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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Rechtsstreit zwischen Kloster Mor Gabriel und Staat eskaliert 6. Juni 2011

Filed under: Christenverfolgung — Knecht Christi @ 13:42

Der Abt des syrisch orthodoxen Klosters kündigt an, den Rechtsstreit notfalls bis zum EGMR austragen zu wollen!

 

Ankara (kath.net/KAP): Das Kloster Mor Gabriel im Tur Abdin wird im Konflikt um Landbesitz alle Rechtsmöglichkeiten ausnützen und als letzten Schritt auch den Gang zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) nicht scheuen. Das hat der Abt des Klosters, Metropolit Timotheus Samuel Aktas im „Kathpress-Gespräch“ betont. In dem Konflikt zwischen dem im Jahr 397 gegründeten Kloster und drei Dörfern der Umgebung geht es um rund 50 Hektar Klosterboden, die bei einer Landvermessung zur Erstellung von Grundbüchern nach EU-Vorgaben im Sommer 2008 strittig geworden waren. Sie werden inzwischen teilweise auch vom Finanzamt und von der Forstverwaltung beansprucht.

 

Im Mai 2009 hatte das Kloster einen ersten Prozess um die Grenzziehung zwischen seinem Gelände und umliegenden Dörfern gewonnen. Weiters wies im Juni 2009 ein Gericht in der Bezirksstadt Midyat die Klage des Finanzamtes gegen das syrisch-orthodoxe Kloster zurück. Das Finanzamt ging dagegen in Berufung. Ein weiterer Prozess um Ansprüche der Forstbehörde auf ein Waldgebiet des Klosters ging für das Kloster verloren, das nun ebenfalls in Berufung ging. Der Oberste Gerichtshof der Türkei sprach schließlich im ersten Berufungsprozess im Jänner 2011 einige Ländereien dem türkischen Staat zu. Bislang dürfte aber noch kein schriftliches Urteil ergangen sein. Als Folge der Entscheidungen der türkischen Behörden könnte nun drohen, dass die weitläufige und hohe Mauern abgerissen werden müssen, die vom Kloster zum Schutz vor Übergriffen, Landraub und Abweidung errichtet wurden.

 

Bischof Timotheus wies im „Kathpress-Gespräch“ darauf hin, dass das Kloster Urkunden aus den 1930er-Jahren besitzen würde, die eindeutig das Eigentumsrecht des Klosters belegen würde. Das habe auch das Gericht in Midyat anerkannt. Die Gegenseite habe hingegen nichts vorzuweisen. Trotzdem habe das Gericht in Ankara die Beweise des Klosters scheinbar nicht zur Kenntnis genommen. In der ganzen Angelegenheit gehe es nicht mehr um Recht und Unrecht, vielmehr habe die Causa einen politischen Hintergrund. Es gebe Kräfte, die die Christen aus dem Land drängen wollten, so der Bischof.

 

Internationale Unterstützung: Die Prozesse sorgten und sorgen auch in Österreich und Deutschland für Aufsehen und wurden beispielsweise von deutschen Politiker sowie der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche heftig kritisiert. Der Österreichische Nationalrat hatte schon 2009 in einem gemeinsamen Beschluss die Bundesregierung aufgefordert, sich vehement für den Schutz des Klosters einzusetzen.

 

Von Seiten der türkischen Politik wurden bislang freilich die Sache heruntergespielt. Der türkische Botschafter in Deutschland ließ den Bischöfen mitteilen, dass der Streit um die Klostergüter Sache der Türkischen Justiz sei. Das Rechtsverfahren müsse respektiert werden. Meldungen, wonach ein Großteil des Klosterbesitzes verstaatlicht werden soll, würden nicht der Wahrheit entsprechen. Unbestimmt blieb auch der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan, als er Anfang April diesen Jahres in Ankara mit dem Oberhaupt der syrisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Ignatius Zakka I. Iwas, zusammengetroffen war. Auch Bischof Timotheus war bei diesem Treffen dabei. Er zeigte sich gegenüber „Kathpress“ enttäuscht.

 

Die Bemühungen des Oberhaupts der syrisch-orthodoxen Kirche hätten keinerlei Erfolg gehabt. Die Regierung werde tun, was sie könne, um das Problem im Sinne der syrisch-orthodoxen Gemeinde zu lösen, versprach Erdogan kryptisch nach einem Bericht der Zeitung „Hürriyet“. Zunächst müsse aber das Ende der gerichtlichen Auseinandersetzung abgewartet werden. Bischof Timotheus wollte dem aber nicht so recht glauben: „Wir wollen keine schönen Reden mehr sondern Taten sehen“.

 

Das Kloster Mor Gabriel ist eines der ältesten christlichen Klöster überhaupt. Das etwa 25 Kilometer von der Stadt Midyat entfernt gelegene Kloster wurde im Jahr 397 begründet. Als Gründer gelten der Heilige Samuel von Eshtin und sein Schüler, der Heilige Simon. In seiner Blütezeit lebten bis zu 1.000 Mönche im Kloster. Lange Zeit war Mor Gabriel Sitz des syrisch-orthodoxen Metropoliten des Tur Abdin. Auch heute residiert der Metropolit wieder im Kloster. Bischof Timotheus ist zugleich Abt von Mor Gabriel wie auch Bischof von Midyat und Tur Abdin.

 

{Ein „Kathpress-Bericht“ von Georg Pulling}

 

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