die Mitte der 70er Jahre als Tagelöhner aus Indien gekommen sind – lassen sich an wenigen Fingern abzählen. Der große Rest ist froh über kleine Geldscheine – und große Ideen. Wie der Sozialarbeiter Sabah Waghai. Auf dem Dach eines Hauses hat er mit Bekannten eine kleine Solaranlage für heißes Wasser und eine Mini-Gasanlage zum Kochen installiert. Aus organischem Abfall und Dung wird in Plastiktonnen Biogas produziert. Seine Lieferanten, Kühe, Wasserbüffel und das ein oder andere Schwein schauen wenige Meter Luftlinie entfernt hinter einem Bretterverschlag vom Dach eines Nachbarhauses herüber. In luftiger Höhe werden Tiere gehalten, deren Zucht auf dem Boden verboten ist.
 

Doch wie bringt man ein Schwein oder einen Wasserbüffel dazu, auf Treppen acht oder neun Stockwerke emporzusteigen? Waghai lacht. „Zuerst schieben wir, dann gehen die Tiere von selbst“. Zurück können sie nämlich nicht. Es ist zu eng. Wenn sie ausgewachsen sind, werden sie in Portionen die Stockwerke hinab getragen. Der Sozialarbeiter hofft, dass aus den Anfängen seines „Energiezentrums“ irgendwann eine Solar City entsteht. Grundlagen wären vorhanden. Was fehlt sind Geld und der politische Wille. Vielleicht ändert sich das, wenn eine neue Regierung irgendwann die Lebensumstände der Kopten in Ägypten zum Thema macht. Noch sieht es danach aus. {Quelle: www.swp.de}

 

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