kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

“Die Straßen Arabiens sind muslimisch geprägt” 13. Mai 2012

Filed under: Christenverfolgung,Islamischer Terror — Knecht Christi @ 22:17

Das bärtige Parlament Ägyptens

In Jordanien wächst in Folge des „Arabischen Frühlings“ die Sympathie für islamische Bewegungen wie die Muslimbruderschaft.

 

Im Gespräch mit Erzbischof Maroun Lahham, Patriarchalvikar für Jordanien

 

Jordanien gilt als ein Land, das seinen Bürgern Religionsfreiheit gewährt.

 Christen und Muslime leben friedlich zusammen.

Aber auch in Jordanien wächst in Folge des „Arabischen Frühlings“ die Sympathie für islamische Bewegungen wie die Muslimbruderschaft.

Erzbischof Maroun Lahham. ist seit Januar 2012 Patriarchalvikar für Jordanien.

 

Eure Exzellenz, Sie sind noch nicht lange in Jordanien. Verglichen mit anderen arabischen Ländern: Ist Jordanien tatsächlich eine Oase der Glaubensfreiheit für Christen, wie es überall heißt?
Es ist beinahe eine Oase. Als Christen haben wir hier keine Probleme mit unseren muslimischen Brüdern. Jordanien wurde schon immer als große Familie beschrieben. Das ist es wirklich. Abgesehen von kleinen fundamentalistischen Gruppen ist die Mehrheit der jordanischen Muslime gemäßigt. Aber es gibt Probleme, wenn es um die Gewissensfreiheit geht. Es ist ein elementares Menschenrecht, seine Religion zu wählen oder gar keine zu wählen.

 

Und dieses Recht existiert in Jordanien noch nicht?
Nein. Wir haben die Freiheit der Religionsausübung, was sehr wichtig ist. Aber die Ausübung der eigenen Religion ist nur ein Teil der Religionsfreiheit. Gewissensfreiheit würde gestatten, vom Islam zum Christentum zu konvertieren. Das ist in Jordanien verboten. Wir bitten mit allem Respekt um diese Freiheit und bemühen uns, die Behörden von ihrer Bedeutung zu überzeugen.

 

Mit wem sprechen Sie über diese Themen?
Im Allgemeinen sprechen wir mit der Regierung. Aber es gibt auch inoffizielle Gelegenheiten zum Dialog mit den muslimischen Organisationen. Sie sind keine Entscheidungsträger, aber sie hören zu – wenn auch die Einstellung sich nur sehr langsam verändert. Aber auf rechtlicher Ebene müssen wir uns an die Regierung wenden.

Ein prominentes Mitglied der jordanischen Königsfamilie, Prinz Hassan bin Talal, ist bekannt für seine Unterstützung eines toleranten Islams. Befürwortet er Ihre Ideen?
Der Prinz persönlich ja. Er ist ein brillanter und äußerst gebildeter Mensch. Aber es ist nicht genug, den Prinzen oder sogar den König zu überzeugen. Das ist nicht das Problem. Die Scharia erlaubt weder, zu konvertieren, noch lässt sie die Hochzeit einer muslimischen Frau mit einem christlichen Mann zu. Die Straßen Arabiens sind also durch und durch muslimisch geprägt. Aber Sie haben Recht: Es muss bei den Angehörigen der muslimischen Elite und Intellektuellen beginnen.

 

Zurzeit bereitet Jordanien ein neues Wahlgesetz vor, das Christen und anderen Minderheiten mehr Sitze im Parlament zugesteht. Es gibt also leichte Veränderungen zum Vorteil der Christen.
Ja, wir hatten neun von 110 Sitzen, nun werden wir zehn haben. Aber das ist zweifelsohne eine Verbesserung und stärkt sicherlich die Position der Christen in der Politik. Und es gibt einen weiteren positiven Effekt des neuen Gesetzes. Da es in erster Linie gegen die Muslimbruderschaft gerichtet ist, schränkt es deren Einfluss im Parlament ein. Demzufolge kann sie ihren Willen in Jordanien nicht diktieren, wie dies ihre Abgeordneten in Ägypten tun.

 

 

Aber die Notwendigkeit dieses neuen Gesetzes zeigt doch, dass es unter den einfachen Menschen hier in Jordanien zunehmende Sympathien für die Muslimbruderschaft gibt.
Wie ich bereits sagte, auf den Straßen Arabiens wird muslimisch gedacht. Zweitens bewundern die Menschen die islamischen Bewegungen, weil sie in der arabischen Welt immer verfolgt wurden. Das ist eine Quelle der Anerkennung. Drittens waren sie, die seit Jahrzehnten existieren, die einzigen politischen Parteien nach dem sogenannten “Arabischen Frühling”, die gut organisiert waren. So bekamen sie einen gewissen Einfluss auf die öffentliche Meinung, weshalb sie beispielsweise in Ägypten so stark wurden.

 

Und hier in Jordanien? Rechnen Sie damit, dass sie größere Mehrheiten gewinnen?
Nicht mit diesen neuen Vorschriften. Wären die Wahlen allerdings absolut frei und offen, würden sie auch im jordanischen Volk eine Mehrheit erzielen. Aber ich habe keine Angst vor ihnen. Wenn sie erst regieren, müssen sie moderater werden. Wir sehen das in Tunesien. Außerdem wird ihre Schwäche in Wirtschaftsdingen sehr schnell sichtbar werden. Arabische Gesellschaften brauchen wirtschaftliche Entwicklung. Die Fundamentalisten hingegen sind nur gut in der Sozialfürsorge – aber nicht in Ökonomie. Ihre Anziehungskraft auf die Menschen wird sich also schon nach einer kurzen Zeit in der Regierung abschwächen. {Quelle: www.kirche-in-not.de}

 

 

 

 

Christen fürchten einen “Arabischen Winter

 

 

Ein Gespräch mit André Stiefenhofer

über die Situation der Christen in Jordanien

 

 

Unser Mitarbeiter André Stiefenhofer ist vor kurzem von einer dreiwöchigen Informationsreise in den Irak, nach Israel und Jordanien zurückgekehrt. Im Interview berichtet er, wie die Christen in Jordanien die aktuellen Entwicklungen in ihrer Region beurteilen.

 

Herr Stiefenhofer, wie erleben die Christen in Jordanien die Umbrüche im Nahen Osten?
Die Christen im Nahen Osten stehen dem “Arabischen Frühling” generell eher skeptisch gegenüber. Immer wieder haben wir die Aussage gehört, dass die Revolutionen eher ein “Arabischer Winter” seien. Wie die Erfahrung aus Ägypten oder Libyen zeigt, neigen viele Menschen dazu, eher aus ihren Ländern auszuwandern zu wollen, als sich an der Umgestaltung ihrer Gesellschaften zu beteiligen. So viel Vetternwirtschaft, Stillstand und Armut die bisherigen autoritären Systeme auch bedeutet haben – immerhin haben sie politische Stabilität und Sicherheit garantiert. Und Sicherheit ist für die Christen in Jordanien das Allerwichtigste, schließlich haben sie die katastrophale Entwicklung im Irak vor Augen, wo die Christen nach dem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung zwischen alle Fronten geraten und Opfer blutiger Gewalt geworden sind. In Jordanien werden die Christen als Minderheit vom Staat gut geschützt. Aber sie bezweifeln, dass sich durch eine eventuelle Revolution eine tatsächliche Demokratie durchsetzen wird. Die Menschen befürchten vielmehr, dass radikale Islamisten wie die Muslimbrüder an die Macht kommen könnten. Diese Bewegung hat auch in Jordanien zahlreiche Unterstützer und würde sofort davon profitieren, wenn dort das System ins Wanken geriete.

 

Regt sich auch dort der Widerstand gegen Korruption und festgefahrene Machtstrukturen?
Zumindest nicht offen. Jordanien ist ähnlich wie Syrien ein von Geheimdiensten und Polizei kontrollierter Staat, der Demonstrationen im Keim erstickt. Das ist sicher kein gesunder Zustand. Die Überbevölkerung und Arbeitslosigkeit sorgen mancherorts für schlechte Stimmung, die kaum ein Ventil findet. Aber es ist für einen Außenstehenden schwer, offene Anzeichen für eine Unzufriedenheit zu finden. Ein großer Unterschied zu Syrien ist außerdem der große Respekt, den die Bevölkerung König Abdullah II. entgegenbringt. Eine Hassfigur für die Massen, wie es Mubarak in Ägypten war oder Assad in Syrien ist, fehlt in Jordanien.

 

 

 

Sitzt König Abdullah II. fest im Sattel?

So weit ich das beurteilen kann, ja. Jedes jordanische Kind wächst mit seinem Bild im Klassenzimmer auf und das Nationalbewusstsein der Jordanier ist sehr auf das Königshaus zentriert. Es ist schwer, sich einen völligen Sturz der Königsfamilie vorzustellen – aber die Erfahrung hat gezeigt, dass man mit solchen Prognosen in der derzeitigen Situation vorsichtig sein sollte.

 

Müsste sich der König an die Spitze einer Revolution stellen?

Sagen wir es so: Soll der Umbruch friedlich verlaufen, müsste er von ihm ausgehen. Doch das Grundproblem bleibt das gleiche. Wir müssen uns fragen, ob Demokratie nach unserem Verständnis überhaupt möglich ist in Staaten, deren Mentalität und tägliche Wirklichkeit noch stark geprägt sind von Stammeszugehörigkeit und Vetternwirtschaft. Die wirtschaftlich schlechte Lage ist meiner Ansicht nach weniger eine Konsequenz der Staatsform als vielmehr der gesellschaftlichen Prägung der Menschen. Man kann hier keinen Quantensprung aus einer Stammesmentalität hin zu einer modernen Zivilgesellschaft erwarten. Als der König sein Volk zum Beispiel dazu aufrief, Parteien zu gründen, waren das Ergebnis keine auf Konsens aufbauenden Volksparteien, sondern hunderte Splittergrüppchen, die jeweils sehr begrenzte Einzelinteressen vertraten. Die einzigen, die auf breiter Front Unterstützung erhielten, waren extremistische Parteien wie zum Beispiel die Muslimbrüder. Man kann verstehen, warum der König und auch viele seiner Untertanen unter diesen Umständen lieber am Status Quo festhalten. Leider ist dieser Stillstand aber auch nicht die Lösung für die drängenden Probleme der Region.

 

 

 

 

Warum ist gerade Jordanien auf Frieden besonders angewiesen?

Das Land ist arm, es besitzt kaum Bodenschätze und besteht zum größten Teil aus Wüste. In den vergangenen acht Jahren hat Jordanien mit seinen sechs Millionen Menschen viele Flüchtlinge aus dem Irak aufgenommen, was das Land wirtschaftlich an den Rand seiner Belastungsgrenze geführt hat. Das einzige Kapital Jordaniens ist seine öffentliche Ordnung, die Einkünfte aus dem Tourismus ermöglicht und die Grundlage für Hilfen aus dem Ausland bildet. Bricht diese Ordnung zusammen, wird aus Jordanien das Armenhaus der Region.

 

Wie viele Iraker sind zwischenzeitlich nach Jordanien geflohen und wie wirkt sich das in Jordanien aus?

Im Nahen Osten nach Statistiken zu fragen, ist eine heikle Angelegenheit. Selbst staatliche Stellen geben Ihnen komplett unterschiedliche Zahlen. Ich halte die Zahlen der Caritas in Amman für seriös, die angibt, bis 2010 etwa 100 000 Iraker als Flüchtlinge offiziell registriert zu haben. Rechnet man in diese Zahl noch die Menschen mit ein, die illegal nach Jordanien gekommen sind und sich nicht bei der Caritas gemeldet haben, kann man davon ausgehen, dass seit dem Einmarsch der “Koalition der Willigen” im Irak über eine halbe Million Menschen nach Jordanien geflohen sind. Die Auswirkungen sind greifbar: Die Lebenshaltungskosten sind explodiert, während die Löhne relativ gleich geblieben sind. Ein jordanischer Lehrer verdient zum Beispiel knapp 300 Euro im Monat, während die Preise für Nahrungsmittel und Mieten inzwischen ähnlich hoch sind wie hier in Deutschland.

 

Unter welchen Bedingungen leben die christlichen Irak-Flüchtlinge in Jordanien?

Die rein äußerlichen Bedingungen sind nicht schlecht. Fast niemand lebt in Lagern, die allermeisten haben ein Dach über dem Kopf. Auch wenn es vorkommen kann, dass eine achtköpfige Familie in einer kleinen Zweizimmerwohnung haust, gibt es doch staatliche Stellen und Hilfsorganisationen, die sich um diese Menschen kümmern. Das Problem ist, dass die meisten der Flüchtlinge für sich und ihre Familie keine Zukunft mehr sehen. Die Ausreise in den Westen wurde den meisten verwehrt, und in Jordanien ist es ihnen verboten zu arbeiten. Ihre Kinder dürften zwar die staatlichen Schulen besuchen, jedoch ist dort der gesellschaftliche Druck, zum Islam zu konvertieren, so groß, dass viele Eltern davor zurückschrecken, ihre Kinder auf diese Schulen zu schicken. Eine Alternative sind christliche Privatschulen, aber die kann sich kaum jemand leisten, und es fehlt an ausreichenden Stipendiatenprogrammen.

 

Wie kann ihnen geholfen werden, was unternimmt KIRCHE IN NOT?
Es gibt viele Organisationen und Gemeinschaften, die in Jordanien helfen. Dies geschieht oft recht unkoordiniert. So helfen viele Gruppen den Kindern christlicher Flüchtlinge dabei, auf Privatschulen zu gehen, aber sie sprechen sich dabei nicht ab. Wir wollen dabei helfen, diese Zusammenarbeit zu verbessern. Außerdem sorgen wir dafür, dass die Flüchtlinge ihren Glauben bewahren können und helfen dabei, indem wir religiöse Schriften auf Arabisch verbreiten sowie Versammlungszentren und Kirchen für Christen ausbauen. In dieser schwierigen Lage ist es vor allem wichtig, den Verantwortungsträgern den Rücken zu stärken: Priester und Katecheten tragen eine schwere Last in Jordanien. Sie wollen wir finanziell und im Gebet unterstützen. {Quelle: www.kirche-in-not.de}

 

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