kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

„Ein Gott in drei Personen – Geheimnis oder Provokation“ 3. Juni 2012

Filed under: Spiritualität — Knecht Christi @ 22:43

Gedanken zum Dreifaltigkeitssonntag

„Für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit“

 

 

 

Es geht uns leicht über die Lippen: die Rede von den drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam.Höre Israel, der Ewige, ist unser Gott, der Ewige ist einzig“ (Dtn 6,4). bekennen die Juden,Es gibt keinen Gott außer Allah“ die Muslime. Und der christliche Gottesdienst beginnt mit einer Formel, die für Juden und Muslime gleichermaßen schwer erträglich ist:Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes„; das Bekenntnis an den dreifaltigen Gott klingt von außen wie das Bekenntnis zu drei Göttern. Die Dreifaltigkeit ist ein Geheimnis, daher fällt heute die Predigt aus„, so angeblich die resignierte Auskunft von der Kanzel am Dreifaltigkeitstag.

 

 

Aber gerade mit Blick auf den interreligiösen Dialog

darf das nicht das letzte Wort sein …

 

 

In jener Zeit gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28, 16-20).

 

Christi Himmelfahrt ist vorbei, Pfingsten haben wir gefeiert, und doch lassen uns die Osterereignisse noch immer nicht los. Im heutigen Sonntags-Evangelium nach Matthäus steht erneut der Auferstandene im Mittelpunkt, die Zweifel der Jünger und „letzte Worte“ Jesu an sie. Macht alle Menschen zu meinen Jüngern und tauft sie„, so sein Auftrag.  Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes„, darum geht es am heutigen Dreifaltigkeitssonntag an dem wir – jedenfalls nach dem katholischen Kalender – das Geheimnis des dreifaltigen Gottes feiern und bedenken sollen. Der eine Gott, „den wir in drei Personen ehren“, wie es in einem Kirchenlied heißt, ist in der Geschichte heiß umkämpft und auch für gute Christen nicht leicht zu verstehen. So dass man beinahe ein wenig Verständnis hat für den aus der Anekdote bekannten Pfarrer, der sich am Dreifaltigkeitssonntag mit großer Geste vor die Gemeinde stellt, nur um festzustellen, dass das Geheimnis der Dreifaltigkeit ein großes sei, zu groß, um es zu verstehen und mit dieser Begründung kurzerhand die Predigt ausfallen lässt!

Weder habe ich den Anspruch, das Geheimnis der Dreifaltigkeit abschließend zu ergründen und zu erklären, noch wird diese Sendung ausfallen. Ich will mich mit der Frage beschäftigen, wie unser christliches Bekenntnis zum dreifaltigen Gott in den Ohren von Muslimen und Juden klingt, die – wie wir Christen auch – an den einen Gott glauben. Man hat Versuche unternommen, die Dreifaltigkeit aus Spielereien um die Zahl Drei wenn nicht zu erklären so doch zumindest zu deuten. Es gibt Menschen, die eine Art Zahlenmystik rund um die Drei auch in der Musik von Johann Sebastian Bach entdeckt haben wollen. Daran glaube ich nicht, dennoch erscheinen mir die Triosonaten von Johann Sebastian Bach die passende Begleitmusik, vielleicht sogar eine Art Kontrapunkt für den heutigen Sonntag-Morgen zu sein.

 

 

Allah u akbar, Allah ist groß und er ist einzig! Es gibt keinen Gott außer Allah„.

So lautet das zentrale Glaubensbekenntnis der Muslime
 

Höre Israel, der Ewige, ist unser Gott, der Ewige ist einzig“ (Dtn 6,4).

So bekennen es die Juden im „Sch’ma Israel„, dem ältesten Glaubensbekenntnis der Juden.
 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes„.

 

 

So bekennen wir Christen den dreifaltigen Gott, gleich zu Beginn eines jeden Gottesdienstes, aber auch bei der Taufe, wenn wir uns bekreuzigen und zu Beginn und Abschluss vieler Gebete. Das ist für Juden und Muslime nicht leicht zu ertragen, zumal ihr Glaubensbekenntnis – jüdisch wie muslimisch – die Betonung des „einzig“ ausdrücklich formuliert, es ist eine zentrale Bestimmung ihres Gottes. Während wir in jedem Fall bis drei zählen: Vater, Sohn und Heiliger Geist!  Wie will das zusammenpassen mit der Rede von den dreimonotheistischen“ Religionen, Christentum, Judentum und Islam, die eben darin ein gemeinsames sehen, an einen einzigen Gott zu glauben? Dass wir das heute so selbstverständlich glauben, ist auch in der Geschichte des Christentums nicht unumstritten, wie der Text des „großen“ Glaubensbekenntnisses zeigt, das die Debatten der frühen Kirche bis nach den Konzilen von Nicäa und Konstantinopel widerspiegelt:

 

 

Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.

 

Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit:

Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott,

gezeugt, nicht geschaffen,eines Wesens mit dem Vater;

durch ihn ist alles geschaffen.

Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen,

hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.

Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel.

Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.

Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt.

 

 

Nicäno-Konstantinopolitanum heißt das große Glaubensbekenntnis in Erinnerung an die Konzilien, bei denen es verfasst und festgelegt wurde. Schon die Bezeichnung ein echter Zungenbrecher „Nicäno-Konstantinopolitanum“, aber auch die einzelnen Formulierungen gehen nicht so leicht von den Lippen. Man ertappt auch regelmäßige Kirchgänger dabei, dass sie im Gesangbuch nachblättern, wie das noch im Einzelnen war mit dem Vater, der aus dem Sohn hervorgeht, und mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird. Mir persönlich ist dieser Text in seiner lateinischen Fassung geläufiger, weil es der Text ist, den Mozart, Haydn und all die anderen in ihren Orchestermessen vertont haben. Noch leichter fällt es mir, wenn ich ihn singen darf! Wenn man sich das sogenannte große Glaubensbekenntnis genauer ansieht, erkennt man noch immer das Ringen der Kirche um die klare und eindeutige Formulierung der Dreifaltigkeit: Über den „Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit“ heißt: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Und auch der „Heilige Geist, der Herr ist und lebendig macht“ , wird ganz genau bezeichnet: „der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten“. Fast zu jeder Zeile könnte man nicht nur eine dogmatische sondern auch eine kirchengeschichtliche Vorlesung halten. Allein der sogenannte „Filioque-Streit“, also die Frage, ob der Heilige Geist nur aus dem Vater oder aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht. Darüber hat sich die Kirche bis heute in Ost und West zerstritten.

 

Andererseits ist uns der dreifaltige Gott einfach unvergleichlich nahe: Gott ist Mensch geworden, der Vater hat den Sohn auferweckt von den Toten und uns ist das gleiche verheißen, er hat uns seinen Beistand geschickt. Das ist – man möge mir das Pathos verzeihen – einfach schön! Bei Paulus im Römerbrief heißt das beispielsweise so:  Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden“ (Röm 8, 14-17).

 

Aber ist das schon wirklich die „reine Lehre„? Ist das schon ein Beleg für die Dreifaltigkeit unseres Gottes? Ich kann mich noch genau erinnern, welchen Schreck ich bekam, als ich in Paris an einem Predigtseminar mit Henri de Lubac teilnehmen durfte und er nach einem biblischen Beleg für die Trinität fragte. Und in der Tat: natürlich stimmen viele Stellen sehr gut mit der in mehreren Jahrhunderten entfalteten Trinitätslehre überein, nicht nur die Taufformel oder die Pfingsterzählung, sondern auch Aussagen über „Christus als den Gekreuzigten„, deren Wirkung bereits der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther problematisiert:  Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft. Es heißt nämlich in der Schrift: Ich lasse die Weisheit der Weisen vergehen und die Klugheit der Klugen verschwinden. Wo ist ein Weiser? Wo ein Schriftgelehrter? Wo ein Wortführer in dieser Welt? Hat Gott nicht die Weisheit der Welt als Torheit entlarvt? Denn da die Welt angesichts der Weisheit Gottes auf dem Weg ihrer Weisheit Gott nicht erkannte, beschloss Gott, alle, die glauben, durch die Torheit der Verkündigung zu retten. Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ (1 Kor 1, 18-24).

 

Paulus hatte schon damals ein sicheres Gespür dafür, wie seine Botschaft ankommen würde: die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit, sie werden nicht einverstanden sein mit dem, was er als den christlichen Glauben verbreiten wird. Und so ist es bis heute. Es gibt nach wie vor – gerade bei den monotheistischen „Religionsgeschwistern“ Judentum und Islam – starke Vorbehalte gegen die drei Personen in dem einen christlichen Gott.  Ein Gott in drei Personen, das können Juden und Muslime vermutlich gar nicht unwidersprochen lassen, schon um ihrem eigenen Bekenntnis nicht untreu zu werden. Zuletzt hat das auf eine sehr feine und einfühlsame Art Navid Kermani formuliert. Sein ursprünglich in einer Zeitung veröffentlichter Text wurde zum Gegenstand einer wenig fruchtbaren Debatte, es lohnt sich aber, ihn noch einmal zu lesen, weil er sich als Moslem ganz konkret mit dem „Ärgernis“ auseinandersetzt. Er fährt nach Rom und schaut sich ganz ausdrücklich, nicht etwa versehentlich christliche Bilder an.

 

In seinem Text heißt es einleitend u.a.:

 
Kreuzen gegenüber bin ich prinzipiell negativ eingestellt. Nicht, dass ich die Menschen, die zum Kreuz beten, weniger respektiere als andere betende Menschen. Es ist kein Vorwurf. Es ist eine Absage. Gerade weil ich ernst nehme, was es darstellt, lehne ich das Kreuz rundherum ab. Nebenbei finde ich die Hypostasierung des Schmerzes barbarisch, körperfeindlich, ein Undank gegenüber der Schöpfung, über die wir uns freuen, die wir geniessen sollen, auf dass wir den Schöpfer erkennen. Ich kann im Herzen verstehen, warum Judentum und Islam die Kreuzigung ablehnen. Sie tun es ja höflich, viel zu höflich, wie mir manchmal erscheint, wenn ich Christen die Trinität erklären höre und die Wiederauferstehung und dass Jesus für unsere Sünden gestorben sei.  Ich kann und will die Debatte um Kermani und warum er welchen Preis bekommen sollte und dann doch wieder nicht, nicht erneut aufdröseln. Ich bin hängen geblieben an diesem einen Satz: „Sie tun es ja höflich, viel zu höflich, wie mir manchmal erscheint, wenn ich Christen die Trinität erklären höre und die Wiederauferstehung und dass Jesus für unsere Sünden gestorben sei“.

 

Was bedeutet das denn umgekehrt: erklären wir die Trinität zu unhöflich? Ich denke nicht, dass es das ist, was Kermani kritisiert. Meiner Ansicht nach verhält es sich eher so, dass wir Christen uns dessen was Paulus als „Ärgernis“ und „Torheit“ beschreibt, vermutlich gar nicht mehr so bewusst sind, wenn wir Kreuzestod und Trinität erklären. Vielleicht wäre es auch für den interreligiösen Dialog gar nicht dumm, sich nicht mehr nur bewusst zu werden, welch großartiges Geheimnis im Mittelpunkt unseres Glaubens steht, wenn wir uns bekreuzigen und den dreifaltigen Gott anrufen, sondern auch im Sinn des Paulus uns der „Torheit“ und des „Ärgernisses“ bewusst zu werden, das unser Bekenntnis hervorruft. Im Judentum bestaune ich die Konsequenz, mit der der Name Gottes nicht ausgesprochen wird, was keinerlei einschränkende Wirkung auf das Bekenntnis hat, im Gegenteil. Im Islam beeindruckt mich die Klarheit und Eindeutigkeit des Bekenntnisses. Vielleicht sollten wir am Ende als Christen weniger um Verständnis werben und Einsicht fordern für unser Glaubensbekenntnis sondern deutlicher die Verschiedenheit anerkennen. Erst dann kann sie verbindend werden und nicht trennend bleiben. {Quelle: www.dradio.de  –  Von Stefan Förner, Berlin}

 

4 Responses to “„Ein Gott in drei Personen – Geheimnis oder Provokation“”

  1. Bazillus Says:

    Sorry, Der Satz „Die Schöpfung ist nicht unteilbar“ muss richtig lauten: „Die Schöpfung ist nicht teilbar“.

  2. Emanuel Says:

    Die Rechte Gottes = Die Allmacht Gottes (Niemand sitzt an der rechten Seite des Herrn!!!)

    Die Tora und die Propheten des AT sprechen sehr häufig von Gott im Plural. Ich denke Elohim , das bekannte hebräische Wort von Gott in der Mehrzahl, sagt alles. Ich bin nicht sehr belesen in den Heiligen Schriften, aber gerade die Juden, stechen durch ihren Viel-Götter-Glauben im AT besonders hervor. Ich sehe gar nicht so sehr viele Widersprüche. Gott, der Herr hat mehrer Göttliche Eigenschaften.

    Sein Wesen ist der Vater oder das Göttliche Sein … das ist die Göttliche Liebe. Sein Dasein ist der Sohn, das ist die Göttliche Wahrheit aus der Liebe. Durch Ihn können auch wir Menschen den Heiligen Geist empfangen …. Wo ist das Problem ????

    Wir sehen unsere Sonne … Wir empfangen ihr Licht … in diesem Licht , empfangen wir die Wärme, die alles spriessen lässt ….. (Wir empfangen nicht das „Feuer“ aus der Sonne )

    Vater – Sohn und Heiliger Geist eben … Allerdings liegt der Schwerpunkt in dem Einen, der alles in Sich vereint …..Also Eins … Nicht Drei !!!!

  3. Emanuel Says:

    „..Waren keine Gräber in Ägypten, das du uns herausgenommen hast, zu sterben in der Wüste …“

    2. Moses 14/11 (kleines Beispiel für den „festen Glauben“ der jüdischen Völkerschaft an den Herrn)

  4. Emanuel Says:

    Werter Knecht! Ich würde gerne zu dem Thema einen etwas längeren Text einstellen, in der Hoffnung, das einer oder zwei ihn studieren … falls Sie einverstanden sind .. bedanke ich mich .. falls nicht .. bedanke ich mich ebenfalls …

    Dieser Text bezieht sich auf die Dreifaltigkeitslehre und ist fast 300 Jahre alt … Naturgemäß, wird nur der wirklich Interessierte ihn studieren wollen .. ich wäre glücklich, über eine (n) einzigen ….

    Der Text ist aus :

    Swedenborg, Emanuel

    Vera Christiana Religio 1772
    Deutsch: Die Wahre Christliche Religion

    Revidierte Übersetzung von Johann Gottlieb Mittnacht.

    Beschreibung: Beschreibung: http://wiesel.wlb-stuttgart.de/images/blue.gifVolltextversion der Ausgabe Stuttgart : Verlag der Neukirchlichen Buchhandlung, 1873.
    Beschreibung: Beschreibung: http://wiesel.wlb-stuttgart.de/images/blue.gifCoronis oder Anhang zur wahren christlichen Religion

    132.VII.

    Der Glaube, das Leiden am Kreuz sei die Erlösung gewesen,
    ist ein Grundirrtum der Kirche, und dieser Irrtum zugleich mit dem
    Irrtum von drei göttlichen Personen von Ewigkeit hat die ganze Kirche
    zugrunde gerichtet, sodaß kein geistiger Überrest mehr in ihr vorhanden
    ist.

    Was füllt und stopft heutzutage die Bücher der Orthodoxen mehr, und was
    wird in den höheren Lehranstalten eifriger gelehrt und eingeflößt, und von den
    Kanzeln herab häufiger gepredigt und ausgerufen, als daß Gott der Vater,
    erzürnt über das menschliche Geschlecht, dieses nicht nur von Sich entfernt,
    sondern auch es zu allgemeiner Verdammnis verurteilt, folglich es mit dem
    Fluch belegt habe.

    Daß Er aber, weil Er gnädig ist, Seinen Sohn bewogen oder
    erweckt habe herabzusteigen und die beschlossene Verdammnis auf Sich zu
    nehmen, und so den Zorn Seines Vaters zu versöhnen, und daß Er nur so und
    nicht anders den Menschen mit einiger Gunst anblicken könnte.

    Dann auch, daß dies wirklich durch den Sohn bewirkt worden sei, daß Dieser nämlich die
    Verdammnis des menschlichen Geschlechts auf Sich nehmend, Sich von den
    Juden habe geißeln, ins Angesicht speien und hernach wie ein Fluch Gottes
    Sich kreuzigen lassen: 5Mo.21/23, und daß der Vater, nachdem dies geschehen,
    besänftigt worden sei, und aus Liebe zum Sohn die Verdammnis zurückgezogen
    habe, jedoch nur von denen, für die Derselbe einstehen würde, und
    daß Er so zum Mittler vor Seinem Vater für immer geworden sei?

    Dieses und ähnliches hört man heutzutage in den Kirchen, und hallt wider von den Wänden,
    wie das Echo aus den Wäldern, und erfüllt die Ohren aller in ihnen.

    Allein wer, dessen Vernunft aus dem WORT erleuchtet und gesund geworden ist, kann
    nicht sehen, daß Gott die Barmherzigkeit und Gnade selbst, weil die Liebe und
    das Gute selbst, ist, und daß diese Sein Wesen ausmachen, und daß es daher
    ein Widerspruch ist zu sagen, daß die Barmherzigkeit selbst oder das Gute
    selbst einen Menschen mit Zorn anblicken und dessen Verdammnis beschließen,
    und dabei doch Sein göttliches Wesen bleiben könne?

    So etwas läßt sich kaum von einem gut denkenden, sondern nur von einem schlecht denkenden
    Menschen, und nicht von einem Engel des Himmels, sondern nur von einem
    Geist der Hölle erwarten, weshalb es abscheulich ist, es Gott zuzuschreiben.

    Forscht man aber nach der Ursache, so ist es die, daß sie das Leiden am Kreuz
    für die Erlösung selbst nahmen; daraus flossen jene Dinge hervor, wie aus
    einem Falschen Falsches in stetiger Reihe, oder wie aus einem Essigkrug
    nichts als Essig, oder aus einem verrückten Geist nichts als Verrücktes; denn
    aus einem Erschlossenen folgen wieder Sätze derselben Sippschaft, sie liegen
    inwendig im Schluß verborgen und gehen nacheinander daraus hervor, und aus
    jenem vom Leiden am Kreuz, daß es die Erlösung war, können noch weitere
    ärgerliche und für Gott schimpfliche Folgerungen hervorgehen und gezogen
    werden, so das endlich geschieht,

    wie Jes.28/7,8 sagt: „Priester und Prophet
    taumeln von starkemGetränk, sie wanken im Urteil, alle Tische sind voll vom
    Auswurf der Entleerung“.

    133. Infolge dieser Vorstellung von Gott und von der Erlösung wurde die
    ganze Theologie aus einer geistigen in eine natürliche auf der niedrigsten Stufe
    verwandelt, und dies geschah, weil man Gott bloß natürliche Eigenschaften
    zuschrieb, während doch vom Begriff über Gott und vom Begriff über die
    Erlösung, welche eins ausmacht mit der Seligmachung, alles zur Kirche Gehörige
    abhängt; denn dieser Begriff ist wie das Haupt, von dem alle Teile des
    Körpers ausgehen; ist daher jener geistig, so wird alles zur Kirche Gehörige
    geistig, ist er aber natürlich, so wird alles zur Kirche Gehörige natürlich.

    Da nun die Vorstellung von Gott und von der Erlösung bloß natürlich, das heißt
    sinnlich und fleischlich geworden ist, so ist auch alles bloß natürlich, was die
    Häupter und Glieder der Kirche in ihren Lehrbestimmungen überliefert haben
    und überliefern; und daraus kann nichts als Falsches ausgebrütet werden, weil
    der natürliche Mensch fortwährend gegen den geistigen ankämpft, und daher
    die geistigen Dinge für Gespenster und Luftgebilde ansieht.

    Man kann daher sagen, daß infolge dieser sinnlichen Vorstellung von der Erlösung, und somit
    von Gott, die Wege zum Himmel, welche die zum Herrn Gott Heiland sind,
    von Dieben und Räubern besetzt worden seien: Joh.10/1,8,9, und daß in den
    Kirchen die Türflügel niedergerissen, und so Drachen, Uhu, Zijim und Ijim
    eingedrungen sind und mißtönig zusammen schreien.

    Daß diese Vorstellung von der Erlösung und von Gott dem heutigen Glauben einverleibt ist, ist
    bekannt; und dieser geht dahin, daß man zu Gott dem Vater beten solle,

    Er möchte um des Kreuzes und Blutes Seines Sohnes willen die Vergehungen
    erlassen,

    und zu Gott dem Sohn, Er möchte bitten und einstehen für sie,

    und zu Gott dem Heiligen Geist, Er möchte rechtfertigen und heiligen.

    Was heißt dies aber anderes, als zu drei Göttern in ihrer Ordnung flehen,

    und was ist alsdann der Gedanke an die göttliche Regierung anderes als der an ein aristokratisches
    oder hierarchisches Regiment, oder wie der an ein Triumvirat, dergleichen
    einst zu Rom bestand,

    das aber statt ein Triumvirat vielmehr ein Triumpersonat
    genannt werden kann;

    und was ist alsdann dem Teufel leichter, als zu tun,

    wie man sagt: Teile und herrsche!

    das heißt, die Gemüter zu trennen und

    meuterische Bewegungen zu erregen, bald gegen den einen Gott, bald gegen

    den anderen, wie dies von der Zeit des Arius an bis jetzt geschehen ist,

    und so den Herrn Gott Heiland, Der alle Gewalt im Himmel und auf Erden hat,

    vom Thron zu stoßen

    und einen seiner Anhänger darauf zu setzen

    und diesem die Gottesverehrung zuzuerkennen,

    oder, weil diesem,

    auch dem Herrn selbst die Gottesverehrung zu entziehen.

    Vielen Dank, Werter Knecht , Danke an die Durstigen und Hungrigen


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