kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Ein Land droht zu zerfallen 23. Dezember 2011

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 20:45

Libyen: Revierkämpfe der Milizen und machtlose Regierung

 

Die Zwischenbilanz ein Jahr nach jener Selbstverbrennung in Tunesien, jener privaten Verzweiflungstat, die zum Auslöser des „arabischen Frühlings“ hochstilisiert wurde, ist ernüchternd: Vorbei ist die Euphorie, vor Ort geht es schlechter als zuvor, und Islamisten, die gar nicht die treibenden Kräfte waren, sind politische Nutznießer. Libyen ist das Land mit den weitaus  größten Verlusten an Leben und Sachwerten. Daß es wie in Syrien erst mit einiger Verzögerung losging, belegt ebenso wie die höchst parteiische Berichterstattung, daß schon in den Anfängen massiv von außen „nachgeholfen“ wurde. Daß dann ein UNO-Mandat „zum Schutz der Zivilbevölkerung“ von den Westmächten zum Sturz des Regimes und für Eigeninteressen mißbraucht wurde, hat aber sogar den Geist des Kalten Krieges wieder wachgerufen. Libyen ist auch das einzige Land, wo nicht nur der Mann an der Spitze entfernt wurde, sondern wo sich die Strukturen selbst dramatisch ändern. Denn die von der italienischen Kolonialmacht erstmals in der Geschichte zu einem politischen Gebilde zusammengespannten Regionen und Stämme zeigen nach Wegfall der diktatorischen Autorität Muámmar Gaddafis überdeutlich ihre Eigeninteressen – was bis zum Staatszerfall führen könnte. Zwischen den diversen Milizen kommt es laufend zu blutigen Scharmützeln, und Berber-Milizen liefern sich sogar Gefechte mit der „Armee“ – die aus vielen Häuptlingen und wenigen Indianern besteht. Milizionäre lassen sich schon allein deshalb nicht entwaffnen, weil es angesichts der Wirtschaftslage keine zivilen Perspektiven gibt und auch die Armee sie kaum integrieren könnte.

 

Für Befremden sorgt auch, daß Berber in der kürzlich vereidigten provisorischen Regierung nicht vertreten sind und daß der völlig unbekannte Abd-el-Rahim El-Kib Ministerpräsident wurde: Der hatte nicht nur in den USA studiert, sondern auch meist im Ausland gelebt, unter anderem am Golf als Berater von US-Ölkonzernen. In Bengasi, wo alles begonnen hatte, führt die Wut auf Tripolis wieder zu Demonstrationen – bis hin zu Forderungen nach einer „neuen Revolution“. Zur Besänftigung soll nun Bengasi „Wirtschaftshauptstadt“ mit einigen Ministerien werden. Mit Aufhebung der UN-Sanktionen werden jetzt auch die blockierten libyschen Milliarden-Guthaben frei. Was den Streit der Milizen um Verteilung der „Beute“ anheizen dürfte – und auch notorische Schuldnerstaaten auf den Plan ruft. US-Verteidigungsminister Leon Panetta verband die Freigabe gleich mit einem Besuch in Tripolis, um „dem libyschen Volk Anerkennung zu zollen“, sprich: um Revier zu markieren, wie das zuvor schon Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premier David Cameron getan hatten. Und Italiens Premier Mario Monti, der seine Weihen bei Goldman-Sachs erhielt, hofft, daß Libyen bei der dringend nötigen Eigenkapital-Erhöhung der Unicredit mitzieht. {Erschienen in der aktuellen Ausgabe der Preußischen Allgemeinen Zeitung – von R. G. Kerschhofer}.

 

 

 

Der Stamm Ghaddafis hält das Rechtsgutachten des muslimischen Gelehrten al-Qaradawi für die eigentliche Todesursache Ghaddafis

 

Aus diesem Grund will der Stamm Ghaddafis den Rechtsgelehrten

Al-Qaradawi auf gleiche Weise töten

 

Die palästinensische Zeitung alquds.co.uk berichtete 6.11.2011 über den Entschluss des libyschen Stammes, dem der getötete libysche Präsident Ghaddafi entstammt. Dieser Stamm hält den prominenten muslimischen Gelehrten Dr. Yusuf Al-Qaradawi für den eigentlichen Täter des Angriffs auf den ehemaligen libyschen Präsidenten. Denn, so vertritt der Stamm, das Rechtsgutachten von Al-Qaradawi, in welchem er die Tötung des libyschen Präsidenten für islamisch legal und sogar erforderlich erklärte, sei von den Aufständischen befolgt worden. Infolge dessen fordert der Stamm Ghaddafis, dass jedes internationale Ermittlungsverfahren über die Ursache der Tötung Ghaddafis Al-Qaradawi als Täter verurteilt, weil eine Ermittlung ohne die Einbeziehung dieses Rechtsgutachtens und dessen Rechtsgutachters nicht ernsthaft sei. Außerdem hat der Stamm Ghaddafis seinen Entschluss bekannt gegeben, al-Qaradawi auf dieselbe Art und Weise zu töten, wie der ehemalige libysche Präsident getötet worden ist. Diesem Schicksal werde der muslimische Gelehrte trotz aller Sicherheitsmaßnahmen nicht entkommen, so Vertreter des Stammes. Quelle: www.alquds.co.uk – (Institut für Islamfragen, dh, 29.11.11).

 

 

Jetzt fordern die Milizen der Revolutionsgruppen ihren Lohn

 

Die Verhaftung von Saif al-Islam verschärft die Spannungen zwischen den verschiedenen Revolutionsgruppen und dem Nationalen Libyschen Übergangsrat. Die Bildungeiner Übergangsregierung wird sich daher weiter verzögern.

 

Man habe dem designierten Ministerpräsidenten Abdelrahim al-Keib bis zum Monatsende Zeit gegeben, um seine Minister auszuwählen, hiess es gestern in Tripolis. Ob es dem in den USA ausgebildeten Technokraten bis dahin gelingt, sein Kabinett vorzustellen, ist angesichts der Forderungen der revolutionären Sintan-Brigaden keinesfalls sicher. Sie verkündeten gestern, dass sie «Opportunisten und Dissidenten», die sich jahrlang im Ausland aufhielten und nicht am Kampf gegen Gaddafi teilgenommen haben, in der neuen Übergangsregierung nicht dulden würden. Als Faustpfand zur Durchsetzung eigener Forderungen dient den Sintan-Brigaden offenbar keiner geringerer als Saif al-Islam al-Gaddafi.

 

«Tripolis ist ein anderes Land»: Dem Sohn des gelynchten Ex-Diktators soll nach Aussagen von Taher al-Tourki, dem Ratsvorsitzenden von Sintan, weder in Den Haag noch in Tripolis der Prozess gemacht werden. «Tripolis ist für uns wie ein anderes Land», sagte er wörtlich. Auch in der 160 Kilometer südwestlich von Tripolis gelegenen Kleinstadt Sintan, die während der Revolution vier Monate lang von den Gaddafi-Truppen beschossen wurde, gebe es Gerichte und Richter. Man sei durchaus in der Lage, ein «faires Verfahren» durchzuführen, und werde Saif al-Islam einen Rechtsanwalt zur Verfügung stellen, falls dies notwendig sei. Politische Beobachter in Libyen gehen davon aus, dass Saif al-Islam von den Sintan-Brigaden «als eine Art Geisel» eingesetzt wird, um in der Übergangsregierung angemessen berücksichtigt zu werden. Konkret gehe es ihnen um den offenbar bereits vergebenen Posten des Verteidigungsministers sowie die Position des neuen Armeechefs, den anscheinend der von Katar unterstützte Islamist Abdelhakim Belhadsch für sich beansprucht. Dessen Kämpfer kontrollieren Tripolis.

 

Unterstützung erhalten die «Sintanis» von den Revolutionstruppen aus Misrata, die für die Eroberung von Gaddafis Geburtsstadt Sirte sowie die Ergreifung des später gelynchten Ex-Diktators ebenfalls belohnt werden wollen. Der Nationale Übergangsrat steht den Forderungen der noch immer schwer bewaffneten Milizen nahezu machtlos gegenüber. Um militärische Konflikte zu vermeiden, hat er vermutlich keine andere Wahl, als auf die Forderungen der diversen Milizen einzugehen. Zu den zahlreichen Kampfgruppen in Libyen, die bei der Verteilung von Ämtern und Posten berücksichtig werden möchten, gehört auch die «Märtyrer-Brigade» der südlibyschen Wüstenstadt Sabha. Auf ihr Konto geht angeblich die Festnahme von Gaddafis Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi, dem ebenfalls auf libyschem Boden der Prozess gemacht werden soll. Auch Senussi wurde bislang nicht an den Übergangsrat ausgeliefert. {Quelle: www.aargauerzeitung.ch}

 

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