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Keine Staatspreise für „Ketzer“? 2. August 2011

Filed under: Islamische Schandtaten — Knecht Christi @ 16:10

Nach Islamisten-Druck: Al-Kemni verliert Staatspreis

Zwei Jahre, nachdem der Forscher Sajjid Al-Kemni den ägyptischen Staatspreis erhalten hat, bekommt er ihn wieder aberkannt. Für seine kritischen Bücher galt er schon früher in den islamischen Kreisen als „Ketzer“. Doch nun ist deren Einfluss gewachsen.

 

Auf Druck von Islamisten hat ein Richtergremium in Ägypten dem islamkritischen Gelehrten und Forscher Sajjid Al-Kemni den Staatspreis für Gesellschaftswissenschaften aberkannt. Dies berichteten arabische Internetseiten am Dienstag. Die mit 200 000 Ägyptischen Pfund (23 200 Euro) dotierte Auszeichnung war Al-Kemni im Jahr 2009 vom damaligen Kultusminister Faruk Hosni verliehen worden. Schon damals waren Religionsgelehrte und Islamisten gegen die Entscheidung Sturm gelaufen. Al-Kemni (64) spricht sich in seinen Werken für einen offenen Umgang mit dem Islam und seinen Quellen aus. Das Konzept des Dschihad, des Heiligen Krieges, wie es auch von Fundamentalisten und Terroristen gebraucht wird, lehnt er ab – für ihn ist es ein nicht mehr zeitgemäßes und im heutigen Kontext „rassistisches“ Gedankenkonstrukt.

 

Kritischer Buchautor: Unter anderen schrieb er die Bücher „Kissat Al-Khalk: Die Schöpfungsgeschichte“ (1999), „Al-Islamiyat: Islamische Traditionen (2001) und „Schukran … Bin Laden – Danke … Bin Laden“ (2004). Seine Gegner brandmarken ihn als „Ketzer“, als „Beleidiger des Islams“ und „Verteidiger eines dreckigen Säkularismus“. Aus islamistischen Kreisen erhielt er mehrfach Todesdrohungen. Nach der Verleihung des Staatspreises an Al-Kemni hatten islamistische Rechtsanwälte und Privatpersonen vor Gericht dagegen geklagt. Unter der Herrschaft des Präsidenten Husni Mubarak blieben diese Schritte wirkungslos.

 

Einfluss der Islamisten wächst: Seit dem Abgang des eher weltlich ausgerichteten autoritären Herrschers im Februar erstarken jedoch in Ägypten Islamisten und religiöse Eiferer. Der Staatsrat, ein hohes Richtergremium, das in Rechtsstreitigkeiten zwischen den Bürgern und staatlichen Institutionen entscheidet, schloss sich nun ihrer Einschätzung des abgestempelten Gelehrten an.  Die Schriften Al-Kemnis würden „den Koran und die Sunna verletzen, die Propheten verächtlich machen und Gott beleidigen“, begründete das Gremium in islamistischer Diktion seine Entscheidung. Da der Staatspreis aus Steuergeldern finanziert werde, „sollte er nicht an Gottesverleugner und ihre Lehren verschwendet werden“. {Quelle: Nassauische Neue Presse – www.fnp.de: In Ägypten ist der Druck auf den Kritiker mehr und mehr gewachsen}

 

 

Ägypten: Keine Staatspreise für „Ketzer“?

 

Der Autor Sayyid al-Qimni legte sich schon vor Jahren mit den Islamisten an

 

Weder der Islam noch die Scharia seien bedroht, zitiert Al-Ahram Weekly den ägyptischen Politologen Hossam Tamim, aber die Rivalität mit anderen islamischen Gruppen bringe die Muslimbrüder dazu, sich als Verteidiger des Islam und der Scharia aufzuspielen. Das tut in Ägypten jedoch nicht nur die Muslimbrüderschaft, sondern auch der Staat. Schon das Regime von Hosni Mubarak unterdrückte zwar islamistische Gruppen, weil es mit niemandem die politische Macht teilen wollte, gab aber selbst immer wieder deren Forderungen nach, um ja selbst nicht als „unislamisch“ da zu stehen. Daran hat sich offenbar nach dem Umsturz nichts geändert, im Gegenteil.

 

Vergangene Woche empfahl eine staatliche ägyptische Kommission, dem Autor Sayyid al-Qimni* den Staatspreis für Sozialwissenschaften abzuerkennen, der ihm 2009 zugesprochen wurde. Die Sache liegt jetzt beim Verwaltungsgericht. Qimni (64) hat angekündigt, sich zu wehren, sollte das tatsächlich passieren. In seiner ersten Stellungnahme verwies er auf den ideologischen Richtungsstreit in Ägypten – der am vergangenen Freitag, dem letzten vor dem Fastenmonat Ramadan, direkt auf dem Tahrir-Platz ausgetragen wurde: Angesichts des überwältigenden Aufmarsches von Islamisten hatten sich 28 säkulare demokratische Gruppen vom Platz zurückgezogen, weil sie ihre politischen Anliegen nicht „kidnappen“ lassen wollten. Auf dem Platz, der zum Symbol für Freiheit und demokratischen Wandel in der arabischen Welt geworden ist, erschallten Rufe wie „Obama, wir alle sind Osama“ und, in Richtung Ko-Revolutionäre, „Haltet den Mund, ihr Säkularisten. Ägypten bleibt ein islamischer Staat“.

 

Der Fall Qimni fällt in ein mediales Aufmerksamkeitsloch: Wen kümmert in all dem Chaos ein eher grantig wirkender älterer Herr, der die islamische Eroberung Ägyptens im 7. Jahrhundert mit der US-Invasion im Irak 2003 zu vergleichen pflegt? Mit der Empfehlung, ihm den Preis wieder wegzunehmen, hatte die Kommission islamistischen Rechtsanwälten Recht gegeben, die gegen die Verleihung geklagt hatten, weil es doch ein Skandal sei, dass einer geehrt werde, der „den Koran und die Sunna (die überlieferte Tradition, Anm.) verletzt, den Propheten verunglimpft und Gott beleidigt“. „Der Preis (umgerechnet gut 23.000 Euro, Anm.) wird aus Steuergeldern bezahlt (…) und sollte nicht an von Gott Abgefallene verschleudert werden“, urteilte die staatliche Kommission.

 

Qimni hatte sich schon vor Jahren mit den Islamisten angelegt. Er kratzte dabei – und in dieser Beziehung ähnelt er dem im Vorjahr verstorbenen großen ägyptischen Islamwissenschafter Nasr Hamid Abu Zeid, der seine letzten Jahre im Exil in Europa verbrachte – nicht nur an den Fundamenten des islamischen Narrativs, sondern attackierte auch das islamische Establishment, das von diesem Narrativ lebt, als scheinheilig und korrupt. Qimni selbst stammt aus einer ägyptischen Gelehrtenfamilie und wurde sehr religiös erzogen. Er studierte Philosophie und danach islamische Geschichte an der Al-Azhar-Universität. Sein Wandel – auch sein politischer, vom panarabisch denkenden Nasseristen zum ägyptischen Liberalen – ging langsam vonstatten.

 

Für die Islamisten auffällig wurde er erstmals in der zweiten Hälfte der 1980er Jahren, als er sich in Artikeln und später (ab den 1990ern) in Büchern die islamischen Traditionen, die Mythen und das Leben des Propheten vornahm – auch den Koran selbst, wobei er eine in der modernen islamischen Theologie schon lange übliche Unterscheidung zwischen verbindlichen und nicht verbindlichen und gänzlich überholten Versen betont. Die Chronologie der Verkündung und der historische Kontext spielen dabei eine große Rolle. Das ist ja ohnehin fast schon Mainstream, auch für „normale“ Muslime und Musliminnen in ihrem Alltag -aber Qimni fordert von Theologen und Gläubigen ein, dass sie endlich ihre Hausaufgabe machen und die Sache wissenschaftlich redlich aufarbeiten und klarstellen.

 

In Schriften wie „Die Haschemiten-Partei“, „Der Mohammedanische Staat“ und „Die Kriege des Prophetenstaates“ hält er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg, dass die Frühgeschichte des Islam – die bis in die Gegenwart wirkt – viel mit Machtpolitik und wenig mit göttlicher Offenbarung zu tun hatte. Das ist ein Schlag ins Gesicht besonders der Salafiten, für die die ersten Generationen nach dem Tod des Propheten Muhammad den „reinen“ Islam verkörpern („Salaf“ ist der Vorfahre), den es nachzuahmen gilt. Dass Qimni vor keiner Provokation zurückschreckt, zeigt auch der Titel eines 2004 veröffentlichten Buches „Shukran … Bin Laden!!“ (Danke … Bin Laden!!): Bin Laden als Karikatur des Islam, die allen die Augen öffnen sollte.

 

Schon früher wurden rabiate islamistische Drohungen gegen ihn ausgestoßen. Der einflussreiche islamische Journalist Fahmi Huwaydi nannte Qimni bereits 1989 „schlimmer als Rushdie“, und 1992 forderte ein anderer Schreibtischtäter „Jemand bringe ihn zum Schweigen“. Dass sich Eiferer finden können, die so etwas in die Tat umsetzen, zeigte 1992 der Mord an Farag Foda: Der säkulare Autor war zuvor von Al-Azhar zum Apostaten und für vogelfrei erklärt worden. Und auch nach der Tat distanzierte sich Al-Azhar nicht.

 

Bei Qimni äußerte sich die islamische theologische Schule jedoch etwas vorsichtiger: In einer Fatwa gab sie zwar den Anschuldigungen gegen Qimni Recht, ohne ihn jedoch namentlich zu nennen. Als ihm 2009 von Kulturminister Faruq Hosni – ebenfalls einem Feindbild der Islamisten, weil als Kopftuchgegner bekannt – der Staatspreis verliehen wurde, begannen sich islamistische Juristen der Sache anzunehmen. Wenn ihm die Ehrung vom Staat wieder aberkannt wird, dann ist sein Status als Apostat gewissermaßen von offizieller Seite bestätigt.

 

Die Liste der ägyptischen Intellektuellen, denen von Islamisten das Leben schwer gemacht wurde und wird, ist lang. Eine beliebte Strategie der Islamisten in den 1990er Jahren war, unter Zitierung eines eigentlich obsoleten Rechtsparagraphen, der das allgemeine Volkswohl und öffentliche Interesse (Hisba) einklagbar macht, die Zwangsscheidung ihrer Opfer bei Gericht zu veranlassen: Denn es könne ja wohl nicht sein und sei eben gegen dieses öffentliche Interesse, dass eine muslimische Frau mit einem vom Islam Abgefallenen verheiratet sei! Genau dies widerfuhr dem hier bereits erwähnten Abu Zeid – der sich dem Koran als „Text“ näherte, mit sprachwissenschaftlichen und literaturwissenschaftlichen Methoden – und seiner Frau Ibtihal Younis. Und der ägyptische Staat reagierte nicht etwa, indem er dem Spuk einen Riegel vorschob, sondern indem er das Vorgehen bei Hisba-Klagen reglementierte und sie dadurch erst recht im Rechtssystem verankerte.

Aber diesen Staat gibt es nicht mehr. Wie das Verwaltungsgericht der Post-Mubarak-Zeit in der Causa Qimni entscheidet, könnte richtungsweisend sein für das neue Ägypten. *Der Name scheint transkribiert in vielen Schreibweisen auf: Qimny, Qemny, Qemany, Kimni etc. {Quelle: www.derstandard.at}

 

 

P. Luciano Verdoscia: “Man tappt im Dunkeln: Niemand weiß, welchen Weg Ägypten einschlagen wird“

 

“Man tappt im Dunkeln; niemand weiß, welchen Weg Ägypten einschlagen wird“ erklärte P. Luciano Verdoscia, ein Combonianer-Missionar aus Kairo gegenüber dem Fidesdienst. In der ägyptischen Hauptstadt demonstrierten auch heute wieder zehntausende von Menschen gegen den von den Muslimbrüdern lancierten Appell. An der Demonstration beteiligten ca. 15 politische Laien- Gruppierungen und auch einige koptische. Auf dem Platz waren Slogans zu hören wie „Islam, Islam, wir wollen keinen freiheitlichen Staat“ oder „das Volk will die Anwendung der Sharia“ und „Islam, weder Westen noch Osten“; dazu gesellen sich politische Forderungen wie den ehemaligen Präsidenten Hosni Mubarak zu verurteilen (diese Forderung erheben auch die laizistischen Gegner der vom Militär geschützten Übergangsregierung). „In den vergangenen Tagen war es zu Zusammenstößen zwischen jungen Frevolutionären und einigen Mitgliedern der Muslimbrüderschaft gekommen“, erinnerte P. Luciano.

 

„Die jungen Protagonisten der Revolution der letzten Monate (die Präsident Mubabark zum Rücktritt gezwungen hatte) möchten eine demokratischere Regierung“, erklärte P. Luciano. „Diese jungen Menschen sind Städter und durchaus in der Lage die modernen Kommunikationsmittel, wie „Social Network“, zu handhaben“. „Andererseits – fuhr P. Luciano fort – verfügen die Muslimbrüder über eine nicht unbedeutende Organisationsfähigkeit, und sie appellieren vor allem an die religiöse Identität der Menschen. Man muss auch bedenken, dass noch ein Großteil der ägyptischen Bevölkerung in ländlichen Gegenden lebt. Diese Menschen haben keine Bildung, und ihre Identität ist eben die religiöse“. „Die Revolution hat es geschafft das autoritäre System Mubaraks zu zerstören, aber noch haben wir keine klare Vorstellung darüber, was aus Ägypten werden wird. Man tappt im Dunkeln“, schloss P. Luciano. {Quelle: www.fides.org}

 

One Response to “Keine Staatspreise für „Ketzer“?”

  1. Saphiri Says:

    Glückwunsch für die Aberkennung des Plunders!

    Man sollte grundsätzlich nicht jede Ehrung (aus Eitelkeit unbesehen) annehmen!

    Die Kritik bleibt dennoch davon unbetroffen und anerkannt.

    Die Aberkennung des Preises ist gleichzeitig eine Anerkennung des Mutes und Intellekts des islamkritischen Gelehrten und Forscher Sajjid Al-Kemni.


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