kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

„Wir hoffen, dass Assad gewinnt“ 28. Juni 2012

Filed under: Christenverfolgung,Islamischer Terror — Knecht Christi @ 15:46

Unter den Minderheiten hat der syrische Machthaber Bashar Assad weiterhin viele Anhänger. Die Christen in Aleppo fürchten sich vor dem, was nach dem Sturz des Regimes kommen könnte. Ein Lokalaugenschein.

 

 

Die Bombe war auf dem Gehweg versteckt und explodierte, als das Polizeiauto vorbeifuhr. Zwei Polizisten im Wagen waren sofort tot. Zwei Passanten wurden schwer verletzt. Das Entsetzen steht Rami noch ins Gesicht geschrieben. „Ich stand daneben und blieb wie durch ein Wunder unverletzt. Mein Freund ist auf dem Weg ins Krankenhaus.“ Das Sprengstoffattentat im Stadtteil Aziza, mitten im Zentrum der syrischen Stadt Aleppo, ist der zweite Anschlag dieser Art, aber im Vergleich zu den zwei Autobomben vom Februar ein relativ kleiner Vorfall. Damals starben mindestens 28 Menschen. Das neue Attentat stört das ansonsten friedliche Bild Aleppos. Das Leben schien normal zu verlaufen. Geschäfte sind geöffnet, die Märkte voller Menschen. Ob Pfirsiche, Bohnen, Kartoffeln oder Wassermelonen, man kann alles kaufen. Aleppo ist mit mehr als einer Million Einwohnern die größte Stadt Syriens. Sie liegt im Norden des Landes, knapp 50 Kilometer von der Türkei entfernt. Die Fahrt von der Grenze nach Aleppo führt durch felsige Hügellandschaften. In den Dörfern sitzen Männer vor den Häusern, rauchen Wasserpfeifen und trinken Kaffee.

 

 

 

 

Rebellen konfiszieren Autos

 

Man merkt erst, dass Krieg ist, als die Checkpoints der Freien Syrischen Armee (FSA) auftauchen. Blutjunge Kerle, nicht älter als 20 Jahre, kontrollieren mit Kalaschnikows in der Hand alle Fahrzeuge. „Wir sind hier in diesem Gebiet die Herren“, sagt einer der Rebellen lachend. Im Pass sucht er nach einem Einreisestempel aus dem Iran. Teheran unterstützt das Regime von Präsident Bashar Assad. „Nein, nein, mit Iran kommt hier niemand durch“, sagt er ernst. Nach 25 Kilometern ist das von der FSA besetzte Gebiet zu Ende. Nun kontrolliert das syrische Militär die Papiere und durchsucht Kofferräume. Es sind wieder sehr junge Männer, zum Teil nur halbuniformiert, die bei 40 Grad Autos kontrollieren und am Spätnachmittag sichtlich müde sind. Vor ihren Zelten steht ein Schützenpanzer. Von den FSA-Stellungen trennen sie höchstens zwei Kilometer. „Diese Leute stehen nur für Assad Wache, weil sie gut bezahlt werden“, behauptet ein Mann auf dem Gemüsemarkt im Zentrum Aleppos später. „Eigentlich sind hier alle gegen den Präsidenten, aber wir bleiben ruhig, weil wir unsere Stadt nicht zerstören wollen.“ In Aleppo gab es bisher keine großen Proteste gegen die Regierung. „Vielleicht liegt es auch daran, dass es den Menschen hier gut geht“. Aleppo ist Syriens Industriezentrum. Hier werden Textilien, Medikamente, Elektrogeräte und alkoholische Getränke produziert. 50 Prozent aller Industriearbeiter des Landes sind in der Region beschäftigt. Hinzu kommt eine Altstadt, die ein Anziehungspunkt für den internationalen Tourismus ist. Die Zurückhaltung gegenüber dem Regime ist bei den Rebellen nicht gern gesehen. „Ich bin seit eineinhalb Jahren nicht mehr aus Aleppo herausgekommen“, sagt ein Taxifahrer. „Alle Einwohner haben Angst, die Stadt zu verlassen, überhaupt mit dem Auto.“ Angeblich sei schon vielen der Wagen von der FSA mit vorgehaltener Waffe abgenommen worden. „Aber Assad wird fallen, das ist unausweichlich“, fügt er hinzu. Obwohl es für ihn egal sei, wer an der Macht ist. „Die von der FSA sind bestimmt nicht besser“.

 

 

Christen aus Homs vertrieben

 

Im Café Baron im Zentrum Aleppos sitzen drei junge christliche Armenier, die die Fußball-Europameisterschaft verfolgen und Wasserpfeife rauchen. „Wir hoffen, dass unser Präsident gewinnt“, erklärt der 25-jährige Gero. „Assad beschützt uns. Wir haben unsere Religion, unsere Kirchen, Schulen und Gemeinden.“ Für ihn und seine Freunde ist die FSA eine Bande von Banditen und Terroristen, so wie es die Regierung propagiert. „Wir wissen doch genau, was in Homs passiert ist“, ergänzt er mit ernstem Blick. Dort habe die FSA Christen vertrieben. Die drei Armenier plagt die Ungewissheit, wie der Bürgerkrieg enden wird. Sie fürchten vor allem radikale Islamisten. „Wir haben bereits Drohungen im Internet erhalten, zu verschwinden“, erzählt der Innenarchitekt Kevoc. Einige der etwa 50.000 christlichen Armenier Aleppos seien bereits ins Ausland geflüchtet, und viele würden daran denken. „Aber wohin sollen wir gehen?“, wendet Gero ein. „Syrien ist unsere Heimat, hier sind unsere Familien, hier ist unser Leben“. Nicht weniger nachdenklich ist Vater Joseph, Priester der Griechisch-Orthodoxen Kirche, einer Gemeinde, der in Aleppo rund 20.000 Menschen angehören. „Mein Sohn ist erst vergangenen Freitag mit seiner Familie nach Venezuela ausgereist, nachdem ihm europäische Länder kein Visum gegeben hatten“, erzählt er traurig. Jede Familie in seiner Gemeinde überlege, ins Ausland zu flüchten. Und wer es sich leisten könne, tut das auch. Auch für Vater Joseph waren die Vorgänge in Homs der Auslöser seiner Furcht. „Vor sechs Monaten hat man die Christen dort vertrieben und ihre Häuser angezündet. Zehn Menschen wurden getötet.“ Mittlerweile seien nur noch etwa 30 Familien dort, die man am Ende gehindert habe, die Stadt zu verlassen.

 

 

Entführungen als Geldquelle

 

Mit dem Auto macht Vater Joseph noch eine Tour durch Aleppo. Er will zeigen, wie friedlich die Stadt ist. Über den andauernden Beschuss der Protesthochburg Homs und die vielen Toten, die es täglich in Syrien gibt, verliert er kein Wort. Als der Geistliche am Planet-Hotel vorbeifährt, berichtet er vom Besitzer, der von der FSA entführt und für ein Lösegeld von 15 Millionen syrischen Pfund freigelassen worden sei. „Man hat ihn krankenhausreif geschlagen, und dabei ist der Mann 70 Jahre alt“. {Quelle: diepresse.com – von ALFRED HACKENSBERGER (ALEPPO)}

 

 

 

 

Die Rebellen sind nicht besser

 

 

Das Bürgerkrieg in Syrien wird immer brutaler.

Doch längst nicht alle Bürger stehen auf der Seite der Opposition.

Eine Reportage aus Aleppo

 

 

Die Bombe war auf dem Gehweg versteckt und explodierte, als das Polizeiauto vorbeifuhr. Die beiden Polizisten im Wagen waren sofort tot. Das Entsetzen steht Rami noch ins Gesicht geschrieben. „Ich stand daneben und bin wie durch ein Wunder unverletzt. Mein Freund, mit dem ich unterwegs war, ist auf dem Weg ins Krankenhaus.“ Der Anschlag im Stadtteil Aziza im Zentrum der zweitgrößten syrischen Stadt Aleppo am Dienstag war der zweite dieser Art. Aleppo blieb vom Bürgerkrieg bisher weitgehend verschont. Beim ersten Attentat im Februar starben 28 Menschen, 235 wurden verletzt. Aleppo ist eigentlich so etwas wie der Ruhepol in dem Land, das von brutalen Auseinandersetzungen zerrissen ist. Das Leben hier läuft bisher weitgehend normal. Alle Geschäfte sind geöffnet, die Märkte täglich voller Menschen. Von Mangelerscheinungen wie in anderen Kriegsgebieten wie Homs, Dera oder Idlib keine Spur. Ob Pfirsiche, Bohnen, Tomaten, Kartoffeln oder Wassermelonen, es gibt alles. Abends sitzen die Menschen in Cafés oder Restaurants und rauchen ihre Shisha, die Wasserpfeife.

 

Aleppo ist mit rund 1,7 Millionen Einwohnern nach Damaskus die zweitgrößte Stadt Syriens. Sie liegt im Norden des Landes, knapp 50 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Die Fahrt nach Aleppo führt durch felsige Hügellandschaften. Das Kriegsgebiet beginnt an den Checkpoints der Freien Syrischen Armee (FSA). Junge Kerle, nicht älter als 20 Jahre, kontrollieren mit Kalaschnikows in der Hand alle Fahrzeuge. „Wir sind hier in diesem Gebiet die Herren“, sagt einer der Rebellen lachend und gibt den Blick frei auf seine einzigen beiden noch verbliebenen Zähne. Im Pass sucht er vergeblich nach einem Einreisestempel aus dem Iran. Die Islamische Republik unterstützt das Regime von Präsident Baschar al-Assad und hat Elitetruppen der Revolutionären Garden in Syrien stationiert. „Nein, nein mit dem Iran kommt hier niemand durch“, sagt er ernst, bevor er mit seinem Gewehr zum Weiterfahren winkt.

 

Nach etwa 25 Kilometern ist das von der FSA kontrollierte Gebiet zu Ende. Nun ist es das syrische Militär, das Papiere kontrolliert und Kofferräume durchsucht. Es sind wieder sehr junge Männer, zum Teil nur halb uniformiert, sichtlich müde. Vor ihren Zelten ist ein kleiner Schützenpanzer eingegraben. Von den Stellungen der FSA trennen die Armeesoldaten zwei Kilometer. „Diese Leute stehen nur für Assad Wache, weil sie gut bezahlt werden“, behauptet ein Mann auf dem überfüllten Gemüsemarkt in Zentrum von Aleppo später. „Eigentlich sind hier alle gegen den Präsidenten. Aber wir verhalten uns ruhig, weil wir die Zerstörung unserer Stadt nicht riskieren wollen.“ Probleme gäbe es nur auf dem Land, weil die FSA von der Türkei aus ungehindert über die Grenze kommen könne. Dass es in Aleppo bisher keine großen Demonstrationen gegen die syrische Regierung gegeben hat, liegt vielleicht auch daran, dass es den Menschen hier gut geht. Aleppo ist das Industriezentrum Syriens. 50 Prozent aller Industriearbeiter des Landes sind in der Region beschäftigt. Hinzu kommt eine Altstadt, die von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde und ein Anziehungspunkt für den internationalen Tourismus ist. Doch nur 20 Kilometer südöstlich vermuten Beobachter auf der Militärbasis von al-Safir ein Arsenal an chemischen Waffen der Regierung.

 

 

 

 

Armenier suchen Assads Schutz

 

„Ich bin seit eineinhalb Jahren nicht aus Aleppo herausgekommen“, sagt ein Taxifahrer. „Alle Einwohner haben Angst, die Stadt zu verlassen, besonders mit dem Auto.“ Die FSA habe, so heißt es, schon viele Fahrer mit vorgehaltener Waffe gezwungen, ihr Auto zur Verfügung zu stellen. Einige Eigentümer seien spurlos verschwunden. „Assad wird fallen, das ist unausweichlich“, sagt der Taxifahrer. Im Prinzip aber sei es ihm egal, wer an der Macht sei. „Die von der FSA sind bestimmt nicht besser als die jetzigen Herrscher“. Im Café „Baron“ sitzen drei 25 Jahre alte christliche Armenier, die die Europameisterschaft im Fernsehen verfolgen. „Wir hoffen, dass unser Präsident gewinnt“, sagt einer von ihnen, der sich als Gero vorstellt. „Assad beschützt uns. Wir haben unsere Religion, unsere Kirchen, Schulen und Gemeinden.“ Die drei jungen Männer halten die Berichte der Medien für übertrieben und falsch. „Die syrische Armee würde nie solche Massaker begehen, wie man behauptet“, meint Ivecu. Für ihn und seine Freunde ist die FSA eine Bande von Banditen und Terroristen, wie es die syrische Regierung propagiert.

 

In den Gesichtern der drei Armenier ist deutlich Angst zu lesen. Wie wird der Bürgerkrieg enden? Sie fürchten vor allem radikale Islamisten. „Wir haben bereits Drohungen im Internet erhalten. Wir sollen verschwinden“, sagt Kevoc, der von Beruf Innenarchitekt ist. „Ansonsten will man uns den Hals umdrehen.“ Nicht weniger nachdenklich ist Vater Joseph. Er ist Priester der griechisch-orthodoxen Kirche, einer Gemeinde, zu der in Aleppo rund 20.000 Menschen gehören. Für den Geistlichen waren die Vorgänge in Homs, in dem überwiegend Griechisch-Orthodoxe lebten, Auslöser seiner Furcht. „Vor sechs Monaten hat man die Christen dort vertrieben und ihre Häuser angezündet, zehn Menschen getötet.“ Dort seien nur noch etwa 30 Familien, die man am Ende gehindert habe, die Stadt zu verlassen. „Nun benutzt man sie als menschliche Schutzschilde“, sagt er. {Quelle: www.morgenpost.de – Von Alfred Hackensberger}

 

One Response to “„Wir hoffen, dass Assad gewinnt“”

  1. @Großmufti von Syrien:
    „Die Religion hat nichts in einem Parteinamen verloren“
    BZ-INTERVIEW mit dem Großmufti von Syrien, Scheich Ahmad Badr al-Din Hassoun, über das schlechte Image des Islam und das C im Namen der Union.

    FREIBURG. Seit den Anschlägen vom 11. September wird die islamische Religion im Westen oft gleichgesetzt mit Fanatismus und Gewalt. Annemarie Rösch sprach darüber mit dem Großmufti von Syrien, Scheich Ahmad Badr al-Din Hassoun. Er gilt als Verfechter des interreligiösen Dialogs. Auf Einladung der Universität Freiburg und der Konrad-Adenauer-Stiftung war der oberste muslimische Geistliche von Syrien in Freiburg.
    BZ: Sie kritisieren also auch die arabischen Medien? Sie waren es ja, die gegen die Karikaturisten gehetzt haben.

    Hassoun: Ja, ich meine die westlichen und die arabischen Medien. Sie tragen oft zu Missverständnissen bei. Aber eigentlich sollten die Medien ein objektives Bild von der jeweils anderen Religion zeichnen. Auch wir Geistliche oder die Politiker stehen in dieser Hinsicht natürlich in der Pflicht. Wir müssen den Dialog mit Vertretern der anderen Religion suchen und Missverständnisse ausräumen.

    http://www.badische-zeitung.de/ausland-1/grossmufti-von-syrien-die-religion-hat-nichts-in-einem-parteinamen-verloren–31214293.html


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