kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Interview mit CSI über Koptenverfolgung 5. März 2012

Filed under: Koptenverfolgung — Knecht Christi @ 22:56

 

Sie setzen sich stark gegen die Verfolgung der Christen im Nahen Osten ein – Wie sieht dabei Ihre tägliche Arbeit aus?

Victor Elkharat: Tja, jeden Tag muss ich mir bestimmte koptische Blogs anschauen, um zu erfahren, ob etwas Gravierendes geschehen sei. Jeden Tag passiert genug, aber berichtet wird erst, wenn Videos und Bilder vorhanden sind, und wenn ein Priester oder TV-Kanal wie CTV, Aghapy oder The Way darüber berichten. Selbstverständlich wird dasselbe mit den anderen Ländern gemacht, wo die Christen am meisten verfolgt sind. Die Christen in Nigeria und Syrien haben es momentan schwerer als die Kopten, die sich schon den arabischen Frühling abschminkten.

 

Welche politische Entwicklung wünschen sich die koptischen Christen für Ägypten?

V.E: Jeder Kopte träumt wie jeder andere Ägypter von Gleichberichtigung und Rechten. Die Ägypter haben nur einen einzigen Wunsch: Ein würdiges Leben zu führen! Das heißt, man möchte genug Geld haben, um zu essen und zu leben, was mit Arbeit und guter Wirtschaft zusammenhängt. Die Kopten würden sogar die Moslembrüder und ihre verschiedenen Flügel (Salafisten und Gamaa Islamia) akzeptieren, wenn sie es schaffen würden, dass Ägypten sich stabilisiert. Sie schimpfen über Mubarak und hetzten das Volk gegen ihn. Gern sollen sie uns beweisen, dass sie alles besser machen und das Land auf Fordermann bringen. Und wenn Sie es schaffen, die Angriffe auf Kopten zu stoppen, die sich seit der angeblichen Revolution anhäuften, dann sind sie sogar besser als Anwar Saddat und Mubarak. Das geschieht aber nie!

 

Kopten und Muslimbrüder haben vor über einem Jahr gemeinsam demonstriert. Wie realistisch ist es, dass hieraus eine Partnerschaft entstünde, welche die Salafisten in ihren Ansprüchen zurückdrängt?

V.E: Gemeinsam haben wir zu keinster Zeit mit Moslembrüdern demonstriert! Einigen Kopten wie von den Bewegungen wie „Der 6. April“ dürstete es schon nach Freiheit und Grundrechten. Diese demonstrierten mit „Ägyptern“! Mit ihren Mitbürgern, mit denen sie alles von Kindheit an teilen. Die Salafisten sind die verlängerten Arme ausländischer Staaten, welche die ganze Region, und nicht nur Ägypten, destabilisieren wollen, was zum größten Teil geschah. Tatsache ist, dass die Salafisten mit zwei Parteien (Al-Nour und Al-Asalaa) fast 30% der Parlamentssitze gewann. Das kann man nicht rückgängig machen. Sie sind wichtige Partner der Moslembrüder, weil sie der politische Flügel dieser verbotenen Partei sind. So hieß die Moslembruderschaft bis November 2005, wo sie 25% der Parlamentssitze gewonnen hatten. Darum ist es eine Illusion, davon zu träumen, die Salafisten zurückdrängen zu können.

 

Wie sieht die Realität für koptische Christen in Ägypten aus?

V.E: Davon findet man leider sehr wenig in den deutschsprachigen Medien. Man kann nicht alles erwähnen, weil das zu viel ist. Darum gab ich Ihnen nur Beispiele: Ständig wird ein Gerücht in die Welt gesetzt, nach dem die Kopten ausnahmslos überfallen werden. In dem Dorf Scharbat (El-Amirya – bei Alexandria) wurde von einem muslimischen Frisör erfunden, dass ein 25-jähriger Kopte eine Muslimin fast nackt mit seinem Handy fotografiert hätte. Nach wenigen Stunden wurde der Kopte inhaftiert, was ein Donnerstag war. Nach dem Freitagsgebet versammelten sich tausende Moslems und brannten alles nieder, was den koptischen Familien gehört. Drei Tage danach entschlossen sich die Scheichs und Moslems dieses Dorfes, dass 8 koptische Familien das Dorf verlassen müssen. In dem Dorf Miet Baschar sorgte die Zwangsislamisierung einer 14-jährigen Koptin für die nächsten Angriffe auf Kopten (Minya Elkamh – Bundesland Scharkia). Die Kirche und das Haus des dienenden Priesters wurden von tausenden Moslems belagert. Die Schäden kann man anhand der Videos und der Stellungnahme Paters Georg Gamil feststellen. Das steht den Kopten an der Tagesliste. In dem Dorf Rahmanya werden die Kopten wie in vielen anderen Dörfern von muslimischen Banden terrorisiert. Ihre Häuser und Grundstücke dürfen sie nicht betreten, weil diese Ganoven sie besetzen. Polizei und Militär unternehmen nichts. Jeden Tag wird eine blutjunge Koptin entführt, welche als vermummte Muslimin auftaucht, obwohl die meisten unter 16 Jahren sind. Das alles haben wir unter Saddat und Mubarak erlebt, aber es ist enorm viel geworden. Es nimmt kein Ende und wird im Gegenteil dazu jeden Tag aggressiver.

 

 

 

Besteht die Gefahr eines Exodus?

V.E: Viele haben das Land schon verlassen, aber das sind die wohlhabenden Kopten, welche gebildet und die Mittel dazu haben, sich ein Visum zu verschaffen. Die meisten Kopten haben erstens nicht das nötige Geld dafür und werden von jeder ausländischen Botschaft vor die Tür gesetzt, weil sie keine Garantien vorlegen können, ein Touristenvisum zu erhalten. Exodus heißt also, scharenweise zu flüchten. Aber wohin? Nur nach Israel könnten die Kopten flüchten, aber da warten die muslimischen Beduinen auf sie, welche Sinai schon für ein islamisches Kalifat erklärten. Der Sudan im Süden und Libyen im Westen werden von Salafisten und Moslembrüdern beherrscht, worüber hierzulande gar nicht berichtet wird. Außerdem kann ein Kopte sein Land nicht verlassen, wo er seine Heiligtümer hat. Es ist ein Privileg für jeden Kopten um des Namens willen Jesu Christi den Märtyrertod zu erleiden.

 

Wie können sich die Christen in Ägypten vor den Übergriffen schützen?

V.E: Das geht leider nicht! Wir haben uns niemals mit den Moslems angelegt, wie es bei manchen Zeitungen und Medienberichten heißt: „Zusammenstöße zwischen Christen und Moslems“! Man sitzt in seinem Laden und schläft in seinem Bett und wird von einem Mob überrascht, der alles kurz und klein schlägt. Sicherheits- und Geheimdienst sorgen durch Gerüchte und Anheuern der Ganoven und Schwerverbrecher für diese Angriffe, die unendlich und ägyptenweit sind. Damit wollen sie die Weltgemeinschaft und die Ägypter ablenken, damit die missliche Lage Ägyptens unter Teppich gefegt wird. Ansonst denkt das Volk nach und geht auf Straßen. Früher war es Fußball und jetzt Koptenverfolgung. So bitter ist es.

 

Wie kann CSI Österreich am besten helfen?

V.E: Die CSI und die restlichen Menschenrechtsorganisation wie zum Beispiel Kirche in Not, IGFM, Open Doors und Pro Oriente spielen eine große Rolle, indem sie über die Lage der verfolgten Christen berichten. Sie unterstützen sie auch vor Ort. Zum Beispiel hat CSI Tausende der versklavten Christen im Sudan freigekauft und sammelt noch Geld, um die weiteren Tausenden davon freizukaufen. Medial helfen solche Organisationen und Hilfswerke durch Plattforen {wie in Wien: Solidarität mit verfolgten Christen} und Aktionen. Bald wird in Wien einen Schweigemarsch mit einem Bischof aus dem Irak von CSI organisiert. Ein Hilfswerk wie Open Doors unterstützt die Christen weltweit durch viele Projekte.

 

Wenn Sie den Christen in Europa etwas sagen könnten, was wären Ihre Worte?

V.E: Unsere Geschwister in Christus sollen sich mindestens für die verfolgten Christen in der ganzen Welt beten. Das werden sie, wenn sie sich erst darüber informieren. Viele haben keine Ahnung davon und machen große Augen, wenn man ihnen darüber erzählt. Sie sollen ihren Glauben an unseren Heiland stärken und dafür sorgen, dass die christlichen Werte gelebt werden. Die jüdisch-christliche Identität Europas soll nicht der Vergangenheit angehören.

 

7 Responses to “Interview mit CSI über Koptenverfolgung”

  1. Erich Foltyn Says:

    da sind dann sicher 2000 bis 3000 Leute da, für die das ein Anliegen ist.

    • carma Says:

      ich komm auch hin, ca. 0.1% der wiener bevölkerung können nicht einfach so ignoriert werden…

    • Paulus Says:

      Ich bin schon mehrmals mitgegangen.
      So, wie ich es sehe, hätten es mehr Menschen sein sollen.
      Leider wird in den Medien, a l l e n , viel zu wenig, viel zu selten, nur am Rande, nur in Nebensätzen darüber berichtet. So fällt es unter den Tisch, daß die CHRISTEN IN ALLER WELT die größte Gruppe an Verfolgten sind.
      Leider ist in der sogenannten Christlichen Welt das Christentum zur Nebensache degradiert (worden).
      Da haben Sozialismus/Kommunismus und der Islam „ganze Arbeit“ geleistet, da hat die Indoktrinierung funktioniert und auch die Gewalt, körperlich und g e i s t i g.

      Dringend nötig wäre, über den Islam intensiv aufzuklären, denn Islam ist nicht Frieden!, Islam ist UNTERWERFUNG!

      • carma Says:

        Leider ist westlicher Kapitalismus auch nicht Frieden, sondern Unterwerfung – wir Christen sitzen zwischen allen Stühlen!

  2. Elmar Kuhn Says:

    jeder der kommt zählt als Zeichen gegen das Schweigen zur Christenverfolgung. Es ist ein „lebendiger Kreuzweg“. Bitte weitersagen.

  3. Paulus Says:

    Über die Verfolgung der Kopten in Ägypten wird nichts berichtet, in keiner ZIB1, nicht in der ZIB2, aber das Geschwafel über den „arabischen Frühling“ und die „Hoffnung“ geht weiter.
    Diese Berichtenden verschweigen, daß jetzt ein eiskalter islamischer Winter folgen wird, der alle Pflänzchen der Freiheit wird verdorren lassen!
    Alles Nichtislamische wird mit Strunk und Stiel ausgerissen, egal, welche Folgen für Land und Leute das haben wird!
    DER TOURISMUS ist schon eingebrochen und mit ihm die Einnahmen daraus!
    Aber wenn „Maßnahmen“ nach der SCHARIA angedroht werden für das Trinken von einem Glas Wein oder Bier – Auspeitschen? – dann ist es beruhigender, seinen Urlaub in einer anderen Gegend zu verbringen! Dann gibt man sein Geld lieber in einem Land aus, in dem man auf s i c h e r e m RECHTSSYSTEM steht!

    So, wie man n i c h t s über die Lebensbedingungen der Kopten hört, möchte ich noch anfügen,
    so wird umso mehr in den Nachrichten gegen Ungarn gehetzt.
    Dabei haben 80% der Bürger doch n u r die Sozialisten abgewählt.
    Die Parallelen im Verhalten zu Ö im Jahr 2000, als die Sanktionen verhängt wurden – nach einer ebenso demokratischen Wahl – drängt sich auf!
    Ungarn soll „fertiggemacht werden“, weil Victor Orban kein brüsselhöriges Weichei ist und auch nicht die Ungarn. Ich denke da an manch andere!!!

    • carma Says:

      Nun, ein Hitler ist auch einmal durch demokratische Wahlen an die Macht gekommen – die markigen Sprüche eines Haiders haben damals zu Recht Rest-Europa auf den Plan gerufen. Ähnliches gilt für Orban, der immerhin auch am Tropf der EU-Steuerzahler hängt, von den ausländischen Risiko-Investments ganz zu schweigen. Genaue Recherchen helfen gegen platte Vergleiche und Polemiken. Vielleicht muß Österreich auch erst pleite gehen und in Brüssel um Hilfe betteln – so stark und „autark“ wie die Schweiz ist es nämlich bei weitem nicht…
      Vorsicht: Hochmut kommt vor dem Fall!


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