kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

„Das Baby starb in meinen Armen“! 31. Juli 2011

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 12:01

Horn von Afrika: Elf Millionen Menschen droht der Hungertod, davon sind zwei Millionen Kinder. Die Caritas hilft und bittet um Spenden.

 

Wochenlang war die hochschwangere Weheleey Osman Haji auf den staubigen Pisten ihres Heimatlandes Somalia unterwegs. Meist zu Fuß, ab und zu auf kleinen Lastwagen. Ein Lager in Kenia, von dem die Frau gehört hatte, das war ihr letzter Hoffnungsanker. Denn in ihrem Dorf hatte die Dürre der 33-Jährigen und ihren fünf Kindern alles genommen. Doch zunächst schaffte sie es nur bis in die kenianische Grenzstadt Liboi. 80 Kilometer vom Flüchtlingscamp Dadaab entfernt setzten die Wehen ein. Unter einem Akazienbaum brachte Weheleey Osman Haji eine Tochter zur Welt. Iisha heißt der neue Erdenbürger, was frei übersetzt „Leben“ bedeutet. Ob das Mädchen tatsächlich eine Chance haben wird, hängt nicht zuletzt auch von der internationalen Hilfe ab.

Schlimmste Dürre seit 60 Jahren: Denn die gesamte Region am Horn von Afrika ist der schlimmsten Dürre-Periode seit 60 Jahren ausgesetzt. Rund elf Millionen Menschen drohen zu verhungern, davon zwei Millionen Kinder. „Das große Drama ist Somalia“, sagt der österreichische Caritas-Präsident Franz Küberl. In dem Land falle die unermessliche Trockenheit mit einer „entsetzlichen politischen Situation“ zusammen. „Ein Super-Gau für die Bevölkerung.“ Daher sind immer mehr Somalis gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Denn ihre Herden, der einzige Besitz, sind verendet. Doch die Flucht nach Kenia wird für viele zum Todesmarsch: Zehnjährige müssen ältere Geschwister schultern, wenn diese nicht mehr weiter können. Funktioniert das auch nicht mehr, werden die Allerschwächsten zurückgelassen – zum Sterben in der Wüste.

 

Die, die es bis in das kenianische Lager Dadaab schaffen, sind aber längst noch nicht über dem Berg. Denn die Helfer im größten Flüchtlingslager der Welt sind heillos überfordert. Für 90.000 Menschen war es angelegt, heute drängen sich dort fast 400.000 Verzweifelte. Und täglich werden es um 1300 mehr. Nach langem Zögern hat sich die Regierung in Nairobi, die fürchtet, dass somalische Islamisten einsickern könnten, nun doch bereit erklärt, ein weiteres Camp nahe der Grenze zu errichten.

 

„Ich weinte mit der Mutter“: In Dadaab erhalten die Flüchtlinge zwar Lebensmittel-Pakete und Wasser, doch viele sind bereits derart geschwächt, dass diese Hilfe zu spät kommt. „Ich wollte noch irgendetwas unternehmen, doch es war vergebens. Das Baby starb in meinen Armen. Ich weinte mit der Mutter“, sagte eine Schweizer Krankenschwester der BBC . Laut UN-Angaben hat sich die Kindersterblichkeit in dem Lager in den vergangenen Monaten verdreifacht. Auf dem Areal gibt es bereits mehrere Friedhöfe. „Was ich hier gesehen habe, ist mit nichts zu vergleichen“, zeigte sich UN-Flüchtlingshochkommissar Antonio Guterres angesichts der Not zutiefst erschüttert. Um diese zu lindern, müsse die Weltgemeinschaft rasch 1,1 Milliarden Euro bereitstellen, fordert die UNO. Dann hätte auch Iisha eine Chance, dass sie ihren ersten Geburtstag erlebt.

 

Caritas: 35 Euro retten eine Familie: Angesichts der sich immer mehr zuspitzenden Dürre-Katastrophe am Horn von Afrika intensiviert die Caritas-Österreich ihre Aktivitäten in der Region. Am Wochenende werden zwei Mitarbeiter zu den lokalen Partnern reisen, mit denen die Organisation seit Jahrzehnten zusammenarbeitet. Caritas-Präsident Franz Küberl zum KURIER: „Wir müssen jetzt rasch handeln – ehe es zu spät ist. Die Hilfe für die verzweifelten Menschen ist eine echte Nagelprobe für das Weltgewissen.“ Die österreichische Regierung hat am Freitag 500.000 Euro zugesichert.
Die Caritas-Österreich selbst hat 50.000 Euro für Nothilfe-Programme flüssig gemacht. Zudem unterstützt sie derzeit 3000 Familien mit Lebensmittelpaketen. Damit können sich rund 20.000 Menschen eine Zeit lang ernähren. Ein Paket kostet 35 Euro. Auch die schon zuvor angelegten Regenwasserspeicher für die Nomaden erweisen sich jetzt als Segen.

 

 

Waris Dirie: „Helft mit, diese Kinder zu retten“!

 

Somalia: 700.000 Kinder sind am Horn von Afrika vom Hungertod bedroht. Ex-Model Waris Dirie berichtet im KURIER-Interview von ihrer Heimat.
Mail an Waris Dirie. „I am on the way to Africa“, schreibt sie zurück. Telefonisch ist sie nicht erreichbar und sehr besorgt um ihre Familie. „Ich weiß nicht einmal, ob sie noch leben. Es herrscht komplettes Chaos in Somalia.“ 12 Millionen Menschen hungern am Horn von Afrika, Hunderttausende sind auf der Flucht, 700.000 Kinder vom Hungertod bedroht. Am schlimmsten ist die Situation in der Heimat von Waris Dirie, weil die Al-Shabab-Miliz die Arbeit der internationalen Hilfsorganisationen blockiert. Die Autorin und Menschenrechtsaktivistin war schon im letzten Oktober sechs Monate in Ostafrika. Afrika, so schreibt sie in unserem Mail-Interview, sei ihre Heimat und die Sehnsucht, wieder ganz dort zu leben, groß.

 

KURIER: Es ist die schlimmste Dürre seit 60 Jahren, die UN haben offiziell die Hungersnot ausgerufen. Was geht in Ihnen vor?
Waris Dirie: Ich bin schockiert. Somalia ist meine Heimat, meine Familie, mein Volk. Diese Bilder sind schwer zu ertragen. Du fühlst dich so machtlos.

Das Foto des bis auf die Knochen abgemagerten kleinen Kindes in einer Plastikschüssel – was löst es in Ihnen aus?
Es trifft mich mitten ins Herz. Diese Kinder sind wie meine eigenen Kinder. Ich spüre ihre unerträglichen Schmerzen. Ich habe als Kind selbst Hunger und Trockenheit erlebt. Ich weiß, was Hunger und Durst bedeuten und wie sehr die Menschen leiden. Besonders schlimm ist es deshalb für mich, Kinder dort leiden zu sehen, wo auch ich meine Kindheit verbracht habe.

 

Hilfsaktionen sind sehr riskant in Somalia, weil es seit 1991 keine funktionierende Regierung und Verwaltung mehr gibt … Macht Ihnen die politische Situation Ihres Landes Sorgen?
Die politische Situation in Somalia, die ja bereits seit Jahren völlig entgleist ist, trägt entscheidend zu Situationen wie der jetzigen bei. Denn durch die Anarchie, die die Warlords in Somalia verbreiten, kommt Hilfe nicht dort an, wo sie benötigt wird, oder die Wege zu den Betroffenen werden blockiert. Der Umgang dieser Schwerkriminellen mit ihren eigenen Brüdern und Schwestern macht mich unglaublich wütend. Aber genauso wütend macht es mich, dass die Politik, aber auch Medien diese katastrophale Menschenrechtssituation immer erst dann aufgreifen, wenn Bilder verhungernder Kinder um die Welt gehen.

 

Der Flüchtlingsstrom nach Kenia und Äthiopien besteht aus Hunderttausenden Menschen – Sie selbst sind ja auch aus Somalia geflüchtet – vor Ihrem Vater. Kommen da Erinnerungen zurück?
Ja … ich weiß, was es heißt, tagelang durch die Wüste zu irren ohne Essen, ohne Wasser. Ein Albtraum. Nur dein Wille zu leben lässt dich weitergehen, nicht aufgeben. Wenn ich die Kinder und die Menschen sehe, frage ich mich, wo jeder Einzelne von ihnen wohl ankommen wird.

Was ist Ihr Appell an die Welt? Warum lässt diese Katastrophe den Westen kalt?
Die Welt lässt es nicht kalt. Die Hilfsmaßnahmen starten nun auf breiter Front. Aber ich frage mich, warum man erst dann zu helfen beginnt, wenn es für viele schon zu spät ist? Mein Appell an die Welt: Bitte helft jetzt alle mit, diese Kinder zu retten. Und lasst es auf diesem Planeten, der so reich ist, nie wieder so weit kommen, dass eine Katastrophe, die sich über Monate angekündigt hat, von der alle verantwortlichen Politiker und die UN gewusst haben, erst ausbrechen muss, bevor reagiert wird.

 

In Europa versuchen die EU-Verantwortlichen gerade, den Euro zu retten. Am Horn von Afrika würde es eine Milliarde Dollar brauchen, um eine Tragödie zu verhindern. Verzweifeln Sie manchmal an dieser Welt?
Verzweiflung ist nicht das richtige Wort. Ich bin wütend, aber ich weiß, dass ich etwas tun kann, tun muss und tun werde. Wir leben heute in einer Welt, in der einige wenige über alle und alles bestimmen können. Sie haben diese Welt durch Gier und Dummheit in eine sehr gefährliche Situation gebracht. Immer mehr Menschen verarmen oder verlieren ihre existenziellen Grundlagen. Die Verantwortlichen erklären uns, dass sie die Probleme,
die sie verursacht haben, lösen können. Darauf sollten wir uns aber nicht mehr verlassen und sie auch nicht mehr weitermachen lassen. Sonst gibt es ein schlimmes Ende.

 

Sie sind bekannt geworden durch Ihren engagierten Kampf gegen die Genitalverstümmelung, Ihre Bücher über dieses Tabuthema sind Bestseller geworden: Was hat sich seither geändert?
Mit den Kampagnen meiner Foundation (siehe Kasten unten) habe ich Millionen Menschen auf der ganzen Welt erreicht. Es hat sich viel getan, sowohl die Gesetze als auch das öffentliche Interesse am Thema. Aber ich habe gelernt, dass man einen Blick auf die Ursachen dieser grausamen Praktik werfen muss, um sie auszurotten. Diese Ursachen heißen erstens Armut und zweitens die Frau als Ware, die man verkauft und genital verstümmelt.

 

Und wie rottet man sie aus?
Indem man den Aufbau wirkungsvoller Strukturen fördert und fordert. Nur so ändert sich die Situation – zwar langsam, aber nachhaltig.

Auch Sie selbst mussten dieses Ritual erleiden und haben sich den Schmerz in Ihren „Briefen an meine Mutter“ von der Seele geschrieben. Wie ist Ihr Verhältnis heute?
Ich war im Vorjahr vier Monate bei meiner Mutter und Familie in Afrika. Wir haben gemeinsam gekocht, gegessen, geredet. Meine Mutter versteht nun besser, wofür ich kämpfe.

 

Wo leben Sie eigentlich?
Ich habe in vielen Städten gelebt: London, New York, Los Angeles, Amsterdam, Wien, Kapstadt, Addis Abeba, Danzig und noch einige mehr. Aber ich bin immer weitergezogen. Einmal Nomadin, immer Nomadin, wissen Sie. Ich habe vieles erlebt. Bitterste Armut und die glitzernde Scheinwelt berühmter Models. Ich habe im Westen als Model und mit meinen Büchern großen Erfolg und auch viel Glück gehabt und bin dafür sehr dankbar. Mein Herz aber war, ist und wird immer in Afrika sein.

 

Kindheit: Waris Dirie wurde 1965 in der Region von Gallacaio in der somalischen Wüste an der Grenze zu Äthiopien geboren und besuchte nie eine Schule. Im Alter von fünf Jahren erlitt sie die unmenschliche Prozedur einer genitalen Verstümmelung – nach Schätzungen der UNO werden täglich 8000 Mädchen Opfer dieser grausamen Tradition. Als die Nomadentochter mit 13 zwangsverheiratet werden soll mit einem Mann, der ihr Großvater sein könnte, flieht sie nach Europa und arbeitet als Hausmädchen und bei McDonald’s. Karriere In London und New York startet Waris Dirie eine Weltkarriere als Model – unter anderem für L’Oreal und Levis. Heute kämpft die Bestsellerautorin („Wüstenblume“, „Nomadentochter“, „Schmerzenskinder“, „Brief an meine Mutter“), UN-Sonderbotschafterin und Menschenrechtsaktivistin gegen die Genitalverstümmelung von Frauen in Afrika.

 

{Quelle: www.kurier.at}

 

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