kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Es geschieht nichts Gutes! 24. Dezember 2011

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 16:31

Es sei denn, man tut es!

Broders Rede zur Verleihung des Ehrenpreises der DIG am 8.12. in Aachen

 

Meine Damen und Herren, liebe El-Al-Vielflieger, liebe Freunde der israelischen Weine, der Jerusalemer Altstadt und des Tel Aviver Nachtlebens! Sehr geehrte Bürgermeister, Landräte, Rabbiner, Sponsoren und Honoratioren!

 

Ich danke Ihnen für die Auszeichnung, die Sie mir heute verliehen haben. Ich hätte mich, so steht es in der Preisbegründung, „unmissverständlich, jederzeit, national wie international für das Existenzrecht des Staates Israel in international anerkannt gesicherten Grenzen eingesetzt“.  Zudem hätte ich „stets für faire und enge deutsch-israelische Beziehungen plädiert – auf der Basis gegenseitiger Toleranz“.  Nun, Toleranz ist meine Sache nicht, ich bin der Ansicht, dass viele der Probleme, mit denen wir es derzeit zu tun haben, eine Folge der Toleranz sind, die wir praktizieren, und dass wir mehr Intoleranz brauchen, wenn wir das, was unser Leben lebenswert macht, erhalten wollen. In repressiven Gesellschaften, in denen alles verboten war, das nicht ausdrücklich erlaubt war, ging der Ruf nach Toleranz der Emanzipation voraus: der Frauen, der Juden, der Homosexuellen, der Kriegsdienstverweigerer, kurzum der Anderen, die sich dem Diktat der Anpassung nicht fügen wollten.

 

In permissiven Gesellschaften, in denen alles erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten ist, muss man wieder Intoleranz praktizieren, wenn man die individuelle Freiheit und die kollektive Sicherheit nicht verlieren will. Intoleranz gegenüber der Banalität der Guten, die alle Konflikte am Runden Tisch lösen wollen und die Existenz des Bösen leugnen; Intoleranz gegenüber den Verharmlosern und Verniedlichern, die jede Tat und Untat mit ihren sozio-kulturellen Rahmenbedingungen erklären und den Täter zum Opfer gesellschaftlicher Umstände stilisieren; Intoleranz gegenüber den Relativierern, die zum Beispiel auf die Nachricht, dass vor kurzem eine Frau wegen Hexerei in Saudi-Arabien geköpft wurde, mit der Bemerkung reagieren, die Zeit der Hexenverfolgung sei auch im christlichen Europa noch nicht lange vorbei. Nachdem wir das geklärt haben, möchte ich etwas zu meinem Einsatz für das Existenzrecht Israels sagen. Ich bin kein Idealist. Ich mag keine Idealisten, sie sind mir suspekt. In jedem Idealisten, der es gut meint, wartet ein Fanatiker darauf, von der Leine gelassen zu werden. Im Namen von Idealen sind mehr Verbrechen begangen, mehr Menschen vom Leben zu Tode befördert worden als im Namen von Esso, Shell, Texaco, Unilever, DuPont, Krupp und Coca-Cola zusammen genommen. Man wird vergeblich nach einem Massenmörder suchen, von Hitler bis Stalin, von Mao Tse Tung bis Pol Pot, von Carlos bis Breivik, der nicht ein “Idealist” gewesen wäre.

 

Indem ich mich, wie Sie es sagen, für das Existenzrecht Israels einsetze, vertrete ich sehr bewusst meine eigenen Interessen, vor allem mein Interesse nach Sicherheit. Die meisten Juden, die in der Diaspora leben, sind überzeugt, dass Israel sie braucht. Also machen sie zweimal im Jahr Urlaub in Tel Aviv, spenden ab und zu etwas für einen Kindergarten in Sderot und lassen sich auf dem Ölberg begraben. Das ist der real existierende Zionismus, eine Art Spaß für die ganze Familie. Dabei käme Israel auch ohne die Almosen aus der Diaspora gut über die Runden. Wir sind es, die Israel brauchen, wir, die Juden in der Diaspora, nicht als eine Rettungsinsel für den Notfall, über den keiner spricht aber auch niemand ausschließen kann, sondern als Garant für die weitere Existenz der Diaspora. Klingt absurd, ist aber so. Wenn es Israel nicht gäbe, wären nicht nur die Antizionisten am Ziel ihrer Träume, auch die ganz gewöhnlichen Antisemiten würden auftrumpfen. Israel dient als Blitzarbeiter und als Firewall, es zieht den Furor der Antizionisten auf sich und sorgt allein dadurch, dass es da ist, dafür, dass sich die Antisemiten nicht zu weit aus der Deckung wagen. Hätte es Israel schon 1939 gegeben, wären die Nazis kaum auf die Idee gekommen, die Endlösung der Judenfrage in Angriff zu nehmen. All die hübschen Kartenhäuser, in und zwischen denen es wir uns gemütlich eingerichtet haben – die Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit, die Deutsch-Israelische Gesellschaft, die rituale zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz und zum Jahrestag der Kristallnacht – würden lautlos in sich zusammenbrechen.

 

Ich erinnere Sie nur an die deutsche Haltung im Jom Kippur Krieg 1973, als Israels Überleben an einem dünnen Faden hing. Da erklärte sich die Bundesrepublik für “neutral” und untersagte es den Amerikanern, militärischen Nachschub für Israel über deutsche Häfen zu verschiffen. Zugleich erklärte der von Gewissensbissen geplagte Bundeskanzler Willy Brandt, eine “Neutralität der Herzen” könne es nicht geben und bot “humanitäre Hilfe” für den Fall an, der eingetreten wäre, wenn die Araber gewonnen hätten. Humanitäre Hilfe. Die Bundeswehr hätte Decken und Milchpulver in das Kriegsgebiet geflogen und ein paar jüdische Vollwaisen wären von christlichen Einrichtungen in Deutschland aufgenommen worden. Das wäre die humanitäre Hilfe gewesen, ein Ausdruck der besonderen historischen Verantwortung und der herzlichen Verbundenheit zwischen Bonn und Jerusalem.
So lange es Israel gibt, können die Juden in Europa und in Deutschland vor sich hindösen, Museen bauen, Mahnmale absegnen, Toleranzpreise an Politiker verleihen und das Gefühl genießen, eine Dauerfete auf einem Friedhof zu feiern.

 

Was mich angeht: Ich komme mir etwas seltsam dabei vor, einen Preis dafür zu bekommen, dass ich mich für das Existenzrecht Israels einsetze. Es ist, als würde ich einen Preis dafür bekommen, dass ich an einer roten Ampel halte, meinen Müll nicht vor der Tür meiner Nachbarn entsorge und meine Frau nicht verhaue, für das Selbstverständliche also. Außerdem hat noch niemand einen Preis dafür bekommen, dass er sich für das Existenzrecht Belgiens, Mazedoniens oder Transnistriens eingesetzt hätte. Sich aber für das Existenzrecht Israels einzusetzen, ist offenbar so außergewöhnlich, dass es mit einem Preis belohnt werden muss. So etwas gilt in der Bundesrepublik bereits als Nachweis von Zivilcourage, weswegen auch Iris Berben, wie ich erst vor kurzem erfahren habe, mit diesem Preis geehrt wurde, Kommissarin Rosa Roth, deren Einsatz für Israel im wesentlichen aus der Ankündigung bestand, zum Judentum überzutreten, falls Israel angegriffen würde, ein Ernstfall, der bis jetzt – gelobt sei der Herr – nicht eingetreten ist.

 

Wenn sie, meine Damen und Herren, aber glauben, damit genug getan zu haben, muss ich Ihnen widersprechen. Ob sie mir oder Mutter Beimer einen Preis geben, ist für die Existenz Israels so irrelevant wie der Wasserstand des Rheins bei Königswinter für die Stimmung am englischen Hofe. Relevant ist etwas anderes: Dass sie denjenigen, die Israels Existenzrecht bestreiten, die das Land delegitimierten und dämonisieren, die nicht müde werden zu behaupten, Israel behandle die Palästinenser so wie die Nazis die Juden behandelt haben, die von der Erfindung des jüdischen Volkes sprechen, die Hamas und Hisbollah für humanitäre Organisationen halten, die man unterstützen müsse, dass sie denjenigen, die all das und noch mehr tun, in die Parade fahren, mit Wort und Tat. Und da, fürchte ich, ist ihre Leistungsbilanz suboptimal.

 

Hier in Aachen gibt es eine Organisation, die alljährlich den Aachener Friedenspreis verleiht. Unter den Preisträgern waren bis jetzt mindestens zwei engagierte Antisemiten: Der israelische Hochstapler und Titelbetrüger “Prof. Dr.” Reuven Moskowitz und der Kölner Rentner Walter Herrmann. Moskowitz, der Felix Krull der israelischen Friedensbewegung, hatte sich selbst zum “Doktor” promoviert, mit einer Arbeit über „Deutsche und Juden zwischen der Macht des Geistes und der Ohnmacht der Gewalt”, die bei einem mysteriösen Einbruch in sein Arbeitszimmer abhanden gekommen und auch sonst nirgendwo zu finden war. Als der Schwindel aufflog, strich der Aachener Friedenspreis den fiktiven Doktortitel post festum aus der Verleihungsurkunde, sah aber keinen Anlass, dem Mann den Preis abzuerkennen. Denn Reuven Moskowitz, ein oft gebuchter Gast an Schulen, evangelischen und katholischen Akademien, Volkshochschulen und anderen Einrichtungen der Erwachsenenbildung, ist als Kronzeuge gegen Israel unentbehrlich. Als Jude, der den Holocaust überlebt hat, als friedensbewegter Israeli, der sich mit den Palästinensern solidarisiert, war und ist er der Prototyp des guten Juden, der den linken “Israelkritikern” als Alibi dient, ein nützlicher Idiot, der das ausspricht, was sie denken.

 

Der andere Antisemit, der mit dem Aachener Friedenspreis geehrt wurde, ist ein ehemaliger Lehrer namens Walter Herrmann, in Köln inzwischen so bekannt und beliebt wie der Halve Hahn, 4711, Tünnes und Schäl. Seit Jahren präsentiert er auf der Kölner Domplatte eine “israelkritische Installation”, die wie eine Sonderausgabe des „Stürmer“ anmutet. Darin wird Israel nicht nur als Nachfolger des Dritten Reiches dargestellt, es wird auch die Frage gestellt, wie lange sich die Welt noch von den “Zionisten” erpressen lassen will. Der Kölner OB und sämtliche im Rat der Stadt Köln vertretenen Parteien haben sich von dieser “Installation” distanziert, aber weder das Kölner Ordnungsamt noch die Kölner Justiz sehen sich in der Lage, etwas zu unternehmen. Sogar eine Karikatur, auf der ein Jude ein vor ihm auf dem Teller liegendes palästinensisches Kind mit Messer und Gabel traktiert, wurde von der Kölner Staatsanwaltschaft als nicht antisemitisch und strafrechtlich unbedenklich bewertet.

 

Erlauben Sie mir, in aller Demut, eine Frage: Was haben Sie dagegen unternommen? Aachen liegt ja nicht weit von Köln. Ich weiß, was die deutsch-israelische Gesellschaft Köln und die Kölner jüdische Gemeinde unternommen haben: Nichts, denn beide halten sich an die Devise: Nur nicht provozieren, der Antisemit könnte böse werden. Und dann wird alles noch viel schlimmer. Unweit von Aachen, in dem Eifeler Dorf Sötenich, lebt eine Frau, die mit einer Arbeit über Franz Kafka promoviert und danach beschlossen hat, Jüdin zu werden. Eine „israelkritische“ deutsche Jüdin, die sich für die Sache der Palästinenser einsetzt. Damit schaffte sie in kurzer Zeit eine erstaunliche Medien-Karriere. Zuletzt war sie in Monitor zu sehen, eine “jüdische” Jean d’Arc mit Kopftuch, inmitten Unmengen gebrauchter Klamotten, die sie für die Not leidenden Kinder von Gaza gesammelt hatte. Die rotten noch heute in einer Scheune vor sich bin, derweil frau Dr. Edith Lutz eine neue Friedensinitiative ins Leben gerufen hat. Es wäre nett gewesen, wenn sich jemand von Ihnen des Falles angenommen hätte, anstatt zu warten, dass ich es tue.

 

So erleben wir eine Allianz von Möchtergern-Juden, Hochstaplern und nützlichen Idioten, die im Kostüm der “Israelkritik” antreten, um ein uraltes Ressentiment in einer neuen Verpackung zu vermarkten. Mit Kritik an Israel hat das so viel zu tun wie Kannibalismus mit Feinschmeckerei. Was sie antreibt, ist derselbe Wunsch, der Antisemiten immer angetrieben hat: Dass der Jude verschwinden möge. Diesmal ist es Israel, der Jude unter den Staaten, wie Leon Poliakov es einmal gesagt hat. Es sind erbärmliche und erbarmungswürdige Gestalten, Bruchpiloten und Versager, die Bebels Erkenntnis bestätigen, der Antisemitismus sei der Sozialismus der dummen Kerle. Wir könnten sie ignorieren, wenn sie nicht mediale Aufmerksamkeit genießen würden, wie z.B. der Duisburger Stadtrat Hermann Dierkes von der Linkspartei, der soeben vom Simon Wiesenthal Zentrum zu den Top Ten der internationalen Antisemiten-Liga ernannt wurde.

 

Der Antisemitismus tobt sich auf dem Rücken der Juden aus, aber er zerstört weit mehr als “nur” jüdische Existenzen. Der Antisemitismus kontaminiert ganze Gesellschaften, steht immer am Anfang vom Ende einer Kultur. Früher haben Bergleute Kanarienvögel in die Kohlengruben mitgenommen, die Alarm gaben, wenn giftige Gase austraten. Heute müsste ein solches Frühwarnsystem gegen den Antisemitismus erst erfunden werden. Das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung ist es nicht, denn das beschäftigt sich inzwischen am liebsten mit der so genannten “Islamophobie”, einem Kampfbegriff, der von Ayatollah Khomeini erfunden und in die politische Debatte gebracht wurde. Der langjährige Leiter des Zentrums, Professor Wolfgang Benz, fand auch nichts dabei, ausgerechnet einer antisemitischen Website, die von Islamisten betrieben wird, ein affirmatives Interview zu geben. Mag sein, dass er nicht wusste, mit wem er da plauderte. Aber das wäre noch schlimmer.

 

In diesem Sinne, meine Damen und Herren, liebe Freunde der klaren Worte:

Auf den in den Kampf!

Denn: Es geschieht nichts Gutes, es sei denn, man tut es!

 

 

 

Die wahre Grundlegung der Demokratie fand in Israel statt

 

Laudatio für Henryk M. Broder

Am vergangenen Sonntag wurde der diesjährige Ehrenpreis der Deutsch- Israelischen Gesellschaft Aachen e.V. (DIG) an Henryk M. Broder verliehen.

 

Was sagt man über einen Preisträger, der so unterschiedlich wahrgenommen wird von seinen Freunden und seinen Feinden, dass man meinen könnte, es gäbe nicht einen, sondern zwei Henryk M. Broders? Man hasst ihn mit ganzer Kraft, oder man liebt ihn ebenso sehr. Tertium non datur. Liest man die Ausfälligkeiten der Broderhasser, hat man sofort das Bedürfnis, sich unter die heiße Dusche stellen zu müssen, damit der Dreck, der aus ihren Zeilen spritzt, weggespült wird. Da ich nicht wiederholen will, was diese Leute von sich geben, habe ich mir mal vorgestellt, was heraus kommt, wenn man von dem, was sie behaupten, das Gegenteil annimmt. Dann ist Broder jung, groß, gutaussehend, versehen mit einem Six-Pack-Body. Kurz, ein Kerl, der den Neid der weniger großzügig bedachten erregen muss. Heraus gekommen ist das Bild des geistigen Broder. Während andere im Fitnessstudio ihren Körper stählen, trainiert Broder sein Gehirn. Nicht, dass da viel Training nötig wäre. Broder scheint alles zuzufallen. Er ist, wie Dirk Maxeiner es ausdrückt, „ein Colombo-Typ“, der scheinbar nebenbei die erstaunlichsten Parallelen und Erkenntnisse aus dem Ärmel schüttelt. Seit vielen Jahren lese ich seine Einträge auf der Achse des Guten, die er mit Dirk Maxeiner und Michael Miersch gegründet hat. Ich möchte schwören, dass sich in all den Jahren kein literarisches Bild und kein Vergleich wiederholt hat. Broder scheint diesbezüglich über ein unerschöpfliches Reservoir zu verfügen.

 

Anders als seine Kontrahenten schwallt Broder nicht pseudo-intellektuell daher, sondern hat etwas, das heutzutage selten geworden ist: Bildung.Deshalb sind seine Bilder und Vergleiche nicht nur witzig, erfrischend, kurzweilig, originell sowieso, sondern vor allem treffend. Darüber hinaus strahlen Broders Texte, auch bei den ernstesten Themen, eine unverwüstliche gute Laune aus. Diese gute Laune bringt seine Gegner am meisten auf die Palme. Selbst bei den bösesten Angriffen zeigt er ein heiteres Gesicht. Humor und Hirn, findet unsere gemeinsame Freundin Silvia Meixner, ist auch bei Männern eine eher seltene Kombination. Die Leichtigkeit, mit der Broder druckreif spricht und denkt, die Schnelligkeit seines Reaktionsvermögens, verblüffen immer wieder und haben manchen seiner Gesprächspartner schon zu dem falschen Schluss verleitet, dies müsse mit einer gewissen Oberflächlichkeit einhergehen. Weit gefehlt. Broder ist immer bestens vorbereitet. In dieser Hinsicht ist er ein Profi der ganz alten Schule.

 

Sein Leitspruch: „Ich kann auf einfache Geister keine Rücksicht nehmen“, löst regelmäßig ein Wutgeheul unter jenen aus, die sich mit Recht selbst als „einfache Geister“ einstufen. Dem Toleranzgebot des Mainstreams hält er entgegen: „Wer heute die Werte der Aufklärung verteidigen will, muss intolerant sein.“  Broder weiß, was der Preis eines guten Gedankens ist: allein gegen die tatsächliche oder gefühlte Mehrheit zu stehen. Um das auszuhalten, braucht man mehr als Humor, nämlich Standfestigkeit. Die hat Broder, ohne dass es Erstarrung bedeutet. Er kann Fehler, die er gemacht hat, einsehen und korrigieren. Auch das ist eher selten.  Unser Freund Michael Miersch beeindruckt, dass Broder lange vor ihm erkannt hat, wie zynisch und menschenverachtend Teile der Linken in unserem Lande sind. Diese Linke ist vor allem freiheitsfeindlich. Freiheit, deshalb stehe ich hier besonders gern als Laudatorin, ist für Henryk Broder das höchste Gut, sein Grundthema. Die Hauptübel unserer Zeit, die zerstörerische Toleranz, mit der sich unsere Gesellschaft freiwillig kastriert, leitet Broder daraus ab, dass nicht mehr Freiheit, sondern Gleichheit Leitbegriff geworden ist.

 

Wenn man heute darüber spricht, dass wir mehr Freiheit als Gleichheit und Gerechtigkeit brauchen, kommt schnell der Vorwurf der Verfassungsfeindlichkeit. Im Mainstream- Feeling wird der Gerechtigkeit die Rolle des Leitwertes im Grundgesetz zugewiesen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Verfasser unseres Grundgesetztes haben bewusst der Freiheit den höchsten Rang eingeräumt. Unmittelbar nach Artikel 1 folgen gleich drei Artikel, die Freiheitsrechte garantieren. Im Artikel 2 die persönlichen Freiheitsrechte, im Artikel 4 die Glaubens-, und Gewissensfreiheit und im Artikel 5 die Freiheit der Meinung, Kunst und Wissenschaft. Kein anderer Begriff kommt im GG so häufig vor wie Freiheit. Die Gleichheit wird im Artikel 3 als „Gleichheit vor dem Gesetz“ definiert.  Im Artikel 1 werden die „unveräußerlichen Menschenrechte“ als „Grundlage…jeder menschlichen Gemeinschaft…und der Gerechtigkeit der Welt“ bezeichnet. Mit anderen Worten: ohne Freiheit gibt es weder Gleichheit vor dem Gesetz, noch Gerechtigkeit. Freiheit ist also kein sekundärer Begriff. Das bedeutet nicht, dass sie automatisch die Lösung aller Probleme ist. Freiheit und Demokratie garantieren nicht die Abwesenheit aller Missstände, sind aber die beste Voraussetzung für ihre Beseitigung.

 

Die Menschen, die 1989 das Joch der Unfreiheit abgeschüttelt haben, wollten ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen, nicht das Paradies errichten. Alle haben dabei gewonnen. Den Hartz-IV-Empfängern geht es heute besser, als es den DDR-Durchschnittsverdienern trotz harter Arbeit je ging. Er kann Dinge essen, die den Ostblockbewohnern kaum dem Namen nach bekannt waren. Er lebt in einer ferngeheizten Wohnung mit Bad und Telefon, ein Komfort, von dem 1989 viele nur träumen konnten. Geschlossene Grenzen, ja Visagebühren und Zwangsumtausch, sind heute Fremdworte. Die Reichen haben noch die größten Fincas auf Mallorca, aber die Insel gehört längst allen. An den Schönheiten und dem Reichtum der Welt teilhaben zu können, ohne die sprichwörtliche biblische Müh und Plage, ist ein Zustand, der dem irdischen Paradies so nahe kommt, wie das auf Erden möglich ist.

 

Unsere Mitbürger mit Migrationshintergrund, einschließlich der illegal Eingereisten, sind hier, weil sie den bedrückenden Verhältnissen in ihrer Heimat entkommen wollten. Sie nehmen sich die Freiheit, die ihnen hier geboten wird. Gleichzeitig gibt es eine Gruppe von Immigranten, die, darauf wird Broder nicht müde hinzuweisen, die Gesellschaft, die ihnen Schutz, Unterhalt, gesundheitliche Betreuung, Bildung und Rechtssicherheit bietet, hassen und verachten. Diese Gruppe ist zwar eine Minderheit, aber eine lautstarke und eine, die vor verbaler und tatsächlicher Gewalt nicht zurückschreckt. Mit welch grotesker Naivität der Mainstream unseres Landes in Politik und Medien damit umgeht, wurde vor wenigen Tagen in Berlin deutlich. Da vergewaltigte ein nachtaktiver Immigrant, der von staatlicher Unterstützung lebt, auf der Heimfahrt am frühen Morgen in der S-Bahn eine zur Arbeit fahrende Frau. Wenig später stellte sich heraus, dass dieser Mann ein „Berlin- Botschafter“ der teuren Werbekampagne „be berlin“ war. Man fragt sich, für welche Botschaft dieser Mann stehen sollte. Man fragt sich noch mehr, nach welchen Kriterien diese „Berlin-Botschafter“ eigentlich ausgesucht werden.

 

Die gleiche Indifferenz wie gegenüber den freiheitlichen Traditionen, die den Westen stark gemacht haben, legt die Mainstream- Intelligenzia gegenüber Israel an den Tag. Zwar fehlt es nicht an Lippenbekenntnissen zum Existenzrecht Israels, mehrheitlich sind diese Bekenntnisse jedoch mit einem dicken „aber“ verknüpft, das auf die Lage des hochsubventioniertesten Volkes der Welt, der Palästinenser, verweist. Man muss heutzutage Newt Gingrich sein, um darauf hinzuweisen, dass es nie einen Staat der Palästinenser gegeben hat und dass die Palästinenser Israel vernichten wollen, weshalb sie immer noch in Flüchtlingslagern verharren, satt sich ein eigenständiges Leben aufzubauen. Die Palästinenser haben sich in der Rolle des Opfers vom Dienst eingerichtet, sind aber hauptsächlich Opfer ihrer Unwilligkeit, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Kürzlich las ich eine Meldung, dass an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq mehr israelische Unternehmen gelistet sind, als Unternehmen aus sämtlichen europäischen Staaten, Korea, Japan, Indien und China zusammen. Das liegt an guter Bildung, vor allem aber an einer besonderen israelischen Mentalität: anpacken und umsetzen, lautet die Devise. „Geht nicht“, gibt es nicht. Von den Palästinensern, die wahrscheinlich mit keinem einzigen Unternehmen an der Nasdaq gelistet sind, hört man höchstens, dass gar nichts geht.

 

Europa, das sein im Maastricht-Vertrag festgelegtes Ziel, bis 2010 die innovativste, wirtschaftsstärkste, dynamischste Region der Erde zu werden grandios verfehlt hat und statt dessen wegen seiner Überschuldung allmählich in die Knie geht, könnte jede Menge von Israel lernen. Vor allem ist es höchste Zeit, dass es begreift, dass sich sein Schicksal in Israel entscheidet. Es ist der Fundamentalirrtum Europas anzunehmen, dass die europäische Demokratie im antiken Athen ihren Ausgangspunkt nahm. Dabei wird übersehen, dass dort Mitbestimmung ein Privileg der männlichen oberen Zehntausend war. Frauen, Handwerker, Bauern, Sklaven waren ausgeschlossen. Die wahre Grundlegung der Demokratie fand in Israel statt. Mit dem Wort: „Eine Thora sei für euch und den Fremdling, der unter euch wohnt“, wurden sämtliche Stammes-, und andere Bindungen überwunden.

 

Hannes Stein hat das in seinem Buch „Moses und die Offenbarung der Demokratie“ dargelegt: „Gott fährt hernieder in die Geschichte und verbindet sich mit den Gedemütigten und Geschlagenen. Diese unerhörte Handlung machte es möglich, die Würde von allem anzuerkennen, was ein menschliches Antlitz trägt.“ Mehr noch. Beim Bund, den Gott mit Abraham schließt, verschont er einen einzelnen Menschen, Isaak. Damit wurde deutlich gemacht, dass im Zentrum der Ethik das Individuum steht. Ohne Judentum kein Christentum, keine Aufklärung, keine westlichen Werte. Stein: „Heute kann man dies in jeder Synagoge der Welt besichtigen. An der Wand, die in Richtung Jerusalem weist, befindet sich ein hölzerner Schrein. Er enthält die Pergamentrollen mit den fünf Büchern Mosis. Dieser Schrein wird traditionell mit einer stilisierten Darstellung geschmückt: den zwei Tafeln, über denen die Krone eines unsichtbaren Königs schwebt. Nicht ein Mensch soll herrschen, sondern ein Gesetz. Am Sinai wurde dem jüdischen Volk das Ursprungsprinzip der Demokratie offenbart.“

 

Ohne Judentum keine Gleichheit vor dem Gesetz.

Heute ist Israel der Vorposten der freien Welt im Nahen Osten. Das Prekäre an seiner Lage ist, dass der freie Westen dabei ist, seine Werte, die ihn so erfolgreich gemacht haben, aufzugeben. Davon geht für Israel eine größere Gefahr aus, als von den es umgebenden Diktaturen. Israel zu verteidigen heißt, dafür zu sorgen, dass die Grundlagen der westlichen Demokratie, die sich aus dem Judentum herleiten, nicht aufgegeben werden. Genau darum geht es Henryk M. Broder. {Quelle: www.achgut.comVera Lengsfeld}

 

2 Responses to “Es geschieht nichts Gutes!”

  1. G.*K.*V.* Says:

    Knecht Christi :Wie Recht Du hast.

    Einer muss den Frieden beginnen wie den Krieg –

    Deine Gedanken seien von hoher Spiritualität erschaffen durch Gott mit den Funktionen mit denen er Dich ausstattete —-,und der Tief gelebte Glaube zu Gott und Christus .
    Das enorme Unrecht der WEelt in geschriebenen hinauszuschreiben,
    Deine Schreie erlangen Gott und die Fürbitten die wir an Ihn Richten holen wir heraus aus diesem Leid das du uns regelmässig aufschreibst…
    Eine Grosse Wirkung wird es erreichen.

    dazu fällt mir das ein….Text unten!

    Den Staat mit der Lenkung der gesellschaftlichen Entwicklung zu beauftragen, wäre denkbar, wenn es nicht im radikalen Widerspruch zum Freiheitsimpuls, zur Forderung nach Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung (Dezentralisierung) stünde. Deshalb kann die letzte wichtige Frage, die sich hinsichtlich des Bildes der evolutionären Alternative des Dritten Weges stellt: Wie kann die von Zwängen befreite Gesellschaft ihre an den menschlichen Bedürfnissen und den Naturnotwendigkeiten orientierte Entwicklungsrichtung finden?, nur durch die Beschreibung der »Freiheitsgestalt des sozialen Organismus« beantwortet werden.

    Freiheit ist einerseits individueller Impuls, das Handeln aus selbstbestimmten Motiven zu vollbringen. Andererseits ist selbstbestimmtes Handeln nur dann frei, wenn es aus »Einsicht in die Lebensbedingungen des Ganzen« vollzogen wird.

    Für den komplexen Zusammenhang unserer arbeitsteiligen Produktion bedeutet dies, daß der Einzelne oder auch das einzelne Unternehmen aus sich heraus nur sehr schwer die Gesichtspunkte zu finden vermag, durch welche die jeweilige Aufgabe, etwas für die Bedürfnisse anderer hervorzubringen, in der bestmöglichen Weise erfüllt werden kann.

    Daher ist es nötig, dem Gesellschaftskörper ein neues Funktionssystem einzugliedern: das System beratender Kuratorien, ein authentisches Rätesystem als ständige Inspirationsquelle.

    Die Einsichten über die Bedingungen, Zusammenhänge und Wirkungen seines Handelns kann jedes Arbeitskollektiv dann am besten gewinnen, wenn es ein Kuratorium beruft, in dem die demokratisch bevollmächtigte Leitung des Unternehmens mit den leitenden Persönlichkeiten anderer Unternehmen, der Banken, wissenschaftlicher Forschungsinstitute und auch mit Vertretern seiner Konsumentenschaft die Aufgaben, Ziele und Entwicklungen des Unternehmens von möglichst umfassenden Gesichtspunkten aus berät. Die Entscheidungen müssen von den jeweils Verantwortlichen getroffen werden. Diese Entscheidungen werden aber durch die Hilfe der Kuratorien von einem optimal sachgerechten Urteilsbild getragen sein.

    Was dergestalt für die Assoziationen der Arbeitskollektive untereinander gilt, spielt auch eine Rolle für die Grundstruktur eines einzelnen freien Unternehmens. Der überwundene Gegensatz von »Arbeitgeber« und »Arbeitnehmer« öffnet das Feld für eine Sozialgestalt, in der miteinander verwoben sind Prozesse des freien Beratens, des demokratischen Vereinbarens und schließlich des gemeinsamen Wirkens für die soziale Umwelt. Das Recht der freien unternehmerischen Initiative hat jeder Mensch. Denn der Mensch ist ein initiatives Wesen. Nötig ist, daß die Arbeitsleiter die Fähigkeit haben, ihre Mitarbeiter nach deren Fachtüchtigkeit und Sachverstand zu berufen.

    Aus dieser Funktion werden sie jedoch weder materielle Privilegien noch irgendeine andere Form von nicht demokratisch legitimierter Macht haben können.

    So ist in dem Bild der Grundzüge eines Dritten Weges das freie Unternehmen in einer selbstverwalteten Wirtschaft und einer selbstverwalteten Kultur die demokratische Basiseinheit einer nachkapitalistischen und nachkommunistischen neuen Gesellschaft des realen Sozialismus.

    Staatliche Gesetzgebung, Regierung und Verwaltung sind auf die Funktion beschränkt, die für alle verbindlichen demokratischen Rechte und Pflichten zu beschließen und ihre Verwirklichung durchzusetzen.

    Der Staat wird erheblich schrumpfen. Was übrig bleibt, wird man sehen.

    IV. Was können wir für die Verwirklichung der Alternative jetzt tun?

    Wer sich dieses Bild der evolutionären Alternative vor Augen führt, hat ein klares Grundverständnis von der sozialen Plastik, an welcher der Mensch als Künstler formt.

    Wer sagt, daß es eine Veränderung geben muß, aber die »Revolution der Begriffe« überspringt und nur gegen die äußeren Verkörperungen der Ideologien anrennt, wird scheitern. Er wird entweder resignieren, sich mit Reformieren begnügen oder aber in der Sackgasse des Terrorismus landen. Drei Formen des Sieges der Strategie des Systems.

    Wenn abschließend daher gefragt ist: Was können wir tun?, damit wir das Ziel der Neugestaltung von den Fundamenten her auch erreichen, dann müssen wir uns klarmachen: Es gibt nur einen Weg, das Bestehende zu transformieren – aber dieser erfordert eine breite Palette von Maßnahmen. Der einzige Weg ist die gewaltfreie Transformation. Gewaltfrei nicht etwa darum, weil Gewalt zur Zeit oder aus bestimmten Gründen nicht erfolgversprechend erscheint. Nein. Gewaltfreiheit aus prinzipiellen menschlich – geistig – moralischen und politisch – gesellschaftlichen Gründen.

    Einerseits steht und fällt die Würde des Menschen mit der Unverletzlichkeit der Person und die Ebene des Menschentums verläßt, wer dies mißachtet. Andererseits sind gerade die zu transformierenden Systeme auf Gewalt in jeder nur denkbaren Form aufgebaut. Deshalb ist jede Art von Gewaltanwendung ein Ausdruck systemkonformen Verhaltens, verfestigt also, was es auflösen will.

    Dieser Aufruf will ermutigen und auffordern, den Weg der gewaltfreien Transformation einzuschlagen. An solche, die bisher passiv waren, obwohl sie von Unbehagen und Unzufriedenheit erfüllt sind, ist die Aufforderung gerichtet: Werdet aktiv. Eure Aktivität ist vielleicht das einzige, was jene, die aktiv sind, aber mit Mitteln der Gewalt liebäugeln oder schon Gewalt anwenden, auf den Weg der gewaltfreien Aktion zurückführen kann.

    Obwohl die angezeigte »Revolution der Begriffe« das Kernstück der hier vorgestellten Methode zur Veränderung ist, muß sie nicht unbedingt am Anfang aller Schritte stehen. Auch ist ihr jeder Absolutheitsanspruch fremd. Wer die Kraft hat, die Theorien des Marxismus, des Liberalismus, der christlichen Soziallehre usw. zu Ende zu denken, wird feststellen, daß diese Theorien durchaus zu den gleichen Ergebnissen kommen wie wir.

    Dieses Zu-Ende-Denken von historischen Ansätzen ist heute nötig. Wo es mutig vollbracht wurde, bemerkte man, wie die Fronten sich verschieben. Da steht Bahro dann Karl-Hermann Flach und William Borm näher als diese ihrem Parteifreund Lambsdorff und jener seinen Genossen, die ihn verhaftet und verurteilt haben.

    Der Prozeß des Umschmelzens verhärteter Begrifflichkeiten und Theorieansätze ist in vollem Gange. Er muß zum grossen Dialog, zur interfraktionellen, interdisziplinären und internationalen Kommunikation zwischen den alternativen Lösungsmodellen führen. Die FREE INTERNATIONAL UNIVERSITY (Freie Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung Kommunikation zu organisieren und zu) ist das ständige Angebot, diese entwickeln.

    «Gegen die geballten Interessen der Mächtigen hat nur eine mitreißende Idee eine Chance, die wenigstens so stark ist wie die humanistische in den letzten und die christliche in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung» [Gruhl]. Um von den verschiedenen Ansätzen, die in der neuen sozialen Bewegung leben, zu dieser »mitreißenden Idee« durchzustoßen, brauchen wir den ständigen und umfassenden Dialog.

    FREIE INTERNATIONALE UNIVERSITÄT als ein organisatorischer Ort dieses Forschens, Arbeitens und Kommunizierens meint also alle die Gruppen und Keimzellen in unserer Gesellschaft, zu denen Menschen sich zusammengeschlossen haben, um gemeinsam die Fragen der sozialen Zukunft zu durchdenken. Je mehr Menschen sich mit diesen Arbeiten verbinden, desto kraftvoller und durchgreifender werden die alternativen Ideen zur Geltung kommen. Darum sei aufgerufen: Gründet Arbeitsplätze der FREIEN INTERNATIONALEN UNIVERSITÄT, der Universität des Volkes.

    Aber dies allein genügt noch nicht. Überall dort, wo dies möglich ist, sollten wir uns zur alternativen Lebens- und Arbeitspraxis entschließen. Viele haben in kleinen Bereichen und speziellen Gebieten einen Anfang gemacht. Ein Zusammenschluß alternativer Wirtschafts- und Kulturunternehmen ist die AUFBAUINITIATIVE AKTION DRITTER WEG [Unternehmensverband, Stiftung, Mitgliederorganisation]. Einzelne Gruppen oder Betriebe, die ihren alternativen Ideen auch Taten folgen lassen wollen, sind aufgefordert, dieses Projekt zu stärken.

    Ein letzter, aktueller Aspekt. Vielleicht der wichtigste und entscheidendste für den Weg der gewaltfreien Transformation. Wie kann die neue soziale Bewegung eine politische Dimension erreichen?

    Damit ist, jedenfalls für den Bereich der westlichen Demokratien, die Frage nach der Möglichkeit einer parlamentarischen Aktion gestellt. Gehen wir diesen Weg, dann gehen wir ihn nur richtig, wenn wir einen neuen Stil der politischen Arbeit und des politischen Organisierens entwickeln. Nur wenn wir uns in diesem neuen Stil üben, werden wir die Hindernisse überwinden, die für alternative Entwicklungen durch Sperrklauseln und ähnliches errichtet sind.

    Es wäre schon nötig, daß auch von den Parlamenten her, für die ganze Öffentlichkeit wahrnehmbar, alternative Lösungsmodelle aufträten. Dazu aber müssen die Leute, die solche Modelle erarbeitet haben, in die Parlamente hineinkommen.

    Wie kommen sie hinein? Indem sie ihre ganze Kraft auf eine gemeinsame Wahlinitiative konzentrieren.

    Entscheidend für einen solchen Versuch ist, welches Verständnis man von der Gesamtalternativenbewegung​ hat. Sie besteht ja aus einer Fülle von Strömungen, Initiativen, Organisationen, Institutionen usw. Sie alle haben nur in der Gemeinsamkeit eine Chance.

    Gemeinsame Wahlinitiative heißt aber nicht: Parteiorganisation, Parteiprogramm, Parteidebatte im alten Stil. Die Einheit, derer es bedarf, kann nur die Einheit in der Vielfalt sein. Die Bewegung der Bürgerinitiativen, die ökologische, die Friedens- und die Frauenbewegung, die Bewegung der Praxismodelle, die Bewegung für einen demokratischen Sozialismus, einen humanistischen Liberalismus, einen Dritten Weg, die anthroposophische Bewegung und die christlich-konfessionell orientierten Strömungen, die Bürgerrechtsbewegung und die 3. Welt-Bewegung müssen erkennen, daß sie unverzichtbare Bestandteile der Gesamtalternativenbewegung​ sind; Teile, die sich nicht ausschließen und widersprechen, sondern ergänzen.

    Realität ist, daß es marxistische, katholische, evangelische, liberale, anthroposophische, ökologische usw. Alternativkonzepte und -initiativen gibt. In vielen wesentlichen Punkten besteht unter ihnen bereits ein hohes Maß an Übereinstimmung. Dieses ist die Basis der Gemeinsamkeit in der Einheit. In anderen Punkten besteht Nichtübereinstimmung. Dieses ist die Basis der Freiheit in der Einheit.

    Eine gemeinsame Wahlinitiative der Gesamtalternativenbewegung​ ist nur lebenswirklich als ein Bündnis vieler autonomer Gruppen, die ihr Verhältnis untereinander und gegenüber der Öffentlichkeit im Geiste aktiver Toleranz gestalten. Unsere Parlamente brauchen den befreienden Geist und das Leben einer solchen Union, der UNION FÜR DIE NEUE DEMOKRATIE!

    Die Fahrzeuge, die den neuen Kurs nehmen, stehen also bereit. Sie bieten Platz und Arbeit für alle

    Ändere in deinem Leben,
    was immer du zum Guten wenden kannst.
    Und lerne, das als gegeben hinzunehmen,
    was du nicht ändern kannst.
    Und Gott der Herr gebe dir die Weisheit,
    das eine vom anderen zu unterscheiden.

  2. Chris.. Says:

    Das bald zu Ende gehende Jahr 2011 war ein unruhiges Jahr.

    Die negativen Meldungen häuften sich. Auf der einen Seite gab es Naturkatastrophen, unter anderem Erdbeben mit teils schwerwiegenden Folgen, andererseits gab es auch gesellschaftliche und politische Unruhen. Ich denke an Protestbewegungen, Revolutionen und bürgerkriegsähnliche Zustände. Schließlich ist auch der wirtschaftliche Bereich zu nennen. Krisen in wichtigen Ländern führten zu Verunsicherungen auf breiter Basis.
    Auch im persönlichen Bereich mögen Dinge in Erscheinung getreten sein, die Unruhe ausgelöst haben. Krankheit und Not haben vor unseren Gemeinden nicht Halt gemacht.

    Angesichts eines so unruhigen Umfeldes sind wir dankbar, dass wir in die Stille des Hauses Gottes und die Stille des Gebetes flüchten konnten. In der Nähe Gottes konnten wir immer wieder zur Ruhe kommen. Wie bedeutsam die Stille ist, zeigen etliche biblische Beispiele.

    Als das Volk Israel nach dem Auszug aus Ägypten vor dem Schilfmeer stand und hinter sich die Ägypter sah, war die Not groß. Da verbreitete Mose Zuversicht mit den Worten: „Der Herr wird für euch streiten und ihr werdet stille sein.“ (2. Mose 14,14).

    Oder denken wir an ein Geschehnis zur Zeit des Herrn Jesus. Als die Jünger mit dem Herrn in einem Boot auf dem See waren, erhob sich ein gewaltiger Sturm, so dass die Jünger um ihr Leben fürchteten. Aber der Herr bedrohte den Wind und das Meer. Und dann heißt es in der Heiligen Schrift: „Da wurde es ganz stille.“ (Matthäus 8,26).

    Wir halten uns fest daran, dass der Herr auch über die Unruhe unserer Zeit herrscht; ohne seine Zustimmung geschieht nichts. Dieses Bewusstsein schafft Ruhe für die Seele. Aber natürlich gehört auch dazu, dass wir uns vor dem Höchsten beugen und das Unsere dazu beitragen, um stille sein zu können.

    Stille Grüße zur Advents- und Weihnachtszeit


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