kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Vortrag von Dr. Nagib Gebraiel im Kulturzentrum St. Ephrem 14. Dezember 2011

Filed under: Christenverfolgung,Islamischer Terror — Knecht Christi @ 12:18

Die Situation der Christen im arabischen Orient im Schatten der Veränderungen und Transformationen in der Region.

 

Mit diesen Veränderungen meine ich jene Revolutionen, welche die arabischen Systeme überstürmten, wie in Tunesien, Ägypten und Libyen, und jene Konflikte, welche wir zur Zeit in Syrien, Jemen und im Irak erleben, ungeachtet dessen, wie diese enden mögen. Was uns in diesem Kontext interessiert, ist die Situation der Christen in diesen Ländern und in der arabischen Region im Allgemeinen: Christen wurden seit mehreren Jahrzehnten als eine Minderheit betrachtet, obwohl sie in einem Land wie bspw. dem Libanon vor nicht allzu langer Zeit 75% der Bevölkerung ausmachten. In Ägypten werden sie auf 17 Mio., im Irak auf mehr als 8 Mio. und in Syrien auf 6 Mio. geschätzt. Trotz dieser Anzahl wurden die Christen der arabischen Region keines den Muslimen ebenbürtigen Schicksals hinsichtlich der echten Gleichheit beschert. Der islamische Fundamentalismus und die radikalen Bewegungen haben so dermaßen Zugewinn in der Region bekommen, dass ganze salafistische Programme entstanden, bspw. in Ägypten: Nach der Revolution vom 25. Jänner 2011 kamen solche Programme immer mehr zum Vorschein, z.B. mit der Forderung, allen Christen ihre politischen Rechte zu entziehen. Sie dürfen keine hohen, politischen Ämter innehaben, besonders das Amt des Präsidenten. Dieses ist nur Muslimen vorbehalten.

 

Christen wird vorgeworfen, dass ihre religiöse Überzeugung nicht hinreichend ist; sie müssen Tribut an den islamischen Staat entrichten, wo sie doch innerhalb seiner Grenzen leben.

 

Damit wird das Zurückfallen in die Zeiten der islamischen Eroberungen Ägyptens erzielt mit dem Versuch, die christlich-koptische Identität zu eliminieren und die Zeit des Kalifen Abdul Malik Bin Marwan wieder zu beleben!

 

Dieser beendete die Verwendung der koptischen Sprache, zerstörte die Kirchen und Klöster und zwang die Christen, ein schweres Kreuz zu tragen, damit sich ihre Nacken blau färben. Sie wurden in der Folge als jene mit den „blauen Knochen“ bezeichnet.

 

Nach der Revolution vom 25. Jänner, nachdem sich die Kopten daraus Positives erhofften, geht es wie zuvor weiter. Sie hofften auf Besserung ihrer Lebensumstände nach langjährigem Leben in Ungewissheit. Doch diese Hoffnung erlosch, als Wellen von religiösem Fanatismus hasserfüllt hervortraten. Sie griffen die Heiligtümer der Kopten an.

 

Insgesamt wurden 15-mal Kirchen, Klöster, Besitztümer und Juwelierhändler angegriffen und Gebäude in Brand gesetzt. Diese Angriffe endeten im jüngsten Massaker von Maspiro am 09.Oktober 2011.

 

 

Wir fassen im Überblick folgende Ereignisse zusammen

 

1. Angriff und Zersprengung der „Kirche der Heiligen“ in Alexandria und die Tötung von 24 Kopten, sowie die Verletzung vieler Menschen am Silvesterabend des 01. Januar 2011

 

2. bewaffneter Angriff auf eine koptische Familie durch einen muslimischen Polizeioffizier in einem Zug in der Stadt Samalot, sowie die Tötung von einem Mann und die Verletzung von vier Menschen in der 2. Hälfte des Monats Januar 20111.Angriff auf Mönche des koptischen Klosters „Anba Bischoy“ im Natron Tal in der Wüste und die komplette Zerstörung der Mauern; einer der Mönche wurde erstochen, weitere wurden verletzt; dies ereignete sich in der 1.Hälfte des Monats Februar 2011

 

3. Zerstörung der „Märtyrer Kirche“ bis auf die Kuppel im Dorf Sol im Bezirk Atfeeh in der Provinz Halwan durch radikale Islamisten, sowie die Brandsetzung von Häusern und die Ausbeutung der Habseligkeiten der Kopten Ende Februar 2011

 

4. Angriffe auf koptische Jugendliche in Mokatam, als diese gegen die Zerstörung der Kirche in Sol protestierten; 7 von ihnen wurden durch echte Munition getötet; dies geschah unmittelbar 4 Tage nach den Ereignissen in Sol.

 

5. Angriff auf das Kloster „Wadi Al Natron“ in Fayoum und die Zerstörung seiner Mauern im März 2011

 

6. Belagerung der größten Kathedrale in Abbasiyah (=das päpstliche Zentrum) durch 7000 Salafisten mit dem Vorwand, dass eine christliche Frau angeblich zum Islam konvertiert war und die Kirche sie deshalb festhielt; dies geschah in der letzten Märzwoche 2011

 

7. Brandsetzung der „Jungfrau Maria-Kirche“ in Embaba in Gizeh durch Salafisten, sowie die Brandsetzung und Ausraubung von mehr als 20 Häusern und Geschäften der Kopten; außerdem wurden 126 Kopten verhaftet; all dies geschah in Mai 2011

 

8. Enthauptung eines koptischen Geistlichen im Dorf Schatb in Asyut Ende Mai 2011

 

9. Abschneiden des  Ohrs eines koptischen jungen Mannes in der Region Kana, um die islamische Scharia zu demonstrieren; Ende Mai 2011

 

10. Unterbindung des touristischen Weges zwischen Kairo und Aswan in der Nähe von Kana für den koptischen Oberbürgermeister von Kana durch die Salafisten; der Oberbürgermeister konnte in der Tat auch sein Fahrziel nicht erreichen; Anfang Juni 2011

 

11. Anschuldigung der Kopten über die Errichtung von christlichen Sattelitensendern ohne Einweihung der zuständigen Behörden; Vorwürfe der Ungläubigkeit und der Verfälschung der christlichen Religion vonseiten der Salafisten, sowie die Androhung durch Verhängung von Tributzahlungen, Grenzziehung und Ausschluss aus allen hohen staatlichen Ämtern.

 

12. Brandsetzung der „Mari Gerges“ Kirche in Marinab, sowie die Brandsetzung und Ausraubung von 5 Geschäften der Kopten durch Salafisten in Adfo in der Region Aswan am 30.09.2011

 

13. Prügel und Schleifen durch die Straßen des jungen Mannes Ra’if Anwar durch die ägyptische Militär- und Zivilpolizei, als er mit Kopten gegen die Brandsetzung der Kirche in Edfo am 04.10.2011 demonstrierte

 

14. Massaker von Maspiro am 09.10.2011, bei dem mehr als 40 Menschen ihren Tod fanden und 300 Menschen von Panzern überfahren oder mit echter Munition erschossen wurden.

 

Die Kopten erwarten weiterhin vermehrt Angriffe sowie Mord- und Hetzkampagnen, im Zuge der Zunahme von salafistischem Radikalismus und unter der Machtlosigkeit des Militärrats & der ägyptischen Regierung, Maßnahmen zu ergreifen oder Gesetze zum Schutz der Kopten zu erlassen. Die Situation der irakischen Christen war keineswegs besser als die der koptischen Christen Ägyptens. Unter der US-Besatzung mussten die irakischen Christen ein schlimmeres Schicksal erleiden als unter des sogenannten Tyrannen-Regimes Saddam Hussains. Die Ereignisse in der Kirche „Sayidat Al Nadschat“ in Bagdad, in der zahlreiche Menschen ermordet wurden, sowie die Angriffe auf weitere Kirchen in Kirkuk und Mosul wecken die Erinnerungen in uns auf.

 

Seit der Erklärung der Unabhängigkeit und Befreiung Libyens, erklärte der Vorsitzende des Übergangsrats, dass die Mitglieder das Land nach islamischem Scharia-Recht und dem Koran regieren werden, wobei die islamische Scharia die Staatsverfassung ist. Ebenso im Libanon, der als „das Schöne“ des Nahen Ostens gilt, sank die Zahl der christlichen Bevölkerung von über 70% auf 33%. Das ist eine traurige Tatsache. Die Auswanderung der Christen in den Westen ist eine Konsequenz dieser Politik. So wurde die Anzahl der koptischen Flüchtlinge auf mehr als 100.000 in weniger als 8 Monaten beziffert. Sie verließen die Heimat aus Angst vor salafistischen Strömen und vor den wachsenden radikalen Bewegungen der Islambrüder. Ähnliche Verhältnisse herrschen im Irak und im Libanon, vermutlich auch in Syrien bei dem Putschversuch des gegenwärtigen syrischen Systems. Obwohl liberale und internationale Institute diese Ereignisse bereits aufnahmen und auch darüber berichten, haben sie sich noch immer nicht dazu aufgerafft, nach internationalem Recht Maßnahmen zum Schutz der Christen zu ergreifen. Sie begnügen sich lediglich mit Verurteilungserklärungen.

 

Ich würde vielleicht übertreiben, wenn ich sage, dass zwischen mir und einigen internationalen Kräften mehrmalige Treffen stattfanden. Jedes Mal spürte ich, dass ihre eigenen Interessen überwiegen gegenüber den Anforderungen zur Hilfe und Unterstützung der Christen oder zur Verbesserung ihrer Situation, damit sie sich aus dieser dunklen Kluft befreien können. Obwohl wir historisch gesehen den internationalen Schutz ablehnten, bspw. die Ablehnung des britischen Schutzes im Jahr 1924 und den Schutz des russischen Zaren, stehen wir dennoch und seit dieser Zeit unter dem Schutz der Internationen Weltgemeinschaft. Deshalb müssen die Regierungen dieser Region, welche die Rechte der Christen verletzen und sie unterjochen, ihre Konventionen und Verträge achten und wahren, welche sie unterschrieben. Diese konstatieren nämlich die Anerkennung und den Schutz der Menschenrechte unabhängig von Glauben, Volkszugehörigkeit, Staatsbürgerschaft, Ethnizität oder Anschauung. Diese Menschen müssen gleichbehandelt werden wie alle anderen Gleichgesinnten.

 

 

Es tut mir aufrichtig leid, meine verehrten Brüder, dass ich Ihnen ein dunkles und trübes Bild über die Situation der Christen im arabischen Orient vorstelle.

Lassen Sie uns jedoch den Abend optimistischer gestalten und einige Lösungen und Vorschläge präsentieren:

 

 

1) Alle kirchlichen Oberhäupter in der arabischen Region, insbesondere in Ägypten, Libanon, Syrien, Jordanien und im Irak, sollen die Regierungen zur Beteiligung der Kirchen an der Gestaltung der Zukunft dieser Länder durch direkte Beteiligung an der Gesetzgebung, vor allem an der Gestaltung der bürgerlichen Rechte, auffordern.

 

2) Es muss die Repräsentation der Christen im Parlament durch eine Quote gemäß den Auslegungen des Völkerrechts gefordert werden, besonders angesichts der Zunahme der vorsätzlichen Ausschließung der Christen aus dem politischen Leben.

 

3) Ein Rat der Kirchen im Nahen Osten als eine von den Regierungen anerkannte, juristische Person, gleichzusetzen mit dem Rat der Arabischen Liga, muss gegründet werden. Dieser Rat soll die Rolle des Beobachters in der Universität der Arabischen Liga und in der UNO übernehmen.

 

4) Die Oberhäupter der Kirchen dürfen sich nicht mehr nur mit ihrer primären Funktion zufrieden geben, die sich auf Seelsorge und Spiritualität beschränkt. Die neue Rolle soll die Forderung der Rechte der Christen durch Erlangung voller Bürgerrechte beinhalten, damit die Regierungen dieser Länder diese Haltung nicht ausnutzen und die Religion der Christen als eine beschreiben, die sich nur im Himmel befindet, während die Christen nichts auf der Erde besitzen, nicht einmal geschriebene Gesetze in der Bibel. Denn dann werden die Christen sich der islamischen Scharia fügen müssen, wie es der Fall bei der Ablehnung von Adoption und die Erbschaftsangelegenheiten.

 

5) Es soll zu der Gründung einer hohen Kommission kommen, welche die aktiven Christen in Libanon, Ägypten, Irak, Syrien, Jordanien und im Sudan organisiert, gleichsam der Aufgabe der Organisation Christian Solidarity. Ihre Aufgabe soll die Erkundung der Situation der Christen und ihrer Probleme in der Region und die Kontaktaufnahme der zuständigen, verantwortlichen Stellen in den Ländern der Region sein. Des Weiteren soll die Kommission akkreditiert und anerkannt sein, um die Kirchenoberhäupter nicht in Bedrängnis zu führen.

 

6) Es soll vor allem auch ein Exekutiv-Büro geben, welches zum Rat der Kirchen des Nahen Ostens gehört und mit dem Internationalen Kirchenrat kooperiert. Alle sozialen und humanitären Hilfsprogramme, die vom Rat und von den anderen christlichen Instituten angeboten werden, wie z.B. vom biblischen Institut, hängen vom Ausmaß der Entwicklung und Verbesserung der Situation der Christen und vom Respekt ihrer Anschauung ab.

 

7) Jegliche Unterschiede zwischen den Kirchen und den Ethnizitäten der arabischen Region müssen abgelehnt werden. Man muss kooperieren, um die Situation der Christen zu retten und zu verbessern. Außerdem muss man auf das Ego verzichten.

 

(8) Die Kirchen sollen ihre Rolle nicht auf Seelsorge und Spiritualität reduzieren, sondern die jungen Christen zur Beteiligung am politischen und sozialen Leben motivieren und fördern, damit Christen nicht als negativ und verschlossen interpretiert werden.

 

9) Es muss aktive Kooperation, Kontinuität und die Vermehrung der Anteilnahme mit moderaten islamischen und liberalen Kräften erzielt werden. Nur so kann die religiöse Trennmauer der militanten Islamisten durchbrochen werden.

 

10) Die Kirchenoberhäupter sollten sich für den Stopp der andauernden christlichen Auswanderung in den Westen einsetzen, da dieser Zustand auf lange Sicht eine Gefahr für den Bestand der orientalischen Christen und ihrer Kultur darstellt. Deshalb sollten wir besser heute als morgen agieren.

 

 

Informationen zu seiner Person: Dr. Nagib Gebraiel ist im Jahr 1952 geboren und ist einer der bedeutendsten Juristen Ägyptens. Er promovierte auf der Universität Ain Shams in Kairo. Er ist Präsident der „Egyptian Union of Human Rights Organization“ in Kairo und setzt sich für Frieden, Gerechtigkeit und besonders für die Durchsetzung der Menschenrechte ein. An dieser Stelle ist zu betonen, dass er mit der „Egyptian Union of Human Rights Organization“ die Rechte eines jeden Menschen verteidigt, unabhängig von Geschlecht, Religion, Sprache und Ethnizität. Beispielsweise hat er sich für 2 muslimische Ärzte eingesetzt, die in Saudi-Arabien verurteilt waren, ausgepeitscht zu werden, und holte sie nach Ägypten zurück. Er denkt und schreibt kritisch in vielen Zeitungen und Magazinen. Nicht nur in den Printmedien ist er präsent, sondern auch auf lokalen und internationalen Fernsehsendern. Er nimmt laufend an vielen lokalen und internationalen Konferenzen teil und hält Vorträge. Er gilt als eine bedeutende, meinungsleitende Persönlichkeit, besonders in der koptischen Kirche. Dr. Nagib Gebraiel übt kontinuierlich Kritik aus über die nicht vorhandene Religionsfreiheit in Ägypten. Er ist auch der erste, der sich gegen die Nennung der Religions­­zugehörigkeit im Personalausweis ausgesprochen hat.Außerdem war er in vielen, bedeutenden, schwierigen Prozessen ein erfolgreicher Rechtsanwalt, der stets für Gerechtigkeit kämpfte.

 

Vom Arabischen ins Deutsche von der koptischen Journalistin Nardin Nasr übersetzt

 

 

Bericht über den Besuch von Hr. Dr. Nagib Gebraiel in Wien am 09.12.2011

Von Nardin Nasr

 

Am Freitag, den 09.12.2011, war Herr Dr. Nagib Gebraiel, einer der bedeutendsten Juristen Ägyptens, auf Besuch in Wien, Österreich. An diesem Tag hielt er um 10 Uhr eine Pressekonferenz im Club Stephansplatz und einen Vortrag um 19 Uhr im Kulturzentrum St. Ephrem. Dr. Nagib Gebraiel ist im Jahr 1952 geboren und promovierte an den Rechtwissenschaften auf der Universität Ain Shams in Ägypten. Er ist Präsident der „Egyptian Union of Human Rights Organization“ in Kairo und setzt sich für Frieden, Gerechtigkeit und besonders für die Durchsetzung der Menschenrechte für jedes Individuum ein, unabhängig von Geschlecht, Religion, Sprache und Ethnizität. Er äußert sich kritisch in vielen Zeitungen und Magazinen und auf lokalen und internationalen Fernsehsendern. Ebenso nimmt er laufend an vielen lokalen und internationalen Konferenzen teil und hält Vorträge. Er gilt als eine bedeutende, meinungsleitende Persönlichkeit, besonders in der koptischen Kirche. Dr. Gebraile übt kontinuierlich Kritik aus über die nicht vorhandene Religionsfreiheit in Ägypten und in anderen Ländern der arabischen Region. Außerdem war er in vielen, bedeutenden, schwierigen Prozessen ein erfolgreicher Rechtsanwalt, der stets für Gerechtigkeit kämpfte.

 

Das Thema der Pressekonferenz und seines Vortrags war

die Situation der Christen im arabischen Orient,

besonders nach der sogenannten Revolution vom 25. Januar 2011

 

Die Lage und politische Stellung für Nicht-Muslime verschlechtere sich immer mehr und es entstehen vermehrt radikal-islamische bzw. salafistische Bewegungen, die keineswegs den damaligen Forderungen nach Demokratie, Freiheit und Menschenrechten nachgehen. Ganz im Gegenteil, die Errichtung eines Gottesstaates und die Einführung der Scharia als Staatsverfassung und somit als Gesetzesgrundlage für jede andere Regelung sind für die islamischen Parteien, wie z.B. die Moslembrüderschaft und Salafisten, die einzige Möglichkeit, damit Ägypten als Staat funktionieren und wirtschaftliche wie auch politische Schwierigkeiten überwinden kann. Genauere Details und Informationen zu den aktuellen Entwicklungen im arabischen Orient finden Sie in der Rede von Herrn Dr. Gebraiel, die Sie online abrufen können.

 

Bei der Pressekonferenz waren üblicherweise größtenteils Journalisten anwesend. Beim Vortrag am Abend waren unter anderem Hr. Weihbischof Mag. Dr. Franz Scharl von der römisch-katholischen Kirche, Hr. Prof. Dr. Emanuel Aydin von der syrisch-orthodoxen Kirche, und Hr. Dr. Johann Marte, geschäftsführender Präsident der Stiftung Pro Oriente, anwesend. Alle drei Gäste hielten eine kurze, aber motivierende Rede, in der sie auf die Probleme der christlichen Bevölkerung eingingen und gleichzeitig dazu aufforderten, etwas dagegen zu unternehmen oder zumindest die westliche Welt darauf aufmerksam zu machen. Das ist auch für mich der relevante Anknüpfungspunkt, um meinen persönlichen Gedanken Ausdruck zu verleihen: Ich bewundere Herrn Dr. Gebraiel sehr, dass er sich ohne jegliche Angst gegen die herrschende Ungerechtigkeit ausspricht, die zurzeit und auch schon seit mehreren Jahrzehnten den Christen im Orient widerfährt. Sie sind Ziel und Opfer von Mord, Folter und Erpressung, bloß weil sie an etwas anderes glauben als die Mehrheit in der arabischen Region. Wir schreiben bald das Jahr 2012 und ich habe das Gefühl, dass sich die Menschheit und das Bewusstsein für die Gleichbehandlung jedes Individuums um nichts weiterentwickelt haben.

Wieso sollten die verschiedenen Glaubensoberhäupter anfangen, über Religion zu streiten?

 

Das Einfachste wäre doch, jeden Menschen an das glauben zu lassen, was seinen Überzeugungen entspricht. Es ist meinem Erachten nach etwas Schönes und Wertvolles, dass jeder Mensch auf dieser Welt anders ist. Diese Diversität sollte uns die Möglichkeit eröffnen, Akzeptanz und Respekt „zu lernen“. Ich verwende hier intentional diesen Ausdruck, weil Toleranz eine Bewusstseinsänderung und somit Übung voraussetzt. Wenn die Chancen erkannt werden würden, die sich durch Vielfältigkeit ergeben, könnte man versuchen kooperativ und friedlich miteinander zu leben. Jeder einzelne hat etwas anderes zu bieten, um das Funktionieren von Gemeinschaft voranzutreiben. Wieso kann man das nicht auch einmal aus dieser Warte betrachten? Der 09.12.2011 war für mich ein wichtiges Erlebnis, um mir immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, dass es auf dieser Welt andere Menschen gibt, die mit Schwierigkeiten konfrontiert sind, an die ich im Traum nicht denken würde. Deshalb ist es wichtig, diese Problematik publik zu machen und darüber zu reden. Vor allem in der westlichen Welt, wo der Glaube bzw. das Christentum immer mehr abnehmen, weil sie in der modernen Gesellschaft keine Rolle für die Menschen spielen, ist es von Bedeutung, der Bevölkerung davon zu erzählen. Die Religionsfreiheit wird als selbstverständlich empfunden, wie Religion an sich nichts Wichtiges mehr ist. So werden alle Konflikte diesbezüglich verharmlost und lächerlich gemacht. Das ist ebenso eine Art der Toleranz, indem man akzeptiert, dass es noch immer Menschen gibt, denen ihr Glaube wichtig ist. Ich hatte das Bedürfnis, meine Gedanken und Empfindungen niederzuschreiben, die vielleicht für den einen oder anderen als Denkanstoß dienen können. 

 

One Response to “Vortrag von Dr. Nagib Gebraiel im Kulturzentrum St. Ephrem”

  1. […] 14.12.: Vortrag Nagib Gebraiel in St. Ephrem Bewerten: Share this:TwitterFacebookE-MailGefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s