kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Der Pamphletist: Professor Adorján F. Kovács 28. Juni 2011

Filed under: Pater Zakaria & co. — Knecht Christi @ 10:54

Zum Text „Die Panikmacher“ von Patrick Bahners in der FAZ vom 16. Februar 2011.

 

Dem Vorabdruck nach zu urteilen, ist Patrick Bahners´ neues Buch nicht ganz zu Recht als Streitschrift untertitelt; es ist noch mehr (oder weniger – wie man will): es ist ganz offenbar ein Pamphlet. Die typischen Kennzeichen eines solchen sind nicht nur grobe Vereinfachungen, sondern bewusst falsche Feststellungen, unter dem scheinheiligen Vorwand, Dinge auf den Punkt bringen zu wollen, sowie die Herabsetzung anderer Personen, hier von mutigen Menschen wie Ayaan Hirsi Ali, die ihr Leben riskieren, was Bahners ihnen nach dem Muster, die Opfer seien schuld, vorhält mit dem perfiden Vorwurf, sie – und nicht diejenigen, die sie ermorden wollen – seien verantwortlich für eine zunehmende Fremdenfeindlichkeit in Europa.

 

Der Vorabdruck in der FAZ vom heutigen Tage, mit dem unter einer schreienden, ja panischen Überschrift vor den islamkritischen „Panikmachern“ gewarnt (und gleichzeitig für das Buch geworben) wird, handelt vornehmlich von der Taqiya, also der angeblich nur unter Lebensgefahr erlaubten Verstellung der Muslime. Bahners argumentiert hier mit einer gleichsam philologischen Gelehrsamkeit unter Rückgriff auf Ignaz Goldziher, einem der Gründer der Islamwissenschaft, einer peniblen Genauigkeit, die aber nur zeigt, wie tief er graben musste, um seine Apologie der Taqiya zu begründen. In der Tat ist es lächerlich, bei Erklärungsnot, also bedarfsweise, in einer „Streitschrift“ auf dem Niveau einer Fachtagung in der Akademie Tutzing schreiben zu wollen. Es ist eine bewußte Rhetorik der Übertreibung, um zu verschleiern. Worum es den Islamkritikern nämlich, völlig zu Recht, wirklich geht, sind nicht die subtilen Elfenbeinturmdefinitionen von Taqiya, sondern die tatsächlich gelebte, volkstümliche Auffassung von ihr.

 

Da hilft ein Blick auf die Darstellung eines zum Christentum konvertierten Muslims (Patrick Sookhdeo), der nun wirklich den Muslimen voll Friedfertigkeit und Demut gegenübertritt und von Christen fordert, „den Muslimen nicht Glaubens-Überzeugungen und Praktiken vorzuhalten, die für sie gar nicht zutreffen“: „Der vielleicht wichtigste Zug des schiitischen Islam, den ein Christ kennen sollte, wenn er mit einem schiitischen Muslim in nähere Beziehung tritt, ist die Praxis der Verstellung. Der schiitische Islam erlaubt seinen Anhängern zu lügen, zu täuschen und das abzustreiten, was sie wirklich glauben, solange sie in ihrem Herzen dem Glauben anhängen. Ein schiitischer Geistlicher aus dem 10. Jahrhhundert, Ibn Babuya al-Saquq, hat behauptet: >Wir glauben, dass wir zur Taqiya verpflichtet sind … Gott zeigt uns, dass man mit den Ungläubigen nur im ´Zustand der Taqiya´ Freundschaft haben kann.< Obwohl man allgemein glaubt, dass diese Lehre entwickelt wurde, weil die Schiiten von den Sunniten verfolgt wurden, halten manche Muslime sie auch im sunnitischen Islam für berechtigt. Es gibt eine Anzahl von ahadith, nach denen in folgenden drei Situationen das Lügen erlaubt ist: 1. Ein Mann darf seine Frau belügen, um ihr zu gefallen. 2. Man darf lügen, um zwei streitenden Parteien zu versöhnen. 3. Man darf im Krieg, bei Spionagefällen und in ähnlichen Lagen lügen.“

Dieser Hyperbel Bahners´ entspricht der falsche Vergleich der Taqiya mit dem christlich-moraltheologischen Begriff der reservatio mentalis, den Ignaz Goldziher durch seine unbedachte Verwendung dieses Begriffs in diesem Zusammenhang heraufbeschwor. Es ist zunächst einmal grundsätzlich unredlich, Argumente der frühen Islamforschung, die insgesamt von einem starken kirchenfeindlichen Impuls getrieben war, ins Feld zu führen und so zu tun, als seien sie neutral. Bahners geht aber noch weiter und macht sich den Geist des Kulturkampfs zu eigen (1872 wurde der Jesuitenorden vom Gebiet des Deutschen Reiches ausgeschlossen). Zwar will er zeigen, dass Ähnliches wie damals den Jesuiten heute den Muslimen gegenüber geschieht, macht aber hier noch einen weiteren Fehler. Die Jesuiten, die angeblich nach Aussage ihrer Feinde, die für Bahners zuverlässige Informanten sind, die reservatio mentalislehrten, aber bekanntlich auch innerkirchlich umstritten waren, sind keine dogmatisch verbindliche Instanz. Es kennzeichnet gerade die Freiheit der christlichen innerkirchlichen Diskussion, dass von der Lehrmeinung abweichende Thesen vertreten werden konnten und können.

 

Im Islam ist aber jeder Gläubige gottunmittelbar; die göttlichen Regeln, die für ihn wie für alle Muslime gelten, sind nicht die, die für einen Orden gelten, der nur einen kleinen, segregierten Teil der christlichen Gesellschaft bildet. Bahners wiederholt den Fehler, den Apologeten des Islam immer wieder machen, wenn sie zum Beispiel die Ordenstracht einer Nonne mit den Bekleidungsvorschriften der Musliminnen gleichstellen. Mögen beide Entscheidungen frei getroffen worden sein, so besteht doch ein fundamentaler Unterschied. Der Eintritt in den Orden bedeutet einen Schritt aus der Alltagsgesellschaft hinaus in eine geistliche Welt; das Tragen der Uniform der Musliminnen bedeutet das Eindringen einer Ideologie in die Mitte der Alltagsgesellschaft. Während niemals von der christlichen Gesellschaft verlangt würde, kollektiv ein Ordensleben zu führen, ist ebendies die Botschaft der muslimischen Bekleidungsvorschrift, nur auf den Islam gemünzt: potentielle Gleichschaltung der gesamten weiblichen Hälfte der Gesellschaft.

 

Schließlich unterschlägt Bahners, und das ist das Schändlichste am Text dieses Vorabdrucks, den theologischen Skandal, den die Taqiya an sich schon darstellt, dass nämlich eine Religion die Lüge (wenn auch unter Bedingungen) zur Tugend erklärt. Du sollst nicht lügen!, heißt es anderswo. Es ist ein Unterschied, ob man ein vielleicht utopisches moralisches Gebot übertritt und damit sündigt, oder ob dieses Gebot überhaupt nicht besteht. Das jüdisch-christliche Gebot hält immerhin eine hohe ethische Forderung aufrecht. Im Vergleich dazu stellt sich – zumindest hier – die Ethik des Islam in einer gewissen Dürftigkeit dar. Allein dies rechtfertigt schon Sorgen, die Bahners mit dem Wort von den „Panikmachern“, zu denen er auch Broder, Kelek, Sarrazin und andere zählt, als reine Panik denunzieren will.

 

4 Responses to “Der Pamphletist: Professor Adorján F. Kovács”

  1. sirius Says:

    Es ist völlig einerlei was da im Christentum oder im Abendland gilt oder nicht gilt.

    1.)Der Mohammedanismus ist eine kulturfremde Erscheinung hat in Europa und dem gesammten Abendland nix verloren.
    2.) Mohammedanismus ist entwicklungshemmend.
    3.)Mohammedanismus ist nicht die weltweite Leitkultur,sondern der Westen,das Abendland,Europa.
    4.)Es ist an der Zeit die Existenz des Mohammedanismus zu beenden.

  2. Saphiri Says:

    Das Buch, „Die Panikmacher“ ist ein neuzeitiger Schwachsinn.

    Wenn man sich erinnere, welche Art Bilder die Banken in den 80er Jahren als moderne Kunst in ihren Hallen aufhängten, die bis heute noch keinen Kaufwert erzielt haben. 5m mal 8 m voll verschmierte und bekritzelte teure Leinwand, pure Farbverschwendung, die man auch als Beschäftigungs-Kunstwerke aus einer Kindergarteneinrichtung auffassen könnte. Je lauter der Lärm in den Kindergärten, desto intensiver und zahlreicher die Farben – wie der Lärm selbst auf Leinwand verteilt. So ist das der richtige Vergleich mit dem Buch „Die Panikmacher“. Ein Besipiel unserer heutigen geistigen Armut – wie das die Gemälde der Malkünstler vorausgesehen haben.

    Leider habe ich mir die Ausgabe nicht erspart, das Buch zu lesen und zu analysieren.
    Ich hätte es mir ersparen können, hätte es den kritischen Kommentar zu dem Buch von Broder schon früher gegeben. Denn an dem Buch-Inhalt gibt es nichts zu analysieren, es ist ungefähr so, als ob man Leitungswasser nach Geschmack prüfen wollte.

  3. Johannes Says:

    An Saphiri:

    Lesen Sie dann mal ein vernünftiges Buch! Zum Beispiel Oriana Fallaci, Die Kraft der Vernunft.

    Leitungswasser ist ja etwas Schönes! Deshalb beschreibt sie den Islam als einen „Teich“. „Ein Teich ist ein stehendes Gewässer. Voll mit Wasser, das nie abfließt, sich nie bewegt, sich nie reinigt, nie zu fließendem Wasser wird, das bis ins Meer strömt. In der Tat verunreinigt es leicht und taucht auch wenig als Viehtränke. Der Teich liebt das Leben nicht. Er liebt den Tod. Deswegen freuen sich die Mütter der Kamikaze, wenn ihre Söhne sterben, und sagen Allahu akhbar, ´Gott´ ist größer. …“

  4. Autor Says:

    Die Überschrift, so wie sie ist, suggeriert, der Autor selbst sei ein Pamphletist. Deutlicher wäre: Der Pamphletist. Von Professor Adorján F. Kovács

    Ansonsten besten Dank für die Artikelübernahme und die Kommentare.


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