kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Interview mit Ägyptens Innenminister 1. Juni 2011

Filed under: Koptenverfolgung — Knecht Christi @ 17:48

„Wir werden die Rechte der Christen unterstützen“!

Hochrangige Vertreter der christlichen Minderheit trafen kürzlich den ägyptischen Innenminister. Erstmals seit Jahrzehnten finden die Kopten in ihrer Heimat Gehör. Livenet.ch war bei diesem denkwürdigen Gespräch dabei.

 

Fruchtsäfte, türkischer Kaffee und Tee werden gereicht. Das dunkle Holz an den Wänden, geschwungene Sessel mit golden bemalten Armlehnen und eine Ahnenliste der bisherigen Titelträger illustrieren die Last des Amtes. Kaum jemand beachtet die roten und weissen Rosen, die in Einklang mit den dunkelgrünen Blättern die Landesfarben Ägyptens darstellen.

 

Mansur el-Essawi, Innenminister der Übergangsregierung, empfängt eine von Medhat Klada angeführte Delegation koptischer Anwälte und Geschäftsleute. Der in der Schweiz lebende ägyptische Autor kritisierte in unabhängigen Zeitungen das Mubarak-Regime während vielen Jahren. Damals war die Stimme der Christen, die in Ägypten Kopten genannt werden, kaum zu vernehmen. Selten war die Minderheit früher so angehört worden, wie nun im Büro und Audienzraum des hochrangigen Politikers, der im Ringen nach Stabilität alle Hände voll zu tun hat. Er trägt einen grauen Anzug, einen mächtigen Schnauz, spricht leise und bestimmt. Die Worte, die er im Interview mit livenet.ch wählt, wären vor wenigen Monaten nicht denkbar gewesen.

 

Mansur el-Essawi, wie sehen Sie die Revolution?
Mansur el-Essawi:Die Revolution bringt eine Wende und sie beeinflusst die ganze arabische Welt. Sie stärkt die Menschenrechte und gibt dem ägyptischen Volk die Rechte zurück, die ihm genommen wurden. Sie kam aber verspätet. Wir wünschten, sie wäre früher geschehen, um die Korruption früher abzubrechen, von der wir in Ägypten Zeuge wurden.

 

Ägypten ist das Land mit der grössten arabischen Einwohnerzahl. Denken Sie, dass nun durch die Revolution in Ägypten eine Welle der Demokratie in der arabischen Welt auslöst wird?
Auf jeden Fall. Ägypten ist ein Pionier in der arabischen Welt. Unsere Revolution hilft dem Fortschritt anderer Revolutionen und sie wird die arabische Welt zu mehr Freiheit und Liberalität führen.

 

Die Schweiz ist christlich und die Menschen in der Schweiz machen sich Sorgen um die christliche Minderheit, die in Ägypten leidet. Werden die Christen nun mehr Freiheit haben?
Seit der Frühzeit der Geschichte war Ägypten eine christliche Welt, bevor der Islam nach Ägypten gekommen ist. Während 15 Jahrhunderten haben Christen und Muslime friedlich Seite an Seite gelebt. Wir werden die Rechte der Christen wie der Muslime unterstützen.

 

Vor wenigen Minuten endete ein Meeting mit einer Delegation koptischer Christen. Was wurde besprochen?
Unsere koptischen Brüder, teils aus dem Ausland kommend, besprachen mit mir einiges über Kirchen, die geschlossen wurden und dass sie nun die Freiheit haben wollen, neue bauen zu dürfen. Und wir sprachen über verschiedene Vorfälle, die am Tahrirplatz geschehen sind. Es sind verschiedene Begehren und ich glaube, dass den meisten entsprochen wird.

 

Viele Trends stammen aus den USA. Manche denken, dass selbst der christliche Glaube von dort stammt. Die Geschichte aber zeigt, dass das Christentum aus dem Nahen Osten kommt, es steht in der Bibel auch, dass Gott Ägypten liebt. Denken Sie, dass Ägypten das Christentum nach der Revolution in die Welt hinaus exportiert?
Der Nahe Osten, auch Ägypten, waren die Quelle aller Religionen: Judentum, Christentum und Islam. Alle diese drei Glaubensgruppen haben in Ägypten gelebt. Die Freundschaft zwischen Christentum und Islam breitete sich nach Norden aus, nach Europa. Und ich bin überzeugt, dass Ägypten dies wiederherstellen wird und religiöse Trends in der ganzen Welt beeinflussen wird.

 

Was erwarten sie in den nächsten Monaten generell für Ägypten?
In den nächsten drei Monaten erwarte ich, dass die Sicherheit besser gewährleistet wird und wir stabiler werden. Wenn wir ein neues Parlament, neue Gouverneure und einen neuen Präsidenten gewählt haben, beginnen wir eine neue Ära, unser internationales Gewicht wird wiederhergestellt. Die Wirtschaft wird wieder ausbalanciert und wir brechen zu neuen Horizonten auf. Industrie und Kommerz werden gestützt und erreichen ein besseres Level.

 

Und wie sieht der Zeitplan aktuell aus, im Mai 2011?
Der Zeitplan des Kabinetts sieht Wahlen im September vor; der Präsident wird gewählt, ein neues Kabinett eingesetzt und auch Kommunalwahlen werden durchgeführt. {Quelle: www.livenet.ch – von Daniel Gerber}

 

2 Responses to “Interview mit Ägyptens Innenminister”

  1. Bazillus Says:

    Mansur el-Essawi, Innenminister der Übergangsregierung.

    Genau da liegt das Problem. Ein Minister der Übergangsregierung. Gute und in die richtige Richtung weisende, von allen zu unterstützende Worte.

    Allein, mir fehlt der Glaube. Ich glaube es nicht eher, als bis ich die Demokratisierung in Ägypten sehe. Bis September dürfen wir uns aber gedulden. Das ist nicht mehr lang hin. Mal schauen, welche Kräfte dort die Oberhand gewinnen.

  2. Erich Foltyn Says:

    der Islam verliert ja nicht an Ansehen, wenn in seinem Namen Greueltaten begangen werden, weil das stammt alles vom Propheten Mohammed. Während im Westen müssen sich die Leute wegen jeder Kleinigkeit eine moralische Standpauke halten lassen und dabei sind hier die moralischen Ansprüche sich ins Gegenteil verkehrende Übertreibungen. Ich glaube, die Menschen haben allesamt einen Klopfer und man kann mit ihnen nicht mehr diskutieren, und die öffentliche Meinung ist nur mehr ein sinnloser Unfug.


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