kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Keine normale Begegnung und keine Routine-Behandlung 30. September 2011

Filed under: Koptische Kirche im Ausland — Knecht Christi @ 00:39

„Ein bisschen ist das doch heute schon wie Weihnachten“, sagt Anke Knauer (Helios-Seehospital Sahlenburg) zum Abschied nach einem außrgewönlichen Termin. Zum großn Teil ist dies sicher der imposanten Persölichkeit des Bischofs Anba Damian zuzuschreiben, zum anderen dem Grund seines Besuchs: Einer ungewönlichen Behandlung, die erst aufgrund zahlreicher Zufäle, gepaart mit großr Hartnäkigkeit, mölich geworden war. Den Patienten, einen 21-järigen koptischen Christen, holte der Bischof persölich in Sahlenburg ab.

 

Dass der 21-jährige Melad Hanin Kamel Farag aus Ägypten am Montag das Seehospital aufrecht und heiter verlassen konnte, nachdem er am 15. August in einem desolaten Gesundheitszustand aufgenommen worden war, ist keine Selbstverständlichkeit. In einem riskanten Eingriff hat Chefarzt Dr. Ulrich Meister die von der Skoliose stark gekrümmte Wirbelsäule aufgerichtet und stabilisiert. Die Haut des jungen Mannes war nach einer misslungenen Operation in Ägypten, nach der die eingesetzten Metallteile gebrochen waren, perforiert und entzündet. Anhand der zugeschickten Röntgenbilder, entschied der Fachmann sofort: „Das kann auf keinen Fall so bleiben, der Patient kann kommen.“ Am 17. August wurde die Operation durchgefürt. Dazu gibt es eine abenteuerliche Vorgeschichte.

 

Bischof Anba Damien ist Generalbischof fü die koptische Kirche in Deutschland. Bei einem Aufenthalt in seinem Heimatkloster St. Bishoy im Wadi Natrun in der westlichen Wüste Äyptens fiel ihm im November 2010 ein junger Mann auf, dessen Rüken stark nach unten gebeugt war: „in sehr frommer Mensch mit sehr sympathischer Ausstrahlung.“ Er sprach den jungen Mann an, bat um Kontaktdaten und Rötgenbilder. Mit den Bildern im Gepäck flog Bischof Anba Damian zurück nach Deutschland: „Ich wusste, was so eine OP kostet.“ Bei einem Treffen des Dachverbands der deutschen Stiftungen am 6. Dezember im koptischen Kloster Brenkhausen/Höter war ein Mann der Letzte im Raum, den auch viele Cuxhavener kennen: Hans-Joachim Soppa, Geschätsfürer der Nordheim-Stiftung. Man kam ins Gespräh, Soppa fragte den Bischof, ob er nicht jemanden kenne, der Hilfe brauche.

 

Als der den Patienten in Äypten erwänte, sagte Soppa gleich: „a weißich jemanden!“ Bis dato hatte der Bischof von der Klinik Sahlenburg noch nichts gehöt –wohl aber wusste er vom Chefarzt Böm in Bad Berka, zufäligerweise der letzten Station von Dr. Ulrich Meister, bevor dieser nach Cuxhaven wechselte. Der Vorstand der Nordheim-Stiftung gab grües Licht. „ei den Reiseformalitäen wurden wir dann regelrecht schikaniert“, erzält der Bischof. Monatelang musste Melad Hanin Kamel Farag immer wieder zum Amt, sollte kein Visum erhalten. Bis zum Menschenrechtsausschuss des Bundestages musste Bischof Anba Damian gehen. Nachdem er aber den jungen Mann Mitte August endlich am Flughafen abgeholt hatte, ging es nur noch bergauf. Persölich lieferte er den 21-Järigen in Sahlenburg ab, wo dieser mit üeraus großr Freundlichkeit empfangen wurde –beim Pflegepersonal angefangen bis hin zu Anke Knauer vom Patientenmanagement. Für die arabisch-deutsche Üersetzung sorgte Mitarbeiter Hussein Ben Yekhlef.

 

Schon zwei Tage nach der Aufnahme machte sich Dr. Ulrich Meister an den komplizierten und riskanten Eingriff. „Erstaunlich unkompliziert“ sei die OP verlaufen, berichtet er –und das, obwohl wegen der Voroperation völig ungewisse Verhätnisse herrschten. So ruhig, wie Dr. Ulrich Meister die Vorgänge schildert, so sehr betonen seine ärztlichen Kollegen, dass dies keineswegs ein Spaziergang war: „Das war eine sehr riskante OP, eine tolle operative Leistung. Dr. Meister ist offensichtlich auch ein Meister seines Fachs“, sagt Dr. Hans-Joachim Rhaydt, Vorsitzender der Nordheim-Stiftung, und Bischof Anba Damian, selbst Radiologe, ergäzt: „ie könen stolz sein auf dieses Vermöen in Ihrer Stadt. Sehr wenig reden, aber sehr viel tun, das ist eine Kunst.“ Schon die erste Begegnung habe dem jungen Patienten die Ägste genommen. Ebenso züig verlief auch die Heilung. Nicht nur Haut und Knochen, auch die Seele hat sich erholt. „r hat das erste Mal Achtung gespüt“, sagt Bischof Anba.

 

Mit ganz neuen Chancen kann der junge Mann, der sich schon als kleines Kind selbst seinen Lebensunterhalt verdienen musste und als Schneider und Schmied gearbeitet hat, in seine Heimat zurükkehren und ist zuversichtlich, dort bald eine andere Arbeit zu finden. Einfach nur am Wasser zu stehen und zu schauen, sei für ihn ein „reiner Genuss“ gewesen, sagt Melad Hanin Kamel Farag. Viele Fotos begleiten ihn mit zurük nach Äypten. Hat ihm das Wetter, das sich ja nun von der allerschlechtesten Seite zeigte, gar nichts ausgemacht? „ch, ich hatte ja immer eine Jacke an“, sagt der Mann aus dem Wütenstaat unbekümert. Obwohl er so weit weg von zu Hause war und die sprachliche Hürde hinzu kam, habe er sich nie einsam gefühlt. Geradezu überwältigt habe ihn die liebevolle Aufnahme und Hilfsbereitschaft des Personals. Bischof Anba schließt den Dank an die Nordheim-Stiftung an, verbunden mit dem Wunsch, auf diesem Wege noch vielen anderen Menschen helfen zu können. „Ich wünsche, dass es uns gelingt, Stiftung und Seehospital bald zu uns ins Kloster nach Höxter einzuladen.“

 

Nordheim-Stiftung: Die Nordheim-Stiftung geht auf den jüdischen Hamburger Kaufmann Marcus Nordheim zurück, aus dessen Nachlass die mit zwei Millionen Goldmark dotierte Nordheim-Stiftung gegründet wurde. Direkt am Nordseestrand in Sahlenburg entstand 1906 eine Klinik für tuberkulosekranke Kinder aus Hamburg, die sich später in eine orthopädisch-rheumatische Spezialklinik verwandelte. Das Krankenhaus ist noch heute unter dem Namen „Nordheim-Stiftung“ in vielen Köpfen verankert. Nach dem Verkauf an die Wittgensteiner Kliniken (später Helios) zog sich die Nordheim-Stiftung aus Sahlenburg zurück, besteht aber weiter als Stiftung unter anderem mit dem Ziel, Krankheitskosten von Menschen ohne Krankenversicherung zu decken. Partnerschaften bestehen auch mit Projekten in Tansania, St. Petersburg und Südindien, wo beispielsweise ein Hamburger Kollege für 150 Euro pro Eingriff Menschen das Augenlicht zurückgibt, wie Vorsitzender Dr. Hans-Joachim Rhaydt berichtet.

 

Kopten: Nichts anderes als Ägypter

 

CUXHAVEN: In Deutschland leben ca. 6000 koptische Christen in acht Gemeinden – etwa die Hälfte von ihnen gebürtige Deutsche, die anderen vorwiegend Ägypter, von denen aber auch viele bereits einen deutschen Pass haben. Doch was ist eigentlich die koptische Kirche? Koptisch bedeutet nichts anderes als ägyptisch, berichtet Bischof Anba Damian (Foto). Die Kopten als Urbewohner des Landes Ägypten sehen sich als direkte Nachfahren der Pharaonen. Dem Evangelisten Markus verdankt die koptische Kirche ihre Gründung. Mitglieder ihrer Kirche missionierten viele europäische Länder.

 

Anderer Kalender: Der Kalender der Kopten beginnt am 11. September, ausgehend vom Jahr der Thronbesteigung des römischen Kaisers Diokletian (284 n. Chr.). Dies bedeutete den Beginn der „Ära der Märtyrer“, ließ der Machthaber doch die Christen mit besonderer Gewalt verfolgen. „Ganz Ägypten war christlich bis zur Entstehung des Islams im 7. Jahrhundert“, fährt Bischof Anba Damian fort. Heute gehöre in Ägypten eine Minderheit von 20 % der Bevölkerung der koptischen Kirche an – „allein das grenzt schon ein Wunder“. Da die Christen dort aber vielen Repressalien ausgesetzt seien, „neigen sie dazu, ins Ausland zu gehen“. Weltweit gibt es Gemeinden koptischer Christen, deren Priester übrigens heiraten und eine Familie gründen dürfen. Nur die Mönche leben im Zölibat. „Wie Ostfriesen“ In Höxter-Brenkhausen an der Weser haben die Kopten 1993 eine Klosterruine (ursprünglich 1240 als Zisterzienserinnenkloster gegründet) erworben und mit viel Elan und Arbeit bislang zu 70, 80 Prozent saniert. „Wir sind standhafte, humorvolle Ägypter, so ähnlich wie die Ostfriesen, das hilft uns dabei“, schmunzelt der Bischof.

 

Das koptische Kloster fügt sich in die Klosterregion Ostwestfalen- Lippe ein. Zahlreiche Besuchergruppen werden in dieser Begegnungsstätte, die sich als Zentrum der Ökumene versteht, jährlich begrüßt – vertreten sind dabei alle Länder, Religionen und Altersgruppen. Die Versorgung erfolgt weitgehend eigenständig mit selbst erzeugten Bio-Produkten. Die Schwester des Bischofs ist übrigens als Köchin im Kloster beschäftigt. Das Kloster, in dem ständig Ausstellungen zu besichtigen sind und das auch einen Klosterladen besitzt, kann montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr, sonnabends von 8 bis 20 Uhr und sonntags von 9 bis 20 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. www.koptisches-kloster-hoexter.de

 

Quelle: Cuxhavener Nachrichten vom 10./11.09.2011 Seehospital – von Maren Reese-Winne  –   Bild: Freude über eine außergewöhnliche Krankenund menschliche Geschichte: Hussein Ben Yekhlef, Stationsleitung Brigitte Koch, Dr. Ulrich Meister, Melad Hanin Kamel Farag, Dr. Hans-Joachim Rhaydt, Bischof Anba Damian, Marc Baenkler, Geschäftsführer des Helios-Seehospitals, und Anke Knauer (v.l.) Foto: Reese-Winne

 

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