kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Tücken des Türkei-Booms 21. September 2011

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 12:54

Vertreibung aus dem Wirtschaftsparadies

Die EU taumelt durch die Krise, die Türkei boomt. Doch nur wenige Menschen in dem Land bekommen vom Aufschwung etwas mit, viele stürzt er sogar ins Elend. In Istanbul gehen die Behörden brutal gegen jene vor, die sie für Wachstumshemmnisse halten: Arme und Abgehängte werden vertrieben.

Ein Leben lang hat Musa Parlak, 52, auf den Aufschwung gehofft. Er hat geschuftet, sich mit allerlei Jobs durchgeschlagen, hat gekämpft, um ein Stück vom neuen türkischen Wohlstand abzubekommen. Jetzt ist der Boom da, auch bei Musa Parlak – und zerschmettert, was vom Leben dieses Mannes noch übrig ist. Es ist nicht viel. Parlak haust in einem Zimmer in einer Ruine mitten in Istanbul. Kein Mietvertrag, keine Küche, kein Bad, nebenan ist eine Wasserstelle. Er zahlt, was er kann, mal 50 Lira im Monat, mal 100, das sind 20 beziehungsweise 40 Euro. Vor vierzig Jahren zogen seine Eltern mit ihm und dem jüngeren Bruder fort aus Trabzon, einer Stadt am Schwarzen Meer, nach Istanbul, auf der Suche nach Arbeit. Musa Parlak wuchs auf in dem Glauben: Wenn ich nur hart genug arbeite, schaffe ich es. Er kellnerte in Teestuben, trug Tabletts, leerte Aschenbecher. Er sah die Stadt wachsen, sah sie zu der Metropole werden, die sie heute ist: 15 Millionen Menschen, wahrscheinlich mehr, niemand weiß es; das Zentrum türkischer Wirtschaftspotenz.

 

Jetzt, da Griechenland die Pleite droht und Europa durch die Krise taumelt, blicken Geschäftsleute und Politiker nach Osten, in Richtung des Dauer-Beitrittskandidaten Türkei. Sie sehen eine boomende Wirtschaft, allein im vergangenen Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 8,8 Prozent ; der „Economist“ schwärmte vom „China Europas“. Kaum irgendwo lässt sich dieser Boom besser besichtigen als am Bosporus. Aber auch kaum irgendwo zeigt sich so deutlich, dass viele Türken von ihm wenig profitieren – oder gar an ihm verzweifeln. Es zeigt sich, wie jene, die es schwer haben, abgehängt werden und verdrängt. Und wie rigoros Behörden vorgehen, um das Wachstum weiter zu befeuern, koste es, was es wolle.

 

Jeder zehnte Türke findet keine Arbeit: In Istanbul lassen Konzerne einen Wolkenkratzer nach dem anderen errichten, eröffnen immer neue Mega-Einkaufszentren, über 70 sind es bereits. Touristen kommen in Scharen – aber auch die Armen und Arbeitslosen vom Land und aus dem Osten der Türkei, die etwas abhaben wollen wie einst Musa Parlak, zieht es in die Metropole. Denn jeder zehnte Türke findet keine Arbeit, fast jeder fünfte lebt in Armut – und das sind nur die offiziellen Zahlen. Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein. Unzählige Türken schlagen sich als Schuhputzer, Hilfsarbeiter, fliegende Händler durch, Kinder ebenso wie Männer im besten Alter und Rentner. In den Gassen verkaufen sie Papiertaschentücher, an Straßenrändern Wasserflaschen und Spielzeug, auf Baustellen und in Restaurantküchen schuften Schwarzarbeiter.

 

Ein hochrangiger Mitarbeiter einer internationalen Organisation, der nicht genannt werden will, erzählt von Flüchtlingskindern, die putzen gehen und immer wieder um ihren niedrigen Lohn betrogen werden. „Die Armen haben von dem Aufschwung nichts“, sagt er. Und die OECD warnt: Das Potential des schwarzen und grauen Arbeitsmarkts, die Wirtschaft anzukurbeln, sei ausgeschöpft; Reformen dringend nötig. Bei Musa Parlak kam der Boom in Gestalt einiger Beamter von der Stadtverwaltung an. Sie gingen von Haus zu Haus, erinnert er sich, ein paar Wochen ist das her. Binnen zweier Monate habe er sein Zimmer zu räumen. Längst war er auf der vorletzten Stufe der türkischen Gesellschaft angekommen: Seit drei Jahren arbeitslos, sitzt er in Hauseingängen, nuschelnd, noch zwei Zähne im Mund, erbettelt sich, was er zum Leben braucht; ein gebrochener Mann, grauhaarig, das Hemd weit offen, die Füße in Plastiksandalen: „Ich habe aufgegeben.“ Jetzt hat er die letzte Stufe des Abstiegs vor sich: ein Leben auf der Straße. Denn die Stadtverwaltung hat Parlaks Viertel Tarlabasi zum Erneuerungsgebiet erklärt. Wo die Armen einst Unterschlupf fanden, unter ihnen viele Kurden, sollen Boutiquen und Galerien eröffnen. Die Altbauten sollen saniert oder gleich abgerissen und neu aufgebaut werden, damit Platz ist für Ferienwohnungen und Apartments. So wie im ganzen Land treibt die regierende AKP von Premier Tayip Erdogan die Stadterneuerung voran.

 

Modernisierungsattacken in Istanbul: Ein Gesetz erlaubt es den Kommunen, ganze Viertel abzureißen, wenn es einem höheren städtebaulichen Interesse dient – und sie machen Gebrauch davon. Vor wenigen Jahren traf es Istanbuls historisches Roma-Viertel Sulukule. Bulldozer rückten an und begannen, Platz zu schaffen für den Aufschwung. Die Geschichte der Roma wurde einfach weggebaggert . Gentrifizierung, das ist in Istanbul kein schleichender Prozess, es sind Modernisierungsattacken, geplante Operationen, notfalls durchgesetzt von Polizisten. Nicht alle in Tarlabasi verzweifeln daran wie Musa Parlak. Wer ein Haus besitzt oder einen Mietvertrag hat, wird entschädigt und kann umziehen. Andere hoffen darauf, zu bleiben und von der künftigen Nachbarschaft zu profitieren. „Endlich wird aufgeräumt“, sagt etwa Mevlut Öztürk, 48, der seit 35 Jahren hier lebt. Er steht vor seiner Backstube und blickt auf den Wochenmarkt vor seiner Tür. Als er sich die Pläne für sein Viertel anschaute, war er begeistert: „Junkies und Kurden“ würden dann endlich verschwinden. Steigende Mieten fürchtet er nicht, schließlich betreibe er nicht nur die Bäckerei, sondern auch ein Restaurant und verdiene genug.

 

Ein paar Straßen weiter hockt Mustafa Demir auf einem Hocker vor seinem kleinen Lebensmitteladen, 55 Jahre alt, ein Leben als Bauarbeiter hinter sich, verkauft er jetzt Paprika und Auberginen, Kaugummis und Kekse. Aus dem Osten der Türkei kam er nach Istanbul, aus Kurdistan. Wann die „große Säuberung“, wie er es nennt, seine Straße erreicht, wisse er nicht. Die Verwaltungsmenschen würden ja nicht mit ihm reden. Aber er gibt sich kämpferisch: „Die kriegen uns hier nicht raus.“ Musa Parlak jedoch wird, so wie die Dinge stehen, sich bald verkriechen müssen an einem der anderen Orte in Istanbul, die nicht nach Wirtschaftsmacht aussehen, sondern nach Dritter Welt. Manche liegen nur Gehminuten entfernt von touristischen Zentren, von Starbucks- und McDonald’s-Filialen. Er hat resigniert: Wenn du in Istanbul kein Geld hast, sagt er, bist du verloren. Er wird versuchen, sich weiter durchzuschlagen. Bis ihn der Boom wieder einholt. {Quelle: www.spiegel.de  –  Aus Istanbul berichtet Oliver Trenkamp}

 

Ein Kommentar von Herrn Kemmer

 

Ist das die Türkei, die in die EU will und uns bereichern will mit den sozialen Missständen, die in dem obigen Artikel beschrieben werden? Das wird ein Faß ohne Boden. Herr Gül sollte mal erst seinen Stall wirtschaftlich und menschenrechtlich  in Ordnung bringen. Dann kann er mal höflich anfragen, ob sein Land Beitrittskandidat werden darf, und zwar nicht stolz, sondern ganz demütig, eine Chraktereigenschaft, die den führenden Türken nicht einmal vom Wort her bekannt sein dürfte, geschweige denn vom Erleben her. Es ist nämlich einfach, Wirtschaftsboom nach außen hin zu verkünden und nach innen nicht zu halten. Großstädte als Wirtschaftsvorzeigedenkmale. Würden in der Türkei nämlich dazu noch Sozialleistungen gezahlt, die ein Leben im Mindestauskommen ermöglichten, wäre vom Wirtschaftsboom nämlich nichts mehr übrig. Millionen Türken hier in Europa wären in der Türkei nämlich arbeitslos und hätten kein Auskommen, so dass die Türkei wirtschaftlich noch desolater dastehen würde. Nicht umsonst wird von türkischer Seite die Aufhebung der Visapflicht verlangt, damit all diejenigen der Türkei nicht zur Last fallen, die dann nämlich nach Nordeuropa auswandern werden, von der Türkei in die Türkei mit türkischer Infrastruktur im Rahmen von Parallel- oder Gegengesellschaften mitten in europäischen Ländern, jedoch gesteuert von Vati Erdogan durch seine Religionsbehörde und der A- oder DiTiB.  Denn eines ist Fakt: Hierher kommen meistens unqualifizierte Menschen, die hier ein relativ sorgenfreies Leben führen wollen.  Hochqualifizierte türkische Mitbürger wandern nämlich in die Türkei aus, um dort in den Großstädten ihren beruflichen Platz zu finden. Wer sagt den führenden Türkei-Politikern endlich einmal die Wahrheit, damit sie endlich einmal von ihrem hohen Roß herunter zu steigen gedenken?

 

5 Responses to “Tücken des Türkei-Booms”

  1. Cajus Pupus Says:

    In Istanbul gehen die Behörden brutal gegen jene vor, die sie für Wachstumshemmnisse halten: Arme und Abgehängte werden vertrieben.

    Das ist der wichtigste Satz in diesem Bericht: Arme und Abgehängte werden vertrieben! Und wohin werden sie vertrieben:

    Nach Deutschland, das größte Sozialamt der Welt! Nach Europa, die größte Verteilungsmascheninrie der Welt!

  2. Egon Says:

    Manche Ausländer haben 2-3 Jobs mehr,..

    . und wieviele davon schwarz??..

    Ich finde auch das man hier nicht von Rassismus reden kann, eher von verständlicher Angst der Überfremdung.

    Da könnt Ihr jetzt alle wieder meckern, aber Europa ist ein weitgehend christlich geprägtes Gebiet verschiedenster Staaten.
    Und wenn ich dann sowas wie in Spiegel Tv ( wahrlich nicht meine Lieblingsendung vom Liebelingssender zu objektiven Meinungsbildung ) sehe; Das mit den Salafisten, dann bekomme ich das Kotzen… Leute wie der deutsche welcher sich denen angeschlossen hat oder die türkische Frau die in die Kamera rief:“ Allah wird euch alle strafen… o.ä “ dann frage ich mich auch; Was wollen solche Menschen hier??… Und wieso duldet unser Rechtssystem so etwas?..

    zur Sendung: spiegel. de/sptv/magazin/ …. vom 19.09.

    Ich denke schon dass das Trend Research Institute aller Wahrscheinlichkeit Recht haben wird. Mir ist schon lange klar das die nächsten größeren Kriege um Rohstoffe ( Geld) und Religion geführt werden…

    Und das eine massenhafte Vertreibung in einem Krieg endet, sollte auch klar sein… freiwillig werden die Betroffenen jedenfalls nicht gehen…

  3. karin müller Says:

    ich lebe seit 2 jahren als deutsche in der türkei…beobachte und höre zu….
    die türkischen bewohner sind in der entwicklung auf dem deutschen stand von ca.1910 …es war für mich schrecklich zu sehen wie sie mit der natur umwelt lebewesen mitmenschen umgehen…soviel dummheit hab ich mir nie vorstellen können….sie werden von klein auf dumm gehalten..einige ausnahmen gibt es…leider sind sie zu wenig um viel auszurichten….
    nichts klappt…weder wasser-stromversorgung noch bürokratie…wasser kann man nicht trinken -strom fällt dauernd aus -auf den ämtern dauert alles ewig (wird alles noch mit aktenordnern gemacht)..jetzt werden in mersin ein atomkraftwerk gebaut…türken und atom…wenn da was ausfällt wird es zusammen gepoppelt…allah wirds schon richten…sie bauen ohne ende…aber die bauten stehen zum größten teil leer… sie kaufen und konsumieren mit kreditkarten ohne ende..wird schon irgendwie weitergehen…ich sehe hier mehr arme als reiche türken…
    irgendwie fühle ich mich fast ins mittelalter versetzt..aber mit erdogan wird sich hier nichts zum besten wenden…ich hab einen tüekischen handwerker gefragt wieso erdogan wieder so viele stimmen bekommen hat …er sagte“es gibt leider immer noch zu viele dumme türken“…
    karin

    • K@mmerjäger Says:

      Habe auch ein paar Jahre in der Nähe von Izmir gelebt,
      kenne aber auch die extrem rückständigen Teile Anatoliens
      im Nord-Osten – also dort wo d.meisten „unserer“ Fachkräfte
      u.Kulturzerstörer ursprünglich herkommen. Und was ich dort
      erlebt u.gesehen habe kann ich wirklich nur mit „Wahnsinn“
      bezeichnen – jedes andere Wort wäre verfälschende Täuschung.
      Von 12 jährigen Mädchen d.im ‚Kerhane'(Puff) arbeiten mussten
      (u.der Großvater saß vor’m Raum um zu kassieren!) bis zu „Tier-
      freunden“ die öfter ihrer Ziege beiwohnten als ihrer eignen Frau,
      oder aber einer Kleinstadt bei Trabzun, wo fast jedes dritte Haus
      eine Druckerei war u.man alle – wirklich alle – Arten von Papieren
      kaufen konnte, die nur denkbar sind. Von Blanko-Autopapieren
      über Pässe bis zu falschen Dollars (1 echter Dollar = 3 falsche)
      Natürlich MIT Wissen der Polizei!
      Alle diese, kloranisch abgesegneten u.durch Inzucht unterstützten
      Abartigkeiten zu kennen u.zu sehen wie dieses Primitiverhalten im
      Eiltempo in Deutschland eingeführt wird, ist schon ein Verbrechen
      an den Leuten, die für diesen Fortschritt ihr Leben ließen – aber
      zuzusehen wie dieser Triebkult in seiner – genetisch festgelegten –
      Zerstörungswut sich hier in Affenmanier austobt, ist ein ganz klarer
      Landesverrat unserer(?) POlitiker – armes Deutschland!
      (von Trümmerfrauen u.kriegsbeschädigten Männern – also unseren
      Eltern – wieder aufgebaut, u.jetzt vom ‚parasitus islamicus‘ aus Neid
      u.eigenen Minderwertigkeitskomplexen wieder zerstört!) Gott schütze
      unsere Kinder !

      • K@mmerjäger Says:

        Anhang:
        …. aus Neid u.Minderwertigkeitskomplexen zerstört werden….
        Fehlt noch: “ durch Inzucht verursachte Gehirnschäden!“

        (irreparabel, weil seit unzähligen Generationen genetisch verankert!)

        PS. . Das ist K E I N Rassismus sondern Bio-Genetik/Antrophologie!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s