kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Ein Jahr nach der ägyptischen „Revolution“! 19. Januar 2012

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 16:08

Alwafd vom 19.01.2012: "Mubaraks und Tantawys Ende ist gleich"!

Junge Ägypter wie Tarek und Nada  sehen den „Arabischen Frühling“ als eine Art Baustelle

 

 

Er war eigentlich klein und unscheinbar“, erzählt Tarek al-Masri, als wir am Café Kleopatra in Alexandria vorbeigehen. Oft habe der 28-Jährige hier gesessen, habe Zeitung gelesen oder mit anderen diskutiert. Khaled Said war bekannt als Computerfachmann. Wer etwas über Facebook oder Twitter wissen wollte, Probleme mit der Installation von Software hatte oder Fotos vom Handy auf den Rechner laden wollte, konnte abends hierher kommen und ihn fragen. „Er wusste alles“, schwärmt Tarek von dem Mann, der in Ägypten Geschichte geschrieben hat. Er gilt als die Schlüsselfigur der Revolution. Mit Khaled Said fing alles an – im Sommer 2010, als er Videos ins Internet stellte und damit dunkle Machenschaften von zwei Polizisten entlarvte, die Geld von Drogendealern entgegennahmen. Damit machte er die weitverbreitete Korruption von Staatsdienern sichtbar. Die beiden Polizisten rächten sich, zerrten ihn aus dem Café und schlugen ihn tot. Seine Leiche wurde vor dem Eingang des Kleopatra abgelegt. Es war nicht das erste Mal, dass Polizisten Leute misshandelten und auch nicht das erste Mal, dass jemand dabei starb. Doch dieses Mal regte sich der Protest und verbreitete sich über die elektronischen Medien.

 

Auch Tarek, fünf Jahre jünger als Khaled, hat von dem Mord durch Facebook erfahren. Er studiert an der privaten Pharos Universität in Alexandria politische Wissenschaften. „Alle Studenten wussten davon“, behauptet er. Es kam zu mehreren Demonstrationen gegen die Polizeimethoden, die sich allmählich zu Protestkundgebungen gegen die Regierung entwickelten. Zunächst im Bezirk Sidi Gaber, wo das Café liegt, dann auch in anderen Stadtteilen. Am 25. Juni kam Mohammed al-Baradei, ehemaliger Chef der Wiener Atomenergiebehörde und Friedensnobelpreisträger nach Alexandria, um an einer Freitagsdemonstration teilzunehmen. Doch es sollte noch weitere sechs Monate dauern, bis sich, angesteckt durch die Euphorie in Tunesien, auf Kairos Tahrir-Platz die Revolte ausweitete und Massen mobilisierte. Das Plakat mit dem Bild von Khaled Said wurde fortan zur Grundausstattung der zumeist jungen Demonstranten. Inzwischen hat Tarek miterlebt, wie der Gouverneurspalast in Flammen aufging, das Gebäude der Staatssicherheit gestürmt, der Aktenbestand teilweise sichergestellt und die Behörde aufgelöst wurde. Wie die Vier-Millionen-Stadt am Mittelmeer einen neuen Gouverneur bekam, aber sonst so ziemlich alles beim Alten blieb und doch alles anders wurde. Wie die gerade zu Ende gegangenen Parlamentswahlen seine Stadt in einen Plakate- und Posterwald verwandelten und wie die Salafisten ihren Siegeszug antraten.

 

Nirgends sind die radikalen Islamisten mit ihrer Partei des Lichtes (al-Nour) so stark wie hier. In Alexandria haben sie ihre Hochburg. Noch vor wenigen Monaten ziemlich unbekannt, sind sie nach den Muslimbrüdern zur zweitstärksten politischen Kraft in Ägypten aufgestiegen. Alle islamischen Parteien zusammen haben mehr als 70 Prozent der Stimmen erhalten. In Kairo hatte der Aktivist Wael Ghonim, Marketingchef der Regionen Nahost und Nordafrika von Google, nach dem Tod des Computerfachmanns in Alexandria auf Facebook die Gruppe „We are all Khaled Said“ lanciert. Lange Zeit wurde gerätselt, wer hinter der mysteriösen Figur El Shaheeed stecken könnte, die auf Twitter und Facebook sehr aktiv zur Mobilisierung der Protestbewegung beitrug. Als Ghonim am 27. Januar 2011 in Kairo verhaftet wurde, schaltete sich der Mutterkonzern Google ein und ersann einen Dienst, mit dem die Internetzensur durch die ägyptischen Behörden umgangen werden konnte. Der Aufstand nahm seinen Lauf. Das längste Jahr in der neueren Geschichte Ägyptens begann. Inzwischen hat ein Präsidentschaftskandidat für die geplanten Wahlen im Juni, Mohammed al-Baradei, seine Kandidatur zurückgezogen. „Wir haben alle das Gefühl, dass das ehemalige Regime nicht gestürzt ist“, sagte der Friedensnobelpreisträger zur Begründung unter Hinweis auf den Militärrat, der seit dem Sturz Mubaraks im vergangenen Februar die Macht ausübt. Der Staatsapparat werde weiter gesteuert, „als wenn es die Revolution nicht gegeben hätte“, sagte al-Baradei letztes Wochenende in Kairo. Der 69-Jährige zählte zu den führenden Köpfen der Demokratiebewegung.

 

Nada Amin ist 45 Jahre jünger als al-Baradei, denkt aber genauso wie er. Die Studentin der Kommunikationswissenschaften an der Kairoer Universität im Stadtteil 6. Oktober war von Anfang an dabei, als die Massen auf den Tahrir-Platz strömten, Reformen und mehr bürgerliche Freiheiten verlangten und schließlich den Sturz des Präsidenten. Sie selbst entwarf die Schilder mit der Aufschrift: „Das Volk will den Rücktritt des Regimes“, was zum Slogan wurde. Als Husni Mubarak dann unter dem Druck der Straße zurücktreten musste und das Militär sich auf die Seite des Volkes stellte, wähnten sich Nada und ihre Mitstreiter voller Hoffnungen. Als dann noch die Prozesse gegen einige Verantwortliche für die toten Demonstranten, die grassierende Korruption und Vetternwirtschaft nebst illegaler Bereicherung begannen, hatte Nada das Gefühl, es gehe vorwärts mit der Demokratie in Ägypten. Mittlerweile glaubt sie, dass diese Verfahren Schauprozesse seien, die zwar einige wenige Bauernopfer fordern, aber nicht mit ehrlicher Absicht geführt werden. „Als die Straßenkämpfe im November und Dezember stattfanden, zeigten die Militärs ihr wahres Gesicht“, sagt sie verbittert. Die von der Protestbewegung verhasste Spezialpolizei war wieder eingesetzt worden. Vom Mubarak-Regime ausgebildet, gingen die Männer in schwarzen Uniformen gezielt gegen Demonstranten vor und lösten einen Sitzstreik vor dem Innenministerium gewaltsam auf.

 

Im Dezember dann knüppelten Armeeangehörige Frauen, Kinder und ältere Menschen nieder, als die Auseinandersetzungen vor dem Parlamentsgebäude stattfanden. Das Foto mit der bis auf ihren BH entblößten Demonstrantin, die am Boden liegt und von einem Militärpolizisten getreten wird, ging um die Welt und löste Empörung aus. Trotzdem drehte sich die Stimmung gegen die jungen Revolutionäre. „Euch sollte man alle ins Gefängnis stecken“, blaffte ein Taxifahrer Nada an, als sie nach einer der letzten Protestabende vom Tahrir-Platz nach Hause fahren wollte. „Habt ihr denn noch nicht genug von den ewigen Demonstrationen“? Spätestens da hat die Studentin begriffen, dass die Revolution ihr und den anderen Aktivisten aus den Händen gleitet. Ein Eintrag auf Facebook bringt es auf den Punkt: „Wenn eine Revolution durch junge, liberal gesinnte Menschen, von denen Hunderte für Freiheit sterben, damit endet, dass die Mehrheit der Wähler ihre Stimme den Muslimbrüdern gibt – dann sind Sie definitiv in Ägypten!“ Die Partei der jungen Revolutionäre hat nicht einmal fünf Prozent der Stimmen erhalten.

 

Und doch wird Ägypten nie mehr so sein, wie vor einem Jahr. Das Land hat sich in den zwölf Monaten mit seinen Menschen verändert. Ihr Selbstbewusstsein ist gewachsen, die Angst vor Autoritäten gesunken. Politik ist Teil des Alltags geworden. Wo vorher Apathie dominierte, herrscht jetzt Aufbruchstimmung. „Wir essen, trinken, schlafen und träumen politisch“, fasst Nada die neue Stimmung zusammen. „Jeder setzt sich mit jedem auseinander.“ So wird das Jahr 2012 geprägt sein von Konfrontationen und Auseinandersetzungen jeglicher Art: Die Revolutionsbewegung gegen die Generäle, Demonstrationen der Befürworter und Gegner des alten Regimes, Muslimbrüder gegen Salafisten, Liberale gegen Islamisten, die schweigende Mehrheit gegen die Aktivisten, der Militärrat gegen Facebook und ausländische Mächte gegen Ägypten. Kontroversen über Gesicht und Natur des künftigen Staates, seine technokratische und demokratische Zusammensetzung, die Position des Militärs und die Frage, wer entscheidet über die neue Verfassung. „Wir haben erst die Hälfte des Weges zurückgelegt“, gibt Nada nüchtern zu, „vielleicht sogar nicht einmal die Hälfte“. {Quelle: www.maerkischeallgemeine.de  – Von Birgit Svensson}

 

Zum obigen Bild:

„Das ist die erste Seite der Zeitung der ägyptischen Partei Alwafd, der mit den islamischen Parteien (mehr als 90% der Parlamentssitze) unter Führung der Moslembrüder paktierte. Die Schlagzeilen sind mehr als provokant und deuten darauf hin, dass diese Partei den Kriegstrommel rührt, und zwar für den 25. Januar 2012“.

 

Das Volk will den Kopf des Feldmarschalls

 

Mubarak und Tantawy sind genau so in Bezug auf Dummheiten gleich – Ihr Ende wird auch gleich sein!

 

 

Der Konflikt unter den Sicherheitsapparaten droht zum Landuntergang

 

 

Der Plan der Ermordungen, welcher der militärische Geheimdienst mit den unterjubelten Körperschaften durchgeführte!

 

Eldieb – Mubaraks Strafverteidiger: „Die Armee erschoss die Demonstranten und das Innenministerium versteckte die Beweismittel, welche die Unschuld des Ex-Innenminsters Habib Eladly beweisen“!

 

 

One Response to “Ein Jahr nach der ägyptischen „Revolution“!”

  1. saphiri Says:

    Das Symbol mit der „Baustelle“ ist treffend.

    Die Initiatoren des arabischen Frühlings haben alle Kräfte vereinigt benützt, um sich für ihren Überbau eine kostengünstige „Bodenplatte“ freischaufeln zu lassen, ohne sich selbst dabei die Hände schmutzig oder blutig zu machen.


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