kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Das „Schwert des Islam“ kämpft für seinen Vater 26. August 2011

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 14:37

Der in Wien ausgebildete Akademiker, Künstler und Lebemann präsentierte sich zuletzt als entschlossener Unterstützer des Regimes. Saifs europäische Periode scheint jedoch unwiderruflich zu Ende zu sein.

 

Es war einer jener triumphierenden Überraschungsauftritte, wie Saif al-Islam Gaddafi sie gern hat: Dienstagnacht ließ er sich in einem gepanzerten Jeep vor das Tripoliser Hotel Rixos chauffieren, in dem ausländische Journalisten seit Wochen auf den von Gaddafi prophezeiten Sieg – oder wahlweise auf den von der Gegenseite prognostizierten Untergang – warten.

 

Ein paar Stunden, nachdem die Rebellen über die Einnahme Tripolis‘ berichtet hatten, feierte Saif hier seine Ankunft als glorreiche Wiederauferstehung des väterlichen Regimes. „Wir haben das Rückgrat der Rebellen gebrochen“, rief er siegessicher und reckte seine zum Victory-Zeichen geformte rechte Hand hoch in den schwarzen Nachthimmel: „Wir gewinnen.“

 

„Die Wüste schweigt nicht“, nannte Saif einmal eine Ausstellung seiner surrealistisch anmutenden Ölmalerei. Der Zweitälteste der acht Gaddafi-Geschwister ist seit jeher Muammar al-Gaddafis Kind für schwierige Missionen. Saif wird vorgeschickt, wenn der Hut brennt oder sich der Rest der Welt wieder einmal gegen Libyen verschworen hat. Der 39-Jährige ist das Gesicht Libyens für den Westen – auch wenn Saif mittlerweile vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht wird.

 

Vom Reformer zum Hardliner: Dass Saif Gaddafi in diesen Stunden der Ernst der Lage bewusst sein muss, davon zeugt schon sein Äußeres: Anzug und Krawatte hat er im Schrank gelassen, er präsentiert sich leger in olivgrünem T-Shirt und gefleckter Tarnhose. Der Gaddafi-Spross steht heute um einiges eindeutiger hinter dem Regime seines Vaters, davon zeugt nicht nur das muslimisch gewandelte Äußere – der dichte Bart, die Gebetskette – des sich einst weltmännisch Gebenden, davon zeugen auch seine entschlossenen und hasserfüllten Tiraden gegen die Rebellen. „Ungeziefer“ und „Islamisten“ hat er sie geheißen – und noch zu Beginn der Revolte dem Vater seine bedingungslose Unterstützung zugesichert. Wirklich distanziert hat er sich auch früher vom Regime seines Vaters nicht, mit dem er, wie er einmal in einem Interview sagte, trotz mitunter langer Kontaktunterbrechungen eine enge Bindung habe und die Hingabe zu Büchern und dem Islam. Dennoch galt der 1972 Geborene, den seine Eltern „Schwert des Islam“ nannten, lange Zeit als Vertreter des Reformflügels – im Gegensatz etwa zu seinem Bruder Mutassim, Vorsitzendem des Obersten Sicherheitsrates, oder Khamis, Oberbefehlshaber der gleichnamigen Brigaden. Seine Chancen auf die Nachfolge wurden aufgrund des Fehlens einer bewaffneten Hausmacht häufig als gering gesehen. Im Vergleich zu seinen militaristischen und teils in internationalen Hotelzimmern randalierenden Geschwistern war Saif derjenige, der dafür mit „Soft Power“ auftrumpfte.

 

Seine sich als Nichtregierungsorganisation präsentierende „Internationale Gaddafi“-Stiftung war innerhalb Libyens Saifs Hausmacht, mit der er nicht nur Wohltätigkeitsarbeit organisierte, sondern auch in heiklen Belangen der libyschen Außenpolitik auf der internationalen Bühne als Vermittler auftrat. Saif vermittelte bei der Entschädigung für die Lockerbie-Opfer, der Entführung einer deutschen Familie auf den Philippinen (2000), und bei der Freilassung der ursprünglich zum Tode verurteilten bulgarischen Krankenschwestern (2007).

 

Saif, der ursprünglich in Frankreich, Kanada oder der Schweiz studieren wollte, landete schließlich an der privaten Imadec-Universität in Wien-Hietzing. Seit den späten Neunzigerjahren knüpfte er Kontakte zu österreichischen Geschäftsleuten und Politikern – aus dieser Zeit rührte seine Freundschaft mit Jörg Haider, damals Landeshauptmann von Kärnten, und sein hierzulande besser bekanntes Image als Lebemann.

 

„Die Araber müssen sich verändern“: Saifs europäische Periode scheint jedoch unwiderruflich zu Ende gegangen zu sein. Der Gadddafi-Spross lud in den vergangenen Wochen zwar immer wieder westliche Journalisten ein, um sie von dem Siegeswillen des väterlichen Regimes zu überzeugen, er ereiferte sich in hitzigen Fernsehansprachen und stellte Anfang Juli noch Wahlen in Aussicht; ein freiwilliges Abtreten seines Vaters aber nannte er einen „Witz“. All das wirkte wie ein stures Nicht-zur-Kenntnis-nehmen-Wollen seines eigenen Diktums aus vergangenen Zeiten: „Die Araber müssen sich verändern, sonst wird die Veränderung ihnen von außen aufgezwungen.“ {Quelle: www.diepresse.com}

 

One Response to “Das „Schwert des Islam“ kämpft für seinen Vater”

  1. Auftrag Says:

    Saif Gaddafi

    wird genauso abserviert wie sein Vater,sollte er versuchen die macht zu übernehmen.
    Begreift das mal.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s