kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Unsicherheit unter Christen in Syrien 12. Mai 2011

Filed under: Christenverfolgung — Knecht Christi @ 23:59

Keine Beteiligung von Christen an Protesten

 

 Die Lage in Syrien versetzt auch Christen in der Arabischen Republik in Angst. Unsicherheit breitet sich aus. Das Hilfswerk Open Doors, das sich weltweit für verfolgte Christen einsetzt, ruft weltweit zum Gebet für die syrischen Christen auf. „Die derzeitige Situation ist für uns sehr unsicher“, berichtet Rany, ein syrischer Gemeindeleiter und Mitarbeiter von Open Doors. An Ostern haben einige Kirchen ihre Feierlichkeiten und Gottesdienste abgesagt. 

 

Das Regime in Syrien geht weiterhin mit großer Gewalt gegen Demonstranten vor, die für einen Wandel im Land auf die Straße gehen. Seit Beginn des Aufstands Mitte März starben über 750 Menschen, zumeist Zivilisten. Hunderte wurden festgenommen. Für syrische Christen stellt sich die Frage, welche Auswirkungen diese Proteste und die Reaktion der Assad-Regierung auf die christliche Minderheit haben werden. Die Gemeinde Jesu in Syrien ist keine „Untergrund-Kirche“, sondern etablierter Teil der Gesellschaft. Neun Prozent der 22 Millionen Einwohner sind Christen. Sie gehören orthodoxen, katholischen und protestantischen Gemeinden an. Auch viele christliche Flüchtlinge aus dem Irak leben in Syrien. 

 

Unter Präsident Assad fühlten sich Christen bislang sicher. „Ein Regierungswechsel könnte sich zu unserem Nachteil auswirken“, so Gemeindeleiter Rany. „Unsere Gesellschaft besteht aus einem Mix aus vielen verschiedenen religiösen Gruppierungen: Sunniten, Schiiten, Aleviten, Drusen, Kurden, Christen und so weiter. Das ist eine explosive Mischung mit dem Potential für einen Clash zwischen den Minderheiten. Ich befürchte, Christen werden die Leidtragenden sein.“ Christliche Gemeinden sind zurückhaltend im Hinblick auf eine Beteiligung an regierungskritischen Protesten. Sie wollen nicht die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, so Rany. Aber auch ein Wandel unter der jetzigen Regierung birgt für die Christen Gefahren. Denn eine Öffnung der Gesellschaft würde auch radikalen Kräften mehr Spielraum geben. Das könnte zur Folge haben, dass sie gegen die christliche Minderheit als schwächstes Glied der Kette vorgehen würden.

 

Kein zweiter Irak: Einige Christen sind in Sorge, dass ihre Situation sich durch eine Ablösung der gegenwärtigen Regierung ähnlich dramatisch entwickeln könnte wie die der christlichen Minderheit im Irak. Dort haben sich die Lebensbedingungen für Christen nach dem Sturz von Diktator Saddam Hussein extrem verschlechtert. Während Anfang der 1990er Jahre noch 850.000 Christen im Zweistromland lebten, sind heute vermutlich deutlich unter 300.000 Christen der Verfolgung krimineller Banden und radikaler Islamisten ausgesetzt. Die Kirchen in Syrien engagieren sich sehr in der Betreuung christlicher Flüchtlinge aus dem Irak.

 

Dienste abgesagt: Bislang gilt Syrien als vergleichsweise tolerant gegenüber Christen. Es gibt keine offizielle Staatsreligion, wohl aber muss der Präsident Muslim sein. Verfassungsrechtlich wird anderen Religionsgruppen die Freiheit garantiert, ihre Religion auszuüben und ihre Gottesdienste zu feiern. Das Evangelium darf jedoch nicht an Muslime weitergegeben werden. Muslime, die Christen wurden, erfahren familiären Druck aufgrund ihrer Hinwendung zum Christentum. „Noch ist es möglich, Literatur weiterzugeben oder christliche Schulungen anzubieten. Doch wir wissen nicht, wie lange noch“, so der syrische Gemeindeleiter Rany. „Wir haben schon Seminare als Vorbereitung auf mögliche Christenverfolgung abgehalten.“ Angesichts der gespannten Lage seien geplante Schulungen abgesagt worden. „Derzeit ist es noch kein religiöser Konflikt, doch dies könnte sich ändern. Christen befürchten, dass fundamentalistische islamische Kräfte Minderheiten angreifen“, so Gemeindeleiter Rany. Er appelliert an die Christen in aller Welt: „Bitte, steht uns bei! Wir wollen Frieden in unserer Heimat.“ 

{Quelle: Open doors – Foto: Syrien: Gottesdienst einer irakischen Gemeinde in einer Kirche in Damaskus}

 

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