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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Warnung vor Piratenpartei! 6. Januar 2012

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 12:44

Am 18. September gelang es der 2006 gegründeten Piratenpartei, erstmalig in ein Landesparlament einzuziehen – und zwar mit 15 Sitzen ins Berliner Abgeordnetenhaus. Ihren Erfolg verdankt sie vor allem Atheisten.

 

„Die Piratenpartei setzt sich für einen stärkeren Schutz und eine stärkere Beachtung der Grundrechte ein und will die Bürgerrechte gegenüber dem sie bedrohenden Staat bzw. dessen Einrichtungen verteidigen. Wir stehen hinter dem Grundgesetz… und lehnen Änderungen an den Grundrechten (Art.1 bis 19 GG) kategorisch ab…“ – so die Selbstdarstellug im Internet (www.piratenpartei.de). Was die Piratenpartei unter Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes versteht, wird u.a. deutlich in ihrem Programm „Geschlechter- und Familienpolitik“.

 

Darin heißt es: „Die Piratenpartei steht für eine zeitgemäße Geschlechter- und Familienpolitik… Die Piraten setzen sich dafür ein, dass Politik der Vielfalt der Lebensstile gerecht wird“. Konkret: Die Piratenpartei setzt sich ein für homosexuelle, bisexuelle und Transgender-Lebensstile, ja ausdrücklich auch für die Abschaffung des § 173, der Inzest, also Geschlechtsverkehr unter Ge­schwistern, verbietet. Darüberhinaus fordern die „Piraten“, dass im Personalausweis kein Ge­schlecht mehr eingetragen wird, da die bisherige Gepflogenheit eine „Zwangskategorie“ sei. Wörtlich fordert das Familienprogramm „eine Politik, die die freie Selbstbestimmung von geschlechtlicher und sexueller Orientierung respektiert und fördert.“ Wie ihre Plakate ausweisen, arbeitet die Piratenpartei für einen „säkularen Staat“, lehnt die Erfassung der Religionszugehörigkeit und jede finanzielle Unterstützung der Kirchen vom Staat ab. {Quelle: www.christliche-mitte.de} 

 

 

 

Piratenpartei: Was ist sie, was will sie?

 

Die Piratenpartei hat in Berlin über 8% der Stimmen bekommen und zieht ins Abgeordnetenhaus ein. Was ist die Piratenpartei, was sind ihre Ziele?

 

Die Piraten wollen nicht nur anders sein als die anderen. Sie sind auch anders als die anderen. Noch jedenfalls. Personenkult, zum Beispiel, lehnen sie kategorisch ab. Ihren Spitzenkandidaten für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, den 32-jährigen Industrieelektroniker Andreas Baum, hauptberuflich im Kundendienst eines Netzbetreibers tätig, haben sie per Los bestimmt, obwohl dieser gar nicht auf den ersten Platz der Liste wollte. Doch nachdem er bei der Nominierungsversammlung genauso viele Stimmen erhielt wie ein Mitbewerber, musste das Los entscheiden. Die Piratenpartei wurde im September 2006 in Berlin gegründet.  Vorbild war die wenige Monate zuvor gegründete schwedische  «Piratpartiet». Die Piraten, die in Deutschland auch mit ihrem  Motto «Klarmachen zum ändern» bekannt wurden, verstehen sich als  Teil einer «weltweiten Bewegung» im Internet-Zeitalter. Als  Grundpfeiler der Informationsgesellschaft bezeichnet die Partei  «informationelle Selbstbestimmung, freien Zugang zu Wissen und  Kultur und die Wahrung der Privatsphäre». Zu ihren Kernthemen zählt  sie unter anderem das Urheberrecht, Datenschutz und Transparenz des  Staates.

 

Die Mitgliederzahl ging in den vergangenen Jahren kontinuierlich  nach oben. Vor allem während des Wahlkampfs zur Europawahl und zur  Bundestagswahl im Jahr 2009 erlebte die Partei einen raschen  Zuwachs. Derzeit zählen die Piraten rund 12.000 Mitglieder. Bislang kam die junge Partei aber bei Wahlen kaum über  Achtungserfolge hinaus: So erreichte sie bei der Bundestagswahl  2009 zwei Prozent der Stimmen und scheiterte damit klar an der  Fünf-Prozent-Hürde. Auch bei Landtagswahlen waren die Piraten  bislang weit davon entfernt, in ein Parlament einzuziehen. Das  änderte sich nun bei der Berlin-Wahl am Sonntag. Die Polit-Freibeuter erreichten über acht Prozent und schafften auf Anhieb den Sprung ins Landesparlament, im Gegensatz zur FDP, die nur bei zwei Prozent landete. 12000 Plakate hatten die Piraten aufgehängt, vier Mal so viele wie bei der Bundestagswahl. Und es wurde bekannt, dass sie von einem IT-Unternehmen eine Spende von 20.000 Euro erhalten haben, was ihnen im Schlussspurt nochmals Auftrieb verlieh.

 

Netzaktivisten profitieren von vielen Grünen-Sympathisanten

Die Netzaktivisten treffen nicht nur den Nerv vieler jüngerer Internetnutzer, der in Berlin sehr starken „Digitalen Boheme“, sondern profitieren auch von vielen Grünen-Sympathisanten, die sich von den Grünen enttäuscht abwenden, weil sie zu angepasst und etabliert wirken. „Sie reden von Bürgerbeteiligung und machen dann doch, was sie für richtig halten“, sagt der Pirat Christopher Lauer, der auf Platz zehn der Liste kandidierte. Mit dem klassischen Rechts-Links-Schema können und wollen die Piraten nichts anfangen. „Früher haben wir immer gesagt, wir sind weder links noch rechts, sondern vorne“, brachte es Spitzenkandidat Andreas Baum auf den Punkt, auch wenn man vom Gedankengut SPD, Grünen und Linken näher stehe. Über das Wahlprogramm durften die Mitglieder basisdemokratisch im Internet beraten und abstimmen, herausgekommen ist dabei ein buntes, manchmal auch reichlich diffuses skurriles „Wunschprogramm“. Neben den klassischen Themen wie Netzfreiheit, Datenschutz und Bürgerrechte finden sich nämlich auch Forderungen wie freie Fahrt im öffentlichen Nahverkehr, Verstaatlichung der Energie- und Wasserversorgung, bedingungsloses Grundeinkommen, „Rauschunterricht“ an den Schulen oder freier Zugang zu allen Fluss- und Seeufern. Man habe nicht zu allem eine Meinung, gibt Spitzenkandidat Andreas Baum offen zu, „wir sagen nur zu den Themen etwas, von denen wir wirklich etwas verstehen“. Ihren Wählern versprechen die Piraten volle Mitsprache und Transparenz, so wollen sich ihre Kandidaten, sollten sie ins Abgeordnetenhaus einziehen, vor allen Entscheidungen im Parlament die Meinung der Basis via Internet einholen.

 

Die etablierten Parteien nehmen die Konkurrenz jetzt ernst

Immerhin, die Zeiten, in denen die Piraten von den großen Parteien belächelt worden sind, sind vorbei, jedenfalls in Berlin. Auch wenn ihnen die Etablierten unisono vorwerfen, nur eine Ein-Themen-Partei zu sein, reichlich naiv an die Probleme heranzugehen und zu vielen wichtigen Fragen der Stadtentwicklung keine Antwort zu haben, geben SPD-Spitzenkandidat Klaus Wowereit wie seine Grünen-Herausforderin Renate Künast zu, dass sie die Piraten ernst nehmen. Künast gibt sogar die Devise aus: „Auch Piraten kann man resozialisieren.“ Denn sie wissen ganz genau: So fingen vor 30 Jahren auch die Grünen an. Und heute stellen sie schon einen Ministerpräsidenten. {Quelle: www.augsburger-allgemeine.de}

 

 

Ist die Piratenpartei die SPD von heute?

Viele meinen, die Piratenpartei sei eine Protestpartei ohne Substanz. Das war die SPD auch einmal. Immerhin sind die Sozialdemokraten heute keine Protestpartei mehr.

Der 1863 gegründete Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) von Ferdinand Lassalle war, wie die Piratenpartei heute, eine Protestgruppe mit einem minimalistischen Programm, ganz auf die Interessen einer gesellschaftlichen Gruppe zugeschnitten, die von den herrschenden Schichten nicht wahrgenommen wurde, und für die sich niemand einsetzte. Die Arbeiter. Es ging um das Wahlrecht und Unternehmen in Arbeiterhand. Die Forderungen waren selbst im eigenen politischen Umfeld der gerade entstehenden Arbeiterbewegung umstritten und stießen beispielsweise bei Karl Marx auf offene Ablehnung. Später wurde aus diesem kleinen Verein die SPD. Lassalle selbst war eine schillernde Figur, die für Aufmerksamkeit sorgte, selbst von Bismarck empfangen wurde und ein Jahr nach Gründung des ADAVs bei einem Duell um die Gunst von Helene von Dönniges starb. Er versuchte, bei einem Shootout den Vater von Dönniges zu töten, der gegen eine Heirat der beiden war – und verlor. Der ADAV wurde 1863 kaum ernster genommen als die Piratenpartei heute. Wenn die Piratenpartei heute als naive Protestpartei ohne klare Antworten zur Lösung der Probleme zwischen Netizens und Restgesellschaft beschrieben wird, erinnert das etwas an die damalige Kritik an Lassalle und seinem Programm.

 

Wie Christian Stöcker in seinem Spiegel-Online Beitrag „Die Generation C64 schlägt zurück“ beschrieben hat, gibt es längst eine Gruppe, die sich selbst stark in der digitalen Welt verortet. Ihr Kommen hat sich über Jahrzehnte angekündigt: Sie wurde von Sherry Turkle in „Die Wunschmaschine“ (Org. 1984) ebenso beschrieben wie in „Leben im Netz“ (Org. 1995) und bekam von Matthias Horx 1984 (damals noch kein „Zukunftsforscher“ sondern Journalist) den Namen Chip Generation verpasst – unter dem Titel veröffentlichte Horx damals einen „Trip durch die Computerszene“. Und wie so häufig, wurde dieses Kommen von der Politik und ihren Beratern komplett ignoriert. Das Internet ist für sie vor allem eine Möglichkeit über Twitter, Facebook und Blogs billig PR zu verbreiten – als zumindest partieller Lebensraum von immer mehr Menschen, wird es nicht wahrgenommen. Die Bewohner des Netzes sind in den vergangenen Monaten von der Politik nicht nur ignoriert – was den meisten von uns wahrscheinlich ziemlich egal gewesen wäre – sondern offen attackiert worden: Netzsperren, das absurde Verbot von „Killerspielen“ und die Ankündigung von Wiefelspütz, weitere Online-Inhalte zu sperren, wird von vielen als genau das empfunden: Ein Angriff auf ihre Art zu leben und das initiiert von Menschen, die schlicht nichts anderes als digitale Analphabeten sind. Nicht wenige der Netizens werden morgen vielleicht die Piraten wählen. Die romantische  Unabhängigkeitserklärung des Cyberspaces, von John Perry Barlow 1996 verfasst, scheint so aktuell wie nie.

 

Es gibt das Argument gegen die Piraten, dass es sich nicht lohnt eine kleine Partei zu wählen, sondern dass es sinnvoller ist, die Inhalte, die einem wichtig sind, in die großen Parteien einzubringen. Das Argument hat einen langen Bart und wurde schon immer von den Anhängern etablierter Parteien vorgebracht. Und es ist falsch. Es hat sich für die Arbeiter gelohnt, im 19. und 20. Jahrhundert die SPD zu wählen, um die eigenen Interessen voran zu treiben, und es war für die Ökos der 80er richtig, für die Grünen zu stimmen und nicht darauf zu setzen, dass SPD, CDU und FDP sich irgendwann einmal des Themas Umwelt annehmen. Wer glaubt, eine Partei von innen verändern zu können, ist wahlweise naiv oder dumm: Gerade bei den großen Parteien findet Politik auf Ortsvereinsebene, da, wo das Neumitglied sich engagieren kann, kaum statt. Ein Freund von mir bezeichnet die Treffen seines SPD-Ortsvereines als „Rentnerbespaßung“ und meidet sie längst. Bei der CDU sieht es kaum anders aus. Wer da etwas bewegen will, muss bereit sein, große Teile seiner Lebensenergie zu verschwenden – aus guten Gründen will das kaum jemand, weswegen die Parteien unter Mitgliederschwund und Überalterung leiden.

 

Die Wahl der Piratenpartei kann die Interessen der Netizens, der Generation C64, vorantreiben. Wenn morgen die Piratenpartei via Schweden in das Europaparlament einzieht und in Deutschland ein Ergebnis jenseits der 0,5 Prozent erreicht, sind die Forderungen einer Gruppe auf dem Tisch, um die sich die Altparteien bislang kaum gekümmert haben. Wenn dann Vertreter der Piratenpartei in Talkshows auf Figuren wie Wiefelspütz treffen, die nicht die geringste Ahnung haben, wovon sie überhaupt reden, werden die ihr blaues Wunder erleben: Die Spitze der Piratenpartei besteht aus IT-Fachleuten, Naturwissenschaftlern und Ingenieuren die wissen, wovon sie reden. In der Politik eher die Ausnahme als die Regel. Klar, das Programm der Piratenpartei ist noch nicht dazu angetan, sie den Kanzler stellen zu lassen – aber es gibt im Europawahlprogramm klare Aussagen zur Verfassung der EU, zur Militärpolitik und zum öffentlichen Nahverkehr. Für nahezu alle Fragen rund um die Digitalisierung der Gesellschaft haben hingegen die Altparteien kaum Antworten – und die hat gerade erst begonnen.

 

Die Piratenpartei kann zu einem Muster für eine offene Kommunikation werden und sich, wenn genug Leute mitmachen, noch gut entwickeln. Parteien sind langfristige Projekte, deren großer Erfolg sich oft erst in Jahrzehnten einstellt. Die Piratenpartei ist ein spannendes Projekt – vielleicht floppt sie, vielleicht wird sie ein Erfolg. Aber eines ist heute schon klar: Wer morgen die Piraten wählt, wirft seine Stimme nicht weg. Nach all den Berichten  über diese Partei wird auch der kleinste Erfolg medial große Wirkungen haben und die anderen Parteien zwingen, sich zur Digitalisierung und zum Netz zu positionieren. Das wäre doch schon mal was – und die Europawahl ist dazu eine gute Gelegenheit: Wir wählen bei der Europawahl ein Parlament, das kein Initiativrecht hat und über weite Teile des EU-Haushaltes noch nicht einmal mitreden darf. Und in das die Parteien ihre zweite und dritte Garde schicken – also kann man mit seiner Stimme experimentieren. Viel zu verlieren haben wir dabei nicht. {Quelle: www.ruhrbarone.de}

 

 

Warum die Piraten in Berlin so gut ankommen

 
Phänomen Piratenpartei: Der Berliner Außenseiter-Truppe wird in Umfragen der Einzug ins Abgeordnetenhaus prognostiziert. Was aber ist ihr Erfolgsrezept? Der Göttinger Parteienforscher Alexander Hensel kommt in einer Analyse zu überraschenden Ergebnissen.

Lange Zeit dümpelte die Piratenpartei im Nirwana unbedeutender Kleinparteien, jetzt stehen sie vor einem Erfolg: Aktuellen Wahlprognosen zufolge haben sie in Berlin erstmals eine klare Chance auf den Einzug in ein Landesparlament.

 

Das Image der Partei war zuletzt lädiert: In Berichten war von persönlichen Schmähungen, politischer Resignation und basisdemokratischem Chaos die Rede, aber mit den ersten positiven Wahlprognosen drehte sich der Wind: Den Piraten wurde eine Chance attestiert. Die von außen formulierte Erfolgsprophezeiung enthob die Piratenpartei dabei ihres wahlpsychologisch bedeutendsten Makels: dem Vorwurf, eine Stimme für die Piraten sei parlamentarisch schlicht verschenkt. Nun nährt der Erfolg den Erfolg. Hinzu kommen in Berlin grundlegend günstige Eigenschaften des Landesverbandes. Die Piraten in Berlin sind – natürlich immer relativ gesprochen – mitgliederstark, inhaltlich progressiv und organisatorisch einigermaßen innovativ.

 

Jugendlicher Habitus, authentische Online-Kommunikation

 

Schon bei der Bundestagswahl 2009 hatte sich Berlin als Hochburg der Piraten entpuppt. 3,4 Prozent der Berliner, in einem Bezirk sogar 6,2 Prozent, votierten für sie – bei einem Bundesdurchschnitt von 2,0 Prozent. Inzwischen liegen die Prognosen deutlich höher, Meinungsforschungsinstitute trauen den Piraten in Berlin derzeit zwischen 4,0 und 6,5 Prozent zu. In der Hauptstadt könnten jene prototypischen Wählerpotentiale aktiviert werden, die den Sockel der niedrigen, aber soliden Wahlergebnisse der Piraten in der Vergangenheit ermöglichten. Hierzu zählen erstens jüngere, gut gebildete Männer mit hoher Affinität zu digitaler Technik und Kultur. Diese schätzen die Piraten vor allem aufgrund der politischen Perspektive der digitalen Revolution – sowie als Datenschutz- und netzpolitische Vorreiterpartei. Hinzu kommen zweitens die sogenannten Digital Natives. Diese sind jung, durch eine zeitintensive, aber eher oberflächliche Nutzung des Internets geprägt und vor allem mit der Kultur Sozialer Netzwerke sehr vertraut. Sie honorieren den jugendlichen Habitus und die authentische Form der politischen Online-Kommunikation der Piraten. Dazu kommt das politisch attraktive Identitätsangebot eines digitalen Generationskonflikts: Onliner vs. Offliner.

 

Hinzu gesellt sich ein drittes Wählerpotential, die Strömung der neuen Basisdemokratie. Diese rekrutiert sich grundlegend aus einer unter jüngeren Menschen schon länger verbreiteten Haltung. Aus der Unzufriedenheit mit der Praxis der parlamentarischen Demokratie heraus fordern sie die Modernisierung der politischen Partizipationskultur. Politisches Engagement soll demnach unkonventionell, thematisch begrenzter, zeitlich flexibler und tendenziell basisdemokratisch organisiert werden. Durch eine starke Wahrnehmung der ökonomisch-politischen Krise verdichtete sich diese Haltung in jüngster Zeit zu politischen Bewegungen für mehr direkte Demokratie, wie sie sich beispielhaft in den spanischen Jugendprotesten zeigt. Und auch wenn die deutsche Jugend derzeit nicht auf die Barrikaden drängt, weht doch auch hierzulande ein latenter direkt- und basisdemokratischer Zeitgeist in die politischen Segel der Piraten.

 

Konzept der „Mitmach-Partei“

 

Die Piratenpartei bedient die genannten Bedürfnislagen zielgenau. Denn für ihre politische Offerte ist die radikale Kritik eines vermeintlich intransparenten, bürgerfernen und durch Lobbyismus korrumpierten politischen Systems seit jeher ebenso zentral wie die Forderung nach radikaler Transparenz politischer Prozesse und mehr direktdemokratischen Instrumenten. Hinzu kommt der für die Identität der Piraten zentrale Anspruch, alternative Politikformen auch selbst zu praktizieren. Ihr Konzept der „Mitmach-Partei“ gewinnt seine besondere Attraktivität dabei vor allem durch die konsequente Nutzung digitaler Kommunikations- und Organisationsformen.

 

Die Grünen haben den Piraten strategisch in die Hände gespielt

 

In Berlin stoßen auf lokaler Ebene neue potentielle Wählergruppen hinzu, die sich mit den Kernforderungen der Piraten identifizieren können. Zudem sehen sie ihre Interessen in der politischen Agenda der Piraten repräsentiert. Voraussetzung hierfür ist die von den Berliner Piraten praktizierte programmatische Profilierung im Bereich urban-sozialer Themen. So findet sich im Berliner Programm eine Reihe konkreter Forderungen, die unter realpolitischen Gesichtspunkten teilweise naiv wirken mögen, deren Potential jedoch in ihrer utopischen und zugleich lebensnahen Strahlkraft liegen: die Legalisierung weicher Drogen sowie eine progressive Suchtpolitik, kostenfreier Zugang zum Nahverkehr, eine am Prinzip der Offenheit orientierte Reform des Bildungswesens, die Umsetzung eines konsequenten Laizismus sowie die offizielle Akzeptanz und Gleichbehandlung unterschiedlicher Lebensentwürfe und Geschlechteridentitäten.

 

Diese insgesamt sozial-liberal orientierten Forderungen nach mehr sozialer Teilhabe und freiheitlich Lebensführung bestechen dabei durch ihre lebensweltliche Erdung in stadtspezifischen Bedürfnissen. Damit scheint es durchaus plausibel, dass die Piraten das Lebensgefühl moderner und urban-liberaler Großstädter in finanziell nicht saturierten oder gar prekären Lebensverhältnissen zuverlässig treffen könnten. Gleichzeitig öffnen sich die Piraten für das linke und progressiv-emanzipatorisch orientierte Spektrum. So fordert die Berliner Piratenpartei die Einführung eines Mindestlohnes und des bedingungslosen Grundeinkommens. Zudem besetzen sie einige Anliegen politischer Bewegungen: Abschaffung der Residenzpflicht für Flüchtlinge, ein Verbot öffentlicher Videoüberwachung und staatlicher Zensur, die Bekämpfung von polizeilicher Willkür und die Toleranz von Hausbesetzern. Diese sich hier abzeichnende politische Schnittmenge zwischen Piraten und linkslibertären Positionen kündigt sich zwar schon länger an, war aber selten so deutlich wie in Berlin.

 

Die staatstragende Haltung der etablierten Parteien sind viele Wähler leid

 

Insgesamt also werden die Piraten somit zur Wahlalternative für sich nicht repräsentiert fühlende liberale und linke Wählergruppen. Die Piraten profitieren von ihrer momentanen Rolle im Berliner Parteiensystem und der partiellen Integrationsschwächen der etablierten Parteien, insbesondere der Grünen. Momentan können die Piraten als aufstrebende, nicht-etablierte Kleinpartei eine besondere Stellung einnehmen: die des attraktiven Außenseiters, der unter anderen Erwartungen und Zwängen steht, als die etablierten Parteien. So ist es für die Piraten eben kein Problem, wenn ihre Forderungen nicht an Kriterien der Realpolitik orientiert sind, einen utopischen Charakter oder zumindest unklaren Finanzierungsstatus haben. Vielmehr gründet hierin sogar ihre momentane Stärke. Denn gerade weil die Forderungen der Piraten sich von denen der etablierten Parteien unterscheiden und gerade weil sie in eine andere und utopische Richtung weisen, sind sie überhaupt eine realistische Alternative für ein Wählerspektrum, das von der staatstragenden und pragmatischen Haltung linker Berliner Parteien frustriert ist.

 

Inhaltliche Berührungspunkte mit den Grünen

 

Die Attraktivität der Piraten für diese Gruppe ist besonders stark. Ein passendes Inhaltsangebot stößt auf partielle Integrations- und Mobilisierungsschwächen der etablierten Parteien, insbesondere der Grünen. Denn diese haben im Rahmen ihres auf die Person Renate Künast zentrierten Wahlkampfes den Piraten strategisch in die Hände gespielt. Die aus Künasts Machtanspruch geborene Spekulation über eine grün-schwarze Koalitionsoption könnte nicht wenige linke Stammwähler der Grünen zur Distanzierung bewegt haben. Zwar finden diese bei den Piraten kaum ökologische Positionen, dafür aber viele andere politische Standpunkte, die denen der Grünen durchaus ähneln. Hinzu kommen kulturelle Anschlussmöglichkeiten für die Überbleibsel einer unangepassten grünen Kultur. Diese betrifft einerseits den basisdemokratischen Anspruch der Piraten. Andererseits erinnert die gerade im Wahlkampf der Piraten präsente Mischung aus Improvisation, Euphorie und Kreativität durchaus an das verloren gegangene Sponti- und Rebellentum der Grünen früherer Tage. Sollte ein Triumph bei der Abgeordnetenhauswahl gelingen, wäre der Entwicklungsweg der Berliner Piraten ein schillerndes und herausforderndes Rollenmodell für die Zukunft der gesamten Piratenpartei. Denn ob sich anderen Landesverbänden der Piraten eine ähnlich günstige Gelegenheit eröffnet, ist durchaus zweifelhaft. {Quelle: www.spiegel.de}

 

6 Responses to “Warnung vor Piratenpartei!”

  1. saphiri Says:

    Die Piratenpartei ist die logische Zwangsfolge einer Erziehungskultur, wie wir sie in den letzten 30-40 Jahren beobachten mussten.

    • G.*K:* Says:

      Und warum tun wir mit mit der erzogenen Kultur???

      warum verändern wir nichts und erhalten uns unsere Religion und Kultur??

  2. Bernhardine Says:

    Diese Chaotenpartei hat kaum Frauen, weder bei den Mitgliedern, noch bei den Wählern. Am liebsten konsumieren sie Drogen. Bekanntlich führen Drogen zu sexuellen Enthemmungen, Entgleisungen, Perversionen und Verbrechen. Das einzig Vernünftige was sie je taten, sie warfen, angeblich, alle Scientologen aus ihrer Partei.

  3. Erich Foltyn Says:

    statt einer Weltanschauung, die für viele noch eine existenzielle Bedeutung hatte, tritt nur noch das Gaudium im Internet, während sich ja die Sozialdemokratie selbst abschafft durch grenzenlose Hingabe an alles, was nicht ihr Eigenes ist.

  4. […] -zutreffende Warnung vor den linksliberalen Piraten! […]

  5. gast Says:

    wenn es was neues gibt und am stuhl der macht gewackelt wird ,agumentiert man immer auf diese art und weise
    dabei handelt es sich nur um eine neue generation die unter demokratie etwas anderes versteht
    ich bin nur ein einfacher arbeiter und habe für alles neue verständnis
    aber viel hoffnung habe ich nicht ,Renter und Beamte sorgen immer wieder dafür das die großen Parteien ihre Stimmen bekommen ,wahre demokratie hat doch gar keine chance ,ein Heer von Beamten will das doch gar nicht
    Und viele wissen das, deshalb ist die wahlbeteiligung auch nicht sehr hoch.
    ein versuch ist es wert,es lebe die piratenpartei
    ich wünsche mir für die nächste bundestagswahl…90% wahlbeteiligung


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