kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Mit Koran und Kampfeslust 20. August 2011

Filed under: Islamischer Terror — Knecht Christi @ 14:20

Seit dem Sturz von Hosni Mubarak ist die Revolution in Ägypten ins Stocken geraten.

Zwischen den Fronten aus Militär, Demonstranten und Muslimbrüdern drängt eine fast unbekannte Gruppe an die Macht: die Salafisten.

Die Zahl der ultrakonservativen Islamisten steigt rasant.

 

Weiße Wände, ein paar Stühle, ein Bücherregal. Ein alter Mann und eine Frau warten. Die Sprechstundenhilfe trägt ein dezentes Kopftuch „Doktor Jusri wartet schon“, sagt sie freundlich. Nichts deutet in dieser schlichten, modernen Praxis darauf hin, dass hinter der Tür im Behandlungszimmer einer der führenden Köpfe der am meisten gefürchteten Gruppe in Ägypten arbeitet. Jusri Hamad, Rheumatologe und Professor an der medizinischen Fakultät von Alexandria, ist einer der Gründer der radikalislamischen Nur-Partei und seit Jahrzehnten in der salafistischen Bewegung des Landes aktiv. Sein Schreibtisch ist mit Fachbüchern beladen, die Sprechstundenhilfe bringt Tee. Der Chef ist müde. „Vorgestern war ich bei einer Veranstaltung in Kairo, danach zurück nach Alexandria in die Praxis. Gestern wieder zu einem Fernsehauftritt nahe Kairo“, sagt Hamad. Zwischendurch Arbeit an der Universität, Interviews, Parteitreffen. „Ich frage mich, wie manche Politiker das alles schaffen“. Wie die meisten Salafisten ist Hamad erst seit Kurzem wieder auf der politischen Bühne.

 

Koran und Kampfeslust

 

Die islamistischen Parteien gewinnen nach Mubaraks Sturz Mitglieder, ein gutes Abschneiden bei den nächsten Wahlen ist ihnen sicher. Aber noch greifen sie nicht nach der Macht Von Markus Symank

 

Mohamed Labib trägt Jeans, Poloshirt und Dreitagebart. Vor ihm auf dem Schreibtisch liegen Zeitungen und ein Päckchen Zigaretten. Ein Radio spielt sanften Jazz. „Man muss sich nicht einen Rauschebart und ein langes Gewand zulegen, um ein guter Muslim zu sein“, sagt Labib. Der Mittvierziger ist Gründungsmitglied der Hizb al-Wasat (Partei der Mitte), Ägyptens ältester islamischer Partei, ins Leben gerufen 1996, unter Hosni Mubarak jedoch wegen zu radikalreligiöser Ansichten verboten. Die führenden Parteiköpfe ließ der ehemalige Machthaber vor ein Militärgericht stellen. „Eine fatale Fehlentscheidung“, glaubt Labib. „Wir vertreten eine zeitgemäße Auslegung der Scharia und eine Trennung von Religion und Staat. Wir haben Frauen und Christen in unserem Führungsgremium. Welche andere islamische Partei kann das von sich behaupten?“

 

„Eine-Million-Bärte-Marsch“ überflutete Kairos Innenstadt: Am 19. Februar dieses Jahres, nur acht Tage nach dem Sturz Mubaraks, genehmigte ein Kairoer Gericht die Partei offiziell. Doch mittlerweile haben Dutzende islamische Gruppierungen politische Plattformen gegründet, von denen keine das liberale Gedankengut von al-Wasat teilt. „Hätte uns das alte Regime politische Freiheiten gewährt, hätten wir jetzt einen Vorsprung und könnten den Konservativen Paroli bieten“, sagt ein Mitglied von al-Wasat. Nun wird es schwierig. Wie schwierig, das zeigte sich vor zwei Wochen, als die beiden größten islamistischen Bewegungen Ägyptens, Muslimbrüder und Salafisten, zu einem Protestmarsch aufriefen und Kairos Innenstadt regelrecht überfluteten. Beobachter sprachen zynisch vom „Eine-Million-Bärte-Marsch“.

 

Die erzkonservativen Salafisten bilden die Antithese zu den reformorientierten Anhängern von al-Wasat. Sie fordern einen Gottesstaat nach dem Vorbild Saudi-Arabiens, mit strikter Auslegung der Scharia inklusive drakonischer Strafmaßnahmen wie Steinigung und Handabhacken. Hatten sie sich lange aus religiösen Beweggründen gegen jegliche politische Beteiligung ausgesprochen, wollen die Ultra-Konservativen nun die lange verteufelte Demokratiebewegung des Landes aufmischen: Ihre kurz nach der Revolution aus der Taufe gehobene Partei al-Nur (das Licht) gilt als straff organisiert, die Basis als aktiv und treu. Dennoch dürfte die Partei ohne eine Koalition mit anderen islamistischen Kräften bei den Parlamentswahlen im Herbst unter der Zehn-Prozent-Marke bleiben.

 

Ein Schulterschluss kommt für die Salafisten bestenfalls mit dem politischen Arm der Muslimbrüder infrage, der „Partei für Freiheit und Gerechtigkeit“. Ein Name, der so schwammig ist wie das Programm. Die Anführer umreißen ihre Version des künftigen Ägyptens gerne mit dem Begriff „Zivilstaat“: modern, aber islamisch. Demokratisch, aber nicht westlich. Säkular, aber nicht zu sehr. Ein Gedankenspagat, der politische Beobachter schier verzweifeln lässt, aber wohl auch internen Machtkämpfen geschuldet ist: Reformer und Konservative rangeln um die Vormachtstellung, eine Gruppe junger Muslimbrüder gründete kürzlich eine Splitterpartei.

 

Dass der ideologische Riss mitten durch die Partei läuft, zeigt ein Blick auf die zwei Präsidentschaftskandidaten aus ihren Reihen. Auf der einen Seite steht da Abdul Fotouh, ein 60-jähriger Physiker mit moderaten Ansichten, der zwar den religiösen Charakter der ägyptischen Verfassung erhalten will, sich aber gleichzeitig für die Rechte von Minderheiten einsetzt. Der zweite Kandidat ist Abu Ismail, ein bekannter Kleriker und TV-Prediger, der unter anderem eine Verschleierungspflicht für Nicht-Muslime durchsetzen will. Welche Strömung innerhalb der Muslimbrüderschaft die Oberhand gewinnen wird, ist schwer abzusehen. Bei einer Online-Umfrage der Regierung erhielt Abu Ismail deutlich mehr Stimmen.

 

Die nächste Regierung kann nur verlieren: Die Führung der Partei geht interessanterweise zu beiden Aspiranten auf Distanz und hegt nach eigenen Angaben keine Ambitionen auf das Präsidentenamt. Bei den kommenden Parlamentswahlen will sie zudem nur in der Hälfte der Wahlkreise Kandidaten aufstellen. Die Macht scheut die Partei aus gutem Grund: Ägyptens Wirtschaft ist am Boden, das Land benötigt Reformen, die für die Bevölkerung sehr schmerzhaft werden dürften. Die nächste Regierung kann eigentlich nur verlieren. „Klar, die Islamisten wollen irgendwann herrschen. Wichtiger ist ihnen aber, die Gesellschaft nach ihren Vorstellungen umzuformen“, sagt ein Diplomat, der anonym bleiben möchte. Dazu genüge ihnen die Kontrolle über Schlüsselressorts wie das Bildungs- und das Kulturministerium: Die Islamisten denken in anderen Zeiträumen als die liberalen Parteien. Das macht sie stark. {Quelle: www.augsburger-allgemeine.de}

 

4 Responses to “Mit Koran und Kampfeslust”

  1. Bazillus Says:

    „… Die Islamisten denken in anderen Zeiträumen als die liberalen Parteien. Das macht sie stark.“

    Genau das ist der Kernsatz, nachdem auch der Islam in Europa handelt. Das sollten unsere Eliten der Politik nicht vergessen und beachten. Wo sind denn die Stimmen nach Demokratie geblieben. Warum wussten wir hier sofort Bescheid und die Islamverharmloser nicht? Wussten unsere Islamversteher, Politiker und Kirchenvertreter diese Entwicklung nicht richtig einzuschätzen? Warum sollten in Ägypten andere Regeln herrschen als in Saudi-Arabien oder der reislamisierten Türkei? Das Volk in seiner Mehrheit will Islam und bekommt Islam. Mit dieser Religion ist eben keine Demokratie zu machen. Demokratie ist Menschenwerk und somit antigöttlich.

  2. Walter Says:

    Eins muß ich den Islamgläubigen lassen,sie bleiben bei ihren Korangesetzen.

    Merkel und Co sowie Rotgrün brechen die eigenen Gesetze.
    Siehe Mastrich EU usw.
    Ihr Gesetzbuch heißt:

    Was scherrt mich mein Gesetzgeschwätz von Gestern!!
    Das ist also Demakratie, oder?
    Diese Art von Demokratie, die sich nicht an eigene Gesetze hält
    IST HALT SCHEIßE!!!

    Da sind mir ja fast die gesetzestreuen Islamgläubigen sympathisch!!

  3. G.*K.* Says:

    Die gilt besonders dann, wenn der Sturz der alten Regierung nicht durch den Willen zu einer Staatsveränderung hervorgerufen wurde, sondern von wirtschaftlichen Nöten und Elend; und so verhält es sich auch bei den Umstürzen in der mohammedanischen Welt: Wohl mögen dort die Willkür der Tyrannenschergen und die Raffgier der Tyrannensippen viel Unmut erzeugt haben, aber dieser würde niemals so stark geworden sein, daß die zweite und die dritte Reihe der dortigen Tyranneien sich dazu entschloßen hätten – wohl auch auf Anraten der VS von A, welche dort unten ihre üblichen Dummheiten verüben wollen – ihren Herren die Treue aufzukündigen, um sie ihre Macht und Reichtümer zu retten; was auf Dauer zu neuem Aufruhr und Kämpfen führen muß, da das Gesichtertauschenspiel nur sehr begrenzt auf die Menge zu wirken vermag.
    Die Grundübel der dortigen Länder wie Armut, Überbevölkerung und Hunger vermag eine neue Regierung nur sehr schwer einzudämmen und um in diesen Ländern eine ähnlich segensreiche Einkindpolitik wie in China durchzuführen, dazu dürfte sie weder gewillt noch in der Lage sein. Zumal Ansehen und Macht des Staates durch die scheinbar siegreichen Volksaufläufe erheblich erschüttert sind und daraus noch große Wirren entstehen können.


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