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Der Islam und der Westen: Nimm meine Schuld auf dich 3. September 2011

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 15:20

Wie tief ist der politische Riss zwischen Orient und Okzident?

Die Religionsgeschichte gibt Antworten

 

Selbst nach den Terroranschlägen vom 11. September bleibt die herrschende Tendenz in Europa, das Aufeinanderprallen der Zivilisationen zu ignorieren. Die Reaktionen sind aufklärerisch, beschwichtigend, harmonieorientiert oder apologetisch – auf jeden Fall nicht konfrontativ. Stimmen wie die von Silvio Berlusconi, Oriana Fallaci oder V. S. Naipaul, die den Zivilisationskampf zwischen Okzident und Orient verkünden, haben Seltenheitswert. Ihre Äußerungen werden in der westlichen Öffentlichkeit als Tabubruch empfunden und entfachen Wellen der Entrüstung. Es gilt nicht als politisch korrekt, sich darüber öffentlich zu äußern. Diese Zurückhaltung des Okzidents ist in kulturellen Verhaltensmustern begründet, die im Zusammenhang mit gegensätzlichen orientalischen Kulturtraditionen betrachtet werden müssen.

 

Orient und Okzident sind aus ihrer eigenen Geschichte entstandene Kulturräume, die wegen ihrer geopolitischen Nähe füreinander von großer Bedeutung waren und es auch in Zukunft bleiben werden. Diese Dichotomie ist keineswegs nur eine Erfindung des Okzidents, wie es die These des Kulturwissenschaftlers Edward Said vom „orientalism“ behauptet, die sowohl in der westlichen akademischen Welt als auch in islamistischen Kreisen auf breite Zustimmung gestoßen ist. Geografisch gesehen, ist der Orient die islamisch-arabische Welt im Mittelmeerraum und im Nahen Osten. Es ist eine Welt, die keine strikte Trennung zwischen Religion und Staat vollzogen hat. Säkularismus existiert im Orient in Ansätzen nur dort, wo er von „oben“ verordnet wird und sich auf die Macht der Bajonette berufen kann. Es ist eine Welt, in der der Islam den Alltag der Mehrheit der Bevölkerung geprägt hat und entscheidend mitformt. Okzident ist geografisch die westliche Welt, hauptsächlich Europa und Nordamerika. Ihre Wertvorstellungen nähren sich aus der jüdisch- christlichen Tradition. Sie ist der Demokratie und der Säkularisierung (also der Trennung von Staat und Religion) verpflichtet.

 

Nur wenige Muslime sehen heute den Okzident als die Wertegemeinschaft der jüdisch-christlichen Zivilisation an. Weil die Religion in Europa an politischer Macht eingebüßt hat, sehen die Muslime im Christentum keine Gefahr mehr. Vielmehr erscheint ihnen der Okzident als eine säkularisierte, vom Materialismus beherrschte Macht, die gegenüber der arabischen-islamischen Welt Imperialismus und Ausbeutung betreibt. Den strengen Muslimen und radikalen Islamisten erscheint der Westen als ein Hort der Dekadenz und Gottlosigkeit. Auf der anderen Seite ist das Bild vom Orient bei der großen Mehrheit der Bevölkerung des Westens durch aggressiven religiösen Fanatismus, gesellschaftliche Rückständigkeit und politische Unmündigkeit geprägt.

 

Die etablierten Kirchen im Okzident nehmen aber ihre eigene Kultur ähnlich wahr, wie es die islamische Welt tut. Besorgt durch den Wertepluralismus im postmodernen Zeitalter, lamentieren Kirchenvertreter über den grassierenden Materialismus, die dekadente Kultur und die herrschende Gottlosigkeit. Sowohl die Kirchen und als auch die Islamisten hoffen auf religiöse Umkehr. Die religiöse Potenz des Islam ruft zwar ein tiefes Unbehagen hervor, imponiert zugleich aber denjenigen im Westen, die hoffen, dass der christliche Glaube einst wieder Berge versetzen kann. Kürzlich betonte der Jesuitenpater Christian W. Troll, man habe im Dialog mit dem Islam universale Werte gemeinsam durchzusetzen gegen „jenen Humanismus, der die Religion aus der öffentlichen Sphäre herausdrängen will“.

 

Die Dekadenzkritik der Islamisten und der christlichen Kirchenvertreter ist aber asymmetrisch. Die islamische Geistlichkeit richtet diese Kritik gegen den vermeintlich korrumpierenen westlichen Einfluss auf die arabisch-islamische Welt. Die eigene Welt ist heil geblieben. Sie muss nur von der westlichen Kontaminierung befreit werden. Zwischen Islam und Kirche gibt es auch gemeinsame Interessen in gesellschaftspolitischen Fragen, etwa bei der Abtreibung, der Stammzellenforschung und dem Klonen von Menschen. Die areligiöse Mehrheit im Westen beurteilt die Rolle der eigenen Kirchen und der Religion insgesamt als marginal. In ihrer Wahrnehmung des Orients aber nimmt der Islam die zentrale Stelle ein.

 

Innerhalb dieser areligiösen Mehrheit wiederum gibt es eine intellektuelle Schicht, deren Bild vom Orient durch die Politik- und Sozialforschung geprägt wird. Ihrer eigenen politischen Sozialisierung auf der Linken gemäß, pflegt sie ein Weltbild, in dem Religionen keine gestaltende Rolle spielen. Daher wird die Macht des heutigen Islam in dieser Schicht unterbewertet. Ihr Bild von der arabischen Welt ist das eines Opfers kapitalistischer Ausbeutung und imperialer Dominanz. Sie hält den islamischen Terrorismus zwar für verabscheuungswürdig, aber sieht in ihm keinen Zivilisationsbruch. Ihre Protagonisten sind der Meinung, dass man die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen ändern müsse, um den Sumpf auszutrocknen, in dem Terrorismus entstehen konnte. Innerhalb dieser Schicht ist die Bereitschaft, den Westen zu beschuldigen, sehr groß. Intellektuelle wie Susan Sonntag, Noam Chomski, Tiziano Terzani oder Arundhati Roy üben Zivilisationskritik an der westlichen Welt und weisen die Schuld am schlechten Verhältnis zum Orient in erster Linie den USA zu. Während im Okzident also eine Vielfalt der Wahrnehmungen des Orients besteht, bleibt das Bild des Okzidents im Orient monolithisch. Wer eine differenzierte Wahrnehmung des Westens hat, kann sich dort nur bedingt artikulieren.

 

Es lohnt sich, das Spannungsverhältnis zwischen Orient und Okzident als eine dialektische Beziehung zu betrachten, die beim Zusammenprall einer Schuldzuweisungskultur (blame society) mit einer Schuldkultur (guilt society) entsteht. Kulturanthropologen arbeiten bisher mit den Begriffen „Schuldkultur“ (im Westen) und „Schamkultur“ (in Ostasien und Afrika). Die vorgeschlagene Sicht aber kann helfen zu verstehen, warum die Schuldgefühle im Okzident so weit gehen können, dass die Solidarität mit der eigenen Kultur bis zur Selbstverleugnung verweigert wird. Zu fragen ist andererseits, warum der Orient kaum Verantwortung für selbst verschuldete Unzulänglichkeiten übernehmen kann.

 

Der Orient hat sich seit Jahrzehnten in Verschwörungstheorien und sich selbst erfüllende Prophezeiungen verstrickt. Dazu acht Thesen:
1. Im Orient wird die eigene Schuld und Unzulänglichkeit verdrängt und anderen zugeschoben. Selbstkritik ist selten zu finden. Die Korrekturfähigkeit ist daher begrenzt.
2. Im Orient wird die Opferrolle bevorzugt. Zur Begründung dieses Verhaltensmusters werden Verschwörungstheorien geschmiedet.
3. Der Islam kennt keine Erbsünde und daher keine historisch tradierte Kollektivschuld.
4. Der Islam begünstigt nicht die Gestaltung des freien Willens und der eigenen Verantwortung. Im islamischen Menschenbild steht der freie Wille neben der allumfassenden Vorherbestimmung Allahs, ohne dass die islamischen Theologen bisher beide Grundsätze miteinander in Einklang bringen konnten.
5. Im Okzident neigt man zum Schuldbekenntnis, ob zu Recht oder zu Unrecht. Daher wird häufig die Täterrolle übernommen.
6. Die Schuldkultur im Okzident begünstigt die Selbstkritik, aber auch die eigene Korrekturfähigkeit.
7. Im heutigen Okzident ist die religiös begründete Vorstellung von der Erbsünde teilweise säkularisiert und drückt sich in Schuldbekenntnissen auch gegenüber der islamisch-arabischen Welt aus.
8. In dem offenen oder verdeckten Konflikt zwischen beiden Kulturen kann der Okzident nicht frei handeln, und zwar aufgrund selbst auferlegter moralischer Zwänge. Diese Selbstbeschränkung wird von der aggressiven Schuldzuweisungskultur des Orients als Schwäche wahrgenommen. Sie wird in Konfliktsituationen nicht honoriert, sondern ausgenutzt.

 

Sigmund Freud behauptete, das Schuldgefühl sei das wichtigste Problem der Kulturentwicklung. Die Regulation sozialen Verhaltens (Kultur) liegt in den Händen des Über-Ichs (des Gewissens). Dieses bedient sich des Schuldgefühls. Nach Freud hat der abendländische Mensch die Schuld verinnerlicht. Das beruht, zumindest symbolisch, auf der biblischen Erzählung von der Erbsünde, die zum Übergang vom unschuldigen Naturzustand zur Teilung in Gut und Böse führte. Eine Erbsünde im abendländischen Verständnis gibt es im Islam jedoch nicht. Die Vertreibung aus dem Paradies ist im Koran kein Schlüsselerlebnis.

 

Allah vergibt alle Sünden, groß und klein, wenn der Sünder Reue und Bereitschaft zur Umkehr zeigt. Es gibt im Koran keinen ausgangsoffenen Kampf zwischen Gut und Böse. In der abendländischen Tradition kann Satan den Menschen verführen (das faustische Motiv). Im Islam entwaffnet der Satan sich selbst, indem er in der Sure 14,22 zugibt, über die Menschen keine Macht ausüben zu können. Ein praktizierender Muslim erlangt seine Gewissheit, das Heil zugeteilt zu bekommen, einzig und allein durch die Erfüllung aller Gebote Allahs. Dieses Verhalten erspart ihm die Gewissensqualen, die dem Christentum immanent sind. In der islamischen Auffassung gilt die Schuld zwar als persönliche Bürde, die aber mit der strikten rituellen Befolgung der Gebote Allahs abgetragen werden kann. Der muslimische Orient kennt kein kollektives Schuldbekenntnis, das historisch an die nächsten Generationen tradiert würde.

 

Im Okzident dagegen ist die christlich geprägte Idee der Erbsünde Bestandteil des westlichen Zivilisationsverständnisses geworden. Die Erbsünde wurde säkularisiert. Man fühlt sich etwa dafür schuldig, reich zu sein, auch wenn man seinen Reichtum mühevoll erarbeitet hat. Ebenso plagen einen Gewissensbisse bei der Ausübung von Macht, auch wenn die Machtmittel legitim sind. Der Antikolonialismus, der Antikapitalismus und der Affekt gegen die Globalisierung speisen sich aus solchen Schuldgefühlen, die man gegenüber der Dritten Welt empfindet. Trotz seines Erdölreichtums ist der Orient in dieses Opferbild eingeschlossen. Damit hat er Anteil an der Schlüsselgewalt der zu vergebenden Absolution. Als Schuldtilgung gelten finanzielle Zuwendungen an Entwicklungsländer. Gegenüber dem Orient soll Schuld eher durch politische Rücksichtnahme abgegolten werden. Die Islamisten verabscheuen die demokratischen Werte, da sie von Menschenhand stammen und damit im Widerspruch zur Scharia stehen, die göttlichen Ursprungs ist. Wenn sie selbst aber politisch verfolgt werden, scheuen sie sich nicht, die „undemokratischen Verfahren“ anzuprangern und an die Menschenrechte zu appellieren. Manch schuldbewusster Abendländer lässt sich von dieser Heuchelei beeindrucken.

 

Islamwissenschaftler verweisen auf den Begriff Mu’amarah (Verschwörung) als Ausdruck einer kulturell verankerten Sichtweise, die dem eigenen Schicksalsglauben (Kismet) Vorschub leistet. Gemeint ist die tröstende Erklärung für Schicksalsschläge, die den unerklärbaren göttlichen Willen zur Voraussetzung haben. Damit wird dem Kismet ein religiöser Sinn gegeben. Islamwissenschaftler billigen dem Glauben an Kismet kaum einen theologischen Stellenwert zu. Für sie gehört er eher in den Bereich der Volksreligion. Wenn dem Muslim von Allah ein Los zugeteilt wird, das er selbst nicht beeinflussen kann, übt er auch keine eigene Verantwortung aus. So entsteht die Neigung, Ereignisse mit dem Eingriff äußerer Kräfte zu erklären, statt sie auf eigene Unzulänglichkeit zurückzuführen.

 

Bernard Lewis schildert in seinem neuesten Buch What went wrong? eine historische Kette von Schuldzuweisungen an externe Übeltäter, die für die Antwort auf die typisch arabische Frage „Wer hat uns das angetan?“ herhalten mussten. In einer Umfrage anlässlich des ersten Jahrestages der Anschläge des 11. September, die von der ägyptischen Zeitung al-Ahram Weekly unter ihren Lesern durchgeführt wurde, waren 81 Prozent der Befragten nicht bereit, die Verantwortlichkeit irgendeines Arabers an der Tat zuzugeben. Wohlgemerkt: Bin Laden hatte sich schon längst zu der Tat bekannt. Das Verschwörungssyndrom schiebt die Schuld anderen, vorzugsweise dem Westen, zu. Die Araber empfinden sich oft als Opfer, nie als Täter. Allerdings gibt es auch Lichtblicke: Arabische Intellektuelle wie Abdelwahab Meddeb, Mohammed Talbi, oder Abdou Filali-Ansary erhoffen sich die Erneuerung der Korrekturfähigkeit durch den Anschluss des Islam an die Aufklärung.

 

Oft wurden die Reformation, die Aufklärung oder die bürgerliche Freiheitsrevolutionen herangezogen, um den zivilisatorischen Vorsprung des Okzidents zu erklären. Aus der Krise des Osmanischen Reiches seit dem späten 17. Jahrhundert zog man in Istanbul die Lehre, dass man den Okzident nachahmen müsse, um Anschluss an die Moderne zu finden. Dieser Versuch setzte die Anerkennung eigener Schwäche und Unzulänglichkeit voraus. Es war der Machterhaltungstrieb, der die Osmanen zu dieser Erkenntnis führte, wobei man manche religiöse Bedenken beiseite ließ. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aber kam die westliche Modernisierung in Verruf: Sie diene nur dem Machterhalt autokratischer arabischer Regime zu dienen. Die arabischen Massen sahen in der Modernisierung ein repressives Instrument der Herrschenden. Alle Übel wurden nun auf die Nachahmung des Westens zurückgeführt. Verbunden war dies mit einer immer aggressiveren Interpretation des Islam.

 

Wie soll der in die postmoderne Orientierungskrise geratene Westens mit dieser Schuldzuweisung umgehen? Eine Kultur, die Schuldbekenntnis und Selbstkritik gewohnt ist, neigt dazu, die an sie gerichteten Schuldzuweisungen ernst zu nehmen. Damit aber diese Bereitschaft nicht den eigenen Überlebensinstinkt paralysiert, muss man sich eingestehen, dass der Okzident in einer kulturellen Konfrontation mit dem Orient steht. Eine Situation allerdings, wie sie Heinrich Heines Verse An Edom in Bezug auf den Konflikt zwischen Juden und Christen schildern, sollte im Konflikt mit der arabisch-islamischen Welt vermieden werden: „Jetzt wird unsre Freundschaft fester, / Und noch täglich nimmt sie zu / Denn ich selbst begann zu rasen, / Und ich werde fast wie Du“. {Quelle: www.zeit.de}

 

5 Responses to “Der Islam und der Westen: Nimm meine Schuld auf dich”

  1. Erich Foltyn Says:

    ich bin zwar gläubiger Katholik und auch gefangen in den ewigen Schuldgefühlen des Christen, aber ich empfinde es als Schwäche, die eines erwachsenen Menschen unwürdig ist, wenn man ständig behauptet, wir wären verantwortlich für das Elend in ganz Afrika und Asien und müssten irgend etwas dagegen tun, wo es doch offensichtlich ist, dass sich die betreffenden Länder dagegen wehren, indem sie Helfer umbringen etc. und militärisch überlegen sind. Weiters bedeutet der Islam die Abschaffung der Zivilisation mitsamt ihrer materiellen Grundlage, wozu der gesamte Westen machtlos ist. Das wird aber hierzulande auch geleugnet. Ich lehne es aber ab, derart übermächtige Schuldgefühle auf mich zu nehmen und ich bin auch nicht der Hl. Nepomuk.

    • Saphiri Says:

      Zusammenfassung Zusammenfassung:

      Die Beziehungsgeschichte zwischen Orient und Okzident war und ist durch eine lange Kette von gegensaetzlichen Wahrnehmungen, aber auch von zeitweiliger gegenseitiger Achtung gekennzeichnet.

      Oft wurden die Reformation, der Rationalismus, die Aufklaerung, oder die Werte der Franzoesischen Revolution als Erklaerungsmodelle hinzugezogen, um den zivilisatorischen Vorsprung des Okzidents gegenueber dem Orient zu vermitteln. Aus der Krise des Osmanischen Reiches seit dem spaeten 17. Jahrhundert folgerte man in Istanbul, dass man den Okzident nachahmen sollte, um Anschluss an die Moderne zu finden.

      Dieser Versuch setzte die Anerkennung der eigenen Schwaeche und Unzulaenglichkeit voraus. Es war der Machterhaltungstrieb, der die osmanische Herrschaft zu dieser Erkenntnis fuehrte,wobei man auch religioese Bedenken manchmal beiseite liess. In der zweiten Haelfte des 20. Jahrhunderts wurde aber zunehmend klar, dass die Nachahmung des Okzidents eine betraechtliche Modernisierung herbeibrachte, aber eine Verwestlichung, d.h. Verinnerlichung von westlichen Werten, kaum erreicht wurde. Westliche Modernisierung kam in den Verruf, nur den autokratischen arabischen Regimen beim Machterhalt foerderlich zu sein. Die breite Masse in der arabischen Welt sah die Moderne als repressive Instrumente ihrer Herrscher. Die eklektische Nachahmung des Westens war zum Scheitern verurteilt und wurde mit zunehmender

      Rueckbesinnung und agressiver Interpretation des Islam kompensiert. Eigene Unzulaenglichkeit wurde nicht mehr zu gegeben. Die Schuldzuweisung an allem Uebel wurde dem Westen und seinen Agenten zugeschoben. Im Westen, der selbst in eine postmoderne Orientierungskrise (Beliebigkeit der Werte) geraten ist, weiss man nicht genau wie man mit diesen Schuldzuweisungen umgehen soll. Das westliche Dilemma wird deutlicher angesichts des zivilisatorischen Erbes des Christentums und der Aufklaerung.

      Eine Kultur, die Schuldbekenntnis und Selbstkritik gewohnt ist, neigt auch dazu, die an sie gerichteten Schuldzuweisungen ernst zu nehmen. Ich meine, dass mit zunehmender Aggression des islamistischen Orients, sich der Okzident aus eigenem Erhaltungstrieb zurueckbesinnen muss und dem geistigen und politischen Konflikt mit dem Orient letztendlich nicht ausweichen kann. Der erste Schritt waere, das Kind beim Namen zu nennen und zu konzidieren, dass wir uns in einer Konfrontation befinden, die wir nicht ausgesucht haben.Wir sollten dabei mit Umsicht und Entschlossenhheit vorgehen, ohne uns selbst zu verleugnen. Durch behutsames Vorgehen koennte man auch eine Entwicklung vermeiden, die Heine in den Versen

      „An Edom“ schon antizipiert hatte. Seine Verse waren zwar auf den Konflikt zwischen Juden und Christen gemuenzt, aber im Konflikt mit der arabisch-islamischen Welt koennten sie sich bewahrheiten:

      Jetzt wird unsre Freundschaft fester,

      Und noch taeglich nimmt sie zu;

      Denn ich selbst begann zu rasen,

      Und ich werde fast wie Du. ????

  2. carma Says:

    genau das war wohl auch die intention des erfreulich klärenden artikels- die moralische wirkung des schuldbegriffs war die selbsthinterfragung und selbst-verantwortlichkeit des subjekts in seiner hybris, mithin der gesellschaft als werte-gemeinschaft insgesamt. dieses humanitäre, mitfühlende ethos konnte erst durch eine von Gott geführte und auf sich selbst verwiesene gesellschaft „heranreifen“.
    dieses „altruistische“ erbe, wenn auch größtenteils säkularisiert, wirkt bis heute fort. somit ist auch die moderne gesellschaft immer noch Gott-„gefällig“- wie es andere religionen so nie sein können
    (mit einschränkung vielleicht des buddhismus und des alevitischen moralkodex).

  3. (B)engelchen Says:

    Erich F.
    Genauso sehe ich das auch,ich meine wer geht denn in diese Länder und hilft?
    Wer schickt denn Hilfspakete dorthin und wenn man Pech hat als Arzt oder Helfer dort bekommt man grade mal die Kehle durchgeschnitten.
    Also auch wenn es sich bitter und grausam anhört aber manchmal denke ich,ist es vielleicht besser wenn ihnen nicht mehr in diesem Maße hilft,weil dankbar sind die nicht,im Gegenteil….
    In einem Bericht vor längerer Zeit hatte sich eine Afrikanerin beschwert daß sie Hilfe brauchen und daß das ja alles nicht langt was da so kommt,ich finde das höchst unverschämt!!
    Na ja wobei man nicht vergessen soll daß die ganzen Spenden sich doch sowieso die Politiker dort abgreifen,alles Verbrecher!!! 😦

  4. (Genesis 2,15-17) Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.

    Wer nicht weiß, was Gerechtigkeit ist, darf auch nicht wissen, was Ungerechtigkeit ist, um eine Existenz in “dieser Welt” ertragen zu können. Zu diesem Zweck gibt es die Religion, die so erfolgreich war, dass sie die systemische Ungerechtigkeit der Erbsünde bis heute aus dem allgemeinen Bewusstsein der halbwegs zivilisierten Menschheit ausblenden konnte, während das Wissen seit langer Zeit zur Verfügung steht, um diese “Mutter aller Zivilisationsprobleme” endgültig zu eliminieren:

    http://www.deweles.de/willkommen.html


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