kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Eugen Sorg: Die Lust am Bösen. Warum Gewalt nicht heilbar ist 7. September 2011

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 21:41

Wer genug hat von Muslimen, die immer Opfer sind, von Kriminellen, die ihre Taten begehen, weil sie in ihrer Kindheit misshandelt und vom Onkel väterlicherseits vergewaltigt wurden, wer das Seelenerforschen und die Ferndiagnosen der Laienpsychologen unter den Politikern und Journalisten nicht mehr hören noch lesen kann, der ist bei Eugen Sorg richtig.

 

Er setzt das Böse wieder in seine Rechte ein. Dieses ist durch einen Trick aus der Welt entfernt worden, durch einen Scherz von Philosophen wie dem hier beispielhaft vorgestellten Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778); er behauptet, ohne je einen Beweis dafür zu erbringen und bei Verdrängung aller Beweise des Gegenteils, die Natur verkörpere das Gute, der Mensch sei von Natur aus gut und glücklich, es sei die Gesellschaft und mit ihr der wissenschaftlich-technische Fortschritt, die ihn korrumpierten und unglücklich machten.

Ein klarer Denker wie Voltaire argumentiert dagegen. Im Poème sur le désastre de Lisbonne, dem Gedicht über das Unglück von Lissabon, von 1756, rechnet er mit ihm ab, anlässlich des Erdbebens, vom 1. November 1755. 60 000 Menschen kommen darin in einer einzigen Nacht um: „Eines Tages wird alles gut sein, das ist unsere Hoffnung; Heute ist alles gut, das ist die Illusion“. Gott und damit das Gute ist keine Kategorie der Natur, sondern der Moral, eine Setzung aus der Entscheidung der Menschen, die damit die Existenz des Bösen, auch benannt als Teufel oder als Erbsünde, anerkennen und ihm begegnen wollen. Wären die Natur und die Menschen darin gut, könnte daraus logischerweise nichts anderes als Gutes entstehen.

 

Peter Möller meint in seinem philolex, Jean-Jacques Rousseau sei eine Art frühgrüner Fundamentalist, und tatsächlich findet man bei ihm grundsätzlich alles, was heute Vorständler wie Claudia Roth und Cem Özdemir, die versammelten Bündnis 90/Die Grünen und andere Linke umtreibt: Ablehnung und Verdrängung der von den fünf Sinnen und vom Verstand gesammelten Erfahrungen, der Realitäten der Welt, des wissenschaftlich-technischen Fortschritts, stattdessen Schaffung eines Weltbildes, dessen Krönung die naive, besser pseudonaive Vorstellung von den guten Menschen ist, den „edlen Wilden“, gegenwärtig neben Indianern vom Amazonas vor allem verkörpert durch die Muslime, denen man die Freiheit der Entscheidung und damit ihre Menschenwürde abspricht, die man gängelt, beherrscht und zum Dank dafür ihre Stimmen bei den Wahlen einstreicht: Stimmvieh.

 

Selbstverständlich handeln weder der Philosoph des 18. Jahrhunderts noch die heutigen Linken ihren eigenen Vorgaben entsprechend, sondern die gleiche Willkür, mit der sie ihr Weltbild basteln, Erfahrung und Verstand verwerfen, bestimmt ihr eigenes Leben und Handeln. Peter Schweizer hat Beispiele der heutigen linken Heuchelei in seinem Buch Do as I say – not as I do vorgestellt. Die einmalige Absage an Sinn und Verstand zugunsten der Willkür ermöglicht es den Adepten, Erklärungen und Ausflüchte zu finden, von denen sich die einfache Landfrau nichts träumen lässt. Raymond Trousson meint in seinem Werk über den Philosophen, es handle sich nicht um Heuchelei, sondern um geniales Delirium, das über das Ziel hinausschieße. Das Messen seines Verhaltens an seinen Prinzipien sei unzulässig, und so sieht’s auch der Betroffene, der sich entgegen den Tatsachen verfolgt fühlt und in Selbstmitleid vergeht. Presses Pocket ahnt die positive Wirkung auf den Verkauf, und so liest man auf dem Buchdeckel des meistgelesenen seiner Werke, Les Rêveries du promeneur solitaire. Die Träumereien des einsamen Spaziergängers: „Hier bin ich also, allein auf der Welt, habe keinen Bruder, keinen Nachbarn, keinen Freund, keine Gesellschaft mehr als mich selbst. Der gesellschaftsfähigste und liebenswerteste Mensch wurde durch einstimmige Übereinkunft von ihr ausgeschlossen. Sie haben in der Verfeinerung ihres Hasses gesucht, welche Marter meiner sensiblen Seele die grausamste sein könnte, und sie haben mit Gewalt alle Zusammenhänge zerstört, die mich mit ihnen verbunden haben. Ich hätte die Menschen trotz ihrer selbst geliebt“.

 

Das Aussparen aller Tatsachen beim Aufbau eines Weltbildes: „Commençons donc par écarter tous les faits …“. Beginnen wir also damit, alle Fakten zur Seite zu schieben …, wie Jean-Jacques Rousseau im Zweiten Diskurs meint, ist nicht jedem gegeben, glücklicherweise, denn sonst wären wir und unsere Gesellschaft längst abgeschafft. Ab einer gewissen Anzahl eigener Erlebnisse und derer anderer glaubhafter Berichterstatter ist ein vernunftbegabter Mensch verpflichtet, sich von Spinnereien à la Rousseau und seiner grünen Adepten abzuwenden, daß die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, dieses mehrfach verheizte Stück Papier, davon beeinflusst worden ist, ändert daran nichts. Über Eugen Sorg liest man in der Verlagsankündigung: „Überall sah er Gewalt und erlebte, wie leicht und bereitwillig Scham und Gewissen außer Kraft gesetzt werden können. Sein Bericht ist eine unbequeme Antwort auf die Frage, warum ganz normale Menschen zu mitleidlosen Tätern werden“.

 

Die Tatsachen auszuhalten, das ist unbequem, und noch schwieriger ist es, die Grenze zu sehen zwischen der Möglichkeit, Tatsachen positiv zu wenden und Tatsachen, weil nicht änderbar, hinzunehmen. „Gott gebe mir die Kraft zu ändern, was zu ändern ist, die Geduld zu ertragen, was nicht zu ändern ist, und die Weisheit, zwischen beiden zu unterscheiden“. Das Buch von Eugen Sorg ist dabei nützlich. Der promovierte Psychotherapeut und IKRK-Delegierte im auseinanderbrechenden Jugoslawien, der Reporter in Kriegs- und Krisengebieten, in Afghanistan, Angola, Somalia, Liberia, Sudan, Kolumbien, bezieht die Erfahrungen über die Existenz des Bösen aus diesen Einsätzen sowie durch Interviews mit zahlreichen Gewalttätern. Illusion und Heuchelei eines Jean-Jacques Rousseau und seiner Nachfolger schmelzen dabei wie ein Eisklotz in der Sonne. In 14 Abschnitten der insgesamt 155 Seiten konfrontiert er die Leser mit Tatsachen, die nicht durch das Böse als Irrtum, sondern nur durch die Anerkennung des Bösen als eigenständige Kraft zu erklären sind. In diesem Zusammenhang interpretiert Eugen Sorg das Stück von Max Frisch Biedermann und die Brandstifter endlich stimmig. (S. 28 und 149f.)

 

Nebenbei sieht man Parallelen zu den Taten des Anders Behring Breivik, der am Freitag, 22. Juli 2011, zuerst im spärlich mit Menschen bevölkerten Regierungsviertel wütet und dann auf die Insel mit dem Jugendcamp zieht. Max Frisch ist also einzureihen unter diejenigen, die den Attentäter zu seiner Tat getrieben haben. Eisenring sagt es bei Max Frisch so: „Wir holen die Feuerwehr in ein billiges Außenviertel, und später, wenn’s wirklich losgeht, ist ihnen der Rückweg versperrt.“ (S. 151)

 

Leser, die nun einwenden, daß nicht jeder wie Eugen Sorg Erfahrungen machen kann, die auch nicht wissen, warum sie ausgerechnet Eugen Sorg trauen sollen, den sie nicht kennen, und dessen Motivation sie nicht einschätzen können, lege ich nahe, in ihrem Umfeld fündig zu werden, sich vielleicht sogar an eigene böse Taten, große und kleine, zu erinnern und sich ehrlich zu fragen, warum sie begangen wurden. Weil man eine schlimme Kindheit hatte? Weil man sich an jemandem rächen wollte, bei dessen Abwesenheit, oder weil man sich ihm gegenüber nicht traute, das an einem anderen ausließ? Nein, wer ehrlich ist, der gesteht ein, daß er schon Taten begangen hat einfach, weil er/sie Lust dazu verspürte.

 

Um niemandem zu nahe zu treten, bringe ich ein winziges Beispiel aus meiner Kindheit. Viel war die Rede von bösen Taten der Nachbarskinder, aber auch der Struwwelpeter war voll davon, ebenso die Grimmschen Märchen, und eines Tages entschied ich, damals vielleicht sechs oder sieben Jahre alt, eine böse Tat zu begehen. Ich baute mich in der ersten Etage des niedrigen Fachwerkhauses auf, in dem wir wohnten, schaute aus dem Fenster und wartete auf den ersten Menschen, der vorbeikäme; dem wollte ich die Zunge ganz weit herausstrecken. Das war damals eine wirklich böse Tat, heute lacht man vielleicht darüber. Gesagt, getan, eine mir unbekannte Dame geht vorm Haus vorbei, ich schneide eine Grimasse und stecke ihr die Zunge heraus. Niemals vergesse ich ihren Blick, zwischen entsetzt und strafend, zwischen enttäuscht und angewidert. Ich bin vor Scham im Boden versunken. Von der „Lust am Bösen“ war nichts mehr übrig.

 

Über böse Taten liest und hört man täglich in den Medien. Vor allem linke MSM lassen bei Erklärungen nicht ab vom Rousseauschen Ansatz. Über den Aufruhr in London schreibt Elise Vincent, in Le Monde, am 22. August 2011, das sei die Revolte der Abgeschobenen, widerspricht sich aber im selben Artikel, in dem sie schreibt, daß im Bahnhof von Clapham Junction, im Süden Londons, nur die Buchhandlung verschont worden sei. Da hätte man bei der Logik zuallererst geplündert, oder ist nicht Wissen Macht? Dann schreibt sie, eine politische Motivation habe es nicht gegeben, c’était des émeutes du consumérisme, das waren Aufstände des Konsumerismus – was immer das sein soll, und die seien degeneriert: „Das, was eine gegen die Polizei gerichtete Bewegung der Wut war, ist nun eine Abfolge von Ladendiebstählen und Wandalismus geworden, deren Planung durch die sozialen Netzwerke erleichtert wurde. Die Banden waren davon eine der Macher“.

 

Eine Schar von Interpreten macht sich über den Artikel her, von der Lust am Bösen ist nicht die Rede, sondern es geht um die armen bemitleidenswerten Menschen, die sich nur so zu wehren wissen. Diejenigen, die sich gesetzeskonform verhalten, arm sind, aber doch nicht plündern und brandschatzen, das sind für diese Interpreten anscheinend die Dummen. Wie wenig bewusst sich die Journalisten der Möglichkeit sind, daß es sich um das Wüten des Bösen handeln könnte, sieht man an der Berichterstattung des Adrien Jaulmes, den Figaro-Lesern hinreichend bekannt für seine Israelfeindschaft. Der arme Korrespondent ist nach Tripoli abgeordnet und schreibt, am 25. August 2011, den Artikel Dans Tripoli libérée, la chasse à l’homme a commencé. Im befreiten Tripoli hat die Menschenjagd begonnen. Was es mit Befreiung zu tun haben könnte, daß er zur Beschreibung der Lage Begriffe einsetzen muss, die aus einer anderen Welt stammen, daß nicht die Freiheit gesiegt hat, sondern vielmehr das nackte Böse in den Straßen tobt, das teilt der Korrespondent nicht mit, weil er es, selbst vor Begeisterung außer Atem, nicht bemerkt: „Nichts aufregender als …, sie lassen das Gaspedal aufheulen …, Gruppen von rebellierenden Kämpfern schießen mit schweren MGs wie die Verrückten in die Luft …, „Wir können endlich frei leben!“ sagt er, vollkommen übererregt. … Schießen in die Luft. Durchsuchen die Zimmer nach Andenken“.

 

Im befreiten Tripolis hat die Menschenjagd begonnen. Man muss aber nicht nach Frankreich und Libyen schauen, Berlin reicht. Zu 530 in diesem Jahr abgefackelten Autos schreibt der FOCUS im Artikel, vom 2. September 2011, Chaoten, Pyromanen – und wenige Linksextremisten, daß der Präsident des Bundeskriminalamtes Jörg Ziercke „20 bis 30 Prozent der Täter zum linksextremistischen Spektrum“ zähle, der Rest seien „Chaoten, notorische Randalierer, Pyromanen, andere Trittbrettfahrer und vereinzelt auch Versicherungsbetrüger“. Über ein dingfest gemachtes Paar weiß ein Polizeisprecher: „Der 27-Jährige und seine 23 Jahre alte Begleiterin sitzen in Untersuchungshaft. Die beiden, die nach einem Anwohnerhinweis im Stadtteil Prenzlauer Berg festgenommen worden waren, gestanden, ein Auto abgefackelt zu haben. Beide hätten kein politisches Motiv gehabt …“.

 

Auch die 20 bis 30 Prozent der angeblich Linksextremen begehen die Tat nicht aus politischen Gründen, sondern aus Lust am Bösen; denn jeder rational denkende und seiner fünf Sinne mächtige Linke weiß, daß seine Ideen zur Veränderung der Gesellschaft nicht mittels abgefackelter Autos verwirklicht werden können, im Gegenteil, daß solche Taten Kräfte im Staat mobilisieren, die der Linken nicht freundlich gesonnen sind. Das Schicksal der RAF-Mitglieder ist dafür ein Beleg.

 

Die freie Entscheidung der Menschen zum Guten oder zum Bösen wird deutlich in den Zehn Geboten. Der einzelne wird in dreien von ihnen aufgefordert, etwas zu tun, und sieben Unterlassungen werden von ihm verlangt. Exodus 20:2-14: „Ich bin der Ewige, dein Gott, der ich dich geführt aus dem Lande Mizrajim [Ägypten], aus dem Knechthause. Du sollst keine fremde Götter haben vor mir. Du sollst nicht aussprechen den Namen des Ewigen, deines Gottes, zum Falschen. Gedenke des Sabbat-Tages, ihn zu heiligen. Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit deine Tage lang werden. Du sollst nicht morden. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht zeugen wider deinen Nächsten als falscher Zeuge. Du sollst nicht Gelüste tragen nach dem Hause deines Nächsten. Du sollst nicht Gelüste tragen nach dem Weibe deines Nächsten, nach seinem Knecht und nach seiner Magd und seinem Ochsen und seinem Esel und allem, was deines Nächsten ist“.

 

Leicht modifiziert, aber im Grundsätzlichen unversehrt, haben die Katholiken und Protestanten die Gebote übernommen. Muslime kennen diese Gebote nicht. Im Koran werden sie beispielsweise ausdrücklich aufgefordert zu morden, (Suren 2:191, 2:216, 4:89, 4:91, 5:32-33, 8:12, 8:39, 9:5, 9:29, 33:61, 47:4 u.a.) und ihnen wird jede freie Wahl aberkannt (Sure 33:35-36).

 

Wer sich eine Vorstellung von der Lust am Bösen und dessen Gesetz machen will, der braucht die drei Gebote und sieben Verbote nur umzudrehen. Es bedarf nicht viel zur Erklärung der von Eugen Sorg behandelten Taten, jedem der 14 Abschnitte können Übertretungen der Zehn Gebote zugeordnet werden. Soziologische Rechtfertigungen, mildernde Umstände durch schwere Kindheit u.ä. werden diejenigen hervorholen, die den Menschen die Fähigkeit zur eigenen Entscheidung aberkennen, die mit Jean-Jacques Rousseau andere verantwortlich machen, die Gesellschaft, den wissenschaftlich-technischen Fortschritt, die Verhältnisse, die so nicht sind. Sie verweisen die Menschen in die Unmündigkeit, Naturrecht auf Glück wird ihnen zugebilligt, wobei keine Erklärung gegeben wird, warum ein Mensch darauf ein Recht haben sollte; dieses Recht hat er vielmehr verwirkt. (Genesis 3:16-19)

 

„Das Recht des Menschen ist’s auf dieser Erde. Da er doch nur kurz lebt, glücklich zu sein. Teilhaftig aller Lust der Welt zu werden. Zum Essen Brot zu kriegen und nicht einen Stein. Das ist des Menschen nacktes Recht auf Erden. Doch leider hat man bisher nie vernommen. Daß einer auch sein Recht bekam – ach wo! Wer hätte nicht gern einmal Recht bekommen. Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so“.

 

Anstatt von ihm zu verlangen, daß er sein Leben selbst gestalte, gesteht man dem Menschen, dem Bürger zu, daß er teilhabe an „aller Lust der Welt“, das heißt, an dem, was andere geschaffen haben. Sein Brot muss er nicht selbst verdienen, sondern das hat er „zu kriegen und nicht einen Stein“. Hier ist die Weltanschauung der Sozialisten, Grünen und anderen Linken bis heute verortet. Sie bestimmen, was Naturrecht ist, was Staat und Gesellschaft jedem zu liefern haben, die Rundumversorgung, sie gründen ihre Politik auf diese Illusion und werden nicht müde, sie durch ihre Vertreter und ihre Medien unters Volk zu bringen. Die wenigen Male, die sie geherrscht haben, ist deutlich geworden, daß sie nicht daran denken, ihren eigenen Maximen entsprechend zu handeln. Bei Eugen Sorg steht, warum nicht.

 

{Quelle: Blog von Gudrun Eussner – www.eussner.blogspot.com}

 

9 Responses to “Eugen Sorg: Die Lust am Bösen. Warum Gewalt nicht heilbar ist”

  1. Toni-Toni Says:

    das Gegenteil ist eher gefragt

    Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen, heißt es in der Apostelgeschichte. Wie aber, wenn die menschlichen Herrschaften und Heerscharen auftreten als Stellvertreter Gottes – im Kaisergewand, im Papstgewand, als Vollstrecker der Weltordnung und der göttlichen Vorsehung in der Pose des Führers? Alle absolutistische Macht verficht göttliche Interessen, und es ist kein Gott mehr, weil sich der Freiheitsraum des Menschen vergegenständlicht zur Verwaltungsgröße.

    Wenn wir Menschen dazu erziehen wollen, daß sie Menschen werden, sollten wir ihnen mithinden Mut zum Ungehorsam nahelegen, zur kritischen Selbstprüfung. Das schon war die Idee Immanuel Kants: Ein Befehl, der sich nicht beglaubigt vor dem Forum der persönlichen Vernunft, ist nichts weiter als ein Diktat der Macht. Und selbst ein Gott im Himmel, der nichts weiter zu tun hätte als Gebote zu erlassen, wäre das Gegenprinzip jeglicher Moral, die sich auf Freiheit gründet

    Die Schlange, als listig, hat nicht einmal gelogen! Es läuft auf ein winziges Wortspiel hinaus zwischen zwei hebräischen Wörtern, die im Plural, ohne daß man die Vokale mitschreibt, vollkommen gleich aussehen: arumim oder aromim. Versprochen wurde den Menschen, weise zu werden – aber geworden sind sie nackt, in dem sie Wissende wurden!

    Warum mußte Gott dem Menschen überhaupt etwas verbieten, und was bedeutet diese Erkenntnis der Nacktheit? Weitab von all den Verdächtigungen, die im Christentum aus den Tagen des, 3., 4. Jahrhunderts bereits Einzug gehalten haben – die Sexualität sei das schlechterdings Verbotene, die Erbsündengeschichte sei eine Wiedergabe des Erwachens des Menschen beim Erwachsenwerden und Mündigwerden zu sexueller Lusterfahrung und Selbstbestimmung – geht es im Grunde darum, daß die Gottheit nur ein einziges dem Menschen vorenthalten wollte: Nie sollte er merken, was es bedeutet, ein Geschöpf zu sein, ohne im Raum der Güte verwurzelt zu bleiben. Es ist ungeheuerlicb und die schlimmste, man kann nicht sagen aller Strafen, sondern Erfahrungen des Lebens, nur Kreatur zu sein in einem Feld buchstäblich der Gnadenlosigkeit

    Gerade so, wenn wir Menschen etwas wirklich »Böses« tun. Und die Frage jetzt: Können wir dazu?

    Das Paradox der ganzen christlichen Lehre lautet: Wir können dazu erst als Entronnene. Wie Droste von Hülshoffs »Knabe im Moor«, wenn wir zurückblicken mit klopfendem Herzen und haben den Abgrund bereits überschritten, begreifen wir, daß alles, was wir im Ghetto der Angst für notwendig hielten, überhaupt nicht notwendig war. Es ist sowas wie das jüngste Gericht oder wie das Fegefeuer der katholischen Lehre vorverlagert in unser seelisches Erleben. Man begreift plötzlich im Gegenüber einer angstüberwindenden Liebe, wie unnütz es war, sich zu fürchten. Die ganze Botschaft Jesu wird darin bestehen, uns bei der Hand zu nehmen und zurückzugeleiten in ein verlorenes Paradies, vorbei an den Wächterengeln mit dem Flammenschwert, und uns Gott wiederzubringen, wie er eigentlich ist: nicht länger mehr furchtbar, verbietend und strafend, sondern als Quelle gesammelten Vertrauens. »Dein Vertrauen hat dich gerettet«, ist einer der häufigen Sätze Jesu.

    Und schildern sollten wir Jesus deshalb als einen solchen Pädagogen der Angstüberwindung, der sogar in Markus 5 einen von tausend Teufeln Besessenen fragen kann: »Wie eigentlich heißt du denn?«, oder der im Markusevangelium einen Blinden fragt: »Und was möchtest du, daß ich dir jetzt tue?« und läßt sich`s erzählen in Johannes 5 von einem Menschen, der 40 Jahre lang an jenem Teich liegt, der den Namen trägt »Haus der Gnade« (Bethesda), und hat doch keinen Menschen, weil sie ihm immer wieder zuvorkommen auf dem Weg zu seinem Heil. Mit welchen Augen sieht man diese am Rande Liegenden? Wie schafft man eine Welt, in der die Güte die Gewalt besiegt und das Verstehen sogar das Verbrechen? Wir haben weder eine Pädagogik noch eine Psychotherapie, die diese Vision des Mannes von Nazareth bereits voll einlösen könnte, aber seine Vision ist gültig seit 2000 Jahren. Gerade wenn die Diagnose lautet, ein Mensch in Angst sei wie ein Verlorener, so hilft nur die Rettung und Erlösung einer verstehenden Liebe.

    sicher lesenswert…bitte zeit nehmen dazu—

    http://www.kirchen.net/upload/3200_funke-drewermann_1998.htm

  2. Toni-Toni Says:

    Was macht den Menschen böse?

    Dieser spannenden Frage ist vor einigen Jahrzehnten der Psychologe Erich Fromm nachgegangen und hat seine Erkenntnisse im dem Buch „Die Seele des Menschen“ niedergeschrieben. Drei Faktoren konnte Fromm herausarbeiten, die zusammen das sogenannte „Verfallssyndrom“ bilden.

    Ein Faktor ist für Fromm Nekrophilie: die Liebe zum Toten. Er bezieht Nekrophilie nicht auf die sexuellen Gelüste, sondern zu dem Hintergrund: ein nekrophiler Mensch etwa ‚kann zu einem Objekt – einer Blume oder einem Menschen – nur dann in Beziehung treten, wenn er sie besitzt‘. Nekrophile Tendenzen sind gegen das Leben gerichtet. Nekrophile Menschen streben nach Gewissheit; im Tode als einzig Gewisses sehen sie die Antwort. Jeder Mensch hat nekrophile und biophile – „biophil“: die Liebe des Lebendigen – Neigungen: ‚es kommt darauf an, welche der beiden Tendenzen dominiert‘.

    Eine gewisse Selbstliebe wohnt jedem Menschen inne, doch ist er normalerweise auf ‚das sozial akzeptierte Minimum reduziert‘. Ist dieser Narzißmus stärker ausgeprägt, ist es dem narzißtischen Menschen unmöglich, sich in eine andere Person als die eigene hineinzuversetzen. Laut Fromm gibt es noch eine weitere, meiner Meinung nach um einiges Spannendere, Variante: der Gruppen-Narzißmus. Hier überträgt sich die Liebe auf eine Gruppe, etwa die Nation oder ‚Rasse‘. Jeder Ursprung von Nationalismus oder religiösen Fanatismus ist Gruppen-Narzißmus und somit die ‚Überschätzung der eigenen Einstellung und de[r] Hass gegen alles, was davon abweicht‘.

    Zum Schluss geht Fromm auf eine gestörte Mutterbindung ein, die „inzestuöse Symbiose“. Kann ein Kind die Mutterbindung nicht überwinden, kommt es zu einer krankhaften Bindung. Bezieht sich die Mutter im Kindesalter auf die Person, die Geborgenheit und uneingeschränkte Liebe verspricht, können später andere Dinge zur „Mutter“ werden. Hier liegt eine Verwandschaft zum Narzißmus vor.

    Treten diese drei Phänomene gemeinsam auf, spricht Fromm vom „Verfallssyndrom“. Je größer diese Regressionsebenen – also das Streben auf alle diese Faktoren zu – bei einem Menschen ist, desto ‚böser‘ ist er.

  3. Bazillus Says:

    Ich denke, dass man noch so viele Worte machen kann, wie man will. Wir werden weder die Ursache der Liebe noch die des Bösen vollständig ergründen können, weil sowohl die Liebe als auch das Böse in zu vielfältiger Erscheinungsform zutage tritt.

    Der offensichtlichste Grund für die Ursache des Bösen ist m. E. der Unterschied und die Sicht des Menschen auf diesen Unterschied, also das bewusst gedankliche Sicheinlassen des Menschen auf die von ihm festgestellten Unterschiedlichkeiten gegenüber dem Nächsten. Einige der Ursachen des Bösen mögen der Stolz, der Neid sein. Das Vergleichen mit dem Unterschiedlichen des Anderen ist m. E. die häufigste Ursache der Seele, die zum Bösen führt, und zwar aus beiden Blickwinkeln heraus. Die Sichtweise auf die Unterschiedlichkeit von Menschen, die sich besser wähnen als andere finden im ursächlichen Stolz die Triebfeder des Bösen. Die Sichtweise auf die Unterschiedlchkeit von Menschen, die sich minderwertig fühlen gegenüber den vermeintlich „höher“ stehenden gebiert im Neid das Böse.

    Eine dritte Komponente für das Böse ist die Unbeherrschtheit insbesondere des sexuellen Triebes. Dieser ungebändigte Trieb mag Ursache für das Böse im sexuellen Bereich (Vergewaltigung, Nötigung usw.) sein. Andere ungebändigte Triebe wie Essen, Trinken, schädigen sich in aller Regel nur die hiervon befallenen Menschen selbst. Der sexuelle Trieb jedoch, der nicht gebändigt wurde, vereint mehrere Komponenten im Bösen, nämlich das übersteigerte Machtgefühl über Andere, das Unterwerfungsmoment und die Reduzierung des Gegenübers auf sein Geschlecht und die Lust am Degradieren, am „zu Boden drücken“, und sucht letztlich im Höhepunkt der menschenverachtenden Gewaltausübung ihren Ausdruck, ob dies mehr psychisch oder physisch geschieht, spielt keine Rolle.

    Ebenfalls zu unterscheiden ist das gedachte Böse und das getane Böse. Es geschieht nichts oder kaum Böses, was vorher nicht gedacht wurde.
    Über diese Dinge können wir unendlich lang nachdenken, Drewermänner lesen und philosophisch-theologische Abhandlungen. Interessantes wird dort allemal beschrieben. Letztlich jedoch bleibt eines als Richtschnur, wenn der Einzelne dem Bösen aus dem Weg gehen will: Die Jesusnachfolge im Geist und im Tun. Dann sind wir vor dem Bösen am Besten gefeit. Und das sollte uns doch zunächst reichen und diese Erfahrung an andere weitergeben.

    Letztlich jedoch sollte auch die Existenz Satans nicht vergessen werden. Jesus hat zu häufig Besessene befreit, Gleichnisse von der Unterwelt berichtet (Lazarus) und die Hölle direkt angesprochen. Psychotherapeuten verlagen dieses Höllengeschehen immer gern ins Diesseits wie auch viele Geistliche. Wir als Glaubende sollten jedoch nicht den Fehler machen, den irdischen Tod auch als das Aus der Seele zu betrachten. Das Leben geht nach dem Tode weiter. Jesus holt am Kreuz seinen gedanklichen Helfer mit ins Paradies. Den anderen Schächer verflucht er nicht, aber er scheint ebe nicht „noch heute“ ins Paradies zu kommen. Psychotherapie kann nur Dinge im Diesseits bewegen. Wir aber haben uns vor Gott zu verantworten in der Gewissheit, dass er uns vorbehaltlos liebt. Die frühere Sichtweise des „strengen Richters aller Sünder, der uns so schrecklich droht“, wie es in einem Kirchenlied heißt, hat viel Leid und Gewissensqualen und insbesondere einen Angstglauben geschürt, der krank machte und uns unsere Sicht auf den liebenden Gott total versprerrte. Gewiss ist uns aber auch, dass wir uns bewusst werden sollten, dass nicht Gott uns bestraft, sondern wir uns durch unsere eigennützig egoistisches Verhalten selbst. Denn dieses Verhalten entscheidet über den Grad des „Liebeszustandes“ der Seele im Jenseits.

  4. Nur so Says:

    ARTE war ein paradebeispiel dieser Tage und nicht nur dieser Sender. Die Betongung ist darauf, dass Islamus nix mit Islam zu tun hat – Fernsehen dieser Tage.
    ‚** Nur „hetzen durfen sie“ *** weil so 68iger konform ist.
    Zu Unrecht werden sie beschuldigt, dass sie blöd grinsend und gewaltreich im Viertel Gewalt ausüben.

    Alles wegen 9/11 ??? Mich interessiert 9/11 kaum. Übrigens war das vorhersagbar. Man ist nur irretiert über die US ünterstützung des Islam – Saudiarabien Türkei Kosovo etc.

    Naja den Mainstream kümmert mehr nicht, er jammert nur wenn die verachtete Meinung plötzlich da ist.

    Der Mensch ist dumm.

    • Toni-Toni Says:

      Nur so Sagt:
      8. September 2011 at 00:45

      war das jetzt Klasse ?geschrieben,…da kann ja gleich den Terror bejat werden!!

      Das Mädchen, dass du fett genannt hast?-

      Sie hat jetzt Magersucht.

      Den Jungen, zu dem du gesagt hast “

      geh doch sterben“?-

      Er sprang.

      Das Mädchen, von dem du sagtest,dass sie viel zu überdreht & laut sei? –

      Sie lachte um nicht zu weinen.- Jetzt sitzt sie in der Ecke und ritzt sich wieder einmal. Man sollte aufpassen was man sagt.

      Ein Mensch hält psychisch nur begrenzt viel aus.

      Das eine Mal wo DU ihn/sie beleidigst, könnte das eine Mal zuviel sein. Kopiere das wenn du gegen Mobbing bist!!!..

  5. carma Says:

    das böse an sich gibt es so wohl nicht. das baby, dessen bedürfnisse verschiedenster art nicht gestillt werden, äussert unmut und mißbehagen ganz unmissverständlich. abgeleitet hiervon führen defizite der unabdingbaren existenziellen „grundversorgung“ erwachsener oder einer gesellschaft zu ähnlichen unlust-bzw. spannungsäqivalenten. neid, hass und gier auf „bessergestellte“ sind schon dem kleinkind vertraut. durchaus zu recht- denn ungerechtigkeit wird von den menschen (auch im tier-„paradies“ zu beobachten) als noch frustrierender wahrgenommen als gleichverteilte resourcenknappheit. deshalb ist man in etlichen „3.“- weltländern trotz armut weder unglücklich noch aggressiv- ganz im gegensatz zu „entwickelteren“ gesellschaften.
    die „lust“ am bösen wiederum ist entkoppelt vom existenzkampf, kann sich eigentlich erst in einer saturierten, befriedigten welt voll entfalten: die psychotische „degenerierung“ aufgrund einer hyperdifferenzierten, soziokulturellen gesellschafts-„abstraktion“ – dem modernen staat eben. oft ist es schlichtweg die lust und der nervenkitzel in einer satten, aber ereignislosen welt, in der nur noch medienstars innere und äussere abenteuer „durchleben“ dürfen, ohne als asoziale randfiguren dazustehen. so beliebt der tatort im tv ist, sowenig begebenheiten soll es im alltag geben- recht schizoid, genau betrachtet.
    dann gäbe es den puren sadismus, die lust an der qual, der folter etc. unreflektiert ist dies in der tierwelt gang und gäbe, primitive völker tun es immer wieder leidenschaftlich gerne- hochzivilisierte dann und wann. der impuls hierzu mag vielleicht darin liegen, das auch das töten selbst lust erzeugt und erzeugen muss, andernfalls wäre man dazu ja nicht in der lage. die „jagdlust“ deutet auf diese archaischen ur-triebe an, wie auch die „kriegslust“ vergangengeglaubter zeiten ein damals sicherlich notwendiges verhalten darstellte.
    .

  6. Walter Says:

    Die Bibel spricht eine deutliche klare Sprache!

    Das Herz des Menschen ist zum Bösen geneigt von Jugend auf!
    Deshalb, wen der Herr liebt, den erzieht er nicht mit 68j antiautoritärer Schwuchtelliebe, sondern mit Strenge!!

    Ein Kind brauchste das Lügen nicht beibringen, es kann es von Natur aus!!!!

  7. Walter Says:

    Glauende sollten den Tod nicht als das Aus der Seele betrachten:
    Bazillus glaubst Du an Seelenwanderung oder so???

    Christus gab seinen Geist auf und verschied!!!
    Stephanus gab seinen Geist auf und das wars!!!

    Wenn Gott Christus nicht wieder auferweckt hätte,, wäre nichts mehr mit Seele und so!!

  8. Bazillus Says:

    Werter Walter
    Ich persönlich glaube, dass ich nach meinem Tode in einem anderen Bewusstseinszustand weiterlebe. An Seelenwanderung glaube ich nicht, weil ich mich nicht an ein früheres Leben bewusst erinnern kann und unter Hypnose können Fremdeinflüsse wirksam werden. Das zählt für mich nicht. Christus gab seinen Geist auf und verschied!!!
    Stephanus gab seinen Geist auf und das wars!!!
    Ich verstehe diese Worte so, als dass sie den Geist im materiellen Körper aufgaben und verschieden. Jesus ist halt in seinem Körper (ja sogar mit Fleisch und Blut) wieder auferstanden. Ich glaube nicht, dass er auch nur einen Moment tot als Seele war. Jesus hat sich nach meiner persönlichen Meinung nur wieder mit seinem sichtbaren Körper bei der Auferstehung ausgestattet, damit die Jünger glaubten. Dies ist für mich ein einmaliger Vorgang.

    Und übrigens. Ich höre immer die Formulierung „von Gott auferweckt“. Die drei synoptischen sprechen von Engeln, immerhin Engeln, Boten Gottes, die von Auferstehung Jesus reden. Jesus hat selbst auch nicht gesagt, dass sein Vater ihn von den „Toten“ auferweckt hat, sondern die Engel sagen, dass er auferstanden sei. Das Wort „Aufersteheung“ impliziert die eigene Kraft, die Jesus innewohnte. Nur weil viele von uns es sich nicht vorstellen können, dass Jesus eben im Vater ist, wurde aus der Auferstehung die Auferweckung. Auferstehung ist ein Akt des „aus sich selbst aktiv werden“ anzusiedeln, der Begriff Auferweckung ist im Bereich des „von anderen abhängig, des Passiven“ angesiedelt. Aus der Auferstehung eine Auferweckung zu machen, selbst wenn dies von Paulus oder anderen Aposteln beschrieben wird, so halte ich mich an das Evangelium, nicht an Interpretationen eines Paulus oder anderen Apostels. Ich glaube da den Engeln mehr.


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