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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Wer war Jesus von Nazareth? 24. April 2011

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 13:43

Versuch einer Antwort von Klaus Lelek

 

So banal diese Frage auf den ersten Blick scheint, es brauchte 1800 Jahre bis sie jemand im vollen Umfang stellte oder zumindest eine Antwort darauf versuchte. Der Mann heißt David Friedrich Strauß – weder mit dem Walzerkönig noch mit FJS verwandt oder verschwägert – und schrieb 1835 das Buch „Das Leben Jesu kritisch betrachtet“.

 

Das Werk, das den Menschen Jesus in den Mittelpunkt rückte, löste selbst in protestantischen Kreisen – Strauß war Dozent im Tübinger Stift, eine philosophische, theologische Kaderschmiede deutscher Gelehrsamkeit –  einen gewaltigen Skandal aus. Strauß sah in den Evangelien kein Geschichtsbuch sondern ein, auf dem Prinzip des Mythos aufbauendes Zeugnis urchristlichen Gemeindegeistes. Damit war die Frage nach dem geschichtlichen Jesus zwar nicht beantwortet, aber das weite Feld der historischen kritischen Forschung über das Leben Jesu begründet. Allen voran die kritische Exegese. Heute lehrt jeder theologische Hochschulprofessor, daß zum Beispiel der Autor des Johannes Evangeliums (um 80n. Chr.) nicht der gleichnamige Apostel sein kann.

 

Noch weniger der Schreiber der Apokalypse (90n.Chr), jenes Werk, das angesichts von Fukushima, Seebeben, Vulkanausbrüchen, Wirbelstürmen, einem hypothetischen Meteroiteneinschlag und muslimischen Machtübernahmen im Dauersendebetrieb von NTV gerne als göttliche Offenbarung diverser Weltuntergangs Szenarios herangezogen wird. Betrachtet man den Text  genauer, so hat besagter, unter dem Namen Johannes publizierende Schreiber, ein Schüler des Evangelienverfassers, fast alle Elemente seiner Schrift, angefangen vom Engel, der ihn „entrückte“, über den Endzeitkampf, bis hin zur Edelstein geschmückten Himmelsstadt, Textstellen der alttestamentarischen Prophetenbüchern, allen voran Jesaja, entnommen. Auch das spätjüdische Hennochbuch – eine wunderbare Weisheitslektüre mit beinah buddhistischen Grundzügen –   war dem Autor bekannt.

 

Mehr Auskunft über das frühe Christentum geben dagegen die Zeugnisse der sogenannten synoptischen Evangelien, Markus, Matthäus und Lukas, inklusive der geheimnisvollen Quelle „Q“, authentische Jesusworte, die mündlich tradiert allen drei Urevangelisten bekannt waren, und auch im gnostisch beeinflußten, ebenfalls sehr alten Thomasevangelium auftauchen. Paradoxer Weise haben nicht diese frühen Zeugnisse christlichen Glaubens, insbesondere die ersten Schriften über Wirken und Leben Jesu, die Kirche entscheidend geprägt, sondern jene Schriften in denen Jesus als Bräutigam, Lamm und Weltenrichter, an der Seite seiner Mutter oder seines Vaters zusammen mit einer Taube über allen Himmeln thront. In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, daß bereits Paulus nur am Himmlischen Jesus nicht aber am historischen Jesus Interesse zeigte.  Die Offenbarung des Johannes wurde zum „Bauplan“ der Kirchen, allen voran der großen Kathedralen, die Briefe des Paulus und die darin enthaltene größtenteils sexualfeindliche und autoritäre Lehre, die an manchen Stellen an Kadaver Gehorsam grenzt, („Ihr Sklaven habt euren Herren zu gehorchen!“) wurde zum ersten Kathechismus. Die Caritas dagegen, die eigentliche Lehre Jesu vom mitfühlenden Menschen, verschwand in der Nische einer organisierten Almosenpflege.

 

Für die von Jesu geforderte spontane  Nächstenliebe im Alltag war bereits in der Spätantike kaum noch Platz, noch weniger für die Nachsicht gegenüber Andersdenkenden. „Wer nicht gegen mich ist, ist für mich“. Sie wurde nicht einmal von den eigenen Jüngern praktiziert. Schon zu Lebzeiten mußte der „Rabbi“ seine Schäfchen ständig zu Brüderlichkeit und Verständnis ermahnen. In der Spätantike war der christliche Pöbel so sittenlos und verroht, daß die letzten neuplatonischen Philosophen wie Heilige dagegen wirkten. Der erste christliche Kaiser Konstantin lies nach Cäsarenart seine halbe Familie einschließlich seiner Ehefrau umbringen. Der letzte antike und zugleich erste christliche Philosoph Boetius erwähnt in seinem Werk  „Trost der Philosophie“ den Namen Jesus in keinem Satz. Konnte eine, von den Mächtigen der Welt mißbrauchte, und längst adaptierte Lehre dem Bedrängten überhaupt noch Trost bieten? Nur wenige Jahrhunderte vergingen und Karl der Große brach nach islamischen Vorbild zum Kampf gegen „Ungläubige“ auf, lies den unterworfenen Sachsen die Wahl zwischen Taufe und Tod. Er soll sich sogar mit Harum al Raschid gegen seine Rivalin die Kaiserin Irene von Byzanz verbündet haben.  

     

Sind die Spuren des historischen  Jesus bereits in den Urquellen nicht gerade üppig – die Quelle Q macht nicht einmal eine bedruckte DIN 4 Seite aus – so kann man die Spuren außerhalb christlicher Zeugnisse als katastrophal bezeichnen. Eine bei Flavius Josephus vorhandene „Jesus-Stelle“ hat sich schon lange als wohlgemeinte, aber ungeschickte  mittelalterliche Fälschung herausgestellt. Man muß also davon ausgehen, daß die ersten Christen eine hermetisch abgeschlossene, spätjüdische Gruppe waren, die im Gegensatz zum orthodoxen Judentum mit Griechen, Aramäern  und vereinzelt sogar Römern verkehrte und daneben noch gute Beziehungen zu den Essenern unterhielt. Also wie die antiken Mysterienbünde fungierte, von denen wir gleichfalls wenig wissen, da Adepten und Novizen, wie schon Herodot schreibt, zum Schweigen verpflichtet waren. Interessanter Weise finden wir im ältesten Evangelium des Markus immer wieder Hinweise, daß Jesus seine Jünger anwies über seine Mission als Messias Stillschweigen zu wahren. Ein Beweis, der die Theorie von Strauß, Jesus wäre nur ein Mythos gewesen, hinreichend entkräftet.   Hinzu kommt, daß Jesus als „Friedensbotschafter“ weder für Favius Josephus noch für die übrigen römischen Historiker interessant war. Nur wer Streß machte, bekam einen Eintrag in die Analen. Damals wie heute.

 

(Ein Grund, weshalb islamischer Terror bei westlichen Eliten sogar Sympathie erzeugt, während friedliche Kopten und Aramäer tot geschwiegen werden)

 
Das Fehlen einer Jesuserwähnung  im Werk von Flavius Josephus könnte also durch aus für die geschichtliche Existenz von Jesus sprechen. Vor allem aber bestätigt es die Friedfertigkeit seines Wirkens. Hauptsächlich Rädelsführer, Verbrecher und Gewalttäter (vor allem politische) inclusive Sexprotze, allen voran Nero, Tiberius und Calicula  füllen bei Tacitus wie auch bei Sueton die Geschichtsbücher. Eins zu Null für den historischen Jesus!        

 

Unter diesen Aspekten hat Strauß also über den wirklich lebenden Jesus so gut wie nichts Neues herausgefunden. Die umgekehrte Frage – ich weiß sie ist hundsgemein – lautet:

Was wäre denn, wenn wir mehr über ihn wüßten? Vor allem intime Details aus seinem Privatleben. Wäre Jesus dann noch Kathedralen tauglich? Wie hätte sich das Christentum entwickelt, wenn er – laut Evangelien – eine Frau oder Kinder gehabt hätte? Und noch gemeiner: Hat sich die Kirche überhaupt so entwickelt wie der Mann aus Galiläa es wollte? Wollte er seine Religion überhaupt institutionalisieren?   Wieviel von seiner „Kernlehre“, die man, wie bereits erwähnt, auf eine DIN A4 Seite zusammen fassen kann, wurde überhaupt verwirklicht?

 

Hier beginnt die eigentliche Gretchenfrage. Viele, die wie Jesus leben wollten, haben ihren Versuch mit dem Leben bezahlt, mußten als Ketzer und Häretiker auf Streckbänken gequält noch größere Martern erleiden als ihr Vorbild. Selbst Vorzeigeheilige wie der große Franz von Assisi oder die edle Elisabeth von Marburg waren in ihrer Radikalität auch im frommen Mittelalter ein Stein des Anstoßes. Keine  fünfzig  Jahre später gerieten Menschen, die ähnliches versuchten, in die Mühlen der Inquisition, ganz zu schweigen von den bestialischen Kreuzzügen gegen die nach urchristlichem Vorbild lebenden Katharer und Bogomilen.

 

Die Suche nach dem historischen Jesus gestaltet sich also genau so schwierig wie die Suche nach dem perfekten Christentum. Friedrich Nietzsche, der an Jesus verzweifelte, ihn zerpflückte, sich von ihm ab wand und im Wahnsinn starb hat es in einem Satz auf den Punkt gebracht: „Im Grunde genommen gab es nur einen Christen, und der starb am Kreuz.“ Auch heute verfehlt dieser Satz nicht seine Wirkung. Zwei bigotte Betschwestern mit einer angelsächsischen Bibel unterm Arm, die mich von ihrer evangelikalen US-Sekte überzeugen wollten, flohen wie die Schatten, als ich   ihnen das Nietzschezitat um die Ohren haute. In der Tat, der Mann aus Galiläa hat große Latschen hinterlassen, in die kaum jemand rein paßt. Am allerwenigsten calvinistische Sozialdarwinisten, die in dem Glauben leben, Gott habe sie mit der besonderen „Gnade“ versehen, sie könnten andere Menschen nach Herzenslust ausplündern. Ebenso wenig wie jene,  die mit lammfrommen Gesichtern vor den Altären herum rutschen und kaum, das sie die Kirche verlassen haben, sich als Knüppel harte Krämerseelen entpuppen, die nicht einmal davor zurückschrecken Gleichgesinnte auf infame Weise  ab zu zocken. Zum Beispiel, wenn ein „bekennender Christ“ aus den Reihen der „Freien Wähler“ – ich verschweige aus christlicher Nachsicht seinen Namen – sich am Rande der Großdemo Fünfzig Euro von mir ausleiht, und sich dann partout weigert diese zurückzuzahlen, obwohl er mir hoch und heilig die Rückgabe des Geldes versprochen hatte.  „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“ Diesen Satz halte ich für ein hundert Prozent echtes Jesuswort. Auf den Rest, das heißt, auf die falschen Frömmler, die ihren christlichen Glauben bloß  auf den Lippen tragen, kann ich gerne verzichten. Wenn ich Gott nahe sein will, dann gehe ich in den Wald, wo ich so ganz neben bei bemerkt auch als kleines Aschenhäuflein beerdigt werden möchte.

(Auch wenn mich orthodoxe Christen dafür schon jetzt in der Hölle brennen sehen)

 

SCHLUSSBEMERKUNG: Das Christentum – ich meine ein gelebtes, keine neue Form von zwanghaftem Pharisäertum  –  bleibt daher größten teils Fiktion, Utopie, ständige Herausforderung, Gewissensentscheidung, Bauplan. Funktioniert in kleinen Bereichen, vielleicht im Freundeskreis, vielleicht in der Familie, vielleicht in einem Kloster. Überall dort, wo Menschen bereit sind, fair, brüderlich und anständig mit einander um zu gehen. Fakt ist, daß es in den meisten Kirchengemeinden überhaupt nicht mehr funktioniert und die unheilige Allianz mit dem totalitären Islam den Totentanz gen Abgrund noch beschleunigt. Ganz zu schweigen von den Machtkämpfen, Intrigen, die sich in und außerhalb der heiligen Hallen abspielen.  

 

Die Frage, wieviel von dem, was Jesu wollte verwirklicht wurde, ist in der Tat niederschmetternd. In dieser Hinsicht ist das Christentum gescheitert. Im Großen wie im Kleinen.  Anders der Islam. Um ihn zu verwirklichen braucht man nur eine Handvoll notgeiler grausamer Krieger, die mit dem Schlachtruf „Allah ist groß“ plündernd, mordend, vergewaltigend über andere Menschen „Ungläubige“ herfallen, ihnen die Frauen rauben, sie versklaven und das Land als Kriegsbeute unter sich aufteilen. So wie das unter dem Beifall dekadenter westlicher Eliten im Nahen Osten, Afrika und sogar vor unser Haustür passiert. Nun können einige Advokati diaboli sagen: Das haben doch die Christen mit anderen Völkern genauso gemacht. Man denke an die Indios, die Ureinwohner Australiens … Richtig! Aber die Kolonialisten haben dabei weder die Lehre Jesu verwirklicht, noch konnten sie sich bei ihren Schandtaten auf die Worte Jesu – ich sage bewußt nicht „Bibel“ – berufen. Anders der Islam. Wem die Natur nicht genügend Killerinstinkte in die Wiege gelegt hatte, findet im Koran mehr als 200 Anleitungen, auf welche abscheuliche Weise er seinen Gegner – und so gar die eigene Frau –  mißhandeln, verstümmeln und ermorden muß.

 

Der Koran enthält keine „Kann-Bestimmungen“

 

Jesus Christus und seine Lehre bleibt dagegen ein unerschöpflicher Ozean spiritueller, transzendenter Weisheit. Ebenso weit, wie tief und rätselhaft. Als Kind hat mich die Szene des über den Wassern wandernden Jesus am meisten beeindruckt. Es ist so nebenbei bemerkt die einzige Stelle, die alle vier Evangelisten gleichzeitig in ihr Buch aufgenommen haben. Auch Simon Petrus will übers Wasser wandeln, aber er versinkt, nachdem ihn zuerst der Mut und vor allem das „Vertrauen“ verlassen hat. Er ist noch zu sehr in der irdischen Welt verankert, die Erden Schwere zieht ihn hinab. „Wasser“ ist die Metapher für „Unbewußtes“. Angst und Furcht entstehen im Kopf. Nicht umsonst spricht man von „Kopflastigkeit“.

 

Diese Kopflastigkeit, das „sich Sorgen machen“, trennt Petrus auch von Jesus. Die Frage, ob Jesus eine kopflastige Religion wollte, ist damit eigentlich beantwortet. Der Satz von Jesus, das Evangelium wie ein Kind aufzunehmen, untermauert meine These, daß der Mann aus Galiläa mit komplizierten Dogmen nicht viel am Hut hatte.  Einer, der diese verborgene Lehre des sich spirituellen Öffnens für Christus erkannte, war Meister Eckhard. Er lehrte, daß jeder Mensch auf der Suche nach seiner göttlichen Seele ist, die er zugleich mit Jesus Christus teilt. Um zu seiner Seele zu gelangen muß man das Wasser, den inneren Ozean, überqueren. So wie Petrus, der aus dem Boot ausstieg und Jesus entgegenging. 

 

Ein Ähnliches Bild findet sich auch im chinesischen Weisheitsbuch des I-Ging. Es ist darum kein Wunder, daß sich kein geringerer als der japanische Zen-Meister  Teitaro Suzuki ausgiebig mit Eckhard beschäftigte, ebenso wie C.G. Jung und Fromm. Meister Eckhard selbst erlitt das gleiche Schicksal wie alle, die Jesus Christus gefährlich nahe kamen. Er wurde wie sein Vorbild von Häschern – in diesem Fall päpstlichen – vor das Inquisitionsgericht nach Avignon gezerrt und starb noch während des Prozesses.

 

Ich wünsche allen Lesern von „Kopten ohne Grenzen“  ein gesegnetes Osterfest.

 

Sicherlich werde ich mit meinem Jesusbild eine Menge Widerspruch ernten. Aber der Weg zu Gott ist wie eine Bergwanderung. Welchen Wege man letztlich zum Gipfel wählt, die breiten ausgetretenen, die schmalen, die gefährlichen, ist jedermanns eigene Entscheidung. Nicht umsonst habe ich meine Abhandlung „Versuch“ genannt… Mein ganz persönlicher, den niemand mit mir teilen muß.  

 

One Response to “Wer war Jesus von Nazareth?”

  1. Bazillus Says:

    Das Christentum – ich meine ein gelebtes, keine neue Form von zwanghaftem Pharisäertum – bleibt daher größten teils Fiktion, Utopie, ständige Herausforderung, Gewissensentscheidung, Bauplan. Funktioniert in kleinen Bereichen, vielleicht im Freundeskreis, vielleicht in der Familie, vielleicht in einem Kloster.

    Auch ich bin der Meinung, dass man Jesus im Grunde nur bruchstückhaft nachfolgen kann. Nach meinem Glauben ist Jesus halt der Sohn Gottes und Bestandteil Gottes selbst. Sein Leben, wie es von den Synoptikern berichtet wird, ist m. E. in sich stimmig: Ledig, weil er wusste, dass er sterben wird müssen, deshalb kein zusätzliches Leid für Familienangehörige in Kauf nehmen wollte, die Bergpredigt, das verbale Dokument göttlchen Geistes, die Wundertätigkeit, die ihm die Welt bis heute versucht, abzusprechen (als wenn er allein nur durch Predigt einen solchen Zulauf bei den Menschen gehabt hätte – wer sollte sich das wohl vorstellen?), schließlich Kreuz, Leiden Tod und Auferstehung. Er kam durch verschlossene Türen in den Saal. Allein diese Szene wäre reif für einen Sensationsfilm. Die esoterische Szene stürzt sich auf jeden Mist, aber interessanter Weise nie auf diese Szene in der Bibel.

    Dann Petrus, der Apostel, der mir persönlich am sympathischten ist, weil er so feige-menschlich dargestellt wird, halt so wie ich einer bin. So richtig Mensch, wie er heute Milliardenfach auf Erden wandelt, so wie er auch die Kirche, fehlerhaft, Missstände in sich bergend, aber auch Großes leistend durch Verkündung und Liebesdienste zu allen Zeiten repräsentiert.

    Ja, es ist ein Phänomen, dass Christen – egal wo sie leben – wenn sie Jesus wie der Autor so toll beschreibt „gefährlich nahekommen“ , werden vielfach verfolgt. Jesus als Eckstein, als Stachel im Fleische des irdischen Sicheinrichtens, der Stachel im Fleisch der heuchlerischen Doppelmoral, wird immer ein Eckstein bleiben. Wäre er ein wassergespülter Kiesel gewesen, er hätte nichts getaugt.

    Interessant festzustellen ist auch der gegenteilige Aspekt, den viele Heilige verspürt haben. Je näher sie Jesus in ihrer Lebensweise glaubten zu kommen, umso unwürdiger, kleiner und minderwertiger fühlten sie sich. Jesus eröffnet Dimensionen, die ein Mensch einfach nicht fassen kann. Darum ist er der Sohn Gottes für mich.

    Im Grunde hat Nietzsche recht, wenn er sagt, dass es in Jesus den wohl einzigen Christen gab. Wer will dem Sohn Gottes in allem nachfolgen. Deshalb fühlt sich das Christentum auch immer in der Defensive, schuldbeladen, weil es einfach kein Christ schaffen kann, Jesus in wahrer Vollendung nachzufolgen. Wer Jesus nachfolgt, kann dies halt immer nur unzulänglich tun. Wer Christus nachfolgen will, wird die nie 100 %ig schaffen, weil er nicht in der Lage sein kann, Gott selbst in allem nachzufolgen. Das geht halt nicht. So wie Gott nicht erfasst werden kann, so kann auch Jesus und sein Leben nicht erfasst werden. Seine Motivation kann nur erahnt, seine Taten können nur ansatzweise befolgt werden mit dem Stückchen Ebenbild Gottes, welches jeder von uns in uns trägt, seine Lehre sprengt Dimensionen, sein Tod als Gott konnte noch nie begriffen werden, dass Gott soweit gehen würde, sich selbst mit dem Menschen auf eine Stufe zu stellen und sich mit ihm bis in das tiefste Leid hinein solidarisch zu erklären, seine Auferstehung macht uns nur noch fassungslos, allerdings auch hoffnungsvoll. Alles in allem können wir Jesus genauso wie Gott nicht fassen. Das findet seinen einfachen Grund darin, dass er Bestandteil Gottes in der Trinität ist. Das haben die Christen zwar nicht sofort erkannt, jedoch früh genug.

    Ich vermeide es jetzt bewusst, den Vergleich mit der Nachfolge Mohammeds zu ziehen, weil es im Grunde unfair wäre.

    Der Autor hat halt nur ein wenig am Fazit gespart. Weil Jesus unfassbar ist, ist er göttlich, zumindest aber kommt er Gott zu nahe, wie keine zweite Person.


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