kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Warten auf grundlegende Verbesserungen 20. Dezember 2011

Filed under: Christenverfolgung,Islamische Schandtaten — Knecht Christi @ 16:57

Die Lage der Christen in der Türkei bleibt trotz einigen Fortschritten problematisch

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios ist 20 Jahre im Amt. Trotz widrigen Umständen hat er die Hoffnung auf mehr Religionsfreiheit nie aufgegeben. Seit einiger Zeit gibt es ermutigende Anzeichen. Doch die Realisierung gestaltet sich schleppend. Eigentlich war das Treffen in Istanbul Ende August nichts Besonderes. Denn der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hatte nicht zum ersten Mal während des Ramadans Vertreter der nichtmuslimischen Minderheiten zum abendlichen Iftar-Essen eingeladen. Diesmal ereignete sich beim Fastenbrechen aber eine Überraschung. Erdogan verkündete zum Erstaunen seiner Gäste, die Türkei werde ab sofort den jüdischen und christlichen Gemeinden all jene Immobilien zurückgeben, die sie über Jahrzehnte konfisziert habe. Obgleich vor allem die griechisch-orthodoxe Kirche in der Vergangenheit Ankara immer wieder ermahnt hatte, dieses Problem endlich zu lösen, wirkte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I., der neben Erdogan sass, sichtlich überrumpelt. Er zeigte sich zwar durchaus erfreut, brachte aber nicht viel mehr als einen kurzen Satz über die Lippen: «Das ist die Wiedergutmachung, die Beseitigung eines Unrechts.»

 

Schwierige Rückgabe: Das vom orthodoxen Kirchenoberhaupt angesprochene Unrecht geht zurück auf das Jahr 1936. Damals mussten alle nichtmuslimischen Stiftungen, die als Rechtsträger von Gotteshäusern fungierten, ihren Besitz auflisten. Grosse Teile davon – es handelt sich um mehr als tausend Gemeindehäuser, Hospitäler, Schulen, Wohnhäuser und Friedhöfe – wurden dann in der Folgezeit vom türkischen Staat eingezogen und teilweise an Dritte veräussert. Mit der jetzigen Novelle soll das konfiszierte Gut an die ehemaligen Eigentümer zurückgegeben oder eine Entschädigung gezahlt werden, die dem heutigen Marktpreis entspricht. Die Umsetzung dürfte allerdings nicht einfach sein. Denn sie könnte zahlreiche bisher unbeantwortete Fragen zum Umgang der Türkei mit ihren nichtmuslimischen Minderheiten aufwerfen. Kein Wunder, dass sich Ministerpräsident Erdogan deshalb selbstkritisch zeigte und hervorhob, dass die neue Verordnung nicht nur bisherige Defizite beseitige, sondern auch ein Problem löse, das dem Ansehen der Türkei auf internationalem Parkett jahrzehntelang geschadet habe. Warum der Schritt gerade zum jetzigen Zeitpunkt erfolgt, ist schwer zu sagen. Möglicherweise aber ist der vom türkischen Regierungschef angekündigte Weg der Rückgabe von Immobilien für Ankara erträglicher, als sich in dieser Sache immer wieder mit Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte konfrontiert zu sehen und sehr häufig auch verurteilt zu werden. So hatte das Ökumenische Patriarchat noch im Frühjahr nach jahrelangen Verhandlungen und infolge eines Strassburger Urteils den ebenfalls vor Jahrzehnten enteigneten Prinkipo-Palast auf der Prinzeninsel Büyük Ada (griechisch: Prinkipo), der lange ein orthodoxes Waisenhaus war, zurückbekommen.

 

Der Ökumenische Patriarch besichtigte 2002 ein Kanal-Renaturierungs-Projekt bei Ruggell in Liechtenstein. (Bild: Klaus Schaedler / Keystone)

 

Kirchenpolitische Erfolge: Für den Ökumenischen Patriarchen ist die angekündigte Rückgabe konfiszierten Kircheneigentums eine Bestätigung seiner Politik der Gesprächsbereitschaft. Bartholomaios I., der mit bürgerlichem Namen Dimitrios Archondonis heisst und seit 20 Jahren das Amt des Ehrenprimas der weltweit rund 300 Millionen orthodoxen Christen bekleidet, gilt nämlich als ein Mann des verbindlichen Wortes und der ausgestreckten Hand – selbst wenn die Rahmenbedingungen nicht optimal sind. So lud der heute 71-Jährige im Spätherbst 2006 Papst Benedikt XVI. nach Istanbul ein, welcher sich im Juni 2008 zum Beginn des «Paulus-Jahres» mit einer Gegeneinladung revanchierte. Zudem gelang es ihm, das über lange Jahre hin belastete Verhältnis zur russisch-orthodoxen Kirche auf eine neue, freundschaftliche Basis zu stellen. Denn nur wenige Monate nachdem der neue Moskauer Patriarch Kyrill seine Antrittsvisite am Bosporus gemacht hatte, flog Bartholomaios im Mai 2010 zu einem ebenso überraschenden wie kirchenpolitisch wichtigen zehntägigen Gegenbesuch in die russische Hauptstadt. Am Ende der Visite sprach er sogar davon, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre endlich das von ihm erhoffte grosse Panorthodoxe Konzil einberufen werden könne. Es wäre das erste seit mehreren Jahrhunderten.

 

Diesen bemerkenswerten Fortschritten auf der internationalen Bühne steht die eher zwiespältige Lage der Christen in der Türkei gegenüber, deren Gesamtzahl unter 100 000 liegen dürfte. (60 000 Armenier, 20 000 Assyrer und nicht einmal 3000 Griechen.) Dabei waren in den vergangenen Jahren durchaus einige positive Entwicklungen auszumachen. Zum einen erlaubte die Regierung Erdogan, dass im bisher geschlossenen, traditionsreichen griechischen Kloster Sümela (griechisch: Panagia Soumela) bei Trabzon und in der alten armenischen Heilig-Kreuz-Kirche auf der Insel Akdamar (armenisch: Aghtamar) im ostanatolischen Van-See einmal im Jahr wieder ein Gottesdienst gefeiert werden darf.

 

Ein Assyrer im Parlament: Zum anderen sitzt nach der Wahl vom vergangenen Juni mit dem Assyrer Erol Dora aus der Provinz Mardin erstmals seit fast einem halben Jahrhundert wieder ein Christ im türkischen Parlament. Und zudem bekamen 15 griechisch-orthodoxe Metropoliten aus dem Ausland die türkische Staatsbürgerschaft angeboten. Damit konnte der bisher kleine und teilweise überalterte Kreis der potenziellen Nachfolger des Ökumenischen Patriarchen erweitert werden. Das orthodoxe Kirchenoberhaupt muss laut staatlichen Vorgaben einen türkischen Pass haben. Trotz diesen erfreulichen Neuerungen aber hat sich die Lage der Christen in der Türkei nicht grundlegend geändert. So ist das Kloster Mor Gabriel in der südostanatolischen Region Tur Abdin, das über Jahrhunderte das Zentrum der syrisch-orthodoxen Christen bildete, seit Jahren bereits in dubiose Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Hierbei ist zu befürchten, dass die über 1600 Jahre alte Anlage grosse Teile ihrer Ländereien abtreten muss. Zudem hat bisher keine der einheimischen christlichen Kirchen die Möglichkeit, in der Türkei Priesternachwuchs auszubilden. Die griechisch-orthodoxen Christen beispielsweise warten seit Jahren darauf, dass ihr 1971 vom türkischen Staat geschlossenes Priesterseminar auf der Prinzeninsel Heybeli Ada (griechisch: Halki) endlich wieder geöffnet werden darf. Doch obgleich die einst bekannte Hochschule, an der Patriarch Bartholomaios seine Ausbildung erhielt, seit nunmehr 40 Jahren von den Mönchen des angeschlossenen Klosters der Heiligen Dreifaltigkeit in tadellosem Zustand gehalten und die stattliche Bibliothek nach wie vor mit den neuesten Nummern theologischer Fachzeitschriften bestückt wird, sind die Tore weiterhin geschlossen. Dabei machen mit schöner Regelmässigkeit Gerüchte die Runde, der Lehrbetrieb werde bald wiederaufgenommen.

 

Hindernisse: Doch obgleich die Kette hoffnungsvoller Erwartungen nicht abreisst und die Europäische Union in jedem Fortschrittsbericht über ihren Beitrittskandidaten Türkei gebetsmühlenartig die Wiederöffnung der theologischen Hochschule fordert, bleibt die Sache kompliziert. So erlaubt Ankara die Eröffnung privater Universitäten nur, wenn sie unter der Kontrolle des staatlichen Hochschulrates (YÖK) stehen. Dadurch werde, so wird offiziell argumentiert, die Gefahr eingedämmt, dass sich private islamistische Ausbildungsstätten im Land breitmachen und Einfluss nehmen könnten. Vonseiten des Ökumenischen Patriarchats allerdings tut man sich mit staatlich vorgegebenen Richtlinien und Lehrplänen schwer. Beim türkischen Staat nämlich, so heisst es, gebe es keine Fachkompetenz für orthodoxe Theologie. Und am Sitz des Patriarchen, wo man über diese Voraussetzung verfüge, habe noch niemand aus dem Kulturministerium um Unterstützung nachgefragt. Dabei sei eine Zusammenarbeit bereits angeboten worden. {www.nzz.ch – Ulrich Pick ist Redaktor beim SWR in Mainz. Er war zuvor ARD-Hörfunk-Korrespondent in Istanbul}

 

 

 

Föderation der Aramäer (Suryoye) in Deutschland (FASD) e.V.
Offener Brief an die Bundesregierung und den Deutschen Bundestag

Heidelberg, 12.12.2011

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel,

Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident Prof. Dr. Lammert,

verehrte Mitglieder des Deutschen Bundestages,

nach den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens vom 30. Oktober 1961 und der scharfen Kritik des türkischen Ministerpräsidenten an der deutschen (Integrations-) Politik kehrt abermals Ernüchterung ein. Als Dachverband der Aramäer in Deutschland und zivile Vertretung der 100.000 in Deutschland lebenden und sehr gut integrierten Aramäer wissen wir um die essentielle Bedeutung des Erlernens der deutschen Sprache als notwendigen Schlüssel zu einer erfolgreichen Integration und weisen diese Kritik als anmaßend und völlig inakzeptabel zurück. Während Erdogan der Bundesrepublik Deutschland vorwirft Menschenrechte zu verletzten, erreichen die Verstöße gegen Minderheiten- und Menschenrechte, die Diskriminierungen und Agitationen des türkischen Staates gegenüber der urchristlichen Gemeinschaft der Aramäer, eine gefährliche und sehr besorgniserregende Qualität.

 

Im Geschichtsbuch der zehnten Klasse aus dem Jahre 2011 – herausgegeben vom türkischen Ministerium für Bildung und Erziehung – werden die Aramäer des Landesverrats bezichtigt, die aus wirtschaftlichen Gründen aus der Türkei ausgewandert und im Westen „zum Werkzeug der politischen und religiösen Interessen der dortigen Länder“ geworden seien. Die Bundesrepublik Deutschland ist somit gefordert, diesen absurden Behauptungen entschieden entgegenzutreten und klar Stellung zu beziehen. Einschüchterungs- und Hetzkampagnen dieser Art gegenüber der fast ausgerotteten Gemeinschaft der Aramäer dürfen nicht länger hingenommen werden. Die indigene aramäische Bevölkerung wird in ihrer Heimat, dem Turabdin im Südosten der Türkei seit Jahrhunderten verfolgt. Lautlos, nahezu unbemerkt stirbt hier ein ehemals großes Volk, verschwindet eine Kultur, geht eine biblische Sprache verloren. Im ersten Weltkrieg wurden die Aramäer wegen ihres urchristlichen Glaubens verfolgt und Hunderttausende Opfer des an 3,5 Millionen Christen im Osmanischen Reich begangenen Völkermordes. Während der jahrzehntelangen Kämpfe zwischen kurdischen Rebellen und der türkischen Armee im Südosten des Landes flohen Tausende aus ihrem Siedlungsgebiet am “Berg der Knechte Gottes”. Von einst 200.000 Menschen in den 60er Jahren leben heute nur noch 2.000 in ihrer angestammten Heimat.

 

Auch das seit 2008 andauernde juristische Kesseltreiben gegen das aramäische Kloster Mor Gabriel und seine Leitung ist ein juristischer und politischer Skandal. Erdogan und seine Regierung verstecken sich hinter der Unabhängigkeit der Justiz, während es staatliche Behörden sind, die die Enteignungsverfahren gegen das Kloster unnachgiebig führen. Das Kloster wurde mittlerweile um große Flächen rechtskräftig enteignet. Ziel dieser systematischen, juristischen Angriffe ist zum einen die letzten verbliebenen Aramäer in der Region zu zermürben und zu vertreiben. Zum anderen werden sie dadurch in der öffentlichen Meinung und in der regionalen Bevölkerung gezielt diskreditiert und damit politisch und gesellschaftlich isoliert. Dieses vom türkischen Staat veröffentlichte, aktuelle Schulbuch heizt die negative Stimmung gegen die wenigen noch verbliebenen Aramäer weiter an. Bereits im April 2003 fiel das türkische Ministerium für Bildung und Erziehung unter der damaligen Leitung von Hüseyin Çelik mit Dekreten gegen christliche Minderheiten auf. Das Ministerium veranlasste die türkischen Schüler dazu, an einem Aufsatzwettbewerb über die angebliche „Völkermordlüge“ der Armenier, Pontosgriechen sowie Aramäer mitzuwirken. Gleichzeitig verpflichtete das Ministerium die türkische Lehrerschaft zur Teilnahme an dazu passenden Fortbildungsmaßnahmen und hat die Neuauflagen veralteter türkischer Schulbücher vorgenommen, in denen Nicht-Muslime in der Türkei als „Spione“, „Verräter“ sowie „Barbaren“ bezeichnet werden. Zudem verweisen die Bücher darauf, dass deren Schulen, Kirchen sowie jüdische Synagogen „schädliche Gemeinden“ sind.

 

Wer Zuneigung und Toleranz einfordert, muss diese Eigenschaften auch selbst an den Tag legen. Für den türkischen Staat ist die Zeit gekommen, die kulturelle Vielfalt im Land zu akzeptieren und zu schützen – anstatt sie zu bekämpfen. Gemeinsam mit den Mitunterzeichnern fordern wir, als Dachverband der Aramäer in Deutschland, die Deutsche Bundesregierung eindringlich auf, sich für folgende Maßnahmen einzusetzen:

1. Die türkische Regierung offen auf die eklatanten Missstände, insbesondere die ethnische und religiöse Vorurteile verstärkende Hetze in dem genannten Schulbuch anzusprechen und eine entsprechende Richtigstellung zu fordern;

2. Die türkische Regierung aufzufordern, die Existenzgrundlage und die Lebensperspektive    des Klosters Mor Gabriel dauerhaft zu garantieren und den Aramäern, als Minderheit in ihrem Land im Einklang mit der Europäischen Menschenrechtskonvention die Rechte zu gewähren, die auch in der Beitrittspartnerschaft mit der Türkei eindeutig festgelegt sind;

3. Die türkische Regierung aufzufordern, die Aramäer als nicht-muslimische Minderheit nach dem Lausanner Vertrag anzuerkennen, damit sie Rechtspersönlichkeit erwerben und ihre Rechte vollumfänglich ausüben können.

 

Verschließen Sie nicht die Augen vor einer politischen Entwicklung, Opfer als Täter darzustellen und zu verunglimpfen! Schweigen Sie nicht, unterstützen Sie uns in dieser Angelegenheit!

Mit freundlichemGruß

Daniyel Demir, Bundesvorsitzender

Föderation der Aramäer in Deutschland {Quelle: www.nordirak-turabdin.de}

 

One Response to “Warten auf grundlegende Verbesserungen”

  1. Alois Eckerstorfer Says:

    Geschichte wiederholt sich.
    Religion als staatstragendes Element war noch nie von diplomatischen oder gar ökonomischen Beweggründen gezeichnet.
    Religion hat sehr stark mit Glauben zu tun und ist somit auch im Bereich der Emotionalität stark vertreten.
    Zusammenfassend kann man sicherlich sagen:
    Hoffnung ist das Letzte was stirbt.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s