kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Moslembrüder: Assads Albtraum 25. Oktober 2011

Filed under: Moslembrüder — Knecht Christi @ 14:51

Alles, was ich Ihnen seit Anbruch der erfundenen Revolutionen in den arabisch-islamischen Ländern mehrmals schilderte, bewahrheitet sich Stück für Stück! Es geht nicht nur um Ägypten, sondern um Nord-Afrika und Nord-Asien. Moslembrüder sind nicht zu unterschäzen. Denn diese Terrororganisation ist die Mutter aller islamischen Terrororganisationen in der ganzen Welt, die anderes heißen. Nachdem die „Diktaturen“ beseitigt wurden, dürfen die Moslembrüder das „islamische Kalifat“ erklären.

 

Der Muslimbruder Riad Schaqfa ist der meistgehasste Feind des syrischen Regimes. 

 

Seit dreißig Jahren ist der Mann auf der Flucht. Lange Zeit war sein unfreiwilliges Exil der Irak von Saddam Hussein. Mehrmals versuchte der syrische Geheimdienst, ihn dort umzubringen. In die Beine haben sie ihm geschossen, zweimal. Er floh weiter in den Jemen, dann nach Kairo. Auch dorthin schickte die syrische Regierung ein Todeskommando. Er hatte Glück, die Häscher kamen zu spät. Seit wenigen Monaten lebt er in der Türkei, untergetaucht im Häusermeer von Istanbul. Er sitzt nie zweimal im selben Auto, lebt nicht lange in derselben Wohnung, geht nicht dieselben Wege. Ob es hier wirklich sicher ist, weiß der Chef der syrischen Muslimbrüder noch nicht. Wo trifft man Mohammed Riad al-Schaqfa? In seinem Unterschlupf? Zu geheim. In einem Café am Bosporus? Zu öffentlich. Wir verabreden uns über einen Mittelsmann im Istanbuler Büro der ZEIT. Auf dem Tisch stehen Kaffee, Tee und Haselnüsse. Daneben sitzt der Syrer, den der Herrscher von Damaskus, Baschar al-Assad, wohl am meisten fürchtet. Graublauer Anzug, schütteres Haar, getrimmter Bart von Ohr zu Ohr, rechteckige Metallbrille, graue Socken, darüber Sandalen. Assad lässt den 67-Jährigen verfolgen, weil die Bewegung der Muslimbrüder die potenziell machtvollste in Syrien ist. Wie bedrohlich, wie radikal ist ihr Anführer?

 

Riad al-Schaqfa hat wie viele Verfolgte ein gutes Gefühl für Macht und Ohnmacht seines Gegners. Die größte Schwäche der Regierung? »Das ist die Stärke des Volkes, das nicht aufhört zu demonstrieren«, sagt er. Das größte Problem von Baschar al-Assad? Er habe kaum noch Optionen. Freiheit, Reformen, Dialog – das seien alles Fremdwörter für ihn. Er rede zwar davon, aber er könne jetzt nicht mehr auf Dialog umschalten. Das Vertrauen der Bevölkerung sei nach Monaten des Aufstandes völlig dahin. »Die Regierung kann nur noch Gewalt anwenden«, sagt Schaqfa. Freie Wahlen wären für sie das Ende.

 

Der Gedanke an Wahlen ist fern. Schaqfa bleibt Realist: »Die Armee steht hinter Assad, er hat ihre Führung selbst ausgewählt.« In den Streitkräften dominieren die Alawiten, eine den Schiiten verwandte religiöse Minderheit in Syrien, zu der auch Assad gehört. Im Hintergrund würde der Iran das alawitische Regime massiv unterstützen. Doch was Schaqfa eigentlich empört, ist sein ehemaliges Gastland. »Der Irak hilft Assad«, die schiitisch dominierte Regierung in Bagdad sympathisiere mit dem syrischen Regime, »und die USA lassen das zu«. Der Religionsstreit bedroht den Arabischen Frühling wie ein aufziehender Sturm. Christen gegen Muslime, Schiiten gegen Sunniten. Die sunnitischen Muslimbrüder sind in den Staaten der Revolution im Aufwind, vor allem in Ägypten und Tunesien. Der Assad-Clan fürchtet sie schon seit Jahrzehnten, seit 1980 bestraft er die Mitgliedschaft in der Muslimbrüderschaft mit dem Tod. Zwei Jahre später schlug der Vater von Baschar al-Assad einen Aufstand in Hama, der Hochburg der Muslimbrüder, blutig nieder. Mindestens zehntausend Menschen starben, zwanzigtausend verschwanden in den Kerkern des Regimes.

 

Schaqfas Familie hatte Syrien schon 1980 verlassen. »Viele meiner Freunde, die glaubten, man könne in Syrien untertauchen, sind heute tot.« Anders als in Ägypten, wo die Muslimbrüder unter Präsident Mubarak verboten, aber geduldet wurden, mussten sich die syrischen Muslimbrüder im Ausland neu organisieren. Mit dem Umzug ihres Führers nach Istanbul sind sie ihrem Heimatland so nah wie lange nicht. Wegen der islamistischen Überzeugungen der Bewegung ist das vielen Syrern unheimlich. Welche Blaupause für Syrien hat Riad al-Schaqfa in der Tasche? Zunächst einmal hält er die Aufregung über die Ziele der Muslimbrüder für ein »Problem von säkularen Intellektuellen«. Syrien habe viele Einflüsse: Es gebe die Tradition französischer Gesetze, seit den sechziger Jahren hätten auch marxistische Ideen das Land geprägt. »Wenn die Scharia als eine Quelle der Gesetzgebung dazukommt, ist das nur natürlich.« Darüber solle in freien Wahlen entschieden werden: »Was will die Mehrheit des Volkes?«, möchte Schaqfa wissen. Genau vor dieser Frage haben Alawiten, Christen, Drusen, Schiiten in Syrien Angst. Denn die Sunniten sind in der großen Mehrheit. Schaqfa versucht zu beruhigen. Die Scharia fordere Freiheit und Gerechtigkeit für alle. Das mag sein. Nur setzen Scharia-Ideologen diese Prinzipien selten um. Schaqfa schüttelt den Kopf. Für einen syrischen Muslim sei es selbstverständlich, dass »Minderheiten ihre Rechte« genössen, »volle Bürgerrechte«, sagt er. Freiheit solle an erster Stelle stehen.

 

Ein Erfolg der Revolution hängt sehr von der Armee ab

 

Schaqfa redet geschmeidig. Glaubt er wirklich, was er sagt? Welche Vorbilder hat er – die islamistischen Ideologen der frühen Jahre? Konservative in Kairo oder Riad? Schaqfa schüttelt den Kopf, »wir stehen der türkischen AKP am nächsten«. Tayyip Erdoğan habe er noch nicht getroffen, aber eine Reihe von anderen AKP-Politikern. Der türkische Premier ist unter arabischen Islamisten umstritten. Viele bewundern seinen Erfolg, andere werfen ihm einen »Islam light« vor. In Kairo ärgerte Erdoğan vorige Woche einige Muslimbrüder, als er Ägypten einen säkularen Staat empfahl. Riad al-Schaqfa will einen »fürsorglichen, keinen religiösen Staat« und ist sich sicher: »Von allen unseren Nachbarn versteht uns die Türkei am besten.« Der wirtschaftliche Erfolg beeindruckt ihn hier, die Stabilität, das strahlende Istanbul. Das Gehen auf den unebenen Bürgersteigen der Stadt macht ihm Mühe, die grauen Sandalen trägt er wegen einer Fußverletzung. Seine Begleiter helfen dem Chef der Muslimbrüder über Schwellen und Treppen hinweg. Wenn sie sich auf den zugeparkten, quirligen Straßen vorkämpfen, wirken sie nicht gerade wie ein Stoßtrupp, der ganze Regime zum Einsturz bringt. Bleibt die Frage, was die syrische Revolution zum Erfolg bringen kann. Riad al-Schaqfa hält einen »nationalen Übergangsrat« für wichtig. Die zersplitterte, über viele Länder verteilte Opposition und die Widerstandskomitees in Syrien müssten sich zusammenfinden. In der Türkei haben bisher schon mehrere Kongresse stattgefunden, die vergangene Woche in Istanbul zur Gründung eines »Nationalrats« führten. Die gläubige und säkulare Opposition plant für das neue Syrien, während sich das alte Regime mit aller Gewalt an die Macht klammert.

 

Ein Erfolg der Revolution hänge sehr von der Armee ab, sagt Riad al-Schaqfa. Wenn eine Gruppe von Offizieren sich gegen die Assad-Familie erheben würde. Ob und wann das passieren werde, weiß Schaqfa nicht. Aber er hat einen großen Traum: im kommenden Winter nach Syrien zurückzukehren. Als Riad al-Schaqfa sich zum Abschied erhebt, fragt er: »Darf ich mal Ihren Teppich benutzen?« Es ist Gebetszeit, er zieht sich mit dem Läufer für einige Minuten zurück. Das wirkt – wie der Mann selbst – ziemlich konservativ. Aber weder radikal noch bedrohlich. {Quelle: www.zeit.de}

 

3 Responses to “Moslembrüder: Assads Albtraum”

  1. funny boy Says:

    „Es geht nicht nur um Ägypten, sondern um Nord-Afrika und Nord-Asien.“ Perfectly right, und die zusammen gehen dann auf Israel los, siehe zum Beispiel das Buch Jesaja, um nur eins zu nennen.

  2. Vincent Says:

    Bemerkenswerter Post. Würde gern mehr Blogposts zu der Thematik lesen. Freu mich auf die naechsten Posts.

  3. Emanuel Says:

    Mir wuerde es gefallen fuer zukuenftige Posts auf dem laufenden zu bleiben, aber wo ist der RSS Link ?


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