kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Bedrohte Schweinefleischfresser 20. September 2011

Filed under: Christenverfolgung,Pater Zakaria & co. — Knecht Christi @ 02:21

Rassistische Gewalt gegen Deutsche in Deutschland wurde zu lange unterschätzt oder wegdiskutiert!

 

Der Fall schreckt auf und beschämt. Vermutlich erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik hat eine Staatsanwaltschaft junge Migranten angeklagt, aus Rassenhass gegen Deutsche einen Mord versucht zu haben. Auch wenn für die Angeklagten weiterhin die Unschuldsvermutung gilt, ist der brutale Angriff, dem im Februar zwei Deutsche in Berlin auf dem U-Bahnhof Lichtenberg ausgesetzt waren, ein Warnzeichen und ein greller Weckruf. Rassistische Gewalt gegen Deutsche in Deutschland war bislang kaum ein Thema, weder in der Politik, noch in den Medien oder in der Gesellschaft überhaupt. Doch was sich auf dem U-Bahnhof abgespielt hat, ist offenkundig kein singuläres Phänomen, wie schon die Ermittlungen in diesem Fall zeigen. Da ist von weiteren Angriffen der vier jungen Migranten aus Kenia, Bosnien, dem Kosovo und dem Irak die Rede, von grundlosen Beschimpfungen deutscher Passanten als „Nazischwein“ und „Scheiß Deutscher“, von Schlägen und Tritten, ähnlich brachial wie bei Gewaltorgien rechtsextremer Skinheads. Alles neu?

 

Die Bundesrepublik muss sich einem Problem stellen, das bislang unterschätzt, wegdiskutiert oder gar nicht erst wahrgenommen wurde. Obwohl man sehen und hören kann, was da rumort. Im Dezember 2007 prügelten ein Türke und ein Grieche in München einen Rentner fast tot, dabei wurde auch er als „Scheiß Deutscher“ tituliert. Der Fall erregte bundesweit Entsetzen, die dann folgende Debatte drehte sich aber mehr um eine Verschärfung des Jugendstrafrechts als um das Thema deutschenfeindlicher Gewalt an sich. Es folgten weitere Angriffe, in Gelsenkirchen und wieder in München, bei denen die Täter ihr Opfer wegen seiner deutschen Herkunft beleidigt haben sollen. Im vergangenen Jahr wagte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, auf Fälle deutschfeindlichen Mobbings in Schulklassen hinzuweisen, in denen Migranten die Mehrheit stellen. Dass deutsche Mitschüler als „Schweinefleischfresser“ diskriminiert wurden, war nur ein Beispiel. Doch auch da verebbte die Debatte bald.

 

Das ist fatal. Oft brechen Probleme, die verdrängt werden, später umso heftiger auf. Und gerade beim Thema deutschfeindlicher Rassismus ist zu befürchten, dass ultrarechten Demagogen, von der NPD bis zum Wochenblatt „Junge Freiheit“, zumindest punktuell die Deutungshoheit überlassen wird, weil die große Mehrheit schweigt. Die Sarrazin-Debatte hat gezeigt, dass rechtspopulistische Stimmungsmache weit in die Gesellschaft hinein ein Echo findet. Da wäre es gerade jetzt, zwei Monate vor der Wahl in Berlin, riskant und fahrlässig, in bänglicher Stille abzuwarten, ob die Ultrarechten das Verfahren gegen die mutmaßlichen Schläger vom U-Bahnhof Lichtenberg nutzen können. Der Prozess gegen die jungen Migranten wird kommen, womöglich noch vor der Wahl. Auf jeden Fall mit schockierenden Details.

 

Es gibt keinen legitimen Grund, Rassismus zu verschweigen. Auch nicht den, der sich gegen Deutsche richtet. Und es wäre schlicht irrational anzunehmen, Migranten seien zu rassistischem Verhalten gegen Deutsche nicht fähig. Wer grundlos Passanten mit den Worten „Scheiß Deutsche“ attackiert, ist ähnlich gestrickt wie ein Angreifer, der „Scheiß Kanaken“ brüllt. Anstatt das eine zu ignorieren und nur das andere zu beklagen, sollte eine differenzierte Betrachtung erfolgen. Dazu gehört natürlich, die unterschiedlichen Dimensionen des Rassismus in Deutschland zu erforschen. Zweifellos sind Migranten in ganz anderem Ausmaß rassistischer Diskriminierung durch Deutsche ausgesetzt als umgekehrt. Das zeigen nicht nur die vielen Verbrechen rechtsextremer Gewalttäter. Die Vereinten Nationen haben gerade der Bundesrepublik vorgehalten, Migranten würden bei der Wahrnehmung des Rechts auf Bildung und Beschäftigung behindert. Das ist empörend. Deutschenhass bei Migranten auch. {Quelle: www.zukunftskinder.org}

 

 

„Christen sind in Europa ungestraft Intoleranz und Diskriminierung ausgesetzt“

Der Generalsekretär der COMECE klagt an

 

Brüssel: Militante Gruppen, die in Madrid die Jugendlichen des Weltjugendtages angriffen, konnten deshalb so handeln, wie sie handelten, weil sie sich “vor der Polizei sicher” fühlten. Sie handelten aus der sicheren Überzeugung heraus, daß Verbrechen gegen Christen „von den Regierungen und der Polizei übersehen“ werden und sie daher „keine Konsequenzen zu fürchten“ hatten. Diesen schwerwiegenden Vorwurf erhebt Pater Piotr Mazurkiewicz, der Generalsekretär der europäischen Bischofskonferenz COMECE, der alle Bischofskonferenzen der EU angehören, in einem Interview mit Vatican Insider. Die Reaktionen von Innenministerium, Behörden und Sicherheitskräften wäre sicher anders ausgefallen, „wenn es sich um Angriffe gegen andere Gruppen oder Religionen gehandelt hätte“, so die bittere Analyse des habilitierten Politikwissenschaftlers.

 

Pater Mazurkiewicz nahm in Rom an einem „Runden Tisch“ zur Christenverfolgung in Europa teil, der von der OSZE organisiert wurde. Weitere Teilnehmer waren Msgr. Dominique Mamberti, der Außenminister des Vatikans, und der Außenminister des Moskauer Patriarchats der Russisch-orthodoxen Kirche. Neben der Analyse der aktuellen Situation ging es bei dem Runden Tisch darum, welche Schritte gegen die wachsende Gewalt und Intoleranz gegen Christen in Europa gesetzt werden sollen. Msgr. Mamberti verwies in seinem Vortrag auf den Jahresbericht der OSZE zum Thema Religionsfreiheit, der „die wachsende Intoleranz gegen Christen eindeutig beweise“.

 

Pater Mazurkiewicz, ist die Christianophobie in Europa wirklich so schlimm?
Allgemein bevorzugt man in Europa, von Intoleranz gegen Christen und Diskriminierung von Christen zu sprechen. Die rechtliche Gesamtlage ist nämlich verhältnismäßig gut, wenn es auch in einigen Ländern auch einige rechtliche Probleme gibt. So zum Beispiel in der Frage der Sexualerziehung und des Elternrechts in Spanien. Ein Fall, der vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verhandelt wird. Ein anderes Beispiel sind die katholischen Adoptionsstellen in Großbritannien. Die Situation in Europa kann natürlich nicht mit jener etwa des Nahen Ostens verglichen werden.

 

Es geht aber nicht nur um die Rechtslage. Eines der dringenden Probleme hat mit der Darstellung der Christen in den Medien zu tun. Das ist ein sehr akutes Thema, weil sich die Frage, wie die Christen dargestellt werden auch auf die Schule, die Bücher usw. ausweitet. Zudem werden nicht alle Angriffe und Einschüchterungen gegen Christen ausreichend ernst genommen, wie das hingegen der Fall wäre, wenn es sich um andere Gruppen oder Religionen handeln würde. Es ist ein Problem der Sensibilität. Wir müssen das Problembewußtsein stärken und die entsprechende Sensibilisierung von Justiz, Polizei usw. verbessern, auf daß man sofort imstande sind, die Art bestimmter Aktionen und Angriffe zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.

 

Manche werfen den europäischen Institutionen vor, gegenüber dem Christentum gleichgültig, wenn nicht sogar feindlich gesonnen zu sein. Pflichten Sie dem bei?
Es hängt von der jeweiligen europäischen Institution ab, mit der wir es zu tun haben. Im Europäischen Parlament zum Beispiel gibt es eine Vielzahl von Strömungen. Es gibt aggressive antichristliche Laizisten aber ebenso christliche Politiker, die in der Frage der Intoleranz gegen Christen sehr aufmerksam reagieren. Einige Abgeordnete richteten dazu Anfragen an die Europäische Kommission, doch leider lautete die Antwort bisher immer nur, daß dieses Thema in die Zuständigkeit der einzelnen Mitgliedsstaaten falle und die Kommission daher nicht tätig werden könne. Wir müssen aber auch festhalten, daß die Generaldirektion für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft [derzeit von der Justizkommissarin, der Luxemburgerin Viviane Reding, Christlich Soziale Volkspartei geleitet, Anm. katholisches.info] und die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) [mit Sitz in Wien, aus der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit hervorgegangen und vom Dänen Morten Kjaerum geleitet, Anm. katholisches.info], zwei Einrichtungen der Europäischen Union, nichts gegen die Verstöße und die Einschränkungen der Religionsfreiheit bei Christen unternehmen.

 

Manche befürchten, daß eine zu weitgefaßte Definition von „Aufwiegelung zum Haß“ bzw. „Haßreden“ (hate speech) zu einer Einschränkung der Redefreiheit führt. Wie erhält man das Gleichgewicht?
Der Begriff Gleichgewicht ist hier anzuwenden. Es gibt zwei entgegengesetzte Formen von Mißbrauch. Auf der einen Seite kann man beim Schutz einiger Gruppen nicht soweit gehen, daß die Redefreiheit eingeschränkt wird. Andererseits gibt es bereits einige Gruppen, die supergeschützt sind.

 

Zum Beispiel?
Im Zusammenhang mit der Intoleranz gegen Christen können wir zum Beispiel an den jüngsten Weltjugendtag in Madrid denken, bei dem die jungen Teilnehmer von einigen Gruppen attackiert wurden. Gruppen, die sich vor der Polizei sicher fühlen aus der Gewißheit heraus, straflos zu bleiben und daher tun und lassen zu können, was sie wollen …

Sie sagen also, daß einige Gruppen, wenn sie Christen angreifen, eine Art Straffreiheit genießen?
Eines der Probleme ist, daß die Verbrechen – nicht nur Akte der Intoleranz – von den Regierungen und der Polizei „übersehen“ werden und alle sehen, daß es keinerlei Konsequenzen gibt. Dergleichen wäre wahrscheinlich nicht der Fall, wenn es sich um Angriffe gegen andere Gruppen oder Religionen handeln würde. Das ist eine Seite des Problems.

 

Und die andere?
Die andere Seite des Problems ist, daß man nicht einige Gruppen dermaßen schützen kann, daß man sogar so weit geht, die Meinungsfreiheit zu beschränken. Dieses Problem berührt auch uns, denn die Moralpredigt ist Teil des Glaubens. Das Christentum ist keine Privatangelegenheit. Wir müssen unseren Glauben im öffentlichen Raum zum Ausdruck bringen. Das heißt, daß Redefreiheit für uns Christen bedeutet, unsere ethischen Überzeugungen öffentlich sagen zu können. Eines der Probleme ist die Einschränkung dieser Freiheit, weil andere sich von den Moralvorstellungen der Christen beleidigt fühlen könnten. Hier geht es nicht nur um rechtliche Einschränkungen, sondern um Einschüchterungen in Wort und Tat. Wer den Mut hat, öffentlich seine Überzeugungen zu bekunden, wird von den Medien und anderen angegriffen. Das hat weiters zur Folge, daß andere, eingeschüchtert, es vermeiden, sich in eine ähnliche Situation zu bringen.

 

Nimmt die Intoleranz gegen Christen zu?
Wir sollten nicht übertreiben, weil es Perioden der wirklichen religiösen Verfolgung gab, wie durch den Nationalsozialismus oder das Gesetz von 1905 in Frankreich [zur Trennung von Kirche und Staat, Anm. katholisches.info]. Heute gibt es Probleme und es ist unsere Pflicht eine Verbesserung der Situation zu suchen. Daß dieses Thema von internationalen Organisationen wie der OSZE behandelt wird, zeigt, daß das Problembewußtsein zunimmt und daß wir geeignete Instrumente finden werden, um dem Problem zu begegnen. {Quelle: www.katholisches.info – Text: Vatican Insider/Giuseppe Nardi}

 

5 Responses to “Bedrohte Schweinefleischfresser”

  1. Saphiri Says:

    Zitat: „Das heißt, daß Redefreiheit für uns Christen bedeutet, unsere ethischen Überzeugungen öffentlich sagen zu können.“

    Ethische Überzeugung!
    Was ist das?

  2. Egon Says:

    Die Fragen von deutscher und muslimischer Seite

    Wir können hier nicht alle Probleme der Muslime behandeln. Ein Teil davon sind Probleme, die jeder Mensch hat und mit religiöser Zugehörigkeit nichts zu tun haben. Ein anderer Teil sind Fragen, die von sozio-kulturellen Gegebenheiten oder aus politischen Rahmenbedingun-gen herrühren. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass die Muslime, was die indivi-duellen Grund- und Freiheitsrechte angeht, gerade keine Probleme haben. Wie alle anderen Menschen profitieren auch sie von diesen Rechten. Ernste Probleme gibt es hauptsächlich bei der Frage der Gleichberechtigung der muslimischen Gemeinschaft. Es gibt zwei Partner bei dieser Frage: die Muslime und die deutsche Mehrheitsgesellschaft. Wenn man eine Zukunft gemeinsam gestalten will, sollte man die Positionen beider Seiten untersuchen, und jede Seite sollte die eigene Position kritisch analysieren und notfalls überdenken.
    Für die muslimischen Seite können wir folgendes sagen: die muslimischen Immigranten zähl-ten in ihrer Herkunftsgesellschaft sowohl im sozialen, als auch im ökonomischen Bereich eher zur Unterschicht. Auch waren sie auf ein Leben in Deutschland nicht vorbereitet. Sie hatten keine Kenntnisse über diese für sie neue und unbekannte Welt. Alles, was sie hier lernten, lernten sie auf Grund ihrer persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen. Sie kamen hier um zu arbeiten. Die deutsche Gesellschaft interessierte sich nur für ihre Arbeitskraft, nicht für ihre Kultur und ihren Glauben. Deswegen wurden sie nicht als Muslime wahrgenommen, sondern meist nur in ihrer ökonomischen Funktion11. Max Frisch prägte dafür einmal auf die Formel: „Wir wollten Arbeitskräfte, aber es kamen Menschen.“ Und diese hatten auch noch Familien.
    Man interessierte sich mehr für ihre Erfolge im Arbeitsprozess. Muslime engagierten sich nur für die Arbeitswelt, weil sie dachten, sie würden irgendwann in ihre Heimat zurückkehren. Deshalb kümmerten sie sich auch kaum um die Ausbildung ihrer Kinder. Jahrelang lebten sie hier, ohne der Gesellschaft irgendwelche besonderen Schwierigkeiten zu machen. Um ihre Religion auszuleben, gründeten sie religiöse Vereine. Diese waren für sie eine Art Ersatzhei-mat, in denen sie ihr Heimweh stillten. Auch wenn sie architektonisch nicht so schön waren, bauten sie im gesamten Land in Hinterhöfen Moscheen.
    Aber sie befanden sich nach den traurigen internationalen Ereignissen12, die sie nicht verur-sacht hatten, plötzlich inmitten einer heftigen gesellschaftlichen Kontroverse. Die deutsche

    • Egon Says:

      Mehrheitsgesellschaft fing an, sich mit Existenz, Kultur und Glauben der Muslime kritisch auseinander zusetzen. Ein Teil der Kritiker beschuldigte sie des Fundamentalismus, des Radi-kalismus, des Demokratiedefizits, der Frauenunterdrückung usw. Man behauptete, dass die Muslime mit den Grundwerten wie z.B. den Menschenrechte, der Meinungsfreiheit, der Rechtstaatlichkeit und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung grundsätzlich Probleme hätten. Die Kritiker gingen noch weiter und behaupteten, dass für diese aus ihrer Sicht angeb-lich bestehenden Einstellungen nicht nur die Muslime, sondern der Islam als Religion verant-wortlich seien. Viele der hier lebenden Muslime haben viele dieser Begriffe zum ersten Mal in diesem Streit gehört und wussten oft nicht, was sie überhaupt bedeuteten. Sie waren auf Grund ihrer sozialen Stellung auch nicht in der Lage, sich mit ihren Kritikern auf gleichem intellektuellem Niveau auseinander zusetzen. Ihr Wissens- und Bildungszustand reichte nicht aus, um die Geschehnisse zu analysieren und die Publikationen, die sich mit ihnen beschäftig-ten, angemessen kritisch zu verfolgen, geschweige denn vernünftig zu reagieren und sich wirksam zu verteidigen.
      Auch heute noch sind die Muslime im Allgemeinen in dieser Konfrontation überfordert. Im-mer noch sind sie mehr bloße Objekte in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung um den Islam denn gleichwertige Subjekte im öffentlichen Diskurs.
      In anderen Bereichen gibt es kaum Streit. Unter den Muslimen gibt es erfolgreiche in der Öf-fentlichkeiten bekannte und akzeptierte Persönlichkeiten, Politiker, Künstler, Schauspieler, Fußballspieler, Filmregisseure, usw. Sie sind eine Bereicherung nicht nur für die Migranten, sondern auch für die deutsche Gesellschaft.
      Wenn es aber um den Islam geht, stellen wir fest, dass die Muslime über nur wenige Intellek-tuelle und Wissenschaftler verfügen, die ausreichend sprachliche und fachliche Kompetenz besitzen und sowohl den Islam als auch die Mehrheitsgesellschaft gut kennen13.
      Um dies festzustellen, braucht man nur die Literatur über Islam und Muslime durchzusehen Wie viele Bücher oder Publikationen in deutscher Sprache über Islam gibt es, die von einem muslimischen Gelehrten geschrieben wurden? Wie viele schriftliche Erwiderungen gibt es, die sich mit den Beschuldigungen der Muslime und des Islams auseinandersetzen. Dieser Zu-stand wird besonders deutlich, wenn man sich die Funktionäre der muslimischen Verbände genauer anschaut. Der frühere Vorsitzende des Islamrates war ein Diplomchemiker, der frühe-re Vorsitzender des Zentralrates der Muslime ein Frauenarzt und der jetzige ist ein Physiker.
      Die Kirchen geben für den Dialog ihrer Mitglieder mit den Muslime Handreichungen heraus14. Die Muslime haben weder Bücher über ihre eigene Religion, die mit den Handrei-chungen der Kirche vergleich wären, noch über das Christentum.
      Diese Ungleichheit beobachtet man auch im Bereich des interreligiösen Dialoges. Die Kir-chen haben in der Regel lokale hauptamtliche und gut ausgebildete Beauftragte bzw. Referen-ten für den interreligiösen Dialog. Auf der muslimischen Seite beteiligt sich entweder einer vom Herkunftsland entsandter Imam, der keine Deutschkenntnisse hat, oder einer der Ver-einsvorstandsmitglieder, der weder oft weder schulische noch fachliche Kenntnisse über die islamische Religion besitzt. Die Muslime haben in der Regel keine hauptamtlichen und für den Dialog speziell ausgebildeten Referenten.
      Die Muslime beschäftigen Imame, die im Bereich der täglichen religiösen Dienste gute Arbeit leisten. Aber im interreligiösen Dialog mit der in diesem Land heranwachsenden muslimi-schen Generation und der deutschen Mehrheitsgesellschaft sind ihre Kenntnisse und Erfah-rungen unzureichend. Deshalb braucht man auch muslimische Theologen, die nicht nur den Islam, sondern auch diese Gesellschaft sehr gut kennen. Dies ist einer der Gründe, warum die Ausbildung muslimischer Theologen in Deutschland dringend erforderlich ist. Daher ist auch

      • Egon Says:

        jede Initiative an den deutschen Universitäten zu unterstützen, die das Ziel haben, muslimi-sche Theologen oder Lehrkräfte auszubilden.
        Auf der deutschen Seite ist die Sache noch komplizierter. Die Disziplinen Islamwissenschaft und Orientalistik sind an den deutschen Universitäten fest verwurzelt und haben eine bedeut-same Tradition. Sie produzieren beachtenswerte Publikationen. Dennoch gibt es bei diesen Publikationen immer wieder gravierende Fehler und falsche Interpretationen, was den Islam angeht. Dazu möchte ich eine aktuelle Studie, die vom Bundesinnenministerium unter dem Titel „Muslime in Deutschland (2007)“ veröffentlich wurde, erwähnen15. In der von zwei Kriminologen erstellten empirischen Studie, die sicherlich eine ernstzunehmende Publikation ist, kommen die Verfasser z.B. zu dem Ergebnis, dass Muslime gewaltbereit seien. Um zu verstehen, was für eine Wirkung eine solche Behauptung hat, braucht man nur unter Google nach dem Ausdruck „ Muslime in Deutschland sind gewaltbereit“ suchen.
        An dieser Stelle stellt sich also die Frage, ob es zutrifft, dass Muslime wirklich gewaltbereit seien? In empirischen Studien sind neben der Methodologie auch Indikatoren wichtig. Den man kann je nach Art der Fragestellung ganz unterschiedliches Antworten bekommen und aus diesen Antworten ganz unterschiedliche zum Teil gegensätzliche Rückschlüsse ziehen. Ohne ins Detail zu gehen, möchte ich dazu ein Beispiel nennen.
        Um das Verhalten der Muslime in Sachen Toleranz, Demokratie und Rechtsstaat zu untersu-chen, wurden in der o.g. Studie neun Items (Indikatoren) verwendet. Einer der Indikatoren ist besonders bemerkenswert: „Die Befolgung der Gebote meiner Religion ist für mich wichtiger als Demokratie“16. Durch diesen Indikator werden die Befragten gezwungen, zwischen Reli-gion und Demokratie eine Auswahl zu treffen. Sie werden gezwungen, Demokrat oder Mus-lim zu sein. Die frommen Menschen entscheiden sich natürlich für die Religion. Aus den Antworten eines solchen Indikators wird dann das Ergebnis abgeleitet, dass fromme Muslime keine Demokraten seien. Stellte man ähnliche Fragen Juden oder Christen, so erhielte man von den Gläubigen beider Religionen ähnliche Antworten.
        Jeder Fachmann, der sich mit den Demokratietheorien beschäftigt und vergleichende empiri-sche Studien durchführt, weiß, dass ein solcher Indikator nicht richtig ist17. In den Publikatio-nen der Politikwissenschaft kann Demokratie mit anderen politischen Systemen verglei-chen18. Man kann auch darüber streiten, wie sich Religionen zu demokratischen Werten ver-halten. Aber Demokratie darf nicht a priori als eine Alternative zur Religion dargestellt wer-den19. Nur wenn man das ideologische Ziel hat, Angehörige einer bestimmten Religion als demokratiedistanziert darstellen, geht man wie es in diesem Beispiel gezeigt wurde vor.
        Gewalt ist ein weiteres Thema, das in der genannten Studie behandelt wird. Danach sind die Muslime gegen jede Art von Gewalt. Nur 5,9 % der Muslime sind für Gewalt bzw. gewaltbe-reit. Anstatt die Mehrheit zu analysieren, wird allein diese Minderheit behandelt und dann als Ergebnis formuliert, dass die Gewaltbereitschaft dieser von der Religiosität der Muslime ab-hängig sei. Die Studie erfindet (!) somit die These, dass die Gewaltbereitschaft parallel zur Religiosität zunimmt. Die Verfasser der Studie finden die gewaltbereiten Muslime in den Universitäten nicht, sie finden diese in den Schulen, genauer in den 9. und 10. Jahrgangsstu-fen. In diesem Milieu zeigen 11,1 % der muslimischen Jugendlichen hohe Gewaltbereitschaft

  3. Egon Says:

    und 23,1 der Schüler sind gewaltbereit. Bemerkenswert ist, dass diese Ergebnisse unter der Überschrift

    „Zahlreiche Muslime in Deutschland gewaltbereit“ präsentiert werden20 .

    Es ist ein Thema für sich, warum die Jugendlichen in diesem Alter d.h. der beginnenden Pu-bertät, erhöhte Gewaltneigung aufweisen.
    Es ist Aufgabe der Sozialwissenschaftler, warum Jugendliche dieses Alters gewaltbereiter sind.

    Diese Untersuchung offenbart noch einmal das fundamental falsche Verständnis der westli-chen Verfasser. Sie übertragen und verwenden die Begriffe, die sich in ihrer religiösen, sozia-len und kulturellen Umgebung entwickelt haben, auf andere Kulturen und Religionen, ohne die Unterschiede zu berücksichtigen. Wenn man die Parameter, die man im Westen für die „Messung“ des Fundamentalismus, auch für den Islam, verwendet, bekommt man falsche oder zumindest verzerrte Ergebnisse. Für die Messung der fundamentalistischen Orientierung wird in dieser Studie folgende Frage gestellt: „Menschen, die den Islam modernisieren, zer-stören die wahre Lehre“. Auf diese Frage antworten 43,3% der befragten Muslime mit Ja. Dieses Ergebnis wird dann besorgniserregend interpretiert21. Ohne zu wissen, was für Musli-me „den Islam modernisieren“ bedeutet, werden die Begriffe westlichen Maßstäben interpre-tiert und die Muslime als Radikale und Fundamentalisten bezeichnet.

    Möchte man von solchen Studien für die Gesellschaft nützliche Ergebnisse bekommen, so sollte man Studien über Muslime unbedingt in Kooperation mit muslimischen Experten pla-nen, durchführen und auswerten.
    Das in der o.g. Untersuchung konstruierte negative Image verhindert eine sachliche und emo-tionslose Analyse der Situation Muslime. In der Gesprächen und Erklärungen werden im-mer noch Begriffe verwendet, die nicht der Integration dienen, sondern sie eher ausgrenzen. Man bezeichnet sie z.B. als Ausländer, Gastarbeiter, Zuwanderer, Emigranten, Fremde, Min-derheit. Man benutzt diese Begriffe für Menschen, die vor 50 Jahren nach Deutschland ge-kommen sind oder in Deutschland geboren wurden, hier die Schule besucht, gearbeitet und Familien gegründet haben und sehr wahrscheinlich in Deutschland sterben werden. In den Anfängen der Migration waren diese Begriffe richtig und notwendig. Aber nach einem hal-bem Jahrhundert haben sie eher eine ausgrenzende Funktion. Übrigens hat auch das Wort „Ausländer“ (im Sinne von Fremder) in vielen Sprachen der Welt eine negative Konnotation.
    Eine Besonderheit des demokratischen Systems ist seine Fähigkeit, Menschen mit unter-schiedlichen Besonderheiten in das politische System zu integrieren. Aus diesem Grund sind Glaubens-, Gewissens-, Religions- und Meinungsfreiheit lebensnotwendige Grundelemente der Demokratie. Die Ablehnung diese Rechte und Freiheiten, und der Wunsch nach unifor-men Menschen, ist eine Besonderheit totalitärer Regime. Die Begriffe Parallelgesellschaft und Leitkultur sollten in diesem Zusammenhang diskutiert und ihren problematischen Einfluss auf

    die Demokratie gründlich analysiert werden.

    Die Notwendigkeit eines Grundkonsenses über die politischen Werte, die für eine erfolgreiche Integration unabdingbar sind, ist unumstritten. Aber dennoch möchten einige Gruppierungen über die allgemein notwendige politische Kultur hinaus auch große Teile der Lebenskultur „deutsche Tradition“ für Migranten, die diversen religiös-kulturellen Identitätsgruppen ange-hören, verbindlich machen. Bei dieser Forderung wird jedoch übersehen, dass es im Zuge von kulturellen Differenzierungsprozessen in modernen Gesellschaften eine solche Lebenskultur, die alle Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft verbindet, schon seit längerem nicht mehr gibt. Das Konzept der „Leitkultur“ erweist sich daher vor allem als eine demagogische Strategie zur Mobilisierung von Wählerstimmen und zur Diffamierung politischer Gegner

    langer B ericht,aber wertvoll! sinnreich.


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