kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Der Zustand der Welt hängt am Zustand der Gläubigen 28. Mai 2012

Filed under: Spiritualität — Knecht Christi @ 17:48

Das Testament Jesu in Johannes 17

 

Die Wurzeln Europas liegen in Athen, Rom und Jerusalem. Athen und Rom stehen für die denkerischen und technischen Fähigkeiten, Jerusalem steht für den jüdischen Glauben und die Hoffnung der christlichen Urgemeinde auf das Gottesreich der Erlösung und Nächstenliebe. Welchen Beitrag bilden die Abschiedsworte Jesu im Johannesevangelium für die Fundamente Europas? Genau genommen spricht hier allerdings der Evangelist Johannes. Er legt für alle künftigen Christen Jesus ein Testament in den Mund. Dieses mündet in ein eindringliches Gebet um das Eins-Bleiben des Gottesvolkes. Johannes unterscheidet die Anhänger Jesu sehr klar von den Welt-Bürgern, aber er bezieht die Aufgabe seiner Schüler ganz auf die Arbeit an der Welt. Der Zustand der Welt hängt am Zustand der Gläubigen.

 

In der Welt gehasst“ – weilnicht von der Welt

 

‚Welt‘ verweist auf die sündigen Seiten des Europäers. List, Gewalt und Sex bestimmen seine Gründungsmythen: Zeus entführt als Stier Europa, um den Besitz Helenas entbrennt der Krieg um Troja (George Steiner). Die ‚Welt‘ habe Gott nicht erkannt, sagt Johannes, denn sie missbraucht die Freiheit, die uns Menschen gegeben ist. Auch diese bittere Wahrheit gehört zum Erfahrungsschatz der jüdisch-christlichen Weisheit. Das Gegenstück heißt: „in der Wahrheit geheiligt“ sein (Joh 17,19), oder: „Glaube und Vernunft“ (Papst Benedikt XVI.). Israel, Jesus und die Apostel erkannten Gottes Willen und Ausweg. Wie können die Risse in der Schöpfung aber geheilt werden, wenn die Gerechten und Gläubigen, weil ihr Dienst anspruchsvoll ist, nur eine Minderheit bilden?

 

Ich habe sie in die Welt gesandt

 

Wie kann eine Minorität von Christen die übrige große Gesellschaft im Gleichgewicht halten? Man kann sich eine alte Apothekerwaage vorstellen: So liegt auf der einen Schale die kleine Gemeinschaft der Christen und auf der anderen Seite das ganze Gewicht der Welt. Nur durch eine entsprechende Qualität, nämlich das Gewicht unseres Christseins – Jesus nannte es Salz, Sauerteig, Stadt auf dem Berg – können wir Christen unsere Umwelt und Gesellschaft im Gleichgewicht des Heils halten. Am besten durch unser Vorbild, indem wir uns selber aller Bereiche und Aspekte des Lebens annehmen und zeigen, wie sie stimmig, gerecht und schön sein können. Man könnte es auch Neuevangelisierung durch Faszination nennen. Man braucht nicht einmal eine Missionierungskampagne. Schöne und auffallende Dinge ziehen von allein den Menschen an, über dessen Schaulust und Lust am edlen Wettstreit.

 

Sie sollen vollendet sein in der Einheit

 

Das „Ihr“ und „Euch“ der Jünger meint eine geballte Kraft. Sie sind keine vereinzelten Egoisten. Sie haben den Auftrag verstanden, Werkzeug Gottes in der Welt zu sein, Jesu Wirken fortzusetzen in der Kraft ihrer Gemeinsamkeit. Dieses Netzwerk Gottesvolk aus Gemeinden soll die Länder, Staaten und Kontinente umspannen, in der Ohnmacht der Minderheit, aber mit der Macht der Wahrheit und der Liebe. Martin Buber fand den Begriff der „mittegeeinten Gemeinde“: die Peripherie eines Wir wäre nur ein soziales Gebilde, erst die Radien zu einer gemeinsamen Mitte machen ihr Wesen aus. Was ist unsere Mitte? Alle sind geeint durch das Erleben der Geschichte mit Gott. Jesu Testament nennt die Früchte: Freude an der Liebe Gottes, Fülle und Herrlichkeit. Gott hat zwei Arme und Hände, um in die Welt hineinzuwirken: seinen Heiligen Geist und seinen Sohn Jesus Christus. Er braucht aber nach der Tötung Jesu Fortsetzer. Diese sind die Werkstatt Gottes, sein Volk, seine Gemeinde, wo in seinem Geist und im Geist Jesu gewirkt wird.

 

Um die Einheit kann selbst Christus nur beten

 

Natürlich ist in der Welt das Zerstreuen, die Einheit ist ein Wunder. Die Welt, die den Frieden nicht finden kann, bedarf des Vorbildes der Christen. „Damit die Welt erkennt, … damit die Welt glauben kann“, heißt es in der Bitte Jesu an Gott den Vater, und ganz profiliert: „Für sie bitte ich, nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast“. Das ist Realistik, und das verlangt die Logik. Gott braucht Mitarbeiter, und er findet nur eine Minderheit. Aber sie genügt – wenn die Spaltungen nicht wären, die Vieles unglaubwürdig und allzu menschlich machen. Bei dem Thema Kirchenspaltungen vergessen wir gewöhnlich die Urtrennung zwischen Christen und Juden. Es war das „Urschisma“ (Kardinal Walter Kasper), das heißt, wir Christen sind nicht der Alleinerbe an Stelle der Juden, sondern wir sind von der jüdischen Wurzel Getrennte. Der von Gott ungekündigte Bund mit den Juden müsste die erste Hauptfrage des ökumenischen Anliegens sein. Denn um diesen Bund geht es in der Bitte Jesu. Es muss uns erschüttern, dass sogar der Gottessohn und sein Tod die Einheit des Gottesvolkes nicht erzwingen können. Auch Jesus kann nur um sie beten.

 

Wer betet, dem geht es um eine Gebets- und Willenseinheit mit Gott.

Das Beten ist eine Arbeit Gottes am menschlichen Herzen:

es soll die Wünsche Gottes erkennen und mit ihnen übereinstimmen.

Es ist der Anfang und Entschluss zu einem entsprechenden Leben und Handeln und kann nicht wirkungslos bleiben.

 

 

Der Zustand der Welt hängt am Zustand der Gläubigen: So schreibt der bekannte deutsche Theologe Ludwig Weimer in seinem für uns verfassten Text. Anschließend an unseren letzten Europabrief wollen wir Ihnen wiederum grundlegende Gedanken zur geistlichen Landschaft unseres Kontinents zugänglich machen. Nützen wir das Pfingstfest und die Zeit danach, um in besonderer Weise für unser Europa zu beten. Danke dafür und dass Sie dieses Anliegen verbreiten helfen!

Ihr Europa für Christus! – Team in Wien

Professor Dr. Ludwig Weimer lehrt am „Lehrstuhl für die Theologie des Volkes Gottes“ an der Päpstlichen Lateranuniversität in Rom (www.ltvg.org)

Europe 4 Christ

 

3 Responses to “Der Zustand der Welt hängt am Zustand der Gläubigen”

  1. Emanuel Says:

    „Israel, Jesus und die Apostel erkannten Gottes Willen und Ausweg.“

    Die Irrungen der Irrlehre führen nicht weiter …. Ich erkenne die Innere Bedeutung von „Israel“ als die „geistige Kirche des Herrn“ und Jesus Christus als Gott , den Herrn – Der Vater ist das „Göttliche Sein“ — Der Sohn, das „Göttliche Dasein“ .. Also wir unterscheiden den Herrn lediglich in Seiner Erscheinungsform für den Menschen. Gott können wir nur über den Sohn, Jesus Christus empfangen. Es sind aber nicht Zwei , sondern Eins … Liebe und Wahrheit sind vereint nur im Herrn, dem Schöpfer des Universums, JHWH, dem Ewigen, dem Allmächtigen .

    Warum sage ich das hier? Weil obiger Artikel auf dieser Glaubensbasis, die ich kurz dargestellt habe, sich quasi in lauter Widersprüche und Unklarheiten verliert und sich in Luft auflöst …

  2. Erwartet vom Leiden weder Frucht noch Gutes – es füllt nur die offene Wunde, die Sünde ist,
    und ist deren Antwort.
    Die Wunde ist Leere, die vom Leiden zur Heilung gefüllt wird.
    Das aber ist nicht Frucht, ist nicht ‚Mehr‘ – es scheint nur so –
    denn wenn das Leiden ein Ganzes wäre, und nicht nur Teil,
    so wäre die Erlösung, die ihm ein Ende setzte, nichts anderes als ein Verrat.

    LEIDEN MUSS NICHT SEIN, Schläge und Züchtigungen müssen nicht sein –
    die Selbsthingabe und das OPFER löschen sie aus!
    Dies ist heiligste GNADE.

    • Emanuel Says:

      Liebe Issacher !

      Leiden und Versuchungen sind nicht vom Herrn ! Von Gott kommt nur Gutes und Wahres ! Alles andere scheint nur so… es scheint als würde Gott strafen und prüfen ! Das Böse müssen wir ablegen und das geht nur unter schweren Kämpfen mit uns selber , da wir in uns alles verkehrt haben … Wenn wir in unseren Kämpfen sind, das Böse abzulegen, kommen die Leiden vom Bösen ! Du kannst es bereits an den Verwirrungen über die Bedeutung der „Selbstliebe“ erkennen …. Wie viele behaupten heute z.B. , das „Selbstliebe „vorhanden sein muss, da man „wenn man sich nicht selbst lieben würde, man auch keinen anderen lieben könne“ … das ist nur eine Sache , die vollkommen dunkel ist ….

      Gott vergibt allerdings auch nicht in dem Sinne alle Schuld, wie es die Kirchenlehre darstellt… Das widerspricht „allen Göttlichen Gesetzen“. Gott würde damit Seine eigenen Regeln und Gebote ausser Kraft setzen .. Das kann selbst Gott, der Herr nicht … Weil Er sich damit Selber ausser Kraft setzen würde … Die Lehre von der Vergebung aller Sünden im Moment des Todes ist eine IRRLEHRE ……


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