kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Offener Brief an den Vorsitzenden des Zentralrates der Armenier 23. April 2011

Filed under: Von hier und dort — Knecht Christi @ 12:09

Sehr geehrter Herr Azat Ordukhanyan,

Sie liegt immer noch auf meinem Schreibtisch, die wunderschön gestaltete Einladungskarte der „Gruppe24“ zum 96. Gedenktag für die Opfer des Genozids an den Armenien im Jahre 1915. Daneben die immer noch nicht ausgefüllte Teilnehmerkarte für die Veranstaltung in der Paulskirche, die heute um 19 Uhr beginnt. Zum ersten Mal mit einer Ansprache von Frau Erika Steinbach, jener Politikerin, die sich seit ewigen Zeiten für ihre Belange einsetzt und genauso lange dafür auf der Gedenkveranstaltung mit Mißachtung gestraft wird, in dem man sie als Bundestagsabgeordnete der Stadt Frankfurt und führendes CDU-Mitglied nicht einmal namentlich begrüßt. Das erste Mal ist mir dieser unschöne, aber wohlbedachte Fauxpas 2005  aufgefallen – spätestens seit diesem Jahr gehöre ich zu den wenigen Deutschen, die fast regelmäßig am 24. April in der Paulskirche ihre Solidarität mit dem Armenischen Volk bekunden. Seit 2004 setzte ich mich öffentlich, vor allem in Leserbriefen, Foren, und auf Demonstrationen für ihre Belange ein… Sieben Jahre. Ein wahrhaft symbolische Zahl.

 

„Sieben Jahre diente Jakob um Rachel“, steht in der Bibel geschrieben. Am Ende konnte er seine geliebte Braut erst nach vierzehn Jahren in die Arme schließen. Zwischen mir und den Armeniern dagegen wird  es kein happy End geben. Mein Platz in der Paulskirche wird leer bleiben. Für immer.

 

Genau so wie am 12. März der Platz auf der Tribüne an der Hauptwache leer blieb an dem der Bischofsvikar Archimandrit Serovpe Isakhanyan – auf eine verbindliche Zusage hin –  (die Mail liegt noch in meinem Ortner) seinen Schlußsegen zur Großdemonstration gegen Christenverfolgung geben sollte. Diese Aufgabe übernahm spontan der koptische Bischof Amba Damian. „Spontan“ heißt, daß wir alle, vor allem ich als Hauptinitiator, sowie mein aramäischer Kollege Lukas Saliba zunächst einmal etwas rat- und hilflos waren und nicht wußten, wie das Programm jetzt weitergehen sollte.  Der armenische Bischofsvikar aus Hanau (Nachbarstadt von Frankfurt) hatte es noch nicht einmal für nötig empfunden sich abzumelden oder zu entschuldigen. Eine solche „Mißachtung“ und besser noch „Verächtlichkeit“, die den Grundregeln der Höflichkeit zu wider läuft, wiegt im Falle eines christlichen Würdenträgers doppelt schwer. Scheinbar haben die Armenier andere Höflichkeitsregeln, denen wir „nützliche deutsche Idioten“  uns bei Bedarf nach  Lust und Laune zu unterwerfen haben.   

 

Doch nicht nur der Bischofsvikar, auch die anderen Armenier aus dem Rhein-Main Gebiet glänzten an diesem Tag – der ihnen zusammen mit Aramäer und Kopten Gelegenheit bot für ihre Belange zu demonstrieren – durch Abwesenheit. 

 

Später erfuhr ich mehr oder weniger durch die Hintertür, daß Sie, Herr Ordukhanyan, die Großdemonstration zuerst unterstützten, dann aber wegen ein paar vermeintlicher „Schönheitsfehler“, die leider immer passieren, wenn man ein Bündnis aus über 16 verschiedenen Organisationen, Volksgruppen, Vereinen usw. zusammenstellt, sich distanzierten und sogar zum Boykott aufriefen. 

 

Andererseits gehört nun Frau Erika Steinbach, die sich klar hinter die Demonstration am 12. März und vor allem hinter deren Botschaft und Forderung stellte, zu ihren Hauptrednern.

 

Ich weiß nicht, wie Sie als Armenier einen solchen merkwürdigen, berechnenden politischen Schlingerkurs nennen. Wahrscheinlich „Diplomatie“? Für mich ist es einfach nur politische Schizophrenie, verbunden mit einer großen Portion Hinterfotzigkeit . Ein Spagat, der ihren Verband irgendwann einmal ins politische Abseits katapultieren wird.   Sein Fähnlein nach dem Wind hängen, um für sich das vermeintlich beste herauszuholen. Politik nach Krämerart, die spätestens an der Ladentür endet. Zu dieser Krämerpolitik paßt auch, daß Sie die anderen Opfer des Genozides z. B. die Aramäer stets als „Konkurrenten“ nicht aber als „ politische Verbündete“ gesehen haben, geschweige denn daß sie gemeinsam mit ihnen den 24. April als „Tag der Trauer und Anklage“ begehen. Es soll sogar unschöne Versuche gegeben haben, die Proteste der Aramäer, die ja gleichfalls unter der Türkischen Minderheitenpolitik leiden, zu unterbinden.  So gesehen hat ihre  Trauerkultur, die kaum von der deutschen Öffentlichkeit wahrgenommen wird, beinah etwas rassistisches, egozentrisches, ebenso wie die unschönen Versuche nach jüdischem Vorbild den Deutschen im Fall des Genozids eine Art „Kollektivschuld“ aufzubürden. Mag sein, daß solche Aussagen, die schon des öfteren in der Paulskirche fielen, bei ihren Landsleuten Beifallstürme auslösen. „Freunde“, vor allem in Deutschland finden Sie dadurch nicht. Aber die haben Sie ja auch gar nicht nötig. Armenier haben keine „Freunde“, sie haben Gönner, Mäzene, Schirm und Schutzherren, Lobbyisten. Auf den kleinen dummen Klaus Lelek und andere nützliche Idioten können sie getrost verzichten.

 

Fakt ist, daß sich, nicht zuletzt auf Grund ihrer arroganten Lobbypolitik,  außer ein paar handverlesenen Eliten kaum jemand in Deutschland für ihr Volk interessiert. Daß diese Lobbypolitik nicht einmal in Amerika Früchte trägt, beweist die Haltung der USA im Berg-Karabach- Konflikt. Auch in ihrem Heimatland stehen die Dinge nicht zum besten. Wie immer sind diese Probleme auch in Armenien zum größten Teil hausgemacht. Nicht nur mit den feindlichen muslimischen Nachbarn auch mit den christlichen Georgiern ist das Verhältnis nicht gerade herzlich.

 

Sie können also an diesem Osterssonntag mit Ihrem kleinen armenischen Häuflein durch die menschenleere Innenstadt von Frankfurt ziehen, sich als auserwähltes, edles Elitevolk fühlen und wieder einmal in der für teures Geld angemieteten Paulskirche ihre Klagereden anstimmen. Außerhalb der Mauern wird man sie kaum wahrnehmen. Schon jetzt kann ich Ihnen prophezeien, daß der Haßprediger Vogel mehr Aufmerksamkeit in den Medien erregt hat, wie Sie heute am 24. April erregen werden. Zukünftige Trauertage inbegriffen… Die unbequeme Wahrheit ist, daß Sie an dieser Entwicklung nicht unbeteiligt sind. 

 

Damit ich nach all meinen kritischen Bemerkungen über die arrogante um die eigene Achse drehenden Politik nun vollends in ihr „Feindbild“ passe, will ich Ihnen ein bis dato wohl gehütetes Geheimnis anvertrauen. Mein Großvater war Offiziersbursche bei einem deutschen Hauptmann. Sozusagen eine Art „braver Soldat“ Schweyk“. Seine einzige „Kampfhandlung“ bestand also darin seinem Vorgesetzten die Stiefel auszuziehen, den Tee zu servieren, die Koffer hinterher zu tragen usw. Die Truppe, zu die dieser Offizier gehörte, kämpfte auf Seiten der Türken im 1. Weltkrieg. Als „Andenken“ brachte mein Großvater ein Bild von „Konstantionopel“ mit, das immer in der Wohnstube hing. Daß zweite Mitbringsel war die Malaria, die er sich vermutlich in Jerusalem geholt hatte, und die ihn immer wieder in Schüben sein ganzes Leben begleitet…

 

Er hat also keinem Armenier ein Haar gekrümmt, sondern nur einem Offizier die Stiefel ausgezogen, der vielleicht vom Genozid gewußt hat. Mein Großvater war ein sehr warmherziger, sehr sensibler und gefühlvoller Mann. Als sein Sohn sich in den letzten Monaten des 2. Weltkrieges freiwillig zur Waffen- SS meldete, hat er wie ein kleines Kind bitterlich geweint, ebenso wie er Hitler zeitlebens ablehnend gegenüberstand. Hätte er etwas von Grausamkeiten gegen Zivilisten in Palästina oder der Türkei mitbekommen, hätte er dies bestimmt erzählt, daran beteiligt war er auf keinen Fall. Sieben Jahre diente Jakob… Sollte wieder Erwarten eine Art „Kollektivschuld“ auf mir, dem Enkel lasten, so habe ich diese längst abgearbeitet. Ich bin Ihrem Volk nichts mehr schuldig. Und ich bin jemand, der selten jemand etwas schuldig bleibt.  Briefe, die eine Trennung einleiten, fallen schwer, besonders wenn man den Adressaten stets bewundert und sich eng verbunden mit ihm gefühlt hat, – aber wenn man sie geschrieben hat, hat man das Gefühl eine große Last los zu sein. Für immer… 

 

Leben Sie wohl

Hochachtungsvoll

Klaus Lelek 

 

4 Responses to “Offener Brief an den Vorsitzenden des Zentralrates der Armenier”

  1. Bazillus Says:

    Es ist sehr schade, dass solche Verbindungen durch Achtlosigkeit und Geringschätzung von Mitarbeitern, egal welcher Zugehörigkeit in Religion oder Ethnie in die Brüche gehen. Weltschmerz, der nach außen dringt und ernst genommen werde soll, sollte auf vielen Schultern liegen.

    Auf diese im beschriebenen Brief aufgezeigte Art und Weise dient der Adressat und öffentliche Empfänger dieses Textes nicht seiner im Grunde sehr gerechten Sache. Er zieht sie aus der Öffentlichkeit in Privatwinkel und erlauchte Innenkreise zurück, obwohl sie doch Bestandteil des Wissens einer breiten Masse sein sollte. So wird der Türkei in die Hände gespielt, die wahrscheinlich mit der Leugnung der tödlichen Vertreibung des armenischen Volkes durchkommen wird, wenn sich die Gegnerschaft nicht einig ist.

    Ja, das ist die Crux der gesamten islamkritischen Bewegung: Die Zerstrttenheit und die mangelnde Zusammenarbeit der verschiedenen Gruppen untereinander. Der Islam ist diesen Gruppen weit überlegen, da er immer seinen Feind erkennt und sollten die Unterschiede auch noch so groß sein, im Umgang mit dem Feind herrscht im Islam Einigkeit.
    Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen, aber bitte nur an diesem Punkt, nicht an der Lehre dieser Religion.

  2. Zitronenfalter Says:

    Lieber Klaus Lelek,

    ich kann Sie in keinster Weise verstehen noch nachvollziehen.
    Wegen einigen persönlichen Disputen mit Vertretern von Institutionen und Verbänden wenden Sie sich ab von solch einer wichtigen Mission die Sie bislang verfolgt haben.

    Sie setzten also einige Volksvertreter mit dem armenischen Volk gleich und reduzieren plötzlich die armenische Kultur und das Volk an sich.

  3. Jemeljan Says:

    Ja, so ist das manchmal mit den „Berufsverfolgten“, sie sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Die Leiden und der Genozid an den Armeniern kann heute ja niemand mehr leugnen, die Frage ist nur: was machen wir daraus. Da hat der Autor sicher sehr recht, wenn er feststellt, dass es keinen Sinne macht, ein Gastgeberland mit schon bekannten Kollektivschuld-Mechanismen in die Pflicht zu nehmen. Das ist bekannt und sorgt sicher eher für Befremden. Ich bedauere, dass sich der Autor durch das scheinbar sehr eigenwillige Verhalten der armenischen Gemeinschaft, jetzt so abgestossen fühlt, dass er diesen Brief verfassen musste. Aber wir kennen das alle: zuviel ist eben manchmal zuviel und dann muss man Konsequenzen daraus ziehen. Was das de facto und langfristig für die christliche Solidarität und die glaubensbegründete Abwehrfront gegen den aggressiven, weltweiten Islam bedeutet, mag ich mich lieber nicht vorstellen. Also, noch einmal an alle Christen, die nicht länger schweigen wollen: ARBEITET ZUSAMMEN, VERGEBT EINANDER DIE FEHLER, BETET UND LEISTET AUFKLÄRUNG ÜBER DEN WAHREN ISLAM !

  4. Lieber Klaus,

    warum kämpfst du für und mit Gruppen, unter denen du, trotz sehr vieler Gemeinsamkeiten, immer ein Fremder, bestenfalls ein gern gesehener Gast sein wirst?

    Du beklagst dich, dass man dich, Jakob gleich, als Diener genommen und unentlohnt gelassen hat und unterschlägst, dass zwischen Jakob und Laban und Deal vorlag, eine Abmachung und ein Versprechen, das dir die Aramäer nie gegeben haben – dabei ist es irrelevant, ob Jakob zunächst betrogen und mit Lea abgespeist wurde. Kurz, du hättest vielleicht sagen sollen, was du erwartest, wenn man denn für Solidarität überhaupt etwas einfordern darf.

    Vielleicht solltest du dich mit deinesgleichen zusammentun – warum suchst du Mitgliedschaft in einer Fremdgruppe, die scheinbar andere Vorstellungen über das besitzt, was man jemand als Dank für seinen Einsatz gibt?
    Schließe dich einer Gruppe von Deutschen an, die, so wie die Aramäer für ihre Heimat und Geschichte, sich für Deutschland einsetzen. Hast du so eine Angst vor der Nazikeule, dass du dich für eine Fremdgruppe einsetzen musst (der letzte absatz deines Artikels weist drauf hin), während dein eigenes Volk und dessen Kultur zum Verschwinden gebracht wird?
    Deutsche und Aramäer können gemeinsam für eine gemeinsame Sache streiten.


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