kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Ex-Salafist packt aus 1. Juni 2012

Filed under: Islamischer Terror — Knecht Christi @ 13:08

Allahgefällig im Nischenbiotop

 

Er suchte Halt und Wärme und fand den Salafismus, ein Jahr lang trug der Deutsche zum Freitagsgebet ein Taliban-Hemd.

Dann merkte Rolf Schindler zu seinem eigenen Schrecken,

dass er zu allem bereit war – er stieg aus.

Heute arbeitet er als Bäcker, in seinem Zimmer hängt eine Israel-Fahne.

Besuch bei einem ehemaligen Salafisten.

 

Kaum zu glauben, dass dieser junge Mann einmal Salafist war.

Rolf Schindler hat die Haare nach hinten gegelt, im glatt rasierten Gesicht thront eine schwarze Designer-Brille, ein Jackett schlackert um den schlanken Körper.

Als habe er seine Vergangenheit beim Herrenausstatter gelassen.

 

Wenn Rolf Schindler über Erlebnisse in einer schlagenden Studentenverbindung plaudern würde, wäre man nicht überrascht. Doch der 21-Jährige hat sich schick gemacht, um von seinem Jahr als Islamist zu erzählen. Er empfängt im Wohnzimmer seiner Mutter, vor einer riesigen Bücherwand, in der Polit-Bestseller aus vier Jahrzehnten stehen, von Günter Wallraffs „Ganz unten“ bis zu Peer Steinbrücks aktuellem Buch „Unterm Strich“. Es sind Trophäen des Bildungsbürgertums in einer Altbauwohnung mitten in Bremen. Damit hatte Schindler eine Zeit lang nichts mehr zu tun. Denn damals, als Salafist, trägt er zum Freitagsgebet ein langes schwarzes Gewand, ein Taliban-Hemd, wie er es nennt, und geht jede Woche zum Islamunterricht der Moschee. Am Ende wird ihm Allahs Wort fast alles bedeuten. „Ich hätte damals mein Leben geopfert“, sagt er. Die Salafisten sind die Islamistengruppe, die Öffentlichkeit und Sicherheitsbehörden derzeit am meisten beschäftigen, am Donnerstag auch die Konferenz der Innenminister. Wobei es schon schwierig ist, von den Salafisten zu sprechen. Die Strömung umfasst viel: weltabgewandte Sekten, radikale Imame, bis hin zu gewaltbereiten Zirkeln. Vorbild sind die frühen Gefolgsleute des Propheten Mohammed aus dem 7. Jahrhundert. Deren Lebensweise gilt als gottgefällig – und sie gilt es zu verbreiten. Nach Einschätzung von Sicherheitsbehörden gibt es 3000 bis 5000 Salafisten im Land. Bei vier Millionen Muslimen in Deutschland ist das ein Nischenbiotop, und man darf fragen, ob den Salafisten diese Aufmerksamkeit gebührt. Noch dazu, weil lediglich eine kleine Minderheit als gewaltbereit gilt. Allerdings reichen bereits wenige Extremisten, um Angriffe auszuführen. Sei es Arid U., der sich durch salafistische Predigten radikalisierte, bevor er im März 2011 am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten erschoss; sei es der 25-jährige Deutsch-Türke Murat K., der jüngst bei einer Salafisten-Demonstration in Bonn zwei Polizisten durch Messerstiche schwer verletzte. Zwei Dutzend Salafisten in Deutschland traue man derzeit Anschläge zu, heißt es aus Kreisen der Sicherheitsbehörden. Überprüfen lässt sich das nicht.

 

 

 

 

 

Salafismus – eine Radikalisierungsmaschine?

 

Rolf Schindler hält die Aufmerksamkeit für berechtigt. Er hat den Salafismus erlebt als eine Radikalisierungsmaschine. In Wirklichkeit trägt er einen anderen Namen, denn er fürchtet um seinen Ruf – und den Zorn seiner früheren Glaubensgenossen. Die Abkehr vom Islam wird mit dem Tode bestraft, so hat er es gelernt. Seine Geschichte ist die eines jungen Mannes, der Anschluss sucht und ihn bei den Salafisten findet, den die Gemeinschaft aufleben lässt, der die Lehre aufnimmt wie eine Erleuchtung – und am Ende doch den Ausstieg schafft. Rolfs Weg zum Islam beginnt mit seelischem Schmerz. Ende 2007 trennen sich seine Eltern, da ist er 17 und in der 10. Klasse. Er stolpert durch eine schwierige Zeit. Rolf sucht Halt, Wärme, einen Ersatz für die zerbrochene Familie. Und er beginnt seine Suche, wo viele Jugendliche suchen – im Internet. Zur Kirche hat er vom Elternhaus aus kaum Beziehungen. Die Atmosphäre dort empfindet er als „kalt“, zu viele Fragen bleiben offen. Der Islam bietet ihm mehr Halt. Er ist für den Jugendlichen zunächst eine Religion wie jede andere auch. Auf YouTube klickt er auf Videos von Predigern, die Klartext reden, etwa von Pierre Vogel, dem bekanntesten Salafisten-Prediger Deutschlands. Der vermittelt klare, praktische Vorstellungen vom Leben – mit viel Überzeugung. Der Glaube wird das Gerüst, das Rolfs Leben zusammenhält.

 

Der Einstieg ist harmlos, aber auch eine Enttäuschung. Rolf besucht eine sufistische Gemeinde in der Nähe, dort wird ein eher asketischer Islam gelehrt, unverdächtig, aber langweilig. Ein paar Rentner sitzen dort, die unter sich bleiben. Man spricht Türkisch und hat nicht gewartet auf deutsche Jungspunde. Ein anderer Konvertit rät ihm, das Islamische Kulturzentrum Bremen (IKZ) zu besuchen, eine der Salafisten-Hochburgen in Deutschland. Das IKZ liegt zentral, man läuft fünf Minuten vom Bremer Hauptbahnhof, dann steht man vor einem weißen Gewerbebau, den die Jahrzehnte an der Ausfallstraße gezeichnet haben. Innen fühlt sich Rolf schnell heimisch. Es wimmelt von jungen Leuten, die kontaktfreudig sind. „Die sind unter den deutschen Muslimen am besten integriert“, sagt Rolf. „Fast alle sprachen flüssig Deutsch und gingen an die Uni.“ Heute mag Rolf die Moschee nicht mehr betreten. Dafür strömen andere in die langgestreckte Halle, gut 200 Menschen sind es an diesem Freitag im Frühling.

 

Die Fenster sind gekippt, in der Luft liegt eine Note von Schweiß und ausgezogenen Schuhen. Der Vorbeter ruft Sätze auf Arabisch, während Gläubige einen Platz auf dem Teppich suchen. Fremde fallen auf, sie werden freundlich empfangen. Ein Jugendlicher rückt zur Seite für den Neuling – und checkt auf seinem Smartphone noch schnell sein Facebook-Konto. Während der Predigt. In den Teppich sind Streifen eingewebt, sie geben den Abstand vor. Viel ist nicht vorgesehen. In der Betstellung sieht man beim Blick durch die Beine, wie dicht der Hintermann an die eigenen Socken kommt. „Zum ersten Mal hier?“, fragt der Nachbar, ein Mann Mitte vierzig und reicht die Hand.Herzlich willkommen„!  Seitlich gehen mehrere Räume ab, es gibt Lebensmittel zu kaufen, einen Buchladen, ein Büro – und einen Unterrichtsraum. Hier besucht Rolf damals die Islamstunden. Immer samstags versammeln sich an die zehn Leute, um Koranstellen zu studieren, vor allem aber Bücher, die ein strenges Islam-Verständnis propagieren. Rolf liest aus dem „Tauhid“, dem Buch eines jamaikanischen Konvertiten, der in Saudi-Arabien studiert und gelehrt hat. Die Schüler stellen Fragen, die Antworten gibt Mohammad Omar Habibzada, der erste Vorsitzende des Islamischen Kulturzentrums.

 

 

Austritt wird zum Angriff auf den Islam

 

„Der war sehr politisch“, sagt Rolf Schindler, „den deutschen Staat haben sie abgelehnt.“ Man dürfe keine Parteien wählen, hört er da. Die Scharia sei das einzig gültige, weil göttliche Gesetz, demokratische Regeln widersprächen diesen Gesetzen. Zu Terrorismus ruft niemand auf. Doch Sympathien für die Glaubensbrüder in Palästina oder Afghanistan werden durchaus erkennbar. Ein Land, das einmal muslimisch geworden sei, dürfe nie wieder hergegeben werden, hört Rolf. Und: Wer bereit sei, sein Leben für den Islam zu opfern, der komme ins Paradies. In der Moschee bekommt Rolf das Buch „Missverständnisse über Menschenrechte im Islam“ von einem Abdul-Rahman al-Sheha aus der saudi-arabischen schen Hauptstadt Riad. Er hat darin begründet, warum abtrünnige Muslime getötet werden müssen. Der Schritt führe zu Unfrieden, die Tötung sei „in Wirklichkeit eine Erlösung für die restlichen Mitglieder der Gesellschaft“. Der Austritt wird zum Angriff auf den Islam. „Aus diesem Grund ist eine solche Strafe vorgeschrieben, Allah weiß [ES] am besten.“ So wird die Logik des Extremismus konstruiert. Der Koran ist Gottes Wort und Gott weiß alles – man selbst kann sich ja irren. „Man wird gelehrt, das Denken für Gut und Böse abzuschalten“, sagt Rolf Schindler heute. In der Gemeinschaft bestärkt man sich in diesem Denken. Der Salafist Rolf spielt mit den neuen Freunden Fußball, nach dem Islamunterricht ziehen sie abends gemeinsam durch die Stadt. Rolf hat seine Ersatzfamilie gefunden. Er spielt mit dem Gedanken, im saudi-arabischen Medina den Islam zu studieren und Imam zu werden. Als der bekannte salafistische Prediger Muhamed Ciftci in der Moschee spricht, bietet er Rolf einen kostenlosen Arabischkurs an. „Ich habe mir das ernsthaft überlegt.“

 

 

 

 

 

Erfolgreich bei Jugendlichen

 

Die Salafisten kümmern sich um die jungen Leute“, sagt Hans-Joachim von Wachter. Das ist nicht so positiv gemeint, wie es klingt. Wachter ist Chef des Landesverfassungsschutzes Bremen, er beobachtet das Wachsen der Szene seit Jahren. Seine Erkenntnisse: Anders als die meisten herkömmlichen Imame im Land sprechen die Salafisten nicht nur Deutsch, sondern auch die Sprache der Jugendlichen. Sie sind im Internet und auf YouTube präsent, nutzen sogar Musikvideos, sogenannte Nashids, um ihre extremen Gedanken zu transportieren. Erfolgreich sind sie damit besonders bei Jugendlichen, die sich als Muslime diskriminiert fühlen. „Die Botschaft lautet: Du bist nicht Türke oder Deutscher, sondern Muslim – und was Besseres“, sagt Wachter. Salafisten begnügten sich nicht mit religiösen Fragen, das sei das Problem. Sie lehnten Wahlen genauso ab wie Zeugenaussagen vor deutschen Gerichten. „Sie sind entschieden integrationsfeindlich“. Einer der Hauptfiguren der Bremer Szene ist Mohammad Omar Habibzada, der IKZ-Vorsitzende. Man trifft ihn freitags in der Moschee, in seinem engen Büro neben der Gebetshalle. Der 34-jährige Deutsch-Afghane trägt den Bart naturwüchsig-lang, der Blick ist skeptisch. Zu viele schlechte Erfahrungen mit der Presse. Habibzada will erst eine schriftliche Zusicherung, dass er alle Zitate vor der Veröffentlichung sehen darf. Die Vorwürfe der Sicherheitsbehörden bestreitet er. Schon die Einordnung als „Salafisten“ lehne er ab, sagt Habibzada im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

 

 

Hausverbot für Radikale

 

Die Gemeinde werde „mit Vorwürfen überhäuft, mit dem Ziel, unsere freie Religionsausübung einzuschränken und die Entwicklung einer islamischen Identität zu verhindern“. Auch Schindler liege falsch, so habe er nie den Vorrang der Scharia vor den Gesetzen propagiert, sagt Habibzada. Allerdings gibt er zu: Vom Wählen habe er abgeraten. „Denn keine der angebotenen Parteien vertritt die Interessen der Muslime.“ Auch das „Menschenrechts“-Buch von al-Sheha sei in der Moschee verteilt worden – bis es die Behörden auf den Index gesetzt hätten. Besucher, die durch radikale Ansichten auffallen, erhielten Hausverbot. Fragt sich nur, was radikal ist. Er sei damals selbst radikal gewesen, sagt Rolf Schindler. Kritisches Denken schaltete er ab. „Dann ist man zu allem bereit.“ Nach einem Jahr in der Moschee wachsen seine Zweifel. Ende 2008 beginnt der Gaza-Krieg, nach andauerndem Raketenbeschuss aus dem Küstenstreifen greift die israelische Armee massiv an. In der Moschee hört Rolf aggressive Predigten, auf Islamisten-Portalen laufen israelfeindliche Videos. Nun dämmert es ihm. Er kommt aus einer israelfreundlichen Familie, seine Mutter ist in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Rolf versucht, Israel zu verteidigen, doch dieser naive Versuch scheitert. „Ich verstand den Zusammenhang zur Gewalt, dass es zur religiösen Pflicht werden kann, Menschen zu töten.“ Binnen einer Woche wendet er sich ab. Wenig später trifft er Wachter, der sich lange mit ihm unterhalten habe. Nach dem Ausstieg beschleicht Rolf Schindler ein mulmiges Gefühl, Abfall vom Glauben gilt als Todsünde. Doch es hagelt keine Drohungen, nur eine E-Mail des Bedauerns erreicht ihn von einem Ex-Glaubensbruder. Schindler arbeitet heute als Bäcker, in seinem Zimmer hängt eine Israel-Fahne. Seine früheren Weggefährten sieht er fast täglich auf der Straße, er wohnt in der Nähe der Moschee. Und so ist er vorsichtig geblieben. „Die Salafisten rufen nicht zu Selbstjustiz auf, das ist das Gute an ihnen“, sagt er. Darauf verlassen möchte er sich nicht. {Quelle: www.sueddeutsche.de – Von Roland Preuß, Bremen}

 

One Response to “Ex-Salafist packt aus”

  1. Ergänzer Says:

    Hier der neue Link für das oben gesperrte Video (Salafisten News/ARD)


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