kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Frauen kämpfen um ihren Platz im neuen Libyen 24. Juni 2012

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 19:12

Diese Libyerin feiert die Befreiung von Machthaber Gaddafi. Aber an ihrer Stellung in der Gesellschaft hat sich seitdem nicht viel geändert.

Gleichberechtigung ist in Lybien nur eine Fassade

 

Tripolis: Unvergessen ist der Auftritt von Gaddafis Leibwächterinnen, die bei einem arabischen Gipfel ägyptische Wachleute mit Faustschlägen aus dem Weg räumten. Der Alltag libyscher Frauen sieht anders aus. Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi mochte Frauen in Uniform. Bei Paraden ließ er sie mit Polizeimützen aufmarschieren. Auf Reisen begleiteten ihn zwei kräftig gebaute „Amazonen“ in Tarnanzügen. Im Westen entstand dadurch der falsche Eindruck, der wirre Oberst habe den Frauen in Libyen zur Gleichberechtigung verholfen. Dass dies nur eine alberne Fassade war, merkt Hoda Buzeid jeden Tag, wenn sie durch die Straßen von Tripolis schlendert. Die Rückkehrerin, die Libyen als Kind verlassen hatte und erst während der Revolution wieder Geschmack an ihrem Herkunftsland fand, wird auf der Straße oft von Männern respektlos behandelt. Sie trägt kein Kopftuch, ist oft alleine zu Fuß unterwegs und kleidet sich hier genauso wie in ihrer zweiten Heimat London. „Ich will mich nicht verstellen, sondern stattdessen anderen Frauen helfen, sich gegen die patriarchalischen Strukturen dieser Gesellschaft zur Wehr zu setzen“, sagt Buzeid, die in Großbritannien für Fernsehproduktionen gearbeitet hatte. Immerhin ist sie in Tripolis, wo es viele berufstätige Frauen und Studentinnen gibt, nicht die einzige Frau in moderner Kleidung. In konservativeren Städten wie Al-Sintan oder Misrata sieht man dagegen deutlich weniger Frauen als Männer auf den Straßen.

 

 

Außen mütterlich, innen Revolutionärin

 

Seinab al-Saidi (43) entspricht optisch schon eher dem Bild der typischen Libyerin. Sie trägt ein rosafarbenes Kopftuch und lächelt mütterlich, während sie im Innenhof eines Luxushotels Bekannte und Unterstützer begrüßt. Doch auch sie ist im Herzen eine Revolutionärin. Als sie im vergangenen Jahr von den Gaddafi-Anhängern die Aufforderung bekam, im Fernsehen mit Durchhalteparolen für den „Bruder Führer“ aufzutreten, setzte sie sich mit ihrer Familie nach Ägypten ab und startete eine Medienkampagne gegen das Regime. Bei der Wahl zur Verfassungsgebenden Versammlung am 7. Juli wird die Psychologin als unabhängige Kandidatin in Tripolis kandidieren. Ihr Ehemann unterstützt sie. An Mut und Energie fehlt es al-Saidi nicht. Sie hetzt mit ihrem Mann von einem Termin zum nächsten. Die Konkurrenz im Al-Andalus-Viertel schreckt sie nicht ab: „In meinem Bezirk treten reiche Geschäftsleute und gut organisierte (radikal-islamische) Salafisten an. Ich habe kein Geld, nur Vaterlandsliebe.“ Ihr kleines Auto hat sie verkauft, um den Wahlkampf zu finanzieren. Dass sie für ihren Wagen soviel erlöst hat, wie die finanzstarken Islamisten für einen einzigen Plakatentwurf ausgegeben haben sollen, quittiert sie mit einem Schulterzucken. Al-Saidi ist eine von nur 85 Frauen, die sich um die 120 Direktmandate in der Verfassungsgebenden Versammlung bewerben. Ihnen stehen 2415 Männer gegenüber. Da der Nationale Übergangsrat die politischen Gruppierungen dazu verdonnert hat, jeden zweiten Platz auf ihren Kandidatenlisten mit einer Frau zu besetzen, sieht die Bilanz dort besser aus. Um die 80 Mandate, die für politische Gruppierungen reserviert wurden, bewerben sich 662 Männer und 540 Frauen.

 

 

Wenig Anlass für Hoffnung

 

Die Kommunalwahlen, die einige Städte in den vergangenen Monaten in Eigenregie abgehalten hatten, bieten aus Sicht der Aktivistinnen wenig Anlass für Hoffnung. In der Hafenstadt Misrata wurde keine einzige Frau in den Kommunalrat gewählt. In Bengasi setzte sich nur eine der insgesamt 22 Kandidatinnen durch. Trotzdem fand der Wahlsieg der Universitätsdozentin Nedschat al-Kichia großen Widerhall. Denn die Statistikerin, die sich im Krieg für die Belange der Verwundeten eingesetzt hatte, erhielt nicht nur mehr Stimmen als jeder andere Kandidat in Bengasi. Sie siegte auch in einem Bezirk, dessen Bewohner als islamisch-konservativ gelten. {Quelle: www.nordbayern.de}

 

 

 

„Ich kann nicht schweigen.

Morgen schon könnten sie mich töten“!

 

Asma Jahangir, Verfechterin der Menschenrechte

und Feindbild der Extremisten

 
 

ROM, 26.Juni 2012 (ZENIT.org): Ich kann nicht schweigen. Morgen schon könnten sie mich töten. Dieser Mordplan ist nicht das Produkt von Machenschaften auf den unteren Ebenen; er entspringt der obersten Machtebene“. Diese Worte stammen von der Pakistanerin Asma Jahangir,  die als erste Frau den Vorsitz der Anwaltsvereinigung beim Obersten Gerichtshof Pakistans führte und sich in der Vergangenheit häufig gegen die „hudud“-Verordnungen, die Teil des islamischen Strafrechts sind, und das Blasphemie-Gesetz ausgesprochen hat. Asma Jahangir zählt zu den mutigsten und direktesten Frauen der islamischen Welt. Sie wurde an katholischen Schulen ausgebildet. Ihr Einsatz für den Schutz der Rechte von Minderheiten verhalf ihr zu großer Bekanntheit, brachte ihr jedoch auch Morddrohungen von Seiten islamischer Extremisten ein, in deren Augen sie als vom Glauben Abgefallene gilt. Jahangir, die von 2004 bis 2010 als UN-Sonderberichterstatterin für Religions- und Glaubensfreiheit tätig war, befindet sich unter den Gründungsmitgliedern der Menschenrechtskommission Pakistans. Während ihrer beruflichen Laufbahn galt ihr Bemühen stets dem Kampf gegen Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen.
 

Bei der oben angeführten Aussage handelt es sich keineswegs um eine Banalität, sondern um die gezielte Provokation einer pakistanischen Frau gegen ihre eigene Regierung; eine Regierung,  die seit einem halben Jahrhundert Kompromisse mit dem radikalen Islamismus schließt. Seit der Machtübernahme durch Zia-ul-Haq im Jahr 1977 unterliegt Pakistan einem Prozess der Islamisierung, der auch und vor allem eine Frauen diskriminierende Gesetzgebung zur Folge hatte. Die so genannten Hudud-Verordnungen und das Beweisrecht, das die Zeugenaussage einer Frau als nur halb so beweiskräftig einstuft wie die eines Mannes, sind nur zwei Beispiele dafür. Im Falle von sexueller Gewalt wird die Frau wegen Ehebruch verurteilt, sofern keine Zeugen vorhanden sind. Das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW[1]) wurde von Pakistan im Jahr 1996 zwar unterzeichnet. Dies erfolgte allerdings mit Einschränkungen in Bezug auf die im Widerspruch zur Sharia stehenden Punkte. Die vom islamischen Recht vorgesehen Diskriminierung der Frauen wurde also trotz der Unterzeichnung beibehalten.
 

Eine Aktivistin wie Asma Jahangir ist in einem derartigen Kontext aus offensichtlichen Gründen unbequem, sehr unbequem. Ihr Engagement für die Frauen und für die Minderheiten und ihr Laizismus, obwohl sie ihren Glauben nie verleugnete, machten sie zur Zielscheibe des lokalen islamischen Extremismus. Ihr gemeinsam mit Salman Taseer, dem Gouverneur von Punjab, geführter Kampf gegen das Blasphemie-Gesetz verschlimmerte ihre Lage zusätzlich. Der Mord an Taseer im Januar 2011 veranlasste Asma Jahangir zu einem gramerfüllten Appell, in dem sie insbesondere die pakistanische Regierung der Komplizenschaft mit den islamischen Extremisten beschuldigte. „Als ob der Mord an Salman Taseer nicht schon genug wäre, haben Personen im Fernsehen diesen Mord auch noch gerechtfertigt“, so die ehemalige UN-Sonderberichterstatterin in ihrem Appell. Sie fuhr folgendermaßen fort: „Selbst der Innenminister hat die Drohung ausgesprochen, den Urheber einer in seiner Gegenwart getätigten blasphemischen Aussagen umzubringen. Salman Taseer hat niemals ein blasphemisches Wort gesprochen, sondern lediglich daran erinnert, dass das Gesetz einer Überarbeitung bedarf.“ Es handelt sich dabei um eine präzise offene Anklage gegen eine Regierung, die nicht in der Lage ist, sich von einem um sich greifenden islamischen Radikalismus zu distanzieren und nicht den Mut hat, den Kurs des Landes in Richtung Modernität zu lenken.
 

Das Leben der mutigen Anwältin ist offensichtlich in ernster Gefahr. Daraus ergibt sich die unverzichtbare Notwendigkeit eines Appells zur Sensibilisierung der öffentlichen Meinung und der internationalen Institutionen, damit die pakistanische Regierung für jeglichen Gewaltakt gegen Jahangir zur Rechenschaft gezogen wird und zudem Bemühungen um einen Prozess der inneren Reform unternimmt. Dieser soll bei einem Bildungswesen nach dem Madrasa-Systems beginnen, das auf eine Verbesserung der Stellung von Minderheiten im Allgemeinen und der Frau im Besonderen ausgerichtet ist. Wenn die Welt möchte, dass Menschen wie Asma Jahangir weiterhin ihre Stimme erheben und Verletzungen der Menschenrechte verurteilen, so muss sie sich jeden Tag daran erinnern, dass diese Stimmen nur dann überleben, wenn sie auf internationaler Ebene Schutz und Anerkennung bekommen.
 

Von Valentina Colombo: geb. 1964 in Cameri, Novara, wirkt als Dozentin für Kultur und Geopolitik des Islam an der Europäischen Universität Rom sowie als Senior Fellow an der “European Foundation for Democracy” (Europäische Stiftung für Demokratie) in Brüssel und führt den Vorsitz des Verbandes „Vincere la paura“ (Die Angst besiegen) für die Religionsfreiheit und die freie Meinungsäußerung. Sie ist Autorin zahlreicher Artikel und Aufsätze zur islamisch-arabischen Welt und Übersetzerin des Literaturnobelpreisträgers Nagib Mahfuz und vieler anderer klassischer (Jahiz und Hamadhani) und zeitgenössischer (Bayyati, Quabbani, Adonis) arabischer Autoren.  Ihre Forschungsarbeit konzentriert sich vor allem auf liberale arabische Intellektuelle und die Rolle der Frau in den Demokratisierungsprozessen in den Ländern des Mittleren Ostens. {Quelle: www.zenit.org  –  Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner – [1] Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination Against Women}

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s