kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Nach dem Abzug der USA aus dem Irak 10. Januar 2012

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 13:58

Der endgültige Rückzug der US Truppen aus dem Irak wirft die Frage nach der zukünftigen Rolle Bagdads für Israels östliche Grenze auf.

Mittlerweile ist möglicherweise in Vergessenheit geraten, dass der Irak einst ein feindlich gesinnter Staat war.

Iraks diverse Regierungen haben in dieser Hinsicht eine bemerkenswerte Beständigkeit gezeigt. 1948 hat der Irak ein Drittel seiner Bodenkampftruppen gegen Israel eingesetzt, indem er diese Streitkräfte über den Jordan geschickt hat, dasselbe geschah wiederum im Krieg gegen Israel 1967. Dann, 1973 nahm der Irak an den Kämpfen auf den Golanhöhen teil. Und 1991 schoss Saddam Hussein 39 Raketen gegen Israel ab. Nur aufgrund seiner Niederlage 1991 und des Umsturzes 2003 brauchte Israel den irakischen Faktor 20 Jahre lang nicht in strategische Betrachtungen mit einzubeziehen.

 

In wiefern muss Israel den Irak nunmehr wieder in Betracht ziehen,

da die Vereinigten Staaten sich zurückgezogen haben?

 

(von Dore Gold, Israel haYom, 28.12.2011)

 

Iraks Rolle im zukünftigen Nahen Osten wird vorwiegend vom Iran beeinflusst werden. Durch den Machtanstieg der schiitischen Parteien im Irak nach der US Invasion 2003 hat der Iran viele Möglichkeiten die politische Zielrichtung des Irak zu beeinflussen. Im Irak gibt es ungefähr acht schiitische Gruppen mit Verbindungen zum Iran, die zum Teil iranische Gelder erhalten. Dazu zählt auch die al-Dawa Partei des Premierministers Nouri al-Maliki, der den Irak 1979 verließ, und von 1982 bis 1990 im Iran lebte. Tatsache ist, dass er im Auftrag des Iran zusammen mit libanesischen Schiiten an terroristischen Operationen gegen Kuwait teilnahm. Von 1990 bis 2003 lebte al-Maliki dann in Damaskus und arbeitete eng mit der Hisbollah zusammen. Seit er Premierminister wurde, musste er seine Verbindungen zu Teheran angesichts seiner fortdauernden Zusammenarbeit mit Washington sorgfältig ausbalancieren. Dem Iran gelang es ausgesprochen erfolgreich, nach Saddam Husseins Ende auf den Irak Einfluss zu nehmen. Hinter den Kulissen trug der Iran zur Bildung der Koalition der schiitischen Parteien bei, die sich 2006 auf al-Maliki als ihren Kandidaten für das Amt des Premierministers einigten. Der Kommandeur der US-amerikanischen Streitkräfte im Irak, General Ray Odierno, gab der Washington Post im Oktober 2008 ein Interview, in dem er mitteilte, dass er von Geheimdienstberichten Kenntnis hatte, denen zufolge Teheran irakische Führer bestochen hat, um eine erneute Vereinbarung zu verhindern, die es den US-amerikanischen Streitkräften ermöglicht hätte, weiter im Irak zu verbleiben. Zu diesem Zeitpunkt hat der Iran auf seine Verbündeten im Irak Druck ausgeübt, um sicher zu gehen, dass es bis zum Dezember 2011 einen vollständigen Truppenrückzug der US-Streitkräfte aus dem Irak geben würde. In einer Depesche vom März 2009, die durch WIKILEAKS an die Öffentlichkeit geriet, gab König Abdullah von Saudi Arabien gegenüber Präsident Obamas Antiterror Berater John Brennan zu, dass er al-Maliki nicht vertrauen würde, der seiner Einschätzung nach “ein iranischer Agenten” sei. Eine erstaunliche Aussage des saudischen Monarchen über die neue irakische Führung, auch wenn man die saudische Abneigung gegen Schiiten in Betracht zieht.

 

Der Iran hat jede Menge Möglichkeiten die Entwicklung im Irak zu beeinflussen. Nach 2003 hatte der Iran tausende seiner revolutionären Garden in den Irak geschickt, die dort den schiitischen Milizen halfen. Um 2007, als die USA unter General David Petraeus mittels eines Anstiegs amerikanischer Truppen im Irak diese iranischen Streitkräfte direkt bedrohten, fürchteten diese, dass eine weitere Eskalation zu einem Krieg mit den USA führen könnte. Dies bewirkte ihren Rückzug aus dem Irak. Dennoch fährt Teheran fort, verschiedene irakische schiitische Kräfte zu finanzieren, an Stützpunkten im Iran auszubilden und mit Waffen zu beliefern. Zweifelsfrei werden die Iraner nun, ohne die Anwesenheit der US-Truppen, in der Lage sein, den Irak wiederum zu infiltrieren und dessen innere Stabilität zu beeinflussen. Am 7. Dezember hat Lt.-Gen. Frank Helmick, der stellvertretende Leiter für den US-Einsatz im Irak, zugegeben, dass es weiterhin “Sicherheitslücken” in der neuen irakischen Armee gibt. Das wirft die Frage auf, ob Bagdad in der Lage ist, der iranischen Herausforderung ohne US-amerikanische Hilfe entgegenzutreten.

 

Der Iran baut zudem seine Beziehungen mit den schiitischen religiösen Institutionen im Irak aus. Genauso wie bei den politischen irakischen Parteien, gehen vom Iran auch an schiitische Führer und Einrichtungen finanzielle Zuwendungen aus; auch wenn gegenwärtig der höchste irakische schiitische Führer, Ayatollah Sistani, die iranische Politik im Irak ablehnt. Zusammengefasst bedeutet das, dass der Iran starke strategische, wirtschaftliche und religiöse Interessen hat, die er im Irak nach dem Rückzug der USA verfolgen möchte. Sein hauptsächliches Ziel besteht darin, dafür zu sorgen, dass der Irak niemals wieder eine politische Größe wird, die, wie zur Zeit Saddam Husseins, die iranische Sicherheit gefährden könnte. Um dieses Ziel zu erreichen, wird Teheran versuchen, den Irak als Satellitenstaat zu erhalten, der Irans Ziele im Nahen Osten unterstützt. Bereits jetzt fordert der Iran, dass al-Maliki das umkämpfte Regime Bashar al-Assads in Syrien unterstützt, und sich nicht auf die Seite der syrischen Opposition stellt, die von der Türkei aus unterstützt wird. Während der Irak von 1991 bis Ende 2011 als strategische Barriere gegen den Iran diente, eine Barriere, die seit 2003 durch die US-militärische Macht verstärkt wurde, scheint es nun, dass die irakische Barriere entfernt wird, da sie zunehmend unter iranischen Einfluss gerät.

 

Das Ergebnis wird zunehmender iranischer Druck auf Jordanien sein, damit dieses der Ausweitung iranischen Einflusses nicht im Weg steht. Der iranische Einfluss könnte, wenn ihm nichts entgegentritt, versuchen, Saudi Arabien vom Norden her zu umkreisen und vom Osten her gegen Israel vorzugehen. Angesichts dieser neuen Realität sollten die USA und ihre Verbündeten versuchen, die Fähigkeit Jordaniens zu stärken, mit den neuen Herausforderungen, denen es von Osten her gegenübersteht, fertig zu werden. Neue Bemühungen, Jordanien zu unterstützen, wurden in diesem Jahr bereits offenbar, als die Golfstaaten den Vorschlag machten, das haschemitische Königreich als Mitglied in den Golf-Kooperationsrat (GCC = Gulf Cooperation Council) aufzunehmen. Darüber hinaus gibt es unmittelbare direkte Implikationen für Israel aufgrund des US Rückzugs aus dem Irak. Denn falls der Iran seine besonderen Beziehungen mit Syrien nach einem Sturz al-Assads verliert, wird er zweifelsohne versuchen, den Irak als Ausgangspunkt für einen eskalierenden Konflikt mit Israel zu nutzen. Die neue Situation, die sich aus alldem ergibt, zeigt, dass die strategische Notwendigkeit, das Jordan Tal als nach vorn gerichtete Verteidigungslinie zu bewahren, sogar noch zwingender ist als es das zuvor schon war. Dies ist gerade zu einem Zeitpunkt der Fall, da führende Stimmen der internationalen Gemeinschaft leider Druck auf Israel ausüben, sich aus der so genannten West Bank völlig zurückzuziehen und die Grenzlinien von 1967 (tatsächlich von 1949) zu akzeptieren. {Aus dem Englischen übersetzt von Renate für unseren Partnerblog Aro1.com – haOlam.de}

 

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