kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Zu Gast bei Eremitin Maria Anna Leenen 16. Juli 2012

Filed under: Werte für Jugend — Knecht Christi @ 17:08

 Ankum: Einsam sein ist das eine,

freiwillig in völliger Abgeschiedenheit zu leben,

etwas völlig anderes:

Die gebürtige Osnabrückerin Maria Anna Leenen

ist seit 18 Jahren Eremitin

und folgt auf diese Weise ihrem Vorbild Jesus Christus.

 

Nachdem er zwei Stunden über Glaubensfragen und das Leben in Kontemplation gesprochen hat, steigt der Besucher mit einem herzlich profanen Gedanken in sein Auto: Gelobt sei die Zentralheizung. „Luxus-Eremitin“, hatte er zuvor noch gedacht. Mit Telefon und Internet lässt es sich in der Einöde doch ganz gut aushalten. Aber dann diese Kälte im ganzen Haus. Maria Anna Leenen hat sich bewusst für ein Leben in Armut entschieden. Deshalb trägt sie Second-Hand-Klamotten, hat kein Auto, und der Internet-Anschluss ist auch nur analog. Wer ist diese Frau, die sich mit Ende 30 dafür entschieden hat, den Rest ihres Lebens mit nicht viel mehr als ihrem Glauben zu verbringen? In einem Radio-Interview hat Maria Anna Leenen einmal erzählt, dass sie als Kind ein „wehriges Wicht“ gewesen ist. Widerborstig und ausgestattet mit einem großen Freiheitsdrang. Als junge Erwachsene lebte sie diesen Drang aus. Ihre Eltern waren gestorben, sie hatte ein wenig geerbt und reiste in der ganzen Welt herum. In Venezuela begann dann ihr heutiges Leben. Mit einem Freund baute sie dort eine Büffelfarm auf, und nach der Arbeit tat sie das, was sie auch noch heute am liebsten tut: Sie las. Irgendwann gingen ihr die Bücher aus, nur deshalb nahm sie ein Buch über Marienerscheinungen zur Hand. „Und in einer dieser Erscheinungen sagte Maria: ‚Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.‘ Und in dem Moment habe ich gedacht: Genau. Diesen Jesus brauche ich“. Bis zu diesem Tag ist sie nichts anderes als eine Taufschein-Christin gewesen. „Aber irgendwas muss schon lange in mir angeklopft haben“. In dem Moment, als sie zum ersten Mal auf das Klopfen reagierte, hat sie eine 150-prozentige Sicherheit verspürt. Und der, der ihr die Sicherheit gab, war Jesus. Er ist ihr Zugang zum Glauben gewesen, sagt Maria Anna Leenen. Und er, Jesus als der Mensch gewordene Gott, ist nun auch ihr Lebenspartner. Zum äußeren Zeichen ihrer Verbundenheit trägt sie einen Ring. „Allerdings würde ich nicht behaupten, dass ich mit Jesus verheiratet bin“.
 

Trotzdem sorgt ihre offen gelebte Partnerschaft mit einem Erlöser für Irritation. Völlig unaufgeregt erzählt sie, dass es schon mal vorkommt, dass Leute fragen: „Na, und wie ist er so im Bett?“ Eine Frage zum Fremdschämen. Zumal, wenn man nach zwei Stunden Gespräch feststellt, dass diese Frau nicht weltfremd ist, nicht wunderlich und nicht einen Hauch esoterisch. Sie lebt einfach nur mit großer Ernsthaftigkeit ein Leben, von dem sie überzeugt ist. Nach ihrem Erweckungserlebnis in Venezuela konvertierte Maria Anna Leenen zum Katholizismus. Sie ging ins Münsteraner Klarissenkloster, lebte dort in Klausur, fühlte sich mit ihren Mitschwestern wohl und heulte trotzdem die Nächte durch. „Ich habe einfach gemerkt, dass ich doch für ein anderes Leben bestimmt bin.“ Sie verließ den Orden, trennte sich von allem Hab und Gut und ging in die Einsiedelei. Einsam ist sie dort nicht. Jesus und dem Glauben an ihn sei Dank. Häufig ist sie nicht mal alleine. „Für jeden, der vorbeikommt, habe ich eine Tasse Tee und eine Stunde Zeit“, sagt Maria Anna Leenen. Ihr Haus steht allen offen, die ein ernsthaftes Anliegen haben.

 

Für Tratsch und Geschwätz ist sie nicht zu haben. Das lenkt sie ab von einem Leben, in dem zwar Leichtigkeit und Humor ihren Platz haben, gedankenlose Zerstreuung aber nicht. Der Tagesablauf von Maria Anna Leenen ist klar strukturiert: Zwischen halb sechs und sechs steht sie auf, gelegentlich hält sie Mittagsschlaf, gegen halb elf ist Nachtruhe. Dazwischen besteht der Tag im Wesentlichen aus Beten, Kontemplation, Meditation – und Arbeit. Auch eine Eremitin muss Geld verdienen. Maria Anna Leenen fertigt deshalb Kerzen und schreibt Bücher, vor allem über Spiritualität. An das Leben in der Zurückgezogenheit hat sie sich nach 18 Jahren gewöhnt. Die ersten Jahre waren noch von Euphorie geprägt. Dann gab es immer wieder harte Phasen, die sie ohne Gespräche mit ihrem geistlichen Begleiter nicht überstanden hätte. „Das Alleinsein ist wie ein Brennglas“, sagt Maria Anna Leenen. Den dunklen Flecken auf der eigenen Seele kann der Eremit nicht mehr ausweichen. „Gut, man kann darüber hinwegbeten“, sagt sie. Doch ehrlich und wahrhaftig ist das nicht. Und sie will einfach ehrlich und wahrhaftig leben. Wahrhaftig ist es nach ihrer Ansicht im Übrigen auch nicht, wenn ein Christ zwar jeden Sonntag den Weg zur Kirche findet, die Bibel in seinem Bücherregal aber nicht mehr. „Das geht nicht“, sagt sie aufgebracht. „Die Bibel ist das Fundament. Sie muss ein Gebrauchsgegenstand sein, ein Katholik muss darin jeden Tag lesen. Und wenn auch nur für zehn Minuten“.
 

Sie sagt das aus tiefer Überzeugung und ohne jede Überheblichkeit. Maria Anna Leenen stilisiert ihr Leben in der Zurückgezogenheit nicht. Nach ihrer eigenen tiefen Überzeugung glaubt sie auch nicht besser als andere.

„Ich bin ein ganz normaler Mensch. Zu den Bauern hier sage ich immer: Der eine hat eben Milchvieh – und der andere ist Eremit“.

{Quelle: www.noz.de – Auch eine Eremitin muss sich Geld für den Lebensunterhalt verdienen. Maria Anna Leenen aus Ankum fertigt zum Beispiel Kerzen. Foto: Jürgen Christ}

 

One Response to “Zu Gast bei Eremitin Maria Anna Leenen”

  1. Carlosk Says:

    Der eine hat eben Milchvieh – und der andere ist Eremit“.

    täte so manchen Mann gut–Eremit zu sein..


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