kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Sie haben alle lebenslänglich 5. September 2011

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 16:51

Wer mit dem Gefangenenlager Guantánamo in Berührung kam, ist für immer gezeichnet: Der Filmemacher Thomas Selim Wallner zeigt in einer NDR-Dokumentation das Schicksal von Menschen diesseits und jenseits der Mauern.

 

Warum Murat Kurnaz in den Norden Pakistans ging, wo ihn die Armee in der Nähe der Talibanhochburg Peshawar aufgriff und dann den Amerikaner übergab, weiß nur er. Um seine Kenntnisse über den Islam zu vertiefen, sagt er, was nicht sehr überzeugend klingt. Um Al Qaida zu unterstützen, warfen ihm die Amerikaner vor, was aber nicht zu beweisen war. Trotzdem saß er fünf Jahre lang im Gefangenenlager Guantánamo, bis ihn die Bundeskanzlerin auslöste. Die Türkei, deren Staatsangehörigkeit Kurnaz besitzt, hatte sich für den Fall des vermeintlichen „Taliban aus Bremen“ nie interessiert. Ob er nicht zu Zeiten der rot-grünen Bundesregierung schon hätte freikommen müssen, ist eine Frage, die dem damaligen Kanzleramtsminister Frank-Walter Steinmeier immer wieder gestellt, aber nie erschöpfend beantwortet wurde.

 

Murat Kurnaz saß in der „Guantánamo-Falle“. So heißt der Film von Thomas Selim Wallner, den der NDR am Samstag zeigt. Doch in dieser Falle saß nicht nur Kurnaz wie die anderen Inhaftierten, in der Falle saßen und sitzen auch andere. Diane Beaver zum Beispiel, die als Rechtsberaterin der amerikanischen Armee ein Memorandum verfasste, das auflistet, mit welchen aggressiven Verhörmethoden man den Terrorverdächtigen zu Leibe rücken dürfe. Achtzehn von zweiundzwanzig Punkten genehmigte der damalige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, man würde sie gemeinhin als Folter bezeichnen. Doch identifizieren lassen wollte sich damit niemand – außer Diane Beaver, deren Namen man schwarz auf weiß hatte und die deswegen vor einen Untersuchungsausschuss musste. Hinter ihr versteckten sich sämtliche Vorgesetzte, die verantwortlichen Politiker sowieso. Ihren Patriotismus hat Diane Beaver darüber nicht verloren, doch sie weiß: „Ich habe die Schläge für die Regierung eingesteckt.“ Sie nahm ihren Abschied und versucht sich nun mit einer Hundepension.

 

Murat Kurnaz ist sein Zeuge: Für Lieutenant Commander Matt Diaz ist Guantánamo zur Falle geworden, weil er seinem Gewissen folgte. Er war Rechtsoffizier und schmuggelte eine Namensliste der Häftlinge aus dem Lager. Die Menschenrechtsaktivistin, der er die Namen schickte, hielt das für einen schlechten Witz – Diaz hatte die Liste mit einer kitschigen Postkarte zum Valentinstag getarnt. Die Adressatin gab die Liste an die Behörden, Diaz wurde angeklagt, zu sechs Monaten Haft verurteilt, unehrenhaft aus der Armee entlassen. Seine Anwaltslizenz ist er los, seine Ehe ging in die Brüche, er verlor Haus und Hof und ist ruiniert. Nur seine jungerwachsene Tochter gibt seinem Leben noch einen Sinn.

 

Der Anwalt Gonzalo Boye saß auch einmal in der Falle, inhaftiert in einem spanischen Gefängnis, wo er gefoltert wurde. Heute will er als Anwalt all jene zur Anklage bringen, die für die Verhältnisse in Guantánamo verantwortlich waren. Murat Kurnaz ist sein Zeuge, Diane Beaver ein Ziel seiner Anklage, die allerdings, wie wir im Abspann erfahren, auf Druck der amerikanischen Regierung (unter Obama) hin auf Eis gelegt wurde. Thomas Selim Wallner verfolgt und kombiniert die Lebensläufe seiner Protagonisten, filmt sie in ähnlichen Alltagssituationen und erreicht es, dass sie ihr Innerstes nach außen kehren, was vor allem im Fall Diane Beavers eine Leistung gewesen sein dürfte. Ohne eigenen Kommentar macht Wallner deutlich, dass nicht nur das Leben von Murat Kurnaz durch Guantanamo und durch die als „aggressives Verhör“ benannten Methoden auf immer belastet ist. Vier einsame Menschen zeigt uns dieser Film, deren Mitwelt nie wird richtig verstehen können, was ihnen geschah. {Quelle: www.faz.net – Von Michael Hanfeld}

 

 

Kurnaz, die Folterfrau und „Die Guantanamo-Falle“

 

Der Deutsch-Türke Kurnaz war jahrlang in Guantanamo interniert. Zu Recht, behauptet Diane Beaver in einer Dokumentation. Sie hatte die Folter im Lager juristisch legitimiert.

 

Er, der Moslem, sagt: „Ich glaube an das Schicksal und das Gott uns mit bestimmten Dingen prüft.“ Sie, die Christin, sagt: „Es war ein Teil von Gottes Plan“. Zwei Menschen, fest im Glauben – und durch diesen Glauben in eine Falle geraten: „Die Guantanamo-Falle“, so heißt der am späten Samstagabend im NDR ausgestrahlte Dokumentarfilm von Thomas Wallner. Der „er“ ist in diesem Fall Murat Kurnaz, der aus Bremen stammende Türke, der unschuldig in das US-Militärgefängnis auf Kuba gebracht wurde und dort fast fünf Jahre blieb. Die „sie“ ist Diane Beaver, ehemalige Rechtsberaterin der US-Armee und für ein juristisches Gutachten verantwortlich, das Foltermethoden in Guantanamo legitimierte. Beide haben durch Guantanamo verloren: Er, weil er unter schlimmsten Umständen gefangen war. Sie, weil sie den Kopf hinhalten musste für die unrechten Methoden in dem Gefängnis.

 

Dazu gesellt sich als dritte Hauptfigur des Film als tragischer Held Matthew Diaz. Der ehemalige Armee-Anwalt spielte Menschenrechtsvertretern als Erster die von der Bush-Regierung geheim gehaltene Liste mit den Namen der auf Guantanamo gefangen gehaltenen Menschen zu. Seine Liste half dabei, die Gefangenen aus der Anonymität zu holen und ihnen neue Rechte zu geben. Doch Diaz hatte nichts davon, im Gegenteil. Er flog auf, kam ein halbes Jahr ins Gefängnis, verlor seine berufliche Stellung und ist inzwischen pleite.

 

Die Drei geben Guantamo ein menschliches Gesicht: Alle drei – Kurnaz, Beaver und Diaz – verkörpern mit ihren Schicksalen, was für ein Unrecht der damalige US-Präsident George W. Bush nach den Anschlägen vom 11. September 2001 mit der Einrichtung von Guantanamo geschaffen hat. Damals, kurz nach den Anschlägen, war der gerade erst 19-jährige Kurnaz aus Bremen nach Pakistan aufgebrochen. Was er in Pakistan so kurz nach den Anschlägen wollte? „Ich bin nach Pakistan gereist, damit ich möglichst viel über den Islam lernen kann“, sagte er in dem Film. Dass diese Reise zu dieser Zeit heikel war, will er nicht mal geahnt haben – „ich war auch kein Typ, der sich mit Politik beschäftigt hat“. Ein paar Wochen blieb Kurnaz im Land. Was er genau tat, weiß bis heute nur er selber. Aber er habe bereits zurückkehren wollen, als ihn im November 2001 pakistanische Sicherheitskräfte aus dem Auto zogen und festnahmen. Anfang 2002 kam er nach Guantanamo. Und obwohl schnell feststand, dass er kein Terrorist war, musste er dort bis zum August 2006 bleiben.

 

„Für eine Entschuldigung ist es sowieso zu spät“: Der Fall ist vielfach beleuchtet. Auch die Vorwürfe gegen den damaligen Kanzleramtsminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), nichts für die Freilassung von Kurnaz getan zu haben, wurden erschöpfend behandelt. Der Film streift diesen Aspekt auch nur. Den wichtigsten Satz dazu sagt Kurnaz, das Opfer der politischen Untätigkeit. „Für eine Entschuldigung ist es sowieso zu spät, eine Entschuldigung nehme ich nicht mehr an.“ Ansonsten gibt der Film keinen neuen Einblick über den nach seiner Festnahme als „Bremer Taliban“ verschrienen Kurnaz. Das eigentliche Kunststück von Filmemacher Thomas Wallner ist, dass er Diane Beaver vor die Kamera bekommen hat. „Die Leute halten mich für die Folterfrau schlechthin“, mit diesen Worten beschreibt Beaver selbst ihren Ruf. Sie hatte sich als Rechtsberaterin für Guantanamo beworben. Sie tat dies aus der von ihrem christlichen Glauben und ihrem Patriotismus getragenen Überzeugung, damit etwas nach den Anschlägen für ihr Land tun zu können.

 

18 neue aggressive Verhörmethoden: Beaver versuchte herauszufinden, welche Verhörmethoden juristisch soweit abgedeckt sind, dass sie nicht als Folter gelten. „Wir brauchten neue, aggressive Methoden“, erinnerte sie sich. Sie schlug 22 Methoden vor – US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld segnete 18 davon ab. Darunter etwa die Befugnis, Phobien von Gefangenen auszunutzen: Wer Angst vor Hunden hatte, auf den wurde im Verhör ein Hund losgelassen. Allen Ernstes sagte Beaver aber über Guantanamo. „Folter hat dort nie stattgefunden, egal wie man den Begriff auslegen möchte.“ Und sie fühlt sich dadurch bestätigt, dass scheinbar bei anderen Einsätzen noch ganz anders mit Gefangenen umgegangen wurde. Als die Bilder um die Welt gingen, wie US-Soldaten im Irak in Abu Ghraib Gefangene brutal folterten, fand Beaver das Vorgehen der Soldaten „unprofessionell“.

 

Wallner lässt in seinem Film die Protagonisten sprechen, er kommentiert nicht und bewertet nicht durch eigene Worte. Und doch gibt er Beaver mit der Inszenierung einen menschlichen Zug. Ihr Bruder Michael beginnt zu weinen, als er davon erzählt, wie sehr der Familie das Image der Schwester als die Folterfrau zu schaffen mache. „Diane hat ihren Job gemacht, weil sie ihr Land liebt.“ Doch wie zynisch muss das Weltbild der Schwester sein? Als sie mit Freunden feist beim Barbecue sitzt und ihre Hunde das Grillbesteck ablecken dürfen, preist Diane Beaver vor ihren Gästen Guantanamo wie eine Art Sanatorium: „Medizinisch sind die bestens versorgt, besser als in ihrem eigenen Land.“ An anderer Stelle in dem Film zeigte Wallner, wie Kurnaz nach seiner Freilassung nur noch humpelnd laufen konnte und dramatisch gealtert war. In dem Fall hat der Film eine Schwäche: Es hätte wohltuend wirken können, die bis heute von ihrem Tun überzeugte Pensionistin mit solch einem Schicksal zu konfrontieren.

 

Kurnaz machte Militärs zu schaffen: So lässt Wallner Beaver unbehelligt ihr Weltbild verbreiten. Sie sagte, sie könne sich bis heute an Kurnaz erinnern. Die Geschichte von dem unschuldigen Jungen ist für sie Blödsinn – er habe „mit ein paar üblen Typen“ zu tun gehabt und es den Militärs auf Guantanamo ganz schön zu schaffen gemacht. Doch trotz der bis heute fehlenden Einsicht in das auf der Insel geschehene Unrecht scheint es ganz am Ende des Films so, als hätte Kurnaz heute das glücklichere Leben als Beaver. „Bisher habe ich noch nicht den Richtigen getroffen“, sagte die pensionierte Armeeangehörige in ihrem emotionalsten Moment mit Tränen in den Augen über ihre Einsamkeit. Dagegen hat Kurnaz geheiratet und eine Tochter bekommen. Und er hat einen höheren Sinn in seiner Gefangenschaft ausgemacht: Womöglich sei es Gott um eine Starkmachung für den Rest des Lebens gegangen. {Quelle: www.welt.de}

 

One Response to “Sie haben alle lebenslänglich”

  1. Erich Foltyn Says:

    mir war klar, dass die amerikanischen Soldaten sich ein paar Leute zusammen gefangen haben, die mit der Sache gar nichts zu tun hatten, weil sie die wahren Täter entweder nicht finden konnten oder weil diese nicht allein verantwortlich sind. Und natürlich ist das Foltern von Unbeteiligten auch sehr unproduktiv, besonders während man geht den Islam zu loben, aber man hat das die Welt wissen lassen, zu welcher Grausamkeit Weltmächte imstande sind. Aber die islamische Welt hat es nicht als eine Warnung aufgefasst, das liegt daran, dass das im Weltmasstab nur kleine Konflikte sind, die niemanden kümmern. Früher war eine atomare Bedrohung eine Abschreckung, aber heutzutage fürchtet sich niemand mehr vor einer Atombombe, alle stellen sich vor die Panzer hin und werfen Steine usw. Und es müssen sich die Sympatisanten der Al Quaida auch klar sein, dass sie mitschuld sind an den Foltern in Guantanamo. Indem man nur die Amerikaner beschuldigt, damit wird man das Problem nicht lösen. Weil die haben damals das Weisse Haus bedroht und das Pentagon beschädigt und erwarten, die Amerikaner sollten das tatenlos hinnehmen. Und natürlich bin ich auch entsetzt von der Grausamkeit der Amerikaner. Aber wenn die Moslems bis heute nur den Splitter im Auge des Anderen sehen und nicht den Balken im eigenen, wird es nie Frieden geben. Man kann die Amerikaner schon besänftigen, aber nicht so, wie die das machen. Weil lieber regen sie sich über deren Schuld auf, als dass sie Frieden machen und das ist dann der „friedliche“ Islam, ein Hohn, der vom Propheten Mohammed persönlich erfunden wurde.


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