kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Auszug aus Ägypten 28. Januar 2012

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 13:36

Ägypten ist bereit für den nächsten Aufstand
 

Vor einem Jahr begann in Ägypten die Revolte, die das Mubarak-Regime zu Fall brachte. Verändert hat sich seither wenig. Jetzt richtet sich die Wut der Menschen gegen den Militärrat. Seine Stimme hat Omar Sabry schon lange verloren. Auch frischer Pfefferminztee hilft nicht gegen seine Heiserkeit. Seit drei Wochen zieht er mehrmals in der Woche mit anderen Aktivisten durch Heliopolis, einen Stadtteil im Nordosten von Kairo und leitet die Sprechchöre an. Er schreit sich seine Wut aus dem Leib, gegen die Lügen des Militärrats, gegen die Gewalt. Omar Sabry ist Mitte zwanzig, arbeitet als Berater, doch sein Herz gehört der Revolution. Er und seine Mitstreiter wollen die Bevölkerung wachrütteln. Sie zeigen auf öffentlichen Plätzen Videos über das brutale Vorgehen der Polizei und des Militärs gegenüber Demonstranten, bilden Menschenketten, sprayen Graffitis. Sie haben Großes vor, sie wollen die Massen zurück auf die Straße bringen. Am 25. Januar, an dem Tag, an dem vor einem Jahr der Aufstand gegen das Regime Mubarak begonnen hat, planen sie erneut zu rebellieren. „Wir müssen unsere Revolution zu Ende führen“, sagt Omar.

 

 

Das ganze Land will momentan nur eines: „Erhängen aller Generäle mit Mubarak“!

 

Denn seit Beginn der Revolution vor einem Jahr hat sich in Ägypten wenig verändert. Zwar ist Mubarak gestürzt, die alte Garde sitzt aber noch immer tief im Sattel, gestützt vom Militärrat. Prozesse gegen den ehemaligen Präsidenten Mubarak und seinen Getreuen werden regelmäßig verschleppt. Bis heute wurde kein einziger Polizist zur Rechenschaft gezogen, der beim Aufstand vor einem Jahr Demonstranten erschoss. Stattdessen lieferte sich die Polizei weitere Straßenschlachten mit den Demonstranten, bei denen laut Angaben von Revolutionären seit Juli mindestens 120 Menschen getötet, mehr als 6.000 verletzt wurden. Damit es keinen Aufschrei um Menschenrechtsverletzungen mehr gibt, wurden kritische NGOs geschlossen. Und auch Aktivsten und Bloggern wird der Mund verboten. Manche werden von Schergen des Regimes auf der Straße zusammengeschlagen, anderen wird gleich vor dem Militärgericht kurzer Prozess gemacht. Mehr als 12.000 Zivilisten wurden laut Human Rights Watch vor ein Militärtribunal gestellt, so viele waren es selbst in 30 Jahren Mubarak nicht.

 

 

 

 

 

 

 

Menschen wollen Brot, Freiheit und Gerechtigkeit

 

Der Militärrat ist taub für den Aufschrei nach Brot, Freiheit und sozialer Gerechtigkeit, der vor einem Jahr durch Ägypten schwappte. Die Aktivisten wollen den Militärrat nun stürzen, sie fordern eine sofortige Übergabe der Macht an den Parlamentspräsidenten und eine vorgezogene Präsidentenwahl, bereits im April statt im Juni. Sie wollen verhindern, dass der Militärrat an der Verfassung mitschreibt. 54 Parteien und politische Bewegungen haben darum zu Demonstrationen aufgerufen – nicht nur in Kairo, landesweit. Doch damit ein weiteres Aufbegehren erfolgreich sein kann, muss es Omar und den anderen Aktivisten gelingen, die Bevölkerung für sich zu gewinnen. Viele Ägypter sind revolutionsmüde, wollen Essen, Sicherheit, Stabilität, nur nicht noch mehr Chaos. Deshalb geht Omar von Stadtviertel zu Stadtviertel, klärt auf mit Flyern, Bildern und Videos. {Quelle: www.zeit.de} 

 

 

 

Auszug aus Ägypten

 

Viele verlassen das Land Ägypten war schon lange ein Auswanderungsland. Der politische Wandel, der vor einem Jahr begann, hat diesen Trend noch verstärkt.

Vor allem Christen, Geschäftsleute, Ausländer und Fachkräfte packen die Koffer.

 

„Uff, ich bin fix und fertig von der Demo“, seufzt Jasmin al-Dorghami. Die schlanke Ägypterin mit dem langen schwarzen Pferdeschwanz wirft ihre rote Designer-Handtasche auf einen Stuhl und lässt sich auf ein Sofa plumpsen. Drei Stunden lang hat die 32-Jährige für künstlerische Freiheit und gegen die Beschränkung der Meinungsfreiheit demonstriert. Eine Kundgebung in eigener Sache, denn Al-Dorghami ist Gründerin der Zeitschrift „Al-Rawi“, die sich mit dem kulturellen Erbe Ägyptens beschäftigt. Die großen Hoffnungen, die sie damals hatte, als Hunderttausende in Kairo den Sturz von Präsident Hosni Mubarak erzwangen, sind verflogen. Die Journalistin sagt, viele der Freunde, die 2011 mit ihr zusammen gegen Mubarak demonstriert hätten, lebten heute außerhalb von Ägypten. „Jeder von ihnen hatte vorher schon vage Auswanderungspläne.“ Das Chaos der Übergangsphase, die durch den Umsturz hervorgerufene Wirtschaftskrise und der Wahlsieg der Islamisten hätten letztlich den Ausschlag gegeben. „Viele meiner Freunde sind Muslime, so wie ich auch, aber wir denken liberal.“

 

Schon heute lebt jeder zehnte Ägypter nicht in seiner Heimat. Viele von ihnen haben Arbeit am Golf gefunden, in den USA, in Kanada und Europa. Es könnten bald noch mehr werden. Die Arbeitslosigkeit stieg nach offiziellen Zahlen binnen eines Jahres von neun auf zwölf Prozent. Neben Absolventen privater Universitäten sind vor allem die Christen, die Ausländer und Geschäftsleute dabei, das Land zu verlassen. Die Christen treibt nach dem Wahlsieg der Islamisten, die mehr als 70% {???} der Parlamentsmandate holten, die Sorge vor Diskriminierung und einer „Islamisierung“ ihres Alltags um. Die Muslimbruderschaft, die eine Abwanderung von Kapital und Fachkräften verhindern will, versucht zwar, diese Ängste zu vertreiben – allerdings ohne Erfolg. {Quelle: www.mainpost.de}

 

In Souis am gestrigen Freitag

 

 

 

 

One Response to “Auszug aus Ägypten”

  1. Das wäre schade wenn sich der Ansatz der Zeit bewahrheiten würde, da doch gemutmaßt werden kann dabei ginge es dann darum die Interessen des Westens ideologisch über soziale Unruhen zu stülpen und nicht um einen Aufstand gegen Verhältnisse die als Kapitalismus überall gegenwärtig sind welchen es in Ansätzen ja auch geben könnte.

    Wobei, was geht denn dann hier? Im Herzen der Bestie !?

    Wieder nur ne handvoll Versteute?

    Das wäre umso mehr schade …


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