kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Neues von Millî Görüş 27. Dezember 2011

Filed under: Moslembrüder — Knecht Christi @ 13:30

Nicht nur das ägyptische Fernsehen!

Auftritte von Predigern der „Ismailaga-Gemeinde“ in Moscheen der „Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs e. V.“ (IGMG)

 

Vermehrt wurde in jüngster Zeit die Präsenz von Personen aus der Mitte der „Ismailaga-Gemeinde“ (Ismailaga Cemaati), die für ein äußerst konservatives Islamverständnis bekannt ist, in Moscheegemeinden der IGMG festgestellt. Diese auch in der Türkei umstrittene Gemeinschaft steht in der Tradition des Nakshbandi-Ordens (tarikat), welcher wiederum den Nährboden für die Ausprägung der politischen Anliegen des Ordens in der „Milli-Görüs“-Bewegung bildete. Maßgebliche Hodjas [Hodja (türk. hoca): Bezeichnung für einen geistlichen, aber auch weltlichen Lehrer. Darüber hinaus im alltäglichen Sprachgebrauch auch als Begriff verwendet, mit dem einer (höhergestellten) Person gegenüber Respekt ausgedrückt wird.] der Gemeinschaft halten Gesprächsveranstaltungen (sohbet) ab, zu denen teilweise Anhänger aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen. Im Unterschied zu anderen Gemeinden (cemaat) sind die Anhänger dieser Gemeinschaft in der Regel bereits an der äußeren Erscheinung zu erkennen: Männer tragen häufig Vollbart, weite Hosen und robenartige Übergewänder, Frauen sind vollverschleiert.

 

Als Zweig des im 14. Jahrhundert in Zentralasien entstandenen Nakshbandi-Ordens folgt die „Ismailaga-Gemeinde“, deren Bezeichnung sich von der gleichnamigen Moschee im Istanbuler Stadtteil Fatih herleitet, traditionell einem spirituellen Führer. Aktuell ist dies der 1929 in Of/Trabzon geborene Scheich Mahmut USTAOSMANOGLU, genannt „Mahmut Efendi“. Er förderte und unterstützte dauerhaft die politische Linie Necmettin ERBAKANs und gab mehrfach Wahlempfehlungen zugunsten der im Lauf der Zeit aufeinanderfolgenden ERBAKAN-Parteien ab. Zuletzt sprach er sich im Vorfeld der Parlamentswahl vom 12. Juni 2011 für die Wahl der „Saadet Partisi“ aus. Zumindest bei einem Teil der „Milli-Görüs“-Anhängerschaft auch in Deutschland genießt „Mahmut Efendi“ offensichtlich hohes Ansehen; so wurde beispielsweise anlässlich eines Türkeiaufenthalts von Mitgliedern des IGMG-Jugendverbands Freiburg [ „Milli Gazete“ vom 19. Mai 2008.] zuerst ERBAKAN und im Anschluss auch „Mahmut Efendi“ persönlich gehuldigt.

 

Die Verflechtungen des Nakshbandi-Ordens mit der „Milli-Görüs“-Bewegung werden durch vielfältige Belege augenfällig. So besteht eine Internetseite, die unter dem umfassenden Titel „Milli Görüscü Ihvan“ („die Milli-Görüs-Ordensbrüder“) die diesem Spektrum zugehörigen Personen und Inhalte vereinigt. Der Untertitel der Seite lautet „Auf dem Weg der Sunniten, auf der Linie der Milli Görüs“ („Ehli-Sünnet Yolunda, Milli Görüs Cizgisinde…“); flankiert wird dieser von den Porträts der Personen Necmettin ERBAKAN und „Mahmut Efendi“. Außerdem werden hier weitere maßgebliche Protagonisten der Ismailaga-Gemeinschaft wie Nusretullah CAYIR („Nusretullah Hodja“) und der umstrittene Ahmet Mahmut ÜNLÜ („Cübbeli Ahmet Hodja“) vorgestellt. Die ebenfalls auf dieser Seite präsentierten Autoren und Kolumnisten wie Ebubekir SIFIL, Mehmet Sevket EYGI und Mehmet TALU sind allesamt auch als Autoren der „Milli-Görüs“-Tageszeitung „Milli Gazete“ bekannt. Dass eine einerseits sehr konservative, am Vorbild des Propheten orientierte Grundhaltung und andererseits die Nutzung modernster Kommunikationsmittel sich nicht gegenseitig ausschließen, belegt die Tatsache, dass die „Ordensbrüder“ auch im sozialen Netzwerk Facebook mit zahlreichen Seiten vertreten und untereinander vernetzt sind. Auf ihrer Facebook-Seite wird die Weltsicht der „Milli-Görüs-Ordensbrüder“ mit folgenden Worten beschrieben: „Milli Görüs ist die Sichtweise, die nicht Stärke, sondern die Wahrheit [auch: das Recht, Gott] hochhält. In jüngster Zeit war der im Paradies weilende Glaubenskämpfer Erbakan der Vorreiter der Bewegung, die den Islam auf dem Weg des Jihad zur Weltherrschaft bringen will.“

 

Als sogenannter „Europa-Vertreter“ des „Mahmut Efendi“ nimmt der 1947 geborene, einst im Dienst des türkischen Staates stehende Nusretullah CAYIR die Aufgabe der spirituellen Führung der Gemeinschaft in Westeuropa wahr. Die Anfänge seiner diesbezüglichen Tätigkeit reichen eigenen Angaben zufolge bis ins Jahr 1980 zurück. Außer in Deutschland, wo der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt, tritt „Nusretullah Hodja“ nach eigenen Angaben auch in Belgien, der Schweiz, Österreich, Frankreich und den Niederlanden auf. In einem 2008 vom Verlautbarungsorgan der Gemeinschaft, der Zeitschrift „Beyan“, geführten Interview äußerte sich „Nusretullah Hodja“ ausführlich zu der Art und Weise, wie er den Stellvertreterposten des „Mahmut Efendi“ erlangte, sowie zu seiner Präsenz und seinen Aufgaben in Europa, insbesondere in Deutschland. Anlässlich einer Veranstaltung bei einem nordrhein-westfälischen IGMG-Jugendverband erläuterte „Nusretullah Hodja“ die Verbindungen zwischen der „Milli-Görüs“-Bewegung, ERBAKAN sowie der Ordenslinie dergestalt, „… dass Mehmet Zaid Kotku [Mehmet Zaid KOTKU (1897-1980) ist der spirituelle Mentor „Mahmut Efendis“ wie auch Necmettin ERBAKANs. Auf Betreiben KOTKUs hin gründete ERBAKAN 1970 die erste „Milli-Görüs“-Partei „Milli Nizam Partisi“ (MNP/„Partei der Nationalen Ordnung“).] innerhalb der Milli-Görüs-Bewegung unter seinen Schülern speziell Mahmut Hodja und Hodja Erbakan auswählte und eine Aufgabenteilung unter diesen beiden vornahm, und zwar in der Weise, dass Hodja Erbakan die politische Linie, Mahmut Hodja dagegen die Linie des Konvents (dergah), d. h. des Nakshbandi-Ordens bedienen sollte. Damit wurden die Grundpfeiler der Organisation eingeschlagen: ‚Wir dürfen nicht zu denjenigen gehören, bei denen Kopf und Herz nicht übereinstimmen. Kopf und Herz des Gläubigen müssen auf Seiten des Koran stehen‘“.[„Milli Gazete“ vom 6. Juni 2011.] „Nusretullah Hodja“ war 2009 bei einer zweitägigen Veranstaltung der IGMG-Jugend Heilbronn anwesend,[„Milli Gazete“ vom 21. März 2009.] wo er ein Seminar zum Thema „Selbsterziehung und Gehorsam gegenüber dem Führer“ abhielt. Eine Gruppe von Jugendlichen aus diesem Ortsverein besuchte in Begleitung „Nusretullah Hodjas“ im Frühjahr 2011 die Zentrale der „Saadet Partisi“ in Ankara.

 

Eine weitere für die Gemeinschaft in Deutschland bedeutsame Persönlichkeit, bei der ebenfalls eine starke Reisetätigkeit verzeichnet werden kann, ist Hodja Abdülmetin BALKANLIOGLU. Auf einer Nachrichtenplattform im Internet waren für den Zeitraum zwischen 22. und 25. April 2011 Gesprächsveranstaltungen dieses Hodjas in den Räumlichkeiten der IGMG-Moscheevereine Esslingen, Sindelfingen, Freiburg, Tübingen, Herrenberg, Balingen und Heilbronn angekündigt, wobei diese Auftritte augenscheinlich vom Ortsverein der IGMG Esslingen koordiniert wurden. Für den 4. Juni 2011 war BALKANLIOGLU im Forum der „Milli-Görüs-Ordensbrüder“ als Redner bei der allmonatlich im hessischen Dietzenbach stattfindenden Gesprächsveranstaltung der Ismailaga-Anhänger avisiert. Weitere Termine, einer davon für das „Sonntagsgespräch“ BALKANLIOGLUs in der Kuba-Moschee der IGMG in Stuttgart-Wangen für den 5. Juni 2011 sowie ein weiterer für eine Gesprächsveranstaltung im Rahmen des Basars der IGMG Schorndorf für denselben Tag, waren hier ebenfalls vorgemerkt. Das Präsidium für religiöse Angelegenheiten (Diyanet Isleri Baskanligi) in der Türkei soll den 1966 geborenen Imam BALKANLIOGLU aufgrund seiner radikalen, gegen die Republik gerichteten Predigten zunächst an eine andere Wirkungsstätte und schließlich in den Ruhestand versetzt haben. BALKANLIOGLU habe danach die Aufgabe der Organisierung der Ismailaga-Gemeinschaft in Europa, insbesondere in Deutschland, übernommen.[Sabah Online vom 11. September 2006.] {Quelle: www.verfassungsschutz-bw.de}

 

 

 

Fußballer und Ordensleute

 

Der Fußball und die Politik – in vielen Ländern bereits in engem Zusammenspiel, so auch in der Türkei. Welche Mannschaft man mag, kann auch politische Gründe oder Motive haben – wenn man „Diyarbakirspor“ mag, gilt man in den Augen der PKK Sympathisanten schnell als „staatstreu“, während die „DISKI“ (also die städtische Mannschaft der Gemeinde selbst) die Mannschaft „wahrer Kurden“ sein soll. Ist man ein anatolischer Binnenmigrant in Istanbul tendiert man wohl zu Fenerbahce, ganz so wie der aktuelle Ministerpräsident Erdogan. Der legendäre Flügelspieler Galatasarays aus den 70ern, Metin Kurt, hatte in seiner aktiven Zeit die erste Spielergewerkschaft gegründet und tritt bei den Wahlen am 12. Juni für die TKP (Kommunistische Partei der Türkei) in der Wahlregion Istanbul an. Der nicht minder legendäre Stürmer und Kopfballungeheuer Hakan Sükür (ebenso Galatasaray) ist ein altbekannter Gülen Anhänger und tritt für die AKP an. Saffet Sancakli, der bei allen drei Istanbuler Klubs gespielt hat, ein im serbischen Sandschak geborener „Macir“ ist, tritt – wenig überraschend – für die rechtsnationale MHP an.

 

So ist der Sport heute nicht unpolitisch zu denken und auch nicht zu verstehen. Kommen wir zum leidigen und doch wichtigen Thema der religiösen Orden („Cemaat“) und deren wechselhaften Sympathien für politische Parteien: Unlängst gaben drei wichtige Cemaat an, sie würden bei diesen Wahlen nicht – wie erwartet – die regierende AKP unterstützen, sondern oppositionelle Parteien.

  • Die „Iskenderpasa Cemaat“: Folgt dem Weg der Naqschbandiya, war in den späten 90er sehr stark und einflussreich und der erste Scheich Mehmet Zahid Kotku zählte Turgut Özal und Necmettin Erbakan zu seinen Schülern (Muriden). In gewisser Hinsicht verdanken wir dieser Cemaat die Inkorporation des religiösen Spektrums in die Parteipolitik. Diese Gruppe hat bekannt gegeben, sie werde die rechtsnationale MHP unterstützen.

 

  • Die „Ismailaga Cemaat“: Folgt ebenso dem Weg der Naqschbandiya und ist bei weitem nicht so mächtig wie die Iskenderpasa Gruppe. Interessant ist die Begründung für den Sympathiewechsel: Die Gruppe will nicht weiter die „Dialog-bereite“ AKP unterstützen, sondern die Milli Görüs-nahe Saadet Partisi.

 

  • Die so genanntenSüleymancilar„: Folgen ebenso dem Weg der Naqschbandiya, sind in der europäischen Diaspora stark präsent und sollen nach unbestätigten Angaben ebenso der MHP ihre Sympathie zugesichert haben. Sympathisanten und Mitglieder der Gruppe sagen allerdings, dass dies eine von der MHP lancierte Unwahrheit ist und die Gruppe der „islamischen“ AKP weiterhin ihre Stimmen geben wird.

Egal ob (offiziell verbotene) Orden oder (Kurden-) Clans, die Wahlen in der Türkei stehen immer im Schatten von Kuhhandeln und Erpressungs- und Bestechungsmomenten zwischen denen, die gewählt werden wollen und denen, die indirekt über viele Stimmen verfügen. Was dem Österreicher sein Bauernbund, sein ÖBB, das ist dem Türken und Kurden sein Clan oder sein Orden. {Quelle: www.tahrik.wordpress.com}

Mit bestem Dank an Dr. Thomas Tartsch, der diesen Artikel zusammengestellt hat.

 

2 Responses to “Neues von Millî Görüş”

  1. RTA Says:

    Gewiss hätte sich meiner einer gefreut, wenn er vorab gefragt worden wäre, ob er denn damit einverstanden sei, auf einem berüchtigten Blog wie diesem hier zitiert zu werden.

  2. saphiri Says:

    Das unerträglichste für nichtsemitische Araber ist die Wahrheit.
    Was man nicht kennt, kann man auch nicht in Worte fassen, und etwas, wozu die Worte fehlen, kann man auch nicht denken.

    Aus diesem Grund benützen sie eine Sprache, die es ihnen ermöglicht, ausschweifend um den heißen Brei drum herum zu reden. Gut, dass Allah alles weiß.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s