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Erdogan und der Israelhass 29. Januar 2012

Filed under: Islamische Schandtaten — Knecht Christi @ 22:07

Türkische Machtfantasien: Recep Erdogan weiß um die Unbeliebtheit der Türken in Arabien

Recep Erdogan strebt eine neo-osmanische Außenpolitik an. Dafür ist ihm jedes Mittel recht – vor allem der Israelhass. Das aber ist ein Spiel mit dem Feuer

 

Als der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan im Zuge des Gazakriegs 2008 gegen Israel polterte, wurde das noch als persönliche Enttäuschung eines Alliierten abgetan, der sich von einem engen Partner hintergangen sah. Schließlich hatte Ankara zuvor hinter den Kulissen Verhandlungen zwischen Israel und Syrien angebahnt und fühlte sich überrumpelt. Drei Jahre später ist die Türkei zu einer der stärksten antiisraelischen Kräfte in der Region geworden. Und es wird immer deutlicher, dass das vor allem ein Vehikel ist für eine komplette Neuausrichtung der türkischen Außenpolitik. Hatten Erdogan und sein Außenminister Ahmet Davutoglu vor einigen Jahren die Annäherung an Teheran und Damaskus noch mit einer Außenpolitik der „null Probleme“ begründet, so wird die Liste derjenigen Länder, mit denen Ankara inzwischen Konflikte sucht, immer länger. Da wird mit der Entsendung eines Flottenverbands ins östliche Mittelmeer gedroht, um die israelische Blockade von Gaza zu brechen, die eine UN-Kommission gerade erst als legal bezeichnet hat. Da wird der Republik Zypern, immerhin einem Mitglied der EU, ebenfalls mit Kriegsschiffen gedroht, weil der Inselstaat es gewagt hat, seine Seegrenzen mit Israel vertraglich zu bestimmen, um nach Rohstoffvorkommen zu suchen.

 

Demonstrativ unterstreicht die Türkei ihre neue Kanonenbootpolitik, indem sie, wie türkische Zeitungen berichten, vier Fregatten entsendet, um ein Schiff zu schützen, das vor der Küste des türkisch besetzten Zyperns nach Vorkommen bohren soll. Auch dem wirtschaftlich geschwächten Griechenland begegnet Ankara wieder mit einer Politik der Nadelstiche. Derweil intensiviert die Türkei das Bombardement von Kurdenstellungen im Nachbarland Irak – und macht damit das, was Erdogan im Falle Israels mit aufrührerischen Worten geißelt. Nicht mal mehr der alte Freund in Damaskus ist vor Erdogans Zorn sicher. Aus der Null-Probleme-Politik ist ein aggressives Streben nach regionaler Großmachtstellung geworden. Derweil tut Europa weiter so, als sei das noch immer die alte Türkei, die nur wegen Israels Ungeschicktheit etwas von der Rolle ist. Dabei müsste sich Europa längst eingestehen, dass es den verlässlichen Partner aus der Zeit des Kalten Krieges nicht mehr gibt. Und das hat zwei Gründe. Zum einen hat es in den vergangenen 20 Jahren geradezu seismische Mentalitätsverschiebungen in der türkischen Bevölkerung gegeben, die sich zunehmend islamisch definiert. Dazu kommt eine Regierung, die wohl noch nie so viel Machtfülle genossen hat und die sich daranmacht, das Land strategisch neu auszurichten.

 

Schaut man sich die Einstellungen der türkischen Bevölkerung an, kommt man zu dem Schluss: Das Land verliert seine Westbindung und driftet gen Orient. Verschiedene Umfragen zeigen, dass die türkische Bevölkerung Arabern und Persern gegenüber größeres Wohlwollen empfindet als gegenüber Europa und den USA. Der Westen wird mit Angst und Misstrauen gesehen. Und das hat maßgeblich mit der in den achtziger Jahren einsetzenden und sich in den Neunzigern rapide verstärkenden stärkeren Wertschätzung für den Islam und konservative Werte zu tun. Besonders die Islamisten haben den Eindruck eines islamischen „wir“ befördert, das gegen ein westliches „die“ steht. Der türkische Politologe Ersin Kalaycioglu schreibt, die Türkei sei ein Paradebeispiel für den „cultural turn“, den Samuel Huntington in seinem „Clash of Civilizations“ prophezeit hat. Und weiter: „Eine Resozialisierung der türkischen Öffentlichkeit hat eine neue Mentalität geschaffen, die die religiöse Identität betont, indem sie definiert, wer türkischer Bürger ist, und eine Weltsicht befördert, die durch das Prisma des religiösen Konflikts schaut.“ Zu dieser Mentalität gehöre die Vorstellung, dass Muslimen überall in der Welt Unrecht durch den Westen widerfahre. „Weite Teile der türkischen Bevölkerung scheinen an ein fast mittelalterliches Weltbild zu glauben“, so Kalaycioglu, „in dem Muslime, Christen und Juden miteinander im Krieg stehen. Sie glauben, dass sie den Islam vor den Angriffen der christlichen Missionare und ihrer jüdischen Alliierten im Nahen Osten und zu Hause beschützen müssen“.

 

Diese Sicht wurde durch die ablehnende Haltung Europas gegenüber einem türkischen EU-Beitritt weiter verstärkt. Sie hatte sich aber weit vor dieser Ablehnung verbreitet und wurde nicht etwa, wie oft behauptet, erst durch sie verursacht. Es handelt sich vielmehr um eine Weltsicht, die Erdogan befeuert und für seine Zwecke zu nutzen weiß. Hinzu kommt ein erheblicher strategischer Ehrgeiz klassischer nationalstaatlicher Natur, der oft unter dem Stichwort der neo-osmanischen Außenpolitik gefasst wird. Die Türkei orientiert sich nach Osten aus kulturellen Gründen, aber auch aus strategischen. Das hat damit zu tun, dass man in Ankara schon vor Jahren die Hoffnung aufgegeben hat, Vollmitglied der EU werden zu können. Aber in Europa könnte die Türkei auch nur ein wichtiges Land unter vielen sein. Im Nahen Osten hingegen lässt sich der durch die wirtschaftlichen Boomjahre noch angefachte Ehrgeiz besser befriedigen. Denn hier hat Ankara wenig Konkurrenten. Die unter Husni Mubarak sklerotisch gewordene ägyptische Führungsmacht hat viel von ihrem Glanz verloren und wird mittelfristig mit internen Problemen beschäftigt sein. Den Saudis mangelt es an Menschen und moderner Wirtschaft (und an einem attraktiven Gesellschaftsmodell). Auch der Iran hat die Anziehungskraft der frühen Jahre nach der khomeinischen Revolution längst verloren. Allerdings ist das kurz vor der Atombombe stehende Teheran tatsächlich qua Masse, Bewaffnung und missionarischer Hybris ein ernst zu nehmender Rivale.

 

Erdogan weiß, dass die Türken nicht unbedingt geliebt werden in Arabien, weil die Erinnerung an die osmanische Besatzung noch lebendig ist. Aber er hat während seiner ersten Zusammenstöße mit Israel 2008 eine prägende Erfahrung gemacht: Es gibt kein besseres Instrument als den Konflikt mit Israel, um auf der arabischen Straße populär zu werden. Und heute kommen noch zwei Elemente hinzu: die arabischen Revolutionen und der Eindruck schwindender amerikanischer Macht. Alte Herrscherdynastien und Allianzen lösen sich auf in Nahost. Die Region wird formbarer als sie je nach dem Zweiten Weltkrieg war. In Ankara hat man erkannt: Da geht was. Derweil ist Europa vor allem mit sich selbst beschäftigt. Die Türkei bietet nun zweierlei an: Sie geriert sich als starker antiisraelischer Player in einer Region, in der die meisten arabischen Staaten sich stillschweigend längst mit Jerusalem arrangiert haben. Erdogan offeriert den antiisraelischen Strömungen einen Jungbrunnen und neuen Fixpunkt. Dazu kommt ein attraktives Gesellschaftsmodell für eine arabische Jugend, die ihre Diktaturen überwinden will, die aber mit dem forcierten Säkularismus europäischer Nationen wenig anfangen kann.

 

Europa träumt immer noch davon, dass die Türkei als Brücke in den Orient dienen könnte. Tatsächlich wird die Türkei gerade zum strategischen Konkurrenten, die ihre Mischform aus Islam und westlicher Demokratie nicht nutzen will, um den Einfluss des Westens in der islamischen Welt zu fördern, sondern um selbst in das Vakuum zu stoßen, das eine zunehmend auf Entflechtung von der Welt setzende westliche Führungsmacht in der Region hinterlässt. Nun wäre es vielleicht nicht das Schlechteste, wenn sich die arabischen Revolutionsländer am politischen System der Türkei orientierten. Das Verheerende an der neuen türkischen Außenpolitik ist aber, dass sie mit ihrer Israelhetze die alten Obsessionen der arabischen Welt neu entfacht. Und das in einem Moment, in dem die dortigen Gesellschaften gerade dabei waren zu erkennen, dass ihre Diktatoren den Konflikt mit Israel nur zur Festigung der eigenen Sicherheitsregime benutzt hatten. Erdogan versucht, die Macht der Türkei zu mehren, indem er die alten Dämonen weckt. Das aber weist nicht in die Zukunft, sondern zurück in eine konfliktreiche Vergangenheit. von Clemens Wergin – Cicero: Weltbühne

 

2 Responses to “Erdogan und der Israelhass”

  1. G.*K.*V.* Says:

    Spätestens, wenn dieses Jahr der nächste Staatsbankrott der Türkei stattfinden wird, hat sich dieser Traum eines islamofaschistischen Reichs erledigt…

  2. G.*K.*V.* Says:

    Eine sehr gute, sehr interessante Analyse.
    Knecht Christus

    ERDOGAN spielt auf dem Klavier des türkischen Nationalstolzes und der
    Westen (vor allem auch Deutschland) wollen das nicht wahrhaben.
    Ein Beispiel. die Studienfreundin meiner Tochter – nicht fundamentalistisch bzw. religiös – in Deutschland geboren, Abitur, Studium in Deutschland, sagt von sich: „Ich bin STOLZ eine Türkin zu sein. Ich habe auch einen deutschen Paß“. Sie würde nie sagen: „Ich bin DEUTSCHE mit rürkischen Eltern/Wurzeln“. Ganz nebenbei: sie hat auch einen türkischen Paß, obwohl das die Rechtsordnung eigentlich nicht zuläßt. Und man glaube ja nicht, dass das ein Einzelfall ist.
    Allerdings weiß Herr ERDOGAN wohl auch um seine „reale“ ökonomische Basis. In den ersten 9 Monaten belief sich das Außenhandelsdefizit der Türkei auf ca. 60 Milliarden Dollar. Ohne die ca. 4 Milliarden EURO, davon ca. 3 Milliarden EURO aus Deutschland, die von Türken
    in die Türkei transferiert werden (Rentenzahlungen und Zahlungen der deutschen Krankenkassen zählen auch dazu) sähe die Devisenbilanz der Türkei noch schlechter aus. Die Türkei ist im vorderen Teil ein „Schwellenland“ und im hinteren Teil (ANATOLIEN, ca. zwei Drittel des Landes, wenn man von Ankara aus das Land betrachtet) ein „Entwicklungsland“. Daran hat auch der bemerkenswerte wirtschaftliche Aufschwung, der ja zu begrüßen ist, nichts geändert.
    Der Satz eines Sprechers von TÜSIAD: „Die Türkei muß in den Verteilungsmechanismus der EU“, gilt immer noch. Ohne die EU, der größte Absatzmarkt der Türkei, den man zollfrei beliefern kann,
    bekäme die Türkei sofort große Probleme. Aber die EURO-Krise macht es unwahrscheilnich, dass die Türkei in den nächsten 20 Jahren Voll-Mitglied der EU werden wird. Die Türkei muß sich also „alleine“ gegen seine Konkurrenten auf dem Weltmarkt (Korea/Vietnam/Japan/China etc.) behaupten. Und Ägypten mag zur Zeit keine ernsthafte Konkurrenz sein,
    aber das muß nicht so bleiben. Das Durchschnittsalter der ägyptischen Bevölkerung ist deutlich niedriger als das der Türkei. Ein paar steuerbegünstigte Wirtschaftszonen am Suez-Kanal und in Alexandria für die Chinesen und schon werden viele Vorprodukte, die zur Zeit noch aus der Türkei geliefert werden, aus Ägypten geliefert werden.
    In Persien sind die ‚Schiiten‘ die religiöse Mehrheit. In der Türkei die ‚Sunniten‘. Da gibt es eine tiefe Abneigung.
    Das KURDEN-Problem hat EDOGAN nicht gelöst und er scheint es auch nicht lösen zu können.
    Könnte es sein, dass ERDOGAN auch deshalb Anti-Israelisch agiert weil er hofft, dass man die Türkei – um des lieben Friedens willen, um die Türkei „einzubinden“, um Druck von Israel zu nehmen – doch als Voll-Mitglied in die EU aufnimmt? Der Türkei stünden dann mindenstens 10 Milliarden EURO (pro Jahr) aus den „Brüsseler Kassen“ zu. Dazu kommen (kämen) alle die anderen Entwicklungsprojekte an denen man teilnehmen könnte. Das ist alles deutlich mehr als die ca. 4,7 Milliarden sog. „Heranführungshilfe“, die die Türkei für die Jahre 2007 bis 2013 von der EU erhält.
    Schau’n wir mal!
    In der Politik (Diplomatie) wird auch „über Bande gespielt


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