kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Leben im Nahen Osten verbessern 6. Juni 2011

Filed under: Pater Zakaria & co. — Knecht Christi @ 14:33

Das Endspiel neu überdenken

 

Der folgende Artikel ist ein Transkript der von Prof. Mordechai Kedar am 04.05.2011 in Washington gehaltenen Rede auf der Konferenz “Rethinking the Endgame – Improving Lives in the Middle East”. Prof. Mordechai Kedar war ursprünglich Mitglied der linksgerichteten “Peace Now” Bewegung in Israel, hat sich jedoch von ihr abgewandt, nachdem er erkannt hat, dass deren Strategie zum Scheitern verurteilt ist.

 

Beginn Transkript: Endspiel – wer im Endspiel bestehen will sollte wissen, wie das Spiel begonnen hat. An oberster Stelle der Probleme, die der Region in die DNA geschrieben sind, stehen unter anderem dikatorische Regierungen und Korruption. All diese Probleme sind Auswirkungen von etwas. Konsequenzen einer Geschichte, die nur wenigen Menschen in diesem Teil der Welt bewusst ist.

 

Die islamischen Staaten, von Bangladesch im Osten über Pakistan, Afghanistan, Iran, Irak, Syrien, Jordanien, Saudi Arabien, Ägypten, Jordanien, Lybien, Tunesien, Marokko bis hin zu Somalia, nicht ein einziger davon wurde von seinem eigenen Volk errichtet. Die Grenzen zwischen den Staaten wurden von den Kolonialmächten gezogen: den Briten, Franzosen und Italienern. Wo Europäer die Grenzen zogen, waren ihnen die Einheimischen völlig egal. Die ethnischen Gruppen, Religionen, Stämme, Gemeinden. Wie in Afrika wurden die Grenzen nach den Interessen der Kolonialisten, also Gold, Kupfer, Sklaven und später Öl gezogen. Der Kolonialismus liegt Jahrzehnte zurück. Doch er hat noch immer Auswirkungen. Tödliche Auswirkungen.

 

The majesty and meaning of the Western Wall.

The majesty and meaning of the Western Wall.

 

http://www.aish.com/jw/id/The_Heart_of_the_Jewish_People.html

 

Denn die Probleme dieser Staaten sind die Folge davon, dass jeder dieser Staaten ein Mosaik ethnischer Gruppen, religiöser Gruppen und Stämme ist, die meist nie friedlich zusammengelebt haben und ihre Kriege bis heute fortführen. Jeder oder fast alle dieser Staaten wird von einer kleinen Gruppe beherrscht, die die ganze Macht an sich gerissen hat. Deshalb sind es Diktatoren. Sie benutzen den Islam als Vorwand, indem sie den Koran zitieren, in dem es heißt: “Gehorche Allah, gehorche dem Propheten, gehorche denen, die über Dir stehen”. Es ist keine Überraschung, dass dieser Vers auf dem Grabstein von Hafiz al-Assad, dem syrischen Diktator, eingemeißelt wurde, obwohl dieser nicht einmal Moslem war.

 

Diese Staaten sind alle Failing States. Keine Demokratie, keine Menschenrechte, keine Frauenrechte, keine politische Freiheit, keine Pressefreiheit, Korruption – all das nur deshalb, weil es Staaten ohne Legitimation sind, die von nicht legitimierten Gruppen regiert werden. Ich sage Gruppen, nicht Eliten, denn es sind in vielen Fällen nichts als blutrünstige Herrscher. Nur eine Gruppe von Staaten macht darin eine Ausnahme – die Golfemirate, mit Ausnahme Bahrains. Ich spreche von Kuwait, Quatar und den 7 Emiraten Abu Dhabi, Adschman, Dubai, Fudschaira, Ra’s Alkhima, Schardscha und Umm Al-Qaiwain. Diese Staaten sind stabil, wohlhabend und keine Dikataturen. Der Einwand, dies läge am Ölreichtum, verfängt nicht.

 

Irak hat Öl, Lybien auch. Warum waren das also Diktaturen und die Emirate nicht? Der Grund liegt wieder in der Soziologie. Irak und Lybien sind Konglomerate von Stämmen, Religionen (allein im Irak 10 Religionen) und Gemeinschaften wie Schiiten und Sunniten sowie ethnischer Gruppen, jedes der Emirate hingegen besteht nur aus einem Stamm. Deshalb kämpft niemand gegen den anderen. Sie können am Lagerfeuer sitzen und zusammen Kumbayah singen: etwas, das nie in den anderen arabischen Staaten passiert ist und auch nie passieren wird, solange die Grenzen des Kolonialismus bestehen bleiben. Das ist das Problem dieser Staaten und der Schlüssel zum Endspiel. Das Problem ist, dass vor einigen Jahrhunderten jemand aus Europa kam und Gruppen zum Zusammenleben gezwungen hat, die nie friedlich zusammengelebt haben.

 

Nehmen sie nur die Sunniten und die Schiiten, die seit bald 14 Jahrhunderten darum kämpfen, wer im 7. Jahrhunderten der rechtmäßige Kalif war. Sie erinnern sich noch daran, was in den USA passiert ist, als George Bush und Al Gore vor einigen Jahren darüber stritten, wie die Stimmen in Florida ausgezählt wurden. Stellen Sie sich vor, dass Amerika sich damals in 2 Teile getrennt hätte, einen für Al Gore und einen für George W. Bush und dass diese beiden Gruppen einander 14 Jahrhundertelang bekämpft hätten. Das ist der Kampf zwischen Sunniten und Schiiten. Unterschiedliche Kultur, unterschiedliche Einstellungen. Das ist das Problem des Nahen Ostens: Gruppen wurden zusammengefügt, die nicht zusammenleben können. Sie können zusammen sterben, aber nicht zusammenleben. Das ist die Ursünde gewesen: diese Failing States im Nahen Osten zu erschaffen und ich denke auch in Afrika, denn ich glaube, wenn man den Gräueltaten in Biafra in den 70ern und Ruanda in den 90ern auf den Grund geht, wird man wohl finden, dass das Problem das Gleiche ist.

 

Die Lösung besteht also darin, den Kolonialismus rückgängig zu machen, bzw. seine Ergebnisse rückgängig zu machen. Die Menschen dieser Region müssen die Grenzen ihrer Staaten selbst definieren dürfen. Afghanistan besteht aus 9 Volksgruppen, die nicht miteinander sprechen können, unterschiedlich denken, unterschiedliche Gesetze haben, verschiedene Ziele verfolgen u.s.w.. Wie sollen diese Menschen jemals einen stabilen Staat errichten? Wenn die Gesellschaft dermaßen fragmentiert ist, kann es kein politisches System geben das funktioniert und wenn es kein politisches System gibt das funktioniert, stellt das Engagement dort nichts weiter dar als den Versuch, eine Leiche namens Afghanistan mit dem Blut amerikanischer Jungen und Männer und Milliarden Dollar wiederzubeleben. Es hat nie funktioniert, wird nie funktionieren und jeder Pfennig, der in Afghanistan gesteckt wird, ist verschwendet. Was man hätte tun sollen, ist die Grenzen in Afghanistan so neuzugestalten, dass jeder Stamm oder jede ethnische Gruppe einen eigenen Staat hat, so wie in Dubai. Dubai hat, wie Sie wissen, kein Öl. Dubai hat ein echtes Wirtschaftsleben. Sie brauchen kein Öl. Wenn man eine normale Einstellung hat, dann kämpft man auch nicht miteinander und wie das Sprichwort sagt: “Hohe Zäune machen gute Nachbarn”.

 

Heute steuern wir auf die Gründung eines neuen arabischen Failing States zu: Palästina. Ein Staat, der jetzt schon in Gaza und West Bank gespalten ist. Wer glaubt, Hamas würde auch nur 1 % ihrer Unabhängigkeit, die sie im Gazastreifen genießt, aufgeben hat keine Ahnung, wovon er spricht. Gaza auf der einen Seite und die West Bank auf der anderen Seite werden nie ein einiger Staat sein, weil die kulturellen Unterschiede zu groß sind. 90 % der Bevölkerung in Gaza besteht aus Beduinen, die aus den Wüsten auf dem Sinai, im Negev oder Jordanien stammen. Die Bewohner der West Bank sind Stadtbewohner. Völlig verschiedene Kulturen. Es ist so, als ob man einen Staat von australischen Ureinwohnern und Eskimos machen wollte. Die sind so weit voneinander entfernt, dass sie nicht miteinander sprechen könnten. Genau das passiert zwischen Gaza und der Westbank. Das Durchschnittsalter des Fatah Führers ist 70, in Hamas vielleicht 30. In der West Bank repräsentieren sie die Menschen in den Flüchtlingslagern, in Gaza will man von Flüchtlingen nichts wissen.

 

(hält einen Schal hoch, der die Farbe der PLO trägt und eine Karte Palästinas ohne Israel aufgedruckt hat). Diesen Schal habe ich vor 2 Wochen in Jerusalem gekauft. Ein demokratischer Staat gestattet es, dass diese Gegenstände in den Straßen seiner Hauptstadt verkauft werden. Wenn Amerikaner Frieden hören, dann denken sie diesen Frieden von einem amerikanischen Standpunkt aus. Sie denken, dass Jeder mit Jedem Frieden schließen kann. Amerika ist die Verkörperung eines Traumes. Eines Traumes von Menschen, die aus der ganzen Welt kamen, um Freiheit, Gerechtigkeit und Glück zu suchen – den amerikanischen Traum. Im Nahen Osten haben die Menschen keinen solchen Traum. Sie leben in einer harten Welt, in der Wüste. In der Wüste gilt das Gesetz: entweder Du tötest oder Du wirst getötet. Das ist im Grunde die Quintessenz des Stammeswesens. Ein Stamm ist nicht in erster Linie eine Gruppe von Menschen, die miteinander verwandt sind. Ein Stamm ist vor allem eine Kampfgemeinschaft von Verwandten mit ihren eigenen Interessen, ihrer eigenen Fahne, oft sogar einer eigenen Hymne und einem eigenen Dialekt. Wenn jemand den Mund aufmacht, weiß man schon, welchem Stamm er angehört.

 

Das ist der Name des Spiels im Nahen Osten. Nur der Mächtige überlebt und Frieden wird nur dem gegeben, der unbesiegbar ist. Israel wird unglücklicherweise nicht als unbesiegbarer Staat betrachtet. Ich kann übrigens beweisen, was ich über Unbesiegbarkeit gesagt habe: Ägypten bzw. Sadat gab Israel erst nach den Niederlagen Ägyptens von 1948, 1956, 1967 und 1973 Frieden. Die Gespräche mit Israel begannen erst dann, als Sadat 1975 erkennen musste, dass Israel unbesiegbar ist. Allein das und nichts anderes war der Grund dafür, dass Israel von Ägypten Frieden bekam. Die PLO unterzeichnete ihr erstes Abkommen erst nach ihrer totalen Niederlage in der ersten Intifada 1992.

 

Das ist also der wahre Schlüssel zum Frieden: derjenige der Frieden im Nahen Osten sucht, wird als jemand gesehen, der sich unterwirft und kapituliert. Denn Jemand, der Frieden sucht, wird als einer betrachtet, der besiegt ist und nun um Frieden bettelt, damit ihm der Kopf nicht abgeschlagen wird. In Israel gibt es so viele “Friedensgruppen”, dass es in den arabischen Gesellschaften als eine schwache Gesellschaft gesehen wird, als ein Schwächling, der im Grunde nur darauf wartet, zu Fischfutter verarbeitet zu werden. Das ist der Grund dafür, dass es bis heute keinen Frieden gibt: das Israel nach Frieden strebt. Es hätte seinen Nachbarn sagen müssen: “Hier sind wir, wir werden für immer bleiben, was zahlt IHR für Frieden? Ihr seid uns so viel wert wie eine Kopfschmerzattacke, denn wir sind ein demokratischer Staat, wir sind eine führende Wirtschaftsnation, unser BIP ist bei 30000 Dollar pro Einwohner, wir haben Intel in Israel – nicht wegen meinen schönen Augen, sondern wegen der klugen Köpfe in Israel. Was zahlt Ihr für Frieden mit uns?” Leider ist das nicht die Herangehensweise, die Israel seinen Nachbarn gegenüber zeigt, eine Herangehensweise, die seine Nachbarn auch verstehen würden.

 

Es ist ein Versagen meiner Landsleute, dass sie nicht arabisch sprechen. Der Nahe Osten wird uns respektieren, wenn wir damit beginnen, mit ihm Arabisch sprechen. Ich will nicht irgendetwas aufgeben. Der erste Schritt wäre es, einen arabischsprachigen Fernsehsender zu gründen. Amerika, Deutschland, Frankreich und viele andere Staaten senden auf Arabisch, weil sie glauben, der arabischen Welt etwas zu sagen zu haben. Leider glaubt Israel scheinbar bis heute nicht, seinen arabischen Nachbarn etwas mitzuteilen zu haben. Um es zusammenzufassen: Israel wird ewig bestehen, wenn seine Nachbarn verstehen, dass das Spiel aus ist. Das sie anfangen müssen, sich um ihre eigenen Probleme zu kümmern. Wenn sie anfangen, ihre eigenen Grenzen entlang ihrer Spaltungen zu ziehen und anfangen, ihre Gesellschaften nach dem Vorbild der Golfemirate umzugestalten. Das wird dem Nahen Osten Frieden bringen und als Nebeneffekt Frieden mit Israel bewirken. Vielen Dank.

 

(Ende des Transkripts)

{haOlam.de –  Aus dem Englischen übersetzt von The Cheerful Coyote}

 

One Response to “Leben im Nahen Osten verbessern”

  1. Johannes Says:

    Christen können gar nicht anders, als an der Seite Israels stehen und für das jüdische Volk eintreten. Wer das nicht kann und trotzdem behauptet, ein Christ zu sein, muss seine Haltung überprüfen! Dabei können helfen die drei Kapitel 9 bis 11 im Brief des Apostels Paulus an die Römer.

    Für Israel eintreten heißt, für Israel und seine Führung zu beten, Leserbriefe zu schreiben – fast alle Medien sind gegen Israel eingestellt und berichten entsprechend. Allein im Internet gibt es eine Fülle nachprüfbarer Informationen über die tatsächliche Situation in Nahost. Wahrheitsgetreue Journalisten vor Ort sind u.a. Urich W. Sahm und Johannes Gerloff.

    Und wer es kann, sollte selbst wenigstens einmal nach Israel reisen. Es gibt eine Fülle von christlichen Reiseveranstaltern, die Rundreisen anbieten. Empfehlenswert ist auch die Mitarbeit in einem Kibbuz oder bei archäologischen Ausgrabungen.


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