kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

„Arabischer Winter“ für Christen 4. Januar 2012

Filed under: Christenverfolgung,Islamischer Terror — Knecht Christi @ 18:00

Der sogenannte „arabische Frühling“ ist das Zusammenwirken verschiedener Protestbewegungen, von denen die erste im Dezember 2010 in Tunesien ausbrach und von dort auf andere arabische Länder übergriff.

In Tunesien, Ägypten und Libyen führten diese Bewegungen einen Regimewechsel herbei. In Marokko, Algerien und Jordanien wurden seitdem Reformen eingeleitet, um den öffentlichen Frieden wieder herzustellen. In Syrien, Saudi Arabien und Oman wurden die Demonstrationen mit Gewalt unterdrückt.

Der syrische Präsident befindet sich in einer schwierigen Lage, hält sich jedoch trotz wachsender Gewalt noch an der Macht. In Syrien ist es zu grausamen Übergriffen gegen Christen gekommen. Auch im Jemen und Bahrain kommt es vermehrt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Der jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh ist im November 2011 zurück getreten.

 

Der arabische Frühling wurde von der Weltöffentlichkeit positiv wahrgenommen als eine soziale Bewegung gegen die Verletzung von Menschenrechten, korrupte Regime und Armut. In der „New York Review of Books“ wurde zitiert, dass der Ausgang dieser Revolutionen jedoch im deutlichen Gegensatz zu den ursprünglichen Zielen der Aktivisten steht: „Die vor uns liegende Zukunft der arabischen Welt wird höchstwahrscheinlich geprägt sein von einem beständigen Machtkampf zwischen der Armee, den Überresten der alten Regime und den Islamisten; jede dieser Gruppen verfügt über die Verwurzelung, Ressourcen, die Fähigkeit und Entschlossenheit, die Dinge in die Hand zu nehmen. Die möglichen Resultate sind vielfältig – von der Wiederherstellung der alten Ordnung bis zur Machtübernahme durch die Militärs, von erbitterten Grabenkämpfen und Bürgerkrieg bis zur schleichenden Islamisierung.“

 

Schlechte Aussichten

 

Es ist anzunehmen, dass der „arabische Frühling“ zu einer Verschlechterung der Situation der Christen führen wird, deren Rechte unter den alten Autokraten in einem gewissen Maße gesichert waren. Antichristliche Tendenzen nehmen zu, die Übergriffe sowohl gegen die historischen christlichen Minderheiten als auch gegen Christen muslimischer Herkunft häufen sich. Der Machtzuwachs islamischer Gruppen wie der Muslimbruderschaft in Ägypten, der Islamischen Heilsfront in Algerien und der radikalen Salafisten wird sich höchstwahrscheinlich negativ auf die Position der Christen auswirken. Einige Analysten gehen so weit, den „arabischen Frühling“ als Auftakt zu einem „christlichen Winter“ zu betrachten, in dem die Unterdrückung christlicher Minderheiten weiter zunehmen wird.

 

Ägypten, dort leben drei Viertel der christlichen Bevölkerung des Nahen Ostens , erlebt eine schleichende Islamisierung. In den vergangenen Monaten sind koptische Christen mehrfach Opfer islamistischer Gewaltakte geworden, wobei das „Maspero Massaker“ besonders hervorsticht. Dabei kamen im vergangenen Oktober 27 friedlich protestierende Christen ums Leben, einige Hundert wurden verletzt. Bei diesem blutigen Ereignis unternahm die Armee keinerlei Anstrengung, die angegriffenen Christen zu schützen. Vielmehr beteiligten sich einige Soldaten sogar an dem Töten. In Tunesien wurde ein polnischer katholischer Priester von radikalen Islamisten ermordet. In Algerien werden die Freiheiten der Christen zunehmend eingeschränkt.

 

Die Absetzung von Despoten wie Gaddafi in Libyen oder Mubarak (Ägypten) hat für ein Machvakuum gesorgt, das wahrscheinlich niemandem so sehr nützt wie den islamischen Fundamentalisten. Nach dem Versagen der bisherigen Politik sehen weite Teile der Bevölkerung in ihnen die einzige Alternative, um strukturelle Armut und Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Die libysche Übergangsregierung hat ebenso wie die tunesische islamistische „Ennahda Partei“ bereits die Einführung der Scharia angekündigt. Auch in Ägypten und Marokko sind die Islamisten siegreich aus den jüngsten Parlamentswahlen hervorgegangen. Syrien steht bereits am Rand eines Bürgerkrieges, während die Christen den zunehmenden Druck eines erstarkten sunnitischen Fundamentalismus zu spüren bekommen. Die Zukunft des Landes und besonders der Christen hängt stark von der Frage ab, ob Präsident Assad sich an der Macht halten kann.

 

 

Aufstieg im Weltverfolgungsindex

 

Mit Ausnahme von Ägypten, Marokko, Tunesien und Syrien, rücken die von den „Frühlingsrevolutionen“ betroffenen arabischen Länder auf dem Weltverfolgungsindex 2012 des Hilfswerkes für verfolgte Christen, Open Doors, nicht weiter vor. Manche fallen sogar um eine Platzierung zurück, obwohl sie alle in den Bewertungspunkten zulegen. Das starke Vorrücken von Ägypten und einigen Ländern außerhalb der Region erklärt, warum andere Länder zurückfallen. Gleichwohl gilt, dass die Christen in der Region überall dort, wo islamische Fundamentalisten siegreich aus den jüngsten Wahlen hervorgegangen oder an die Macht gekommen sind, in eine düstere Zukunft blicken. Die weiteren politischen Entwicklungen werden zeigen, was mit der Gemeinde Jesu in der Region geschehen wird. Die meisten betroffenen Länder befinden sich noch in einer Übergangsphase und der Weltverfolgungsindex berücksichtigt lediglich die Ereignisse vom November 2010 bis Oktober 2011. Hinzu kommt, dass verlässliche Informationen aus vielen dieser Länder nur schwer zu erhalten sind, insbesondere aus Syrien wegen der andauernden intensiven gesellschaftlichen und politischen Gewalt.
Aufgrund der chaotischen und bedrohlichen Situation in der Region sind bereits zahlreiche Christen emigriert, obwohl die stetig wachsende Zahl der Christen muslimischer Herkunft in einigen Ländern für etwas Hoffnung sorgt. Wann wird dieser „arabische Winter“ für Christen vorüber sein? Wann dürfen wir mit einer Verbesserung der Lage für die christlichen Bevölkerungsteile rechnen? Unterdrückung und Verfolgung werden so lange herrschen, wie sich die islamischen Fundamentalisten an der Macht halten können. Sollten sie, wie mit Recht zu erwarten ist, das arabische Volk enttäuschen, so besteht Hoffnung, dass die Situation langfristig zu verstärkter Offenheit für das Evangelium führen wird.

 

Einschätzungen von Open Doors International im Dezember 2011 – Christenverfolgung weltweit: Lesen Sie die „Gesichter der Verfolgung“ zum Weltverfolgungsindex 2012

 

 

 
Blasphemiegesetze in mehreren Ländern

 

Mit Anti-Diffamierungsgesetzen wollen Regierungen die in ihrem Land geltende Staatsreligion bzw. die Religion der Mehrheitsgesellschaft vor jeglicher Kritik schützen. Doch in hohem Maß drangsalieren diese Blasphemiegesetze die dort lebenden Christen. Glaubensdiskussionen zwischen Muslimen und Christen endeten für nicht wenige Christen schon im Gefängnis.

 

Ihren Kindern bringen Christen bei, besser nicht öffentlich über Jesus oder die Bibel zu sprechen. Ein falsches Wort und sie werden der hetzerischen Blasphemie beschuldigt. Und auch Christen muslimischer Herkunft leben aufgrund ihrer Konversion gefährlich. Blasphemiegesetze öffnen der Willkür gegen Christen, aber auch gegen andere religiöse Minderheiten Tür und Tor. Lesen Sie hier, wie in mehreren Ländern die Gesetze missbraucht werden und welche Empfehlungen Open Doors für politisches Handeln gibt.

 

 
Glaube im Untergrund

 

Der Verfolgungsindex zeigt die Welt aus einer anderen Perspektive. Er lenkt den Blick auf Länder, in denen ein Gottesdienstbesuch zur Gefahr werden kann, wo Christen wie Staatsfeinde geächtet werden oder ein Glaubenswechsel als Verbrechen gilt. Doch der Index vermittelt noch eine andere Botschaft – dass nämlich selbst in hochgradig christenfeindlichen Staaten wie Nordkorea Christen im Verborgenen an ihrem Glauben festhalten. Wir nennen diese heimlichen Gläubigen in vielen Ländern „Untergrundchristen“. Open Doors unterstützt sie mit einer Reihe von Projekten. Doch wie sieht dieser Glaube im Untergrund praktisch aus? Zum Schutz der Christen können wir nicht zu jedem Land Einzelheiten preisgeben. Die nachfolgenden authentischen Beispiele sollen jedoch einige Einblicke geben. Im ostafrikanischen Somalia – an sich schon ein streng islamisch geprägtes Land – treiben radikale Kämpfer der islamistischen Gruppe „Al Shabaab“ ihr Unwesen. Sie terrorisieren Land und Leute, um das Land zu einem noch strengeren islamischen Gottesstaat zu machen. Ihr Ziel ist eine radikale Anwendung des Scharia-Rechtes. Werden Christen muslimischer Herkunft, also ehemalige Muslime, von ihnen entdeckt, gleicht das einem Todesurteil. Allein im vergangenen Jahr wurden mindestens vier Christen regelrecht hingerichtet. Doch in diesem Klima aus Terror und Gewalt wagen es einheimische Christen dennoch, sich zu treffen. Die wenigen Momente der Gemeinschaft sind für sie wie Kraftquellen in einer Welt, in der sie als Feinde gelten.

 

 

Jeder Hinweis wird vernichtet

 

Irgendwo in Mogadischu, der Hauptstadt Somalias. Einzeln betreten die Männer und Frauen das unscheinbare Haus. Über Mund zu Mund Propaganda, Handynachrichten oder versteckte Botschaften hat man sich verabredet. Die Begrüßung ist herzlich, man umarmt sich. „Wie geht es der Familie, dem Haus, dem Vieh?“ Sobald jeder einen Platz gefunden hat, öffnet der Leiter dieser kleinen Hausgemeinde ein zusammengefaltetes Stück Papier. Das abgegriffene Blatt könnte ihn das Leben kosten. Er beginnt vorzulesen. Den Text hat er von einer christlichen Internetseite ausgedruckt. Es ist ein Bibeltext mit Erklärungen und Anwendungen für das persönliche Glaubensleben. Das Internet ist heute in vielen Ländern nahezu die einzige Informationsquelle für Christen im Untergrund. Open Doors unterstützt eine Reihe solcher Web-Programme. Obwohl einige Mitglieder dieser somalischen Gemeinde eine Bibel besitzen, lassen sie sie lieber daheim – versteckt in einem Erdloch oder einer geheimen Nische im Haus. (Radikale Muslime zerstörten das Haus in Somalia, als sie erfuhren, dass es dort Bibeln und christliche Literatur gab. Foto: Open Doors).

 

Wer ist Freund, wer Feind

 

Von Zeit zu Zeit kommen auch neue Christen zu den Treffen. Doch der Weg dahin ist gepflastert mit Sicherheitsvorkehrungen und viel Gebet um Weisheit, gutes Urteilsvermögen und Bewahrung. Denn die Gefahr ist groß, einen Spitzel ins Haus zu holen. Telefonnummern lernt man auswendig. Jeder Hinweis auf eine Verbindung wird vernichtet. So schützt man die anderen Geschwister, sollte jemand entdeckt werden. Der somalische Christ Musa Mohammed Yusuf zahlte für den Mut, seinen Gemeindeleiter nicht ans Messer von Al Shabaab-Kämpfern zu liefern, einen hohen Preis. Seine Söhne, elf und zwölf Jahre alt, wurden dafür verschleppt und enthauptet.

 

Jeden Tag Gebet

 

Das Treffen der kleinen Mogadischuer Gemeinde geht zu Ende. Diese besondere Gemeinschaft ist ihnen nur selten vergönnt. Höchstens drei Stunden bleibt man zusammen. Dann verlässt jeder in Abständen, möglichst unauffällig das Haus. Auch Abdi* weiß, wie schwierig es ist, in Somalia einen Christen zu finden. Als er noch Muslim war, sprach er mit seinem Onkel oft stundenlang über Gott und die Welt. Einmal gab ihm sein Onkel einen Zettel mit handgeschriebenen Bibelversen und bat Abdi, es zu studieren. „Er erzählte mir auch von Jesus und dem christlichen Glauben“, erinnert sich Abdi. „Doch mein Onkel schärfte mir ein, dies alles unbedingt für mich zu behalten.“ Einige Zeit später bekehrte sich Abdi zu Jesus. Sein Onkel war der einzige Christ, den Abdi bis dahin kannte. Dann verstarb der Onkel. Als Verwandte das Haus ausräumten, entdeckten sie die christlichen Bücher. Abdis Geheimnis wurde dabei gelüftet. Er war in großer Gefahr und tauchte unter. „Dann machte ich mich auf eine lange Suche nach anderen Christen“, erzählt er. Doch wo sollte er beginnen? Es gab kein Gemeindeverzeichnis, kein sichtbares Kirchengebäude. „Doch Gott sandte mir einen Mann“, erinnert er sich. Eines Tages sah er Nishan* auf der Straße. Der war offensichtlich geistig verwirrt, denn lauthals predigte er auf den Plätzen der Stadt von Jesus und christlichen Werten. Da er als geistesgestört galt, ließ ihn die Polizei in Ruhe. Passanten schüttelten den Kopf und gingen weiter. Eines Abends folgte Abdi ihm in ein kleines Haus. „Ich gehöre zu deiner Familie“, erklärte er. Der Mann blieb stumm, hielt die Fassade des Irren aufrecht. Erst nach etlichen Versuchen, kamen sie ins Gespräch. Nishan fasste Vertrauen und die Männer wurden Freunde. Gemeinsam bauten sie in den folgenden Jahren ein Netzwerk aus Christen muslimischer Herkunft auf.  Menschen, die wie Abdi auf der Suche nach Glaubensgeschwistern waren, fanden eine geistliche Heimat. Doch eines Tages kam die traurige Nachricht: Nishan ist tot. Seine Enthauptung trug die Handschrift der Al Shabaab Miliz.

 

Party für Jesus

 

Abdi und Nishans Geschichte könnten tausende „Untergrundchristen“ in ähnlicher Weise erzählen. „Wir versammeln uns ständig an anderen Orten oder im Freien“, erzählte ein Pastor aus Usbekistan. „Dann sitzen wir um einen Tisch herum, als würden wir uns einfach als Freunde treffen – falls es eine Razzia gibt.“ In Nordkorea sitzen gelegentlich zwei Christen wie Fremde nebeneinander auf einer Parkbank. Sie reden kaum miteinander. Doch in einem unbeobachteten Moment tauschen sie auswendig gelernte Bibelverse oder Gebetsanliegen aus. In Afghanistan ist für Jamil* eine Autofahrt von Kundus nach Kabul wie eine Bibelstunde. Sobald er die Stadtgrenzen hinter sich gelassen hat, legt er eine CD ein und feiert Gottesdienst. Laufen die Radiosendungen von „Kirche daheim“ wird sein Auto zur rollenden Gemeinde. Jamil fühlt sich glücklich und frei. Doch andererseits gibt es Christen in vielen Ländern, die fern von jeglicher Gemeinschaft leben müssen. Ihnen bleibt nur, Jesus in ihren Herzen anzubeten. Sie und viele Millionen verfolgter Christen brauchen jeden Tag unser Gebet. {Quelle: www.opendoors-de.org}

 

 

Länder außerhalb des Weltverfolgungsindex

 

Für den jährlichen Weltverfolgungsindex beobachtet Open Doors neben den 50 in der Rangliste aufgeführten Staaten noch weitere Länder, in denen Christen ihren Glauben nicht frei leben können. Einige werden an dieser Stelle kurz vorgestellt.

 

Sansibar: Die Inselgruppe Sansibar ist ein autonomer Teil des ostafrikanischen Staates Tansania, der sich weitgehend selbst regiert, aber auch im Parlament des Landes vertreten ist. Mit einer Punktzahl* von 47,5 in der Bewertung der Glaubensfreiheit für Christen hätte es im Weltverfolgungsindex aufgeführt werden können. Doch da Sansibar nur ein kleiner Teil von Tansania ist, hat Open Doors sich in diesem Jahr gegen eine Aufnahme in die Rangliste entschieden. Während das Festland Tansanias überwiegend christlich geprägt ist und die Verfassung Religionsfreiheit garantiert, ist die Bevölkerung der Inselgruppe Sansibar nahezu ausschließlich muslimisch. Sansibar besteht aus drei Inseln: Unguja (die Hauptinsel), Tumbatu und Pemba. Die Situation der Christen dort verschlechtert sich aufgrund des wachsenden Einflusses islamischer Extremisten. Im Visier stehen sie bei Einzelpersonen auf Regierungsebene sowie von radikalen Gruppen und politischen Parteien. Weil viele Touristen die Inseln besuchen, gerät die Gemeinschaft konservativer Muslime langsam mit „Fremden“ in Kontakt. Dies lässt zwar auf eine Verbesserung der Verfolgungslage hoffen, könnte aber auch verstärkt extremistische Muslime nach Sansibar bringen, um einer Verwässerung oder Verwestlichung des muslimischen Charakters entgegen zu wirken. Einschätzungen zur Zukunft der Christen sind derzeit schwer abzugeben, doch Sansibar und auch das Festland Tansania werden weiter beobachtet.

 

Nordzypern: Mit einer Bewertung von 36 Punkten* hätte dieser Mittelmeerstaat ebenfalls auf dem Weltverfolgungsindex erscheinen können. Doch die Hintergrundinformationen zur Situation bedrängter Christen sind noch nicht ausreichend, um belastbare Angaben zur Situation zu machen. Nordzypern hat sich selbst für unabhängig erklärt, wird jedoch international lediglich von der Türkei und der Organisation für islamische Zusammenarbeit (OIC) anerkannt, bei der es Beobachterstatus hat. Auf der Halbinsel liegen die Gründe für die Schwierigkeiten von Christen im muslimischen Charakter der Region. Abgesehen vom laufenden internationalen Konflikt um die Souveränität der Republik Zypern, könnte die Menschenrechtslage in Nordzypern als annehmbar bezeichnet werden. Die Regierung von Nordzypern ist jedoch gegen Christen sehr voreingenommen. Es gibt einen kleinen christlichen Bevölkerungsanteil griechisch-orthodoxer, anglikanischer, maronitischer und katholischer Konfessionen sowie ein paar tausend ausländische Christen. Doch Religionsfreiheit nach westlichem Vorbild bleibt ihnen verwehrt.

 

Niger: Das nächste Land, das fast auf den Index gekommen wäre, ist Niger mit 26,5 Punkten*. Die Hauptursachen für eine zunehmende Verfolgung von Christen in dem westafrikanischen Staat – der Heimat von rund 50 000 Christen – sind der Islam und starke Familientraditionen. Der wachsende Einfluss saudi-arabischer Kräfte und das mögliche Übergreifen der extremistisch-islamischen Gewalt gegen Christen im benachbarten Nigeria stellen für die Christen im Niger eine große Bedrohung dar. Noch kann man im Niger nicht von einer Islamisierung sprechen. Doch da diese ein regionaler Trend ist und es bereits zu einigen gewalttätigen Übergriffen gegen Christen gekommen ist, wird Niger weiter von Open Doors beobachtet.

 

Russland: Höhere Punktzahlen anderer Länder bei der Bewertung zum Weltverfolgungsindex 2012 haben Russland (25,5 Punkte*) aus dem Weltverfolgungsindex gedrängt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich die Lage der Christen insgesamt verbessert hat. Die Gesetze Russlands legen zwar prinzipiell Religionsfreiheit für alle Konfessionen fest, die Praxis sieht jedoch anders aus. Im Gesetz zur Gewissensfreiheit von 1997 werden nur vier „traditionelle“ Religionen in Russland anerkannt: die östliche Orthodoxie, der Islam, der Buddhismus und das Judentum. Für nicht-orthodoxe Christen sind die Freiheiten eingeschränkt. In der Republik Dagestan werden Christen auch von Muslimen verfolgt, wo viele Christen muslimischer Herkunft ihren Glauben in kleinen, diskreten Hausgruppen praktizieren müssen. Die am 6. Oktober 2011 bekannt gegebenen neuen Änderungsvorschläge der Regierung für das Gesetz über die Freiheit des Gewissens und religiöser Organisationen (1997) könnten die Religionsfreiheit im Land erheblich einschränken, sofern sie angenommen werden.

 

Sri Lanka: Die Mehrheit der Bevölkerung Sri Lankas ist buddhistisch. Der Buddhismus ist eng mit der Geschichte des Landes, der Kultur und der Sprache verknüpft. Viele Anführer der Unabhängigkeitsbewegung im Jahr 1948 waren buddhistische Führer.  In der Gleichsetzung von Buddhismus mit dem Staat Sri Lanka liegt auch die Hauptursache für christenfeindliche Aktionen. Sri Lanka erreichte in der Bewertung der Situation für Christen 25 Punkte*. Doch die Situation für die christliche Minderheit hat sich zuletzt etwas entspannt. Zwar ist es einerseits weiterhin sehr schwer, eine Genehmigung für den Bau einer Kirche zu erhalten; sporadisch werden Pastoren tätlich angegriffen und die Häuser christlicher Familien überfallen. Auch ein Antibekehrungsgesetz wartet immer noch auf seine Verabschiedung. Andererseits wird Kirchengebäuden als Teil des kulturellen Erbes offiziell Schutz gewährt. Bei der Einführung eines neu ernannten katholischen Bischofs äußerte der Präsident des Landes öffentlich, es sei eine Ehre für das ganze Land, den neuen Bischof willkommen zu heißen.

 

Mexiko: Für die Schikanierung, Unterdrückung und Verfolgung von evangelischen Christen in ganz Mexiko (24 Punkte*) gibt es vielerlei Gründe. Besonders in kleinen ländlichen Ortschaften der südlichen Bundesstaaten vermischen katholische Gemeinden weiterhin den Katholizismus mit uralten indianisch-heidnischen Überzeugungen und Bräuchen. Christen, die sich weigern, Gelder für die Ausrichtung religiös-heidnischer Feste der überwiegend katholischen Dorfgemeinschaft zu entrichten, werden bestraft. Gläubige wurden ihres Glaubens wegen mit Bußgeld belegt, inhaftiert, verprügelt oder ermordet. Die „caciques“  (Dorfoberste), die in ganz Mexiko in ländlichen Regionen als örtliche Grundherren und Geschäftsinhaber viel Einfluss haben, wenden sich auch gegen evangelische Christen. Hinzu kommt, dass Mexiko im Allgemeinen unter der Geißel des organisierten Verbrechens steht. Kriminelle Organisationen und Drogenkartelle betrachten christliche Gemeinden als direkte Bedrohung ihrer Macht. Denn nach gängiger christlicher Lehre ist der christliche Glaube nicht mit Drogenkonsum oder gar –handel zu vereinbaren. Zudem fordern mafiöse Gruppen meist Loyalität und die Bindung ihrer Mitglieder an die Gruppe.  * Punkte: 0= völlige Freiheit  100= totale Unterdrückung

 

 

Getötet, weil sie Christen waren

Wo Menschen für ihren Glauben an Jesus Christus getötet wurden

 

Der gewaltsame Tod um ihres Glaubens willen ist der ultimative Preis, den verfolgte Christen zahlen müssen. Dieses Schicksal ereilte im vergangenen Jahr besonders viele Christen im Norden von Nigeria, Ägypten und dem Irak. Allein in diesen drei Gebieten wurden mindestens 398 Männer und Frauen getötet. Open Doors-Mitarbeiter der Arbeitsgruppe für den aktuellen Weltverfolgungsindex haben diese Zahl ermittelt. Die Liste von 50 Ländern zeigt an, wo Christen derzeit am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt und benachteiligt werden und erschien am 4. Januar 2012 in seiner neuesten Version. Tatsächlich könnte die Zahl der getöteten Christen viel höher liegen. Doch in vielen Fällen gelangen Meldungen über die Ermordung von Christen nicht an die Öffentlichkeit, etwa, wenn die Tat in abgelegenen Regionen dieser Erde geschehen ist oder wenn Christen sich nur im Verborgenen – „im Untergrund“ – versammeln können, es also nicht immer deutlich war, dass es sich bei den Getöteten um Christen handelte.

 

Nigeria

 

Im Norden von Nigeria wurden bestätigten Berichten zufolge 300 Christen getötet, weil sie sich zu Jesus Christus bekannt haben – doch die Dunkelziffer könnte höher liegen. Im April 2011 zogen muslimische Extremisten nach der Präsidentschaftswahl gegen Christen in mehreren Bundesstaaten aus. In den betreffenden Staaten gilt das islamische Rechtssystem, die Scharia. Auslöser war der Wahlsieg des christlichen Kandidaten, Goodluck Jonathan. Mindestens 170 Christen starben bei den Übergriffen. Kaum einen Monat später griffen Islamisten ganze Dörfer von Christen an und brannten Kirchen nieder. Im Zeitraum vom 22. August bis 22. September 2011 wurden mehr als 100 Christen im zentralnigerianischen Bundesstaat Plateau getötet. Insbesondere die radikal-islamische Gruppierung Boko Haram hat auch Christen ins Visier genommen und geht zunehmend gewalttätig vor. Ein Pastor aus der Hauptstadt Jos sagte gegenüber Open Doors: „Die Geschichte der muslimisch-christlichen Gewalt in diesem Gebiet reicht 30 Jahre und mehr zurück, aber nur wenige von uns haben dieses Niveau einer organisierten muslimischen Militanz gesehen, wie wir sie in diesen Tagen erleben.“

 

Ägypten

 

Im nordafrikanischen Ägypten wurden mindestens 60 Christen getötet; im Irak waren es 88 Menschen. Obwohl die meisten von ihnen durch die Hand islamischer Extremisten starben, gibt es Ausnahmen. 27 koptische Demonstranten verloren ihr Leben beim sogenannten „Maspero Massaker“ in Kairo am 9. Oktober 2011. Einige wurden von Soldaten erschossen, andere von Panzern überrollt und einige von islamischen Extremisten getötet.

 

Irak: Im Irak wurden allein in Bagdad mindestens 21 Christen getötet. In der Hauptstadt hält die gegen Christen gerichtete „Säuberungswelle“ ganzer Wohnviertel an.

Kolumbien: In Kolumbien ermordeten rechtsgerichtete Rebellengruppen drei Christen; zwei weitere wurden von kriminellen Milizen umgebracht. Tatsächlich könnte die Zahl der getöteten Christen bei annähernd 20 Menschen liegen, denn auch die sogenannten „Narco-Verbrechen“ forderten zahlreiche Opfer. Dabei handelt es sich um gezielte Angriffe von Drogenhändlern auf Pastoren und Gemeindeleiter, die sie als Bedrohung für ihre Drogengeschäfte ansehen.

Mexiko: In Mexiko wurden mindestens drei evangelikale Pastoren getötet; zwei Christen allein im Bundesstaat Chiapas.
Laos: Im südostasiatischen Laos wurden vier Christinnen aus der Volksgruppe der Hmong getötet. Zuvor waren sie brutal zusammengeschlagen und mindestens zwei Frauen von Regierungssoldaten vergewaltigt worden – vor den Augen ihrer Ehemänner und Kinder.

 

Sterben, um Christen zu helfen

 

„Die Bedeutung der Märtyrer lässt sich nicht aus ihrer Anzahl ableiten – denn sie ist relativ gering – sondern sie liegt in der Symbolkraft ihrer Hingabe: Der Tod eines Menschen kann die gesamte Kirche neu inspirieren“, sagte ein pakistanischer Pastor nach der Ermordung des christlichen Minderheitenministers Shahbaz Bhatti. Der 42-Jährige wurde am 2. März 2011 auf offener Straße von muslimischen Extremisten erschossen. Nach einem Besuch bei seiner Mutter in Islamabad wollte er gerade in sein Auto steigen, als vier bewaffnete Männer das Feuer auf ihn eröffneten. Die Täter konnten fliehen. Bhattis Ermordung schockierte die Welt und entmutigte die Christen in Pakistan aufs Neue. Nur einige Wochen vor seinem Tod hatte Bhatti gegenüber Reportern gesagt: „Ich lebe für meine leidenden Landsleute und ich werde sterben, um ihre Rechte zu verteidigen.“ Bhattis „Verbrechen“ bestand darin, die berüchtigten Blasphemiegesetze in Pakistan zu kritisieren, die es jedermann ermöglichen, jemanden der Beleidigung des Islam oder des Propheten Mohammed zu beschuldigen, um ihn ins Gefängnis zu bringen. Vier weitere pakistanische Christen wurden im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2012 vom November 2010 bis 31. Oktober 2011 umgebracht.

 

Aufstehen für ermordete Christen

 

Viele weitere Christen starben infolge von Christenverfolgung, doch werden sie nicht als „Märtyrer“ nach allgemeinem Verständnis gezählt. So sterben zurzeit im Sudan vermutlich Hunderte, ja vielleicht Tausende von Christen in Gebieten, die zwischen dem Sudan und dem kürzlich unabhängig gewordenen Südsudan umstritten und vorwiegend von Christen bewohnt sind. In Nigeria sind insgesamt nach verschiedenen Schätzungen bis zu 1.500 Christen gestorben. Doch werden nicht alle als „Märtyrer“ angesehen. Die „World Christian Encyclopedia“ definiert den Begriff des „Märtyrers“ als „an Jesus Christus Gläubige, die ihr Leben vorzeitig verloren haben, als Ergebnis menschlicher Feindschaft in Situationen, in denen sie ihren Glauben bezeugt haben“. Doch es gibt Grenzfälle: Im vergangenen Jahr starben von den nahezu 1.000 Christen, die in Eritrea eingesperrt sind, fünf in Gefangenschaft infolge von Krankheit. Berichten zufolge hatten ihnen Wärter die medizinische Behandlung verweigert. Sind sie Märtyrer? Oder sollte man sie eher nicht dazu zählen?

 

Die Zahl der verfolgten Christen liegt heute bei schätzungsweise 100 Millionen weltweit; die Zahl der getöteten Christen ist daran gemessen eher gering. Aber ihre Geschichten dominieren die Schlagzeilen aus der verfolgten Gemeinde Jesu. Ein Pastor aus China sagte einmal: „Es gibt kein Licht, das mehr blendet, als wenn jemand sein Leben gibt für Christus, denn es beweist: Wir haben einen Gott, für den es sich nicht nur zu leben, sondern auch zu sterben lohnt.“ Ein anderer Gemeindeleiter aus dem „Untergrund“ im Iran fügt hinzu: „Wenn jemand für seinen Glauben stirbt, müssen wir aufstehen – besonders wenn es im eigenen Land geschieht.“ Die herausfordernde Frage ist, werden sich Christen, die nicht in demselben Land leben, ebenso aufrütteln lassen? Werden sie aufstehen, weil jemand das ultimative Opfer für Jesus Christus gab? {Autor: Ron Boyd MacMillan, Open Doors International}

 

4 Responses to “„Arabischer Winter“ für Christen”

  1. Emanuel Says:

    „Möge unser Heiland und Erlöser Jesus Christus den syrischen Staatschef Dr. Baschar Al-Assad segnen und vor den bösen Mächten der Finsternis bewahren. Denn wenn die Moslembrüder ihn und sein Regime mit Hilfe der MÄCHTIGEN besiegen würden, hört man FOLGENDES:“

    Solche Feststellungen von Peter Zakaria sind weitaus hilfreicher als laue, langatmige , kaum aussagekräftige Berichte , wie dieser von Open Doors. Sie können sich offenbar nicht eindeutig bekennen.

  2. saphirili Says:

    Ja, die New Yorker Kaplanin Viviana Fernandez hat Recht, wenn sie sagt:
    “Wenn wir weiterhin darüber schweigen, dann ist das so, als ob wir mitschuldig würden an dem, was unseren Brüdern und Schwestern im Irak passiert !”
    Und eben nicht nur im Irak.

    Die Worte Martin Luther Kings sollten in den Ohren unserer Kirchen-Weichspüler klingeln und nicht mehr damit aufhören:

    “Am Ende werden wir uns nicht an die Worte unserer Feinde, sondern an das Schweigen unserer Freunde erinnern.”

    Deshalb: durchbrecht das Schweigen über Christenverfolgung ! Redet darüber, nervt eure Pastoren mit dem Thema, informiert euch (z. Bsp.: http://gebetskreis.wordpress.com/) ! Bei uns fängt es an, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen und es trägt ja auch schon Früchte. Wenn in der Hauptnachrichtensendung des ZDF, der 19.00 Uhr – Heute – Sendung, am Heiligabend relativ offen über die unklare Zukunft der nahöstlichen Christen berichtet wird, ist vielleicht doch eine Tür geöffnet worden, die sich nicht mehr so schnell zuschlagen lässt. Oder auch die Berichterstattung in ZDF und “Spiegel” über Sabatina James lässt hoffen.
    Dennoch: es ist noch ein langer Weg. Aber echte Christen werden ihn gehen wollen.

  3. Saphiri Says:

    Während überall in der Welt Christen verfolgt werden, schaut der Westen weg

    Gerade in der Weihnachtszeit sind die Christen weltweit in den letzten Jahren mehr und mehr zur Zielscheibe religiös motivierten Terrors und von Verfolgung geworden

    Mit einem Appell an die internationale Staatengemeinschaft, Maßnahmen gegen die Christenverfolgung zu setzen, endete am 1. Dezember die „Erste Internationale Konferenz gegen die Diskriminierung und Verfolgung der Christen“ in Russland. Die Konferenz wurde vom Moskauer Patriarchat der Russisch-Orthodoxen Kirche organisiert und fand in den russischen Medien großen Widerhall, im Westen dagegen kaum. Im Schlussdokument der Moskauer Tagung werden Länder wie Ägypten, Pakistan, Afghanistan, Nigeria, der Sudan, Indonesien, Saudi-Arabien, Eritrea und Indien als jene Staaten genannt, in denen die Christen besonders verfolgt und unterdrückt werden. Die Konferenz forderte die Schaffung „einer internationalen Stelle gegen die Diskriminierung und Verfolgung der Christen“, die den Verfolgten helfen soll

    Christliche Wissenschaftler und Europaabgeordnete haben vor zunehmender Intoleranz und Diskriminierung von Christen auch im westlichen Kulturkreis gewarnt. In der heutigen Gesellschaft würden gläubige Menschen häufig herabgewürdigt und ausgegrenzt. Und dies ist nicht nur in Europa so, wie ein Beispiel aus Australien zeigt. Dort soll die übliche Datumsangabe „Anno Domini“ (entspricht dem deutschen ‚nach Christi Geburt‘) aus den Schulgeschichtsbüchern gestrichen werden. Nach dem Willen der Kommission für Schullehrpläne sollen stattdessen die Begriffe „Before Common Era“ und „Common Era“ verwendet werden. Der anglikanische Erzbischof von Sydney, Peter Jensen, bezeichnete die Entscheidung als „intellektuell absurden Versuch, Christus aus der Menschheitsgeschichte zu streichen“.

  4. Johannes Says:

    Frage: Wer oder was ist eine „Kaplanin“? Habe noch nie dieses Wort gelesen.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s