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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Melody Sucharewicz: Israel und Ägypten – „Frostige Beziehungen“ 6. September 2011

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 13:45

„Frostige Beziehungen zwischen Israel und Ägypten … nach der Tötung von ägyptischen Polizisten durch israelische Sicherheitskräfte haben sie einen neuen Tiefpunkt erreicht“.

 

So fasst eines der meistgelesenen deutschen Tagesblätter die Geschehnisse der letzten Tage am östlichen Ende des Mittelmeers zusammen. Ein Meisterwerk der journalistischen Metamorphose. Über 100 Raketen aus Gaza auf Israel, Terrorattentate aus dem Sinai, acht Tote Israelis, darunter Familien mit Kindern, dutzende Schwerverletzte, der Süden des Landes in Schutzbunkern – werden zu fröstelnden Beziehungen zwischen Ägypten und Israel, aufgrund der“Tötung von ägyptischen Polizisten“. Diese exotische Form der Berichterstattung ist längst Routine bei vielen Tagesblättern wenn es um Israel geht. Drei hartnäckige Merkmale entpuppen sie: Kontext ist Untext, also nicht nennenswert. Chronologie ist Unsinn, also etwas für Spießer. Und Opfer sind Unfug – wenn sie einen israelischen Pass besitzen.

 

Ägyptische Jugendliche produzierten diesen Clip, der für Wirbel in Israel sorgte!

 

Na und? Wenn es nur beim bedruckten Blatt bliebe, gäbe es kein und. Aber Routine Information wird zu Wahrnehmung und Wahrnehmung wird zur faktischen Realität. Dass heißt auf Bayerisch: wer viel Zeitung liest, wird in Israel immer einen Aggressor sehen, wird Terroristen meist als Freiheitskämpfer verstehen oder höchstens als ‚Militante’, die ein legitimes politisches Ziel verfolgen (Auslöschen des Westens), wird vergessen warum, wann und für welches Volk Israel gegründet wurde, und ergo kein Verständnis für die enge Freundschaft zwischen Israel und Deutschland haben.

 

Ernste Folgen. Daher lohnt es sich, die Metamorphose Merkmale zu sezieren, künftig zu erkennen, und ein Ende der Routine Manipulation zu fordern:

Kontext ist Untext! Wer Kontext wahr- und seine Leser ernst nimmt, stellt den Auslöser einer Eskalation in den Fordergrund, nicht deren Folgen und noch viel weniger die Folgen der Folgen. Auslöser der ‚Fröstel’-Story: Eine Welle von Terrorattentaten gegen Israel am letzten Donnerstag durchgeführt von palästinensischen Terrorzellen, die teilweise mit Al Quaida affiliiert sind und in der Tat als ‚Freiheitskämpfer’ bezeichnet werden können – wenn man Sharia-Herrschaft über die Welt und Untergang des Westen als Freiheit definiert. Die Zellen stürzten sich zügig auf die Gelegenheit, die der ägyptische Militärrat kreiert hat: offene Grenzen zwischen Gaza und Ägypten. Der paradiesische Sinai, der schon seid Jahren von Terror-Zellen der Al Quaida behaust wird, ist nun ein Terror-Schlaraffenland – mit finanzieller und logistischer Unterstützung vom Iran können Terroristen und Waffen jetzt elegant aus dem Gaza Streifen über den Sinai nach Israel eindringen. Aus mit der langen Warterei auf ein paar israelische Touristen im Sinai für das nächste Attentat, jetzt kann innerhalb Israels geschossen und bombardiert werden. Ein ‚Untext’, der vom humanitären Aufschrei gegen die Gaza Blockade erstickt wurde.

 

Folge: Neun tote Israelis, dutzende Schwerverletzte, tausende von Kindern im Bunker anstelle vom Sommercamp, Operation der israelischen Armee an der Grenze mit Ägypten um die dortigen Terrorzellen zu neutralisieren bevor noch mehr unschuldige Menschen sterben. Folge der Folge: Beim Feueraustausch mit den Attentätern, die in unmittelbarer Nähe von ägyptischen Grenzpolizisten auf Israel schossen, kam es zum Kollateralschaden – fünf ägyptische Polizisten sterben. Dass das keine geplante Aggression gegen Ägypten war, wie die meisten Berichte subtil erklingen lassen, sondern Folge der neuesten Terrorwelle, macht den Verlust nicht weniger tragisch.

 

Dass die Entwicklung der letzten Tage erst ein paar wenige Schlagzeilen macht nachdem sich Israel wehrt um seine Zivilbevölkerung vor weiteren Attentaten zu schützen, erleuchtet wiederum das zweite Merkmal – Chronologie ist Unsinn. Vor allem wenn sie die gewünschte Storyline stört. Chronologie bedeutet: erst geschah A, daraufhin B, dann C. Erst tötete eine Welle von Attentaten an der ägyptischen Grenze acht Israelis, daraufhin wehrte Israel sich, dann kam es zur ‚Tötung’ von ägyptischen Polizisten. Die meisten Berichte jedoch fangen bei C an und lassen in der Wahrnehmung der Leser B als A erscheinen – Israels Defensive als Auslöser der Eskalation. Und nun zum dritten Merkmal, Opferunfug. Dass bei dieser immer noch andauernden Anschlägreihe mittlerweile neun Israelis ums Leben gekommen sind, die meisten auf der Urlaubsfahrt nach Eilat erschossen, wird zum Kleingedruckten. Gross gedruckt werden die ägyptischen Polizisten. Das passt wunderbar ins fabrizierte Wunschbild der Isolation Israels: „jetzt haben sie sichs auch noch mit den Ägyptern versaut“.

 

Hinzukommt, das alle möglichen israelischen Regierungsorgane unmittelbar nach dem Ereignis dem Militärrat und den betroffenen Familien tiefstes Beileid und Bedauern beteuerten. Israel apologetisch, das füllt immer gerne ein paar Zeilen. Hätte die palästinensische Autonomiebehörde, oder gar der ägyptische Militärrat deren Beileid für die israelischen Terroropfer geäußert, hätten diese vielleicht auch ein paar mehr sound- und printbites gefüllt. Anstelle fordert der Militärrat eine weitere Entschuldigung von Israel für die Äußerung Ehud Baraks, dass Ägyptens Kontrolle im Sinai zerbröckelt. Wie sonst kam es zu den Attentaten?

 

Die gute Nachricht: die diplomatische Krise ist überstanden, es mag frösteln, aber das tut es verstärkt bereits seid Hosni Mubarak im Februar abdanken musste, lange vor dieser Eskalation. Israel und Ägypten werden die Ereignisse nun gemeinsam untersuchen – unter anderem um festzustellen, ob die Polizisten durch Sprengstoff eines Selbstmordattentäters und versteckten Sprengsätzen auf der ägyptischen Seite der Grenze verletzt wurden. Die schlechte Nachricht: die Verzerrung geht weiter. Die Berichte über Israel verschweigen grundsätzlich den geo-politischen sowie tagespolitischen Kontext, verschleiern Grundsätzlich die Chronologie der Ereignisse und geben israelischen Opfern, ob kleine Kinder oder ganzen ausgelöschten Familien, eine Fussnote. Bis? Bis sich die Leser gegen die manipulative Metamorphose der Realität wehren.

 

haOlam.de – Melody Sucharewicz (Foto), (* 1980 in München) ist eine in Deutschland geborene israelische Beraterin für politische Kommunikation und Strategie. 2006–2007 war sie für den Zeitraum von einem Jahr „Sonderbotschafterin“ Israels.

 

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