kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Wenn sie uns kennen, hassen sie uns nicht 15. August 2011

Filed under: Christenverfolgung — Knecht Christi @ 21:29

Beziehungen zwischen Christen und Muslimen im Irak sind weiter spannungsgeladen.

Eine Reise durch bedrohte christliche Gemeinden in Kirkuk

 

Die Kamera läuft, Erzbischof Louis Sako von Kirkuk lächelt und gibt sich optimistisch: „Wir haben gute Beziehungen zu den muslimischen Politikern und Imamen im Irak. Alle sagen uns: ‚Wir brauchen euch Christen!‘ Wir sind die ausgleichende Kraft, die dieses Land erneuern kann!“ Fröhlich erzählt er von seinem Freund, dem Imam der benachbarten Moschee. Wie dieser zu Ostern zum Gottesdienst in die Kathedrale kommt und wie er beim Gegenbesuch zum Fastenbrechen in der Moschee freundlich empfangen wird.

 

Dann gehen die Lichter aus, die Objektivdeckel werden auf die Kameras geschraubt, die Journalisten verabschieden sich, und die Welt ist eine andere. „Wir sind eine verfolgte Kirche – und die Verfolger sind die Islamisten!“ Die feine Stimme des irakischen Gottesmannes klingt resigniert. „Diese Fundamentalisten versuchen, einen Schariastaat zu errichten. Nicht nur im Irak, sondern im ganzen Nahen Osten.“ Und sein Freund, der Imam? „Der kann sich selbst kaum gegen die Fanatiker wehren.“

 

Im islamischen Denken sind Religion und Politik oft untrennbar miteinander verbunden und ein unpolitischer Imam, der sich mit Christen solidarisiert, hat einen schweren Stand. Das Problem, erklärt Sako, seien nicht die Muslime, sondern die gewaltzentrierte Interpretation der islamischen Lehre. „Trotz aller Gewalt ist aus meiner Diözese bisher kein einziger Christ konvertiert“, sagt Erzbischof Sako stolz. „Im Gegenteil, viele Muslime kommen zu mir und wollen sich taufen lassen, aber das ist mir verboten!“ Glaubensabfall ist nach strenger Auslegung des Korans ein todeswürdiges Vergehen. Gibt es unter diesen Umständen einen echten Dialog mit dem Islam? Erzbischof Sako lacht. Aber es klingt nicht fröhlich. „Wenn ich das Christentum verlasse, würde mich niemand verfolgen und mir den Kopf abschlagen. Das ist der Unterschied zum Islam.“

 

Jussif G. ist Bürgermeister eines der vielen Dörfer in der Ninive-Ebene, in die die Christen der Millionenstadt Mossul geflohen sind. Hinter drei Meter hohen Betonmauern und mit bewaffneten Söldnern als Wachen sind die Christen nun ganz unter sich. Hier wagt Jussif es, offen über sein Verhältnis zu den Muslimen zu sprechen. „Früher waren wir alle einfach nur Iraker. Ich hatte muslimische Nachbarn, mit denen ich mich wunderbar verstanden habe.“ Durch den Einmarsch der Amerikaner habe sich alles verändert. Die Sicherheit brach zusammen, und in das Vakuum drängten radikal-islamische Gruppen, die das Land ins Chaos stürzten. „Seitdem wird in den Moscheen nur noch Intoleranz gepredigt, und die politischen Islamisten bezahlen Verbrecher dafür, dass sie Jagd auf Christen machen“, sagt Jussif. Unter diesen Umständen blieb den meisten Christen nur die Flucht ins Ausland oder nach Irakisch-Kurdistan, wo die kurdische Miliz und Söldner für Sicherheit sorgen.

 

Doch die Islamisten geben nicht auf. „Eines Nachts kamen Männer über die Mauer und begannen, am Stadtrand eine Moschee zu bauen, obwohl hier gar keine Muslime wohnen“, erzählt Jussif. „Natürlich haben wir den Bau gestoppt und sofort wieder abgerissen.“ Wäre auch nur eine notdürftige Moschee im Dorf errichtet worden, hätten die Terroristen das Dorf sofort zum „Schariagebiet“ erklärt und die Christen Schritt für Schritt vertrieben. So sei es bereits in vielen anderen Siedlungen geschehen. „Wir sind nur sicher vor den Muslimen, wenn wir ihnen zeigen, dass wir die Kontrolle haben“, sagt Jussif und zeigt auf seine Kalaschnikow.

 

Ganz anders ist Erbil, die Hauptstadt Irakisch-Kurdistans: eine aufstrebende Metropole, in der auch Kirchen gebaut werden. Politisch ist die Region stabil, und auf den ersten Blick herrscht ein geschäftiges Miteinander. Auch zwischen den Religionen? „Die muslimischen Führer werden Ihnen alles erzählen, was Sie hören wollen. Aber ihre Worte bedeuten uns nichts, denn die Wirklichkeit sieht anders aus.“ Erzbischof Baschar Wardas Worte sind ernüchternd, doch scheinen hier wenigstens alle friedlich nebeneinander zu leben. Doch nur nebeneinander zu existieren ist ein zu geringer Grundkonsens für den interreligiösen Dialog, meint Warda. „Wenn ich einen Kindergarten bauen will, finde ich kaum Arbeiter. Die Imame verbieten ihren Gläubigen, auf einer christlichen Baustelle zu arbeiten, selbst, wenn es sich um soziale Projekte handelt.“ In Erbil sind die Christen unter sich, denn die kurdische Autonomieregierung hat ihnen ausschließlich im Vorort Ankawa Baugrund zugewiesen. Von „religiösen Mischgebieten“ hält man in Kurdistan wenig.

 

Im chaldäisch-katholischen Priesterseminar in Ankawa bildet die Kirche ihre Führungskräfte aus. Die Seminaristen folgen einer lebensgefährlichen Berufung, viele werden später Pfarrer in Städten wie Bagdad oder Mossul, wo Anschläge und Entführungen immer noch an der Tagesordnung sind. Andere werden in den sicheren, aber trostlosen Dörfern der kurdischen Bergregion Pfarreien betreuen. Überall wird die Nachbarschaft mit Muslimen den Alltag prägen. Ist interreligiöser Dialog ein Thema im Seminar? In der Theorie ja. „Aber bei allem Respekt vor Rom: den praktischen Dialog mit dem Islam gibt es im Irak nicht“, sagt Rektor Fadi Lion. Er wurde noch im Priesterseminar in Bagdad ausgebildet, bevor dieses nach Ankawa ziehen musste. „Eines Tages bekam ich einen Anruf und erfuhr, dass mein Rektor entführt worden war.“ Das habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Das Seminar zog in die kurdische Provinz.

 

In Ankawa lädt Rektor Lion auch muslimische Geistliche ins Seminar ein. Doch vom Ergebnis ist er nicht überzeugt. „Die Imame kommen, predigen und gehen dann wieder, aber sie hören uns nicht zu.“ Den irakischen Muslimen fehle eine historisch-kritische Betrachtung des Korans. „Sie versuchen nicht einmal, die brutalen Verse im Koran mithilfe ihrer Vernunft als zeitbedingt zu deuten“, erklärt Lion.

 

Dennoch hat der Erzbischof noch Hoffnung, denn viele reiche muslimische Familien schicken ihre Kinder in christliche Kindergärten und Grundschulen. „Darüber freuen wir uns natürlich sehr“, sagt Erzbischof Sako, „aber wir stellen auch fest, dass diese Muslime eine säkulare Minderheit sind.“ Ist das Zusammenleben im Irak also nur mit modernen Muslimen möglich, die ihren Glauben nicht mehr ernst nehmen? Sako verneint. Auch mit gläubigen Muslimen sei ein Miteinander möglich, aber dazu brauche es eine andere Gesellschaft. „Die Muslime müssen uns Christen wieder kennenlernen. Früher waren wir Nachbarn, doch heute kennen uns die meisten nur noch vom Hörensagen und durch die Horrorgeschichten ihrer Imame.“ Darum sei es wichtig, dass Muslime christliche Kindergärten und Schulen besuchen. „Wenn sie uns kennen, hassen sie uns nicht!“, sagt Sako.

{Quelle: www.welt.de – Der Autor ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit von „Kirche in Not“}

 

Ein Kommentar von Herrn Kemmer

 

So sieht also die Wirklichkeit für Christen im Irak aus. Vielen Dank, Herr Bush.

Ich denke, dass einige Punkte auch für unsere Gesellschaft wichtig sind zu erkennen:

1. Konservatives Islamdenken: Und sein Freund, der Imam? „Der kann sich selbst kaum gegen die Fanatiker wehren.“  Was zeigt uns dies? Der normale Muslim hat letztlich auch Angst vor den Islamisten, für die eine friedliche Koexistenz mit Ungläubigen, für die sie Christen ja in ihrer verqueren Welt als solche ansehen und sich in ihrem Feindbild baden, kaum möglich ist. Ein Nebeneinanderherleben kann auf Dauer nicht das Gelbe vom Ei sein. Es zeigt aber auch, dass Muslime nicht sofort in eine Schublade gehören.

 

2. Moscheebau: Wäre auch nur eine notdürftige Moschee im Dorf errichtet worden, hätten die Terroristen das Dorf sofort zum „Schariagebiet“ erklärt und die Christen Schritt für Schritt vertrieben. Hier kommt somit der Bau einer Moschee einer Landnahme gleich. Da der Islam sich hier in Europa und ind Deutschland in der Minderheit befindet, fällt das Vertreiben von Christen vorerst weg. Ist der Islam jedoch in der Mehrheit, wird genau das passieren. In Ghetto-Bezirken zieht die ungläubige einheimische Bevölkerung, soweit sie es vermag, bereits in Friedenszeiten weg. Es entstehen no-go-areas. Hier wird offensichtlich mit subtileren Mitteln gearbeitet. Der Erfolg gibt dem konservativ gedachten Islam jedoch Recht, auch hier, auch in der heutigen Zeit mitten in Europa.

 

3. Fehlende historisch-kritische Interpretation des Koran: Den irakischen Muslimen fehle eine historisch-kritische Betrachtung des Korans. „Sie versuchen nicht einmal, die brutalen Verse im Koran mithilfe ihrer Vernunft als zeitbedingt zu deuten“, erklärt Lion. Und genau das tun viele Muslime der Welt nicht, insbesondere die Fatwenschmieden aus den konservativen Rechtsschulen aus Dunkelislamland., die noch heute Rechtsgutachten verfassen, die jedem Menschen mit gesundem Menschenverstand, würde er sie lesen, die Haare zu Berge stehen lassen würde. 

 
Ich will gern glauben, dass die meisten Muslime genauso wie wir auch in Frieden leben wollen und wir müssen dankbar sein, dass sie ihren Koran nicht kennen oder Imame als Gemeindevorsteher haben, die die gewaltverherrlichenden Koransuren und die entsprechenden Hadithen in ihrer Verkündigung marginalisiert  haben. Jedoch ist dies ein Glücksspiel. Hier sollten schon für die Verkündigung feste Regeln eingeführt werden, damit diese Verse nicht zur Gewalt gegen Nichtmuslime eingesetzt werden können. Die Gefahr ist – besonders in Krisenzeiten – durchaus vorhanden.

 

2 Responses to “Wenn sie uns kennen, hassen sie uns nicht”

  1. Jemeljan Says:

    Herr Kemmer hat es richtig bemerkt: Umgang mit Muslimen ist ein Glücksspiel. Ein gefährliches noch dazu, wo man, wenn man verliert (und das kommt wie immer beim Glücksspiel öfter vor, als der Gewinn) zumindest mit Beschimpfungen, Dresche und ggf. sogar dem Tod rechnen muss. Eben dieser den muslimischen Bevölkerungsanteilen innewohnende, potentielle Gefahr versuchen viele Politiker, Medienleute und Kirchenvertreter durch „die Fütterung der Krokodile“ aus dem Weg zu gehen. „Wenn sich sie füttere, fressen sie mich zuletzt“. Ja, aber sie fressen dich am Ende doch.
    Nicht, dass ich kein Mitleid, mit den „liberalen“ Imamen und den säkularen Kulturmuslimen hätte. Das habe ich ganz sicher. Sie sind ebenso Opfer einer totalitären Ideologie im Religionsgewand, wie die Nichtmuslime. Vielleicht die ersten Opfer, weil sie zu Tätern gemacht werden sollen.
    Sie als „Verbündete“ im Kampf gegen den gewalttätigen Islam anzusehen, wäre jedoch eine Fehleinschätzung mit auf lange Sicht tödlichen Konsequenzen. Im Konfliktfall ist „Religion“ dicker als Wasser. Fragen Sie mal den aus Kreuzberg von „liberalen“ Muslimen ausgemobbten Herrn Sarrazin. Man muss ihn nicht mögen, ich selbst tue es auch nicht, aber die Behandlung, die er selbst von der liberal-alevitischen Gemeinde erhielt, spricht Bände.
    Danken wir Gott, wenn es noch Imame gibt, denen tatsächlich an einem guten Zusammenwirken mit Christen, Atheisten etc. gelegen ist. Aber rechnen wir nicht damit, allzuviele von denen zu finden.

  2. Saphiri Says:

    Jemeljan

    hat recht

    Herr Kemmer hat es richtig bemerkt: Umgang mit Muslimen ist ein Glücksspiel

    Wie im frühen Wilden Westen,da wurde auch scharf geschossen!!!
    und getroffen


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s