kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Lasst den koptischen Blogger frei! 22. August 2011

Filed under: Koptenverfolgung — Knecht Christi @ 11:14

Vor drei Tagen wurde das Kamerateam des TV-Senders ON-TV (gehört dem koptischen Milliardär Nagib Sawirus) inhaftiert und vor das militärische Gericht gestellt, weil es zwei Aktivisten der oppositionellen Bewegung „6. April“ interviewten. Es ging dabei um das Statement dieser Bewegung anlässlich der Aussagen des Generals Samy Annan, die er im stattlichen Fernsehen tätigte. Annan warf dieser Bewegung vor, dass sie Gelder aus Serbien bekommen, um das ägyptische Volk gegen das Militär hetze. Dummerweise guckte Annan ganz blöd aus der Wäsche, als man ihn fragte, ob er handfeste Beweise dafür habe. Denn er hat nur gelogen! Das Militär übertraf Mubaraks Regime, was mindestens Koptenverfolgung und Meinungsfreiheit anbelangt. Insbesondere die Moderatoren von ON-TV (zum Beispiel Rim Maged) und die pro-koptischen Journalisten Fatma Naout und Nabil Scharf Eldin wurden öfters vor das militärische Gericht gestellt. Dasselbe er erfuhren einige Frauen und Männer, die es wagten, den Militärrat zu kritisieren, was als Beleidigung bewertet wird.

 

Alle wurden nach ein paar Stunden entlassen. Einige mussten bitteres Bußgeld zahlen. Aber alle – und keiner von allen – wurden nach einigen Stunden auf freien Fuß gesetzt. Nur einer sitzt seit dem 29. März 2011 im Gefängnis: Michael Nabil Sanad. Er ist ein Kopte, der ehrlich gesagt unter den Kopten nicht beliebt ist, weil er Lügen über die eigene Kirche und Papst Schenuda verbreitet hat, sodass viel Kopten ihn für einen Salafisten oder Moslembruder hielten. Er pflegte einen direkten Kontakt zu Israel, was für muslimische Ägypter eine Gräueltat ist. Seine intensiven und zensurfreien Berichte über die Verbrechen des ägyptischen Militärs am eigenen Volk brachten ihn zum Fall. Ehrlich gesagt stimmt alles, was er zeigte.

 

Bevor ich Sie mit dem Kurz-Bericht von IGFM und einem Interview mit Michael lasse, verrate ich Ihnen etwas aus dem Video von „Christian Dogma“ mit Michaels Vater und Bruder. Sein Bruder Mark war deutlicher als sein Vater. Denn er schilderte, wie ungerecht sein Bruder behandelt wird. Weder der Vater noch der Bruder nahmen die Worte „Kopte“ oder „Christ“ in den Mund. Mark sagte: „Wir durften Michael viermal im Monat besuchen, was auf zweimal reduziert wurde, was mit keinem der Ganoven gemacht wurde, die mit ihm in derselben Zelle sitzen. Öfters wurde der Besuch gestrichen. Nicht jeder kann ihn besuchen, weil der Sicherheitsdienst allergisch auf manche Namen reagiert. Ein Offizier sitzt immer unter uns, wenn wir ihn besuchen, damit er hört, worüber wir reden. Wir dürfen ihm kein Fetzenpapier geben. Nicht einmal die Briefe seiner Freunde darf er an sich nehmen. Keine Zeitungen oder Bücher darf er erhalten. Mit Mühe und Not und auch Bestechungen dürfen wir ihm seine Medikamente zukommen lassen. Kann einer mir sagen, was die Revolution verändert habe?“ … „Vor seiner ersten Verhandlung vorm militärischen Gericht sprühte man ihm ein Spray ins Gesicht, damit er benebelt wird und nicht aussagen oder sich verteidigen konnte. Der Oberwitz war die Verurteilung, nachdem seine Rechtsanwälte hinausgehen mussten, wo man ihnen versprach, dass die Verhandlung vertagt werde“. Weil er Kopte ist?!?

 

 

 

 

Hoffnung auf Besserung wieder enttäuscht


IGFM: Ernennung durch Militär statt Wahl der Gouverneure kontraproduktiv für Demokratisierung

 

Die vom Obersten Militärrat eingesetzten Gouverneure bestätigen es erneut: Der proklamierte Bruch mit dem Regime Mubaraks findet nicht statt. 18 der 27 Gouverneure entstammen dem Militär, viele von ihnen haben direkte Verbindungen zur vorherigen Regierung. Es sind weder Minderheiten noch Frauen vertreten. Der einzige koptische Gouverneur General `Imad Mikhail, aufgrund massiver Prostest von islamischen Fundamentalisten zurückgetreten, wurde am 4. August durch einen Offizier der Sicherheitsdienste und Weggefährten Mubaraks ersetzt. Massive Menschenrechtsverletzungen nehmen nicht ab: Meinungs- und Pressefreiheit werden weiter beschnitten und Kritiker eingeschüchtert oder inhaftiert. „Von einem wirklichen Neuanfang kann keine Rede sein“.

 

Blogger leben noch immer gefährlich: Trotz der Machtübernahme durch die de-facto Herrscher des Landes, dem Militärrat, traten die erhofften Verbesserungen der Menschenrechtslage im Land nicht ein. Kritik an ihr wird nicht geduldet. So wurden nach Informationen der IGFM zahlreiche Bürgerrechtsaktivisten verhaftet und gefoltert. Darunter sind auch bekannte Aktivisten wie der am 29. März 2011 unter dem Vorwand der Beleidigung des Militärrats verhaftete Blogger Michael Nabil Sanad. Ähnlich erging es Assmaa Mahfouz, welche am 14. August 2011 bis zu einer Kautionszahlung von umgerechnet 2.300 Euro kurzfristig festgehalten wurde. Auch ihr wurde die Beleidigung des Militärrats vorgeworfen.

 

Bruch internationalen Rechts: IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin stellt fest: „Gouverneure sollten vom Volk gewählt und nicht durch den Militärrat eingesetzt werden. Das Versprechen des Rates, die hierfür notwendigen Wahlen nach der Verabschiedung des Regionalen Verwaltungsgesetzes durchzuführen, hält die IGFM für ein leeres Versprechen. Der Militärrat hat die Ägypter schon zu oft enttäuscht. Insbesondere durch willkürliche Verhaftungen und Einschränkungen der Meinungs- und Pressefreiheit hat er seine Unfähigkeit für wirkliche Demokratisierung bewiesen. Dies zeigen auch die Beispiele der ägyptischen Bloggerinnen und Blogger“. Die diktierte Einsetzung der Gouverneure stellt einen klaren Bruch von Artikel 1 des am 14. Januar 1982 von Ägypten ratifizierten Internationalen Pakts über Bürgerliche und Politische Rechte dar. Dieser Vertrag ist völkerrechtlich bindend und Ägypten steht somit in der Pflicht selbigen einzuhalten.

 

Wirkliche Demokratisierung und Öffnung gefordert: Die IGFM fordert, der Stimme des Volkes auch politisches Gehör zu verschaffen. „Gerade nach dem Sturz Mubaraks müssen die Grundlagen für echte Demokratisierung gelegt werden. Der begonnene Weg der Demokratisierung muss fortgesetzt werden. Menschenrechte und Bürgerrechte müssen einen unverrückbaren Platz im Alltag eines jeden Ägypters bekommen“, so die IGFM. In diesem Prozess stehe jedoch auch die Internationale Gemeinschaft in der Verantwortung und fordert die deutsche Bundesregierung, die Europäische Union sowie die internationale Gemeinschaft auf, Ägypten endlich in deutlicher Sprache an das bindende Völkerrecht zu erinnern. Dies müsse Grundlage aller bilateralen Gespräche sein.

 

 

„Revolutionen verändern die Menschen“

  

Interview mit Michael Nabil Sanad 

 

Michael Nabil Sanad ist ein politischer Aktivist in Ägypten, der sich als liberal und säkular bezeichnet. Eine kurze Biographie findet sich hier. Aus moralischen Gründen hat er den Wehrdienst verweigert und bezeichnet sich als pro-israelisch.

Michael, du wurdest gerade vom ägyptischen Geheimdienst entlassen. Was haben sie mit dir gemacht und wie geht es dir jetzt?

Sie haben mich unter Arrest gestellt, als ich gerade auf dem Weg zum Tahrir-Platz war. Sie sagten mir, sie werden Jeden davon abhalten, dorthin zu gehen, um die Demonstrationen zu beenden. Sie haben mich in einem Militärjeep mit der Nummer 440700 mitgenommen. Schon während der Fahrt schlug der Offizier in dem Jeep auf mich ein. Anschließend nahmen sie mich in das Geheimdienstbüro bei Rabaa El-Adawya in Nasr City. Dort schlugen sie mich weiter und haben mich sexuell schikaniert. Ich habe die ganze Zeit Schreie von Menschen gehört, die gefoltert wurden. Es waren die schlimmsten Tage meines Lebens.

 

Es ist nicht das erste Mal, dass du in Schwierigkeiten mit dem Staatsapparat geraten bist. Erzähl uns, warum die ägyptischen Sicherheitskräfte immer wieder aggressiv gegen dich vorgehen.

Politische Aktivisten werden täglich in Ägypten unter Arrest gestellt. In einem diktatorisch regierten Land ist das normal. Ich wurde immer wieder für meine politischen Aktivitäten inhaftiert, außer als ich letzten November wegen meiner Wehrdienstverweigerung inhaftiert wurde. (Michael ist der erste bewusste Verweigerer aus moralischen Gründen)

 

Wie ist die ägyptische Revolutionsbewegung ins Leben gerufen worden und seit wann bist du involviert? Was für eine Rolle spielte die tunesische Revolution und warum sehen wir die Aufstände in Ägypten jetzt und nicht als die Iraner 2009 protestiert haben?

Wir arbeiten seit 2004 auf diesen Moment hin, aber üblicherweise erreichen wir nicht die Größe, um die Polizei konfrontieren zu können. Dieses Mal haben wir eine größere Kampagne ins Leben gerufen und viele Menschen haben sich uns angeschlossen. Als wir am 25. Januar losgezogen sind, hat uns natürlich die Tunesische Revolution inspiriert. Die Iraner haben es nicht geschafft, Ahmadinedschad zu stürzen, die Tunesier haben Bin Ali erfolgreich gezwungen abzudanken – dieser Erfolg hat uns Hoffnung gegeben, dass wir auch erfolgreich sein können. Aber solche Fragen sind nie so sicher zu beantworten, in der Politik gibt es immer wieder Überraschungsmomente.

 

In den westlichen Staaten, besonders in Israel, ist man besorgt, dass die Muslimbruderschaft die Proteste zu ihren politischen Zielen nutzen könnte. Wir haben immer noch die Iranische Revolution 1979 in den Köpfen, als linke und säkulare Kräfte den Protest angeführt haben, aber Ayatollah Khomenei als Protestführer vertraut haben. Nach ihrer Übernahme haben die Islamisten die Opposition durch Massenhinrichtungen und Säuberungskampagnen ausgeschaltet und am Ende einen Gottesstaat errichtet. Hamed Abdel-Samad, ein ägyptischer Intellektueller, der in Deutschland lebt, hat an den Protestzügen in Ägypten teilgenommen und ist sich sicher, dass die junge Generation die Proteste anführen und die Islamisten marginalisieren kann. Wir sehen aber die Muslimbruderschaft als die stärkste und am besten organisierte politische Oppositionsbewegung mit einer Graswurzelbewegung und hohem Einfluss auf die Gesellschaft, während die liberalen und säkularen Kräfte schlecht organisiert sind und keinen großen Rückhalt in der Bevölkerung haben.

 

Wie begründet sind unsere Ängste vor der Muslimbruderschaft?

Revolutionen verändern die Menschen. In der Revolution von 1919 haben die weiblichen Demonstranten den Schleier* getragen, aber nach einigen Monaten haben sie das erste Mal nach Jahrhunderten den Schleier abgelegt. Es fallen viele säkulare Slogans auf dem Tahrir-Platz. Es gibt keine Geschlechtertrennung, wie es die Islamisten gerne hätten. Aus diesen Gründen glaube ich, dass wir auf eine liberale, säkulare Demokratie zulaufen. Warum redet jeder über die iranische Revolution von 1979 und vergisst die säkulare Revolution von 2009? Wir sind im Jahre 2011, nicht 1979. Die Islamisten verlieren überall in der Welt an Zulauf. Diktatoren wie Mubarak unterstützen, wie es die Welt getan hat, macht die Islamisten nur stärker. Demokratien sind nicht das Umfeld für islamische Bewegungen, sondern Diktaturen. Ich bin mir sicher, wenn diese Revolution erfolgreich ist, dann haben wir liberale und konservative Parteien, keine theokratischen.

 

Ein israelischer Bekannter hat mir gesagt, er sieht die Aufstände in Ägypten mit zwei Herzen. In dem einen empfindet er tiefe Sympathie für den Aufmarsch der Menschen für Freiheit und gegen autokratische Herrschaft. In dem anderen hat er Angst vor einem islamistisch beeinflussten Nachbarstaat, wo Israels Feinde erstarken können. Wie würdest du die Israelis überzeugen, dass die Ägypter die anti-israelischen Kräfte davon abhalten können den Friedensvertrag aufzukündigen oder Hamas und Hisbollah größeren Spielraum zu gewähren?

Ein paar Minuten vor meiner Festnahme habe ich den Israelis eine Botschaft gesendet. Wenn die Israelis Mubarak unterstützen, dann werden die Ägypter den Muslimbrüdern glauben, dass Israel der Feind ist. Wenn sie die Revolution unterstützen, dann werden sie den Liberalen glauben, die jeden Tag sagen, dass Israel ein Freund ist. Was die israelischen Politiker also derzeit aus Dummheit machen, ist den Muslimbrüdern zu helfen an die Macht zu kommen. Aber ich glaube wir haben noch Zeit. Die Menschen hier wollen immer noch Frieden mit Israel – ich hoffe das ändert sich nicht wegen den dummen Handlungen der israelischen Politiker. Zur Hölle mit Mohammed Badi (Oberster Führer der Muslimbruderschaft, der zum Jihad gegen Amerika und Krieg gegen Israel ausgerufen hat), keiner hört auf ihn! Als die Aktivisten der Moslembrüder islamische Parolen auf dem Tahrir-Platz gerufen haben, wurden sie von den Demonstranten geschlagen.

 

Wie können die westlichen Staaten die Opposition unterstützen?

Als Erstes müssen sie aufhören Waffen an Ägypten zu verkaufen – diese Waffen werden gegen Zivilisten eingesetzt. Weiterhin sollten sie alle Militärhilfe an Ägypten aussetzen und die ägyptischen Botschafter aus ihren Ländern ausweisen. Der [UN] Sicherheitsrat sollte eine Forderung an die ägyptische Armee schicken keine Zivilisten anzugreifen. Die Vereinten Nationen sollten die ägyptischen Offiziellen von Mubarak isolieren, die ihre Legitimität verloren haben, bis es freie Wahlen in Ägypten gibt.

 

Sag uns, was die beste Lösung für Ägypten ist in nächster Zeit.

Mubarak sollte das Land verlassen. Dann werden wir mit den politischen Autoritäten diskutieren um freie Wahlen abzuhalten und neue politische Führer einzusetzen. {Quelle: www.tanzderlemminge.blogspot.com– Stand: 7.2.2011, Update 8.2.2011 14:47, Übersetzung aus dem Englischen N.A.} 

 

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