kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Horrorhopping Dank NKGMGaZ 30. April 2011

Filed under: Christenverfolgung — Knecht Christi @ 14:56

Leserbrief: Berliner Zeitung 26.04.2011 – von Götz Aly

 

Das ist natürlich richtig lustig, wenn die in Deutschland lebenden Armenier ein Mahnmal für die über anderthalb Millionen Todesopfer des osmanischen Völkermords fordern. Und besonders lustig ist das natürlich darum, weil die Deutschen damit so rein gar nix zu tun haben – sie haben ja nur zugeguckt, sie haben als engste Verbündete die türkischen Militärs ja nur beraten, sie haben ja nur das Schweigekartell um diesen Genozid organisiert und sie haben bis heute ja doch tapfer den Mund gehalten. Das alles ist wirklich so lustig, dass Ihr Kommentator Götz Aly das ganze Drumherum zu einem köstlichen Witz verwursteln darf. Wenn sie nicht schon tot wären, würden sich die Holocaust-Opfer von 1915 spätestens jetzt zu Tode gelacht haben. In der Türkei dürfen die Überlebenden und ihre Nachfahren nicht um ihre ermordeten Landsleute trauern, weil das demokratische Regime in Ankara das unter Strafe verwehrt. In Berlin dürfen sie es nicht, weil sie vom Hohngelächter Götz Alys und seiner Leserschaft vertrieben würden?

 

Hochachtungsvoll

 Azat Ordukhanyan – Vorsitzender des Zentralrats der Armenier in Deutschland

 

Horrorhopping dank NKGMGaZ

Götz Aly

 

Vergangene Woche forderte der Bundestag, das Denkmal für die Opfer der „Euthanasie“-Morde, das seit gut 20 Jahren vor der Berliner Philharmonie steht, „aufzuwerten“. Offenbar meinen CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne – Die Linke durfte dem Antrag nicht beitreten -, dass es höherwertige und (noch) minderwertige Denkmäler gebe. „Klotzen – nicht kleckern!“, der Wahlspruch unseres Panzergenerals Guderian durchzuckt die Berliner Denkmalmacher immer wieder. Man denke an die geschleiften Kolosse für Wilhelm I. oder Lenin, an das Holocaustmahnmal oder die künftige Vereinigungsschaukel auf der Schlossfreiheit.

 

Vor ein paar Tagen forderte der Zentralrat der Armenier in Deutschland: Ein „deutsches Denkmal zum türkischen Völkermord an den Armeniern im Jahre 1915 ist längst überfällig“, und zwar „im Schatten der Reichstagskuppel“. Warum? „Es gibt Nachholbedarf.“ Wie wäre es mit je einem Zentralmonument für die ermordeten Indianer, für die von französischen Revolutionären massakrierten Girondisten, für die von Kommunisten liquidierten Kulaken oder für die von Belgiern zu Hunderttausenden hingeschlachteten Kongolesen? Weitere Vorschläge nimmt das NKGMGaZ (Nationales Komitee für das Größte Mordgedenken aller Zeiten) jederzeit entgegen. Statt der – dank alliiertem Ukas von 1947 – eingeebneten Siegesallee bekämen wir so, weltweit singulär, die lang ersehnte Massenmord-Promenade rund um den Bundestag.

 

Auch der „Förderverein zum Gedenken an die Nazi-Verbrechen um und auf dem Tempelhofer Flugfeld e.V.“ (welch gefälliger Name!) werkelt in diesem Sinn. Er will zunächst die Senatspläne durchkreuzen, ein kleines Areal zu bebauen, auf dem früher Baracken standen. Wie an zig anderen Orten in Berlin leisteten im Krieg auch auf dem Flugfeld einige Tausend Zwangsarbeiter Frondienste. Daraus folgt für die nationalpädagogisch erregten Vereinsmeier der Ruf nach einer weiteren „Denkmallandschaft“: „Mit einer festen Erinnerungsstätte wollen wir vermeiden, dass dieser Teil der Flugplatzgeschichte in einem historischen Gemischtwarenladen untergeht.“

 

Mit Verlaub: Wer Geschichte verstehen will, muss sich auf Gemischtes einlassen. Der isolierte Horror erklärt nichts. An gut zugänglicher Stelle sollte das Berliner Stadtmuseum über die Geschichte des ehemaligen Flughafens informieren – nüchtern und vielschichtig. Es ist gegenaufklärerisch, in der einen Ecke die Rosinenbomber zu feiern und in der anderen den beliebten Führergrusel zu inszenieren. Hitlers monströs-moderner Zentralflughafen, jubelnde Deutsche, Angriffskrieg, Massenmord und Kriegsfolgen können nur als Einheit begriffen werden.

 

Ohne die begeisterten, zumindest loyalen Volksmassen hätte es den NS-Staat nicht gegeben. Man lese dazu das eindrucksvolle Buch „Soldaten“ von Sönke Neitzel und Harald Welzer. Des ungeachtet soll die Parole „Wir sind das Volk – wir sind ein Volk“ das geplante Einheitsdenkmal zieren. Solche Sätze haben im 20. Jahrhundert viele für viele Zwecke benutzt, beispielsweise Wilhelm II., der 1916 die Widmung „Dem deutschen Volke“ auf den Reichstag montieren ließ. Die friedliche Revolution von 1989 zeichnete die Lust auf FREIHEIT aus, nicht der Rückgriff auf den berühmt-berüchtigten deutschen Volksgeist.

{Quelle: www.berlinonline.de}

 

One Response to “Horrorhopping Dank NKGMGaZ”

  1. almani2000 Says:

    Sorry, aber ich glaube, wir sind wirklich langsam dem Denkmalswahn verfallen und jede Gruppierung nimmt sich so wichtig, dass sie ihr eigenes will.

    Wenn wir so anfangen, dann hört es gar nicht mehr auf mit dem Aufzählen von Völkermord, ethnischen Säuberungen, Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen.

    Aber es ist nun mal wie es ist: die Welt ist unmenschlich, mörderisch und menschenverachtend! Und wir sollten uns keine Hoffnung machen, dass mehr Mahnmale auch mehr bewirken!


Schreibe eine Antwort zu almani2000 Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s