kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Führungslose Kirche in einer unsicheren Zeit 19. März 2012

Filed under: Koptenverfolgung — Knecht Christi @ 15:16

Die Kopten trauern um ihren Papst

 

Ägyptische Kopten fürchten zunehmende Islamisierung nach dem Sturz Mubaraks

 

Kairo/Wien: Der Tod von Papst Shenouda III., auch wenn er erwartet wurde, ist ein weiterer Faktor der Verunsicherung für die ägyptischen Kopten. Seit dem Sturz von Hosni Mubarak gibt es Tendenzen einer Neudefinition der nationalen Identität Ägyptens, die die Kopten als Christen immer mehr ausschließt. Und das, obwohl die konfessionelle Einigkeit als eine der Errungenschaften des Tahrir-Platzes gefeiert wurde. Nicht dass unter Mubarak alles in Ordnung gewesen wäre: Konfessionelle Gewalt zwischen Christen und Muslimen wurde oft als vom Regime zum eigenen Nutzen – als Bollwerk gegen den Islamismus – orchestriert angesehen. Aber seit den ersten freien Parlamentswahlen ist die Islamisierung Ägyptens amtlich besiegelt: Wobei sich die Kopten nicht so sehr durch die 45 Prozent Muslimbrüder bedroht fühlen, sondern durch die 25 Prozent Salafisten. In deren Vorstellung davon, wie der islamische Staat Ägypten aussehen sollte, sind Nichtmuslime keine vollwertigen Bürger. Kopten müssen heute sehr aufpassen: So handelte sich der Unternehmer Naguib Sawiris eine Anklage ein (die allerdings inzwischen zurückgelegt wurde), weil er Mickey und Minnie Maus in Salafisten kleidung per Twitter versandte.

 

Das Wort „Kopte“ kommt etymologisch von „Ägypten“ – die Zukunft in ihrer Heimat sehen jedoch viele infrage gestellt. Schon seit Jahrzehnten stellen Kopten etwa drei Viertel der Emigranten aus Ägypten, dieser Anteil ist seit der Revolution weiter gestiegen. Seit eine Koptendemon stration im Oktober 2011 in Maspero mit 29 Toten endete, haben die Kopten auch ihr Vertrauen in die jetzige Militärführung und teilweise die Medien – die nicht von der Gewalt der Armee gegen die Kopten, sondern nur von Gewalt der Kopten gegen die Armee berichteten – verloren. Damals versagte in den Augen jüngerer und kritischer Kopten auch Papst Shenouda: Er blieb laute Kritik am Militärrat schuldig, so wie er auch nach dem Anschlag in der Silvesternacht 2010/2011 auf eine Kirche in Alexandria die Behörden nicht kritisierte. Shenouda hielt Mubarak die Treue, bis es gar nicht mehr anders ging. Das mag so gewesen sein, weil er wusste, dass sich die Situation der Christen mit einem Umsturz nicht verbessern würde. Aber zu Mubarak hatte er auch persönlich ein gutes Verhältnis. Er hatte Shenouda von seinem von Anwar al-Sadat 1981 auferlegten Hausarrest erlöst, wenngleich es bis 1985 dauerte, bis Shenouda all seine Amtsvollmachten zurückbekam. In dieser Zeit wurde die koptische Kirche von einem Bischofskollegium geführt.

 

Hatte Papst Schenouda Saddat wegen seiner islamistenfreundlichen Politik zuungunsten der Kopten laut kritisiert, ging er danach mit Mubarak sehr sanft um – obwohl dieser bei einer Verfassungsänderung kurz nach seiner Amtsübernahme 1981 die Scharia als die „hauptsächliche Rechtsquelle“ (vorher, von Sadat eingeführt: „eine Rechtsquelle“) festschreiben ließ – der berühmte Artikel 2 der Verfassung, den Säkulare und Nichtmuslime gerne weghaben würden, was aber bei 80% {Gamaa Islamia} Islamisten im Parlament eine Illusion ist. Aber nicht nur aus politischen Gründen hatten sich manche Kopten von Shenouda entfremdet, er galt auch als erzkonservativ und reaktionär. Vor allem Shenoudas Haltung zu Scheidung und Wiederverheiratung – er selbst hatte nach seinem Amtsantritt das bereits liberalisierte Scheidungsrecht wieder verschärft – brachte viele gegen ihn auf. Shenouda ignorierte da auch Urteile des ägyptischen Verwaltungsgerichtshofes, der feststellte, dass Kopten ein Recht auf Scheidung und Wiederverheiratung hätten. Im vergangenen Herbst gab es deshalb eine Austrittswelle aus der koptischen Kirche. Und auch mit theologischen Dissidenten kannte Shenouda kein Erbarmen. {Quelle: derstandard.at – Gudrun Harrer} 

 

 

Der Tod von Kopten-Papst Schenuda III.

 kommt zu einem ungünstigen Moment

 

Mahner zu politischer Zurückhaltung

 

Seit 1971 stand Papst ShenoudaIII. der koptischen Kirche vor, einer der ältesten und wichtigsten christlichen Kirchen mit weltweit rund zwölf Millionen Mitgliedern. Für die ägyptischen Christen ist sein Tod in diesen Tagen ein besonders großes Unglück. Es trifft sie in einem Moment, in der die ägyptische Gesellschaft in vollem Umbruch ist – und in der sich ihre Kirche nach dem „Arabischen Frühling“ zunehmend von islamistischen Kräften bedroht fühlt. Das einst allmächtige Militär schützt sie nicht ausreichend vor blutigen Übergriffen und Diskriminierung, so ihre Klagen. Papst cShenudaIII. war ein Mahner zu politischer Zurückhaltung – ein Kurs, der bei der ungeduldigen christlichen Jugend zuletzt kaum mehr auf Verständnis stieß. Schon während der langen Mubarak-Jahre, aber auch noch während der dramatischen Tage am Tahrir-Platz warnte der am Samstag 88-jährig Verstorbene immer wieder vor öffentlichen Manifestationen. So könne die christliche Minderheit ihren bescheidenen Status quo am besten wahren und sich vor Übergriffen islamistischer Kräfte schützen. Doch nach dem „gemeinsamen Sieg aller Ägypter“ reicht es den Jungen nicht mehr, in der Nische einer stillen Parallelgesellschaft darauf zu hoffen, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten.
 

 

Mehr als 40 Jahre im Amt

 

So wie der Papst in Rom ein oberster Brückenbauer (Pontifex maximus) genannt wird, so war es auch der in Kairo. Der „Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhles vom Heiligen Markus“, so sein offizieller Titel, war ein Mann der Versöhnung. Seit langem war Shenouda III. im ökumenischen Dialog der Kirchen engagiert. 2000 wurde er von der Weltkulturorganisation Unesco mit dem Madanjeet-Singh-Preis für Friedensförderung und Gewaltfreiheit ausgezeichnet. Noch im November wurde er – in Abwesenheit wegen der damals besonders dramatischen Lage in der Heimat – mit dem Preis des Augsburger Hohen Friedensfests 2011 geehrt: für seine Verdienste um die Verständigung zwischen den christlichen Konfessionen sowie zwischen Christen und Muslimen in Ägypten. Papst Schenuda III. wurde am 3. August 1923 als Nasir Gayid Rafail in Abnoub in der oberägyptischen Provinz Assiut geboren. Nach Studien der Theologie, Geschichte und Archäologie trat er 1954 ins Kloster ein. Der damalige Kopten-Papst Kyrillos VI. ernannte ihn zu seinem Privatsekretär. 1962 folgte die Bischofsweihe. Am 31. Oktober 1971 wurde er als Shenouda III. zum Oberhaupt der koptischen Kirche gewählt, einer der ältesten und wichtigsten christlichen Kirchen mit weltweit rund zwölf Millionen Mitgliedern. Laut Tradition war er der 117. Nachfolger des Evangelisten Markus.
 

 

Pastorales Lebenswerk in Gefahr

Sein Leben und Wirken spiegeln vier Jahrzehnte voller Dramatik für seine Kirche: Seit der ägyptischen Revolution von 1952 sind rund zwei Millionen koptische Christen ausgewandert. Dadurch entstanden auch in Europa, Nordamerika und Australien Auslandsgemeinden. Für sie entsandte der Patriarch Seelsorger, errichtete Diözesen und bestellte Bischöfe. Mit dem Arabischen Frühling begann ein neuer Massenexodus – denn der greise Patriarch nicht aufhalten konnte. Zu hoffen ist, dass das pastorale Lebenswerk Schenudas in Ägypten nicht durch den politischen Umbruch zu scheitern droht. Schon als Student der Kunstgeschichte unterrichtete der junge Kopte Kinder in der Sonntagsschule. Von seinem Vorgänger wurde er zum Bischof mit der Verantwortung für die ganze Sonntagsschulbewegung bestellt – ein Engagement, das er auch nach seiner Patriarchenwahl 1971 weiterführte. Aus dieser Bewegung gingen viele Berufungen hervor, so dass die fast ausgestorbenen Klöster in Ägypten heute wieder Hunderte Mönche zählen. In seinen letzten Jahren begab sich Papst Schenuda mehrfach zur medizinischen Behandlung seiner Leber- und Lungenprobleme nach Europa und in die USA. Nun muss seine angefochtene Kirche ganz ohne ihren obersten Brückenbauer auskommen. Schenuda III. ist tot – und sein Nachfolger wird ein Amt antreten, um das ihn sicher niemand beneiden wird. {Quelle: www.domradio.de – Alexander Brüggemann / kna}

 

One Response to “Führungslose Kirche in einer unsicheren Zeit”

  1. Fartâb Pârse Says:

    Sei gegrüßt Bruder, wir haben etwas über die Freundschaft der beider israelischen und iranischen Nationen veröffentlicht. Ich habe sonst keinen geeigneten Platz dafür gefunden, daher bitte ich Dich um Nachsicht:

    http://parseundparse.wordpress.com/2012/03/19/israel-liebt-iran-und-iran-liebt-israel/


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