kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Wo ein Damm ist, da ist auch ein Konflikt 31. März 2011

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 11:04

Gilgel Gibe III: Mega-Staudamm in Äthiopien Angestauter Ärger

 

Äthiopien will sich mit einem gigantischen Staudamm sanieren – zugleich gefährdet der Koloss ein fragiles Ökosystem und das Leben Hunderttausender Menschen. Der Widerstand gegen Gilgel Gibe III wächst.

 

Für das arme Äthiopien ist es das größte Bauprojekt seiner Geschichte. 1,5 Milliarden Euro soll die 240 Meter hohe Mauer kosten, die das Wasser des Omo-Flusses bald in einem 211 Quadratkilometer großen See aufstauen könnte. Die Regierung verspricht sich einen gewaltigen Entwicklungsschub, wenn Gilgel Gibe III, Afrikas höchster Staudamm, erst einmal Energie produziert. Politiker und Lobbyisten sind sich einig: Das Projekt ist die Chance für das Land am Horn von Afrika. Nachteile? Fehlanzeige – sagen Politiker und Wissenschaftler in der Hauptstadt Addis Abeba. Allenfalls ein paar „Problemchen“ sieht der Chef der äthiopischen Umweltbehörde. Wasserkraft, so heißt es meist, sei schließlich eine klimafreundliche Energiequelle – und mit dem Stausee bekäme das Land noch ein Reservoir von zwölf Milliarden Kubikmeter Trinkwasser geschenkt.

 

Doch der gigantische Bau gehört neben den Belo-Monte-Dämmen in Brasilien und den Narmada-Dämmen in Indien zu den weltweit umstrittensten Wasserkraft-Projekten. „Bei Planung und Bau der Gibe-Dämme werden die Rechte Hunderttausender Menschen missachtet – das ist alles andere als ein kleines Problemchen“, sagt Lindsay Duffield von der Menschenrechtsorganisation Survival International. Entgegen äthiopischer Gesetze seien die indigenen Völker im Südwesten des Landes nicht einmal über die Baupläne informiert worden. Möglichkeiten zur Einflussnahme auf die Baupläne gab es keine. Mehr noch: „Kritische Stimmen bekämpft die Regierung mit harter Hand“, sagt Duffield.

 

Internationale Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen laufen Sturm gegen das Milliarden-Projekt am Omo-Fluss. Sie sehen das Leben einer halben Million Menschen in Gefahr – und ein fragiles Ökosystem bedroht. Wird der natürliche Lauf des Omo unterbrochen, „verursacht das Hunger und schürt Konflikte unter den Stämmen, die seit Jahrtausenden vom Fluss leben“, prophezeit Peter Bosshard, Direktor der Umweltschutzorganisation International Rivers. Die Stauanlagen Gibe I und II setzten das Ökosystem bereits „unter starken Druck“.

 

Zwar hat Äthiopien die Arbeitsmöglichkeiten von Nichtregierungsorganisationen im Land per Gesetz stark eingeengt, aber längst wird der Widerstand international organisiert. So hat sich ein breites Bündnis aus mehr als 300 Gruppen gegen das Projekt formiert, das eine italienische Firma ohne vorherige Ausschreibung seit 2006 vorantreibt. In einer weltweiten Kampagne fordert das Bündnis einen sofortigen Stopp des Staudammbaus. Tausende Unterschriften überreichen sie an diesem Dienstag, dem Weltwassertag, an Äthiopiens Botschafter in Berlin, Brüssel, London, Paris und Washington.

 

Es ist nur eine von vielen Aktionen gegen das Projekt. „Unsere Argumente haben schon einige Investoren zum Umdenken gebracht“, sagt Lindsay Duffield. Doch obwohl der Protest gegen Gilgel Gibe III nicht abreißt und auch das Umweltprogramm der Vereinten Nationen die Staudämme kritisiert, hält die äthiopische Regierung eisern an ihren Plänen fest: In zwei Jahren sollen die Einnahmen durch den Energie-Export nach Kenia, Sudan und Dschibuti sprudeln. Dabei warnen Beobachter, dass der Stromexport längst nicht sicher sei. Die nächsten Strommasten jenseits der äthiopischen Grenzen stehen mehr als 500 Kilometer entfernt. Ein Ausbau des Netzes sei derzeit nicht absehbar. Die Äthiopier planen dagegen schon den nächsten Exportschlager, indem sie große Teile des Flusstals an ausländische Unternehmen verpachten, die dort Pflanzen für Biokraftstoffe anbauen wollen.

 

Während die äthiopische Regierung verspricht, das untere Omo-Tal, eine der weltweit am wenigsten entwickelten Regionen, am neuen Reichtum zu beteiligen und Arbeitsplätze etwa im Straßenbau und Hotelgewerbe zu schaffen, sehen internationale Beobachter diese Ankündigungen skeptisch. „Für die Fischer, Bauern und Viehzüchter am Omo gibt es keine konkreten Entwicklungspläne“, warnt Lindsay Duffield. „Der Strom wird nach Addis Abeba und vielleicht ins Ausland fließen, aber nicht in die Dörfer am Omo – die Stämme werden leer ausgehen und künftig zu Bettlern degradiert.“

 

Der Damm würde das Ende der selbstbestimmten Lebensweise der indigenen Stämme bedeuten, ist sich Duffield sicher. „Bisher überschwemmt der Omo zwei Monate lang die Felder mit fruchtbarem Schlamm. In Zukunft soll es nur noch eine zehntägige Flut geben, um die Felder zu bewässern.“ Ohne die kostbaren Nährstoffe sei der Anbau von Mais und Hirse auf den salzigen Böden unmöglich. „Echte Entwicklungshilfe sieht anders aus“, sagt die Menschenrechtsaktivistin. „Äthiopien entscheidet einfach über die Köpfe seiner indigenen Stämme hinweg.“ Die Folgen dieser Politik, fürchtet Duffield, könnten katastrophal für die Betroffenen sein – „schlechtere Lebensbedingungen, Krankheiten und Gewalt“.

 

Belege für das Scheitern ähnlicher Mega-Damm-Projekte gibt es reichlich, denn obwohl Wissenschaftler die ökologischen Gefahren meist viel höher einschätzen als den ökonomischen Nutzen, boomt der Bau von Groß-Staudämmen mit mehr als 15 Metern Höhe. Circa 50.000 gibt es heute auf der Welt, 1700 weitere sind geplant – vor allem in Afrika, Asien und Südamerika. Fast überall gibt es Konflikte.

 

Der Ärger über Gibe III hat sich auch bei den Menschen am Unterlauf des Omo in Kenia angestaut. Bisher speist der Fluss dort den berühmten Turkana, den weltweit größten See in einer Wüste, ein Weltnaturerbe der Unesco. Doch schon heute spüren die Menschen am See die Folgen der ersten beiden Staustufen. Dörfer, die einst direkt am Ufer standen, liegen heute kilometerweit davon entfernt, umgeben von Wüste, weil mit dem schwächerem Wasserzufluss der Pegel des Sees gesunken ist.

 

Mit Gibe III werde der Pegel um weitere zehn bis zwölf Meter sinken. „Dabei ist der See an seiner tiefsten Stelle kaum mehr als 30 Meter tief“, sagt Lindsay Duffield. Schon heute belegen Studien den zunehmenden Salzgehalt im Wasser. International Rivers warnt: „Ohne ausreichend Frischwasser wird es im Turkana zu einem riesigen Fischsterben kommen – die Fischer werden ihre Familien nicht mehr ernähren können, lokale Märkte werden zusammenbrechen.“

 

Hoffnung macht den Aktivisten, dass sich einige gewichtige Investoren inzwischen zurückgezogen haben von Gilgel Gibe III. Zuletzt hatten die Europäische Investitionsbank und die Afrikanische Entwicklungsbank ein Engagement abgelehnt. Zwar sind zwei Banken aus China eingestiegen – ihr Investment aber deckt die geschätzten Projektkosten von 1,5 Milliarden Euro nur zu einem Viertel. „Wir werden den Druck weiter hochhalten“, gibt sich Lindsay Duffield kämpferisch. Statt auf Wasserkraft zu setzen, schlägt sie der äthiopischen Regierung vor, Windparks und Solaranlagen zu bauen: „Damit hätte wohl niemand auch nur das geringste Problem“. {Quelle:  www.sueddeutsche.deVon Marcel Burkhardt }

 

 

Afrika: Wasserkraftwerk ohne Anschluss

 

Am Fluss Omo will die äthiopische Regierung mit dem Staudamm Gibe III eines der monströsesten Bauwerke errichten, das Afrika je gesehen hat. Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen wenden sich zum heutigen Weltwassertag mit einer Petition dagegen.

 

Augerechnet am Omo will die äthiopische Regierung eines der monströsesten Bauwerke errichten, das Afrika je gesehen hat: 240 Meter soll die Staumauer von Gibe III in den Himmel ragen. Der Stausee, der sich dahinter erstreckt, soll 151 Kilometer lang sein und 11,75 Milliarden Kubikmeter Wasser fassen. Mindestens zwei Jahre wird es dauern, bis der Omo das Reservoir aufgefüllt haben wird. Das Wasserkraftwerk soll mit einer Leistung 1.870 Megawatt im Idealfall soviel Strom erzeugen, wie zwei konventionelle Großkraftwerke. Mit Gibe III könnte das Land im Süden Afrikas seine Stromproduktion auf einen Schlag verdoppeln.

 

Die Regierung feiert das Mammutprojekt als wichtigen Entwicklungsschritt für eines der ärmsten Länder der Welt. „Wir brauchen den Gibe-III-Damm, um unseren Strombedarf zu decken“, erklärt der äthiopische UN-Botschafter Yoseph Kassaye. Wie, so fragen Regierungsvertreter, soll das Land denn ohne Energie die UN-Millenniumsziele erreichen? Tewolde Egziabher, Chef der staatlichen Umweltbehörde, versichert: „Die Vorteile für unser Land, die Bevölkerung und unsere Nachbarstaaten überwiegen bei weitem die kleinen Problemchen, die kurzzeitig auftreten werden.“ Bringt Gibe III also nachhaltige Entwicklung, wie sie das siebte Millenniumsziel propagiert?

 

Gibe III: „Die Vorteile überwiegen“: Die Regierung ist davon überzeugt. Wasserkraft sei eine klimafreundliche Energiequelle und der Stausee könne als Reservoir für Trinkwasser dienen. Es gibt aber auch Kritiker des Projekts. Wirtschaftliche Interessen stünden klar im Vordergrund, Umwelt- und soziale Fragen würden vernachlässigt, heißt es. Folgen hätte der Staudamm etwa für die Surma und Mursi: Die bauen bereits seit Generationen am Unterlauf des Omo im Süden des Landes Hirse und Bananen auf fruchtbarem Schlamm an, den das zurückgehende Flusswasser nach der Regenzeit hinterlässt.

 

„Der Damm wird Hunger verursachen und Konflikte unter den gut 500.000 betroffenen Bewohnern schüren“, warnt der Direktor der Umweltschutzorganisation International Rivers, Peter Bosshard. Bauern und nomadische Viehhirten sind vom Omo-Wasser abhängig. Streit um das knappe Gut könnte schnell tödlich enden: Surma und Mursi ziehen stets schwer bewaffnet umher – fast alle Nomaden tragen an einem Lederband eine Kalaschnikow auf dem Rücken. Elizabeth Hunter von der Menschenrechtsorganisation Survival International fürchtet, dass der Damm die Nahrungsgrundlage der Surma und Mursi nimmt. Wenn der Damm fertig ist, gibt es keinen Flussschlamm mehr. „Dann sind sie nicht länger Selbstversorger, sondern werden auf Nahrungshilfe angewiesen sein.“

Die beiden Organisationen haben gemeinsam mit 400 weiteren eine Petition gegen das Staudammprojekt initiiert. Mehr als 15.000 Menschen haben bereits an der Online-Abstimmung teilgenommen. Am heutigen Weltwassertag soll die Petition äthiopischen Botschaften in Europa und den USA übergeben werden.

 

Unklar ist auch, wie der umstrittene Damm Äthiopien bei der Entwicklung helfen soll. Nur jeder zehnte Äthiopier hat Zugang zu Strom, die meisten davon in der Hauptstadt Addis Abeba. Am Omo haben die Menschen nicht einmal feste Häuser, geschweige denn Elektrizität. Wie soll zudem das von Gibe III erzeugte Strom ins Netz gespeist werden? Bislang reicht bis zum Damm noch keine Hochspannungsleitung. Wann eine kommt, ist ungewiss. So soll die Hälfte der erzeugten Energie exportiert werden. Doch jenseits der Grenze in Kenia steht der nächste Strommast mehr als 700 Kilometer entfernt.

 

Gibe II würde Kenia „den Hahn“ des Turkanasees abdrehen: Das Projekt schürt auch im Nachbarland Kenia Ängste. Der Fischer Gideon Lepalo gehört zu den gut 300.000 Menschen, die rund um den Turkanasee leben. Der größte Wüstensee der Welt wird zu mehr als 90 Prozent vom Omo gespeist – noch. Wenn der Damm gebaut ist, besagt eine Studie, wird so wenig Wasser in den Turkanasee fließen, dass der Pegel um zehn bis zwölf Meter sinkt. „Der See ist an der tiefsten Stelle gerade 31 Meter tief, das wäre eine Katastrophe“, warnt Lepalo, der die Bürgerbewegung „Rettet den Turkana-See“ leitet. Im Wasser gelöste Salze würden sich konzentrieren, die Folge wäre ein Fischsterben riesigen Ausmaßes. „In Kalokol am Westufer sehen wir die Auswirkung der beiden anderen Omo-Dämme“, sagt Lepalo. „Früher lag Kalokol direkt am Ufer, inzwischen hat der See sich drei Kilometer zurückgezogen.“

 

Lepalo sieht aber einen Hoffnungsschimmer: dass dem Projekt das Geld ausgeht. Ein Kredit aus China deckt nur ein Viertel der auf 1,6 Milliarden Euro geschätzten Kosten. Die Europäische Investitionsbank, ihr afrikanisches Pendant und Italien überlegen noch, ob sie einsteigen. Lepalo hofft, dass Investoren abspringen, wenn Bürgerrechtler die Folgen des Projekts publik machen. Mit seiner Organisation will Lepalo auch auf Kenias Regierung ausüben, die Interesse zeigt, Strom von Gibe III zu kaufen. „Die Politiker in Nairobi sollen sich um die Alternative kümmern.“

 

Die Alternative, das ist zum Beispiel ein Windpark, der nicht weit vom Turkanasee mit einer Leistung von 300 Megawatt gebaut wird. Doch Kenias Regierung beäugt die alternative Energiequelle mit Skepsis. Lepalo ist besorgt. „Schon jetzt kämpfen die Stämme im Grenzgebiet von Kenia, Äthiopien und Südsudan in jeder Trockenzeit miteinander“, sagt der Aktivist. „Wenn der Turkanasee versiegt, wird das einen ausgewachsenen Krieg über die Grenzen hinweg auslösen.“ {Quelle: www.klimaretter.info – Aus Nairobi Marc Engelhardt}

 

 

Indigene Völker des Omo Tals

 

Das untere Tal des Flusses Omo, im südwestlichen Äthiopien, ist Heimat für acht verschiedene Völker, welche zusammen etwa 200.000 Angehörige zählen. Sie leben seit hunderten von Jahren in diesem Gebiet.

 

Ihre Zukunft steht jedoch auf dem Spiel. Ein gigantischer Staudamm, bekannt als Gibe III, ist im Bau. Wenn der Bau abgeschlossen ist, wird er das empfindliche Ökosystem und den Lebensraum der Völker zerstören. Die Völker des Omo Tals sind von dem natürlichen Verlauf und der jährlichen Überschwemmungen des Omo abhängig. Salini Costruttori, ein italienisches Unternehmen, begann schon Ende des Jahres 2006 mit dem Bau des Gibe III und hat inzwischen ein Drittel des Damm-Baus fertiggestellt. Bald werden die Afrikanische Entwicklungsbank und die italienische Regierung entscheiden, ob sie der Anfrage von Äthiopiens Regierung, den Bau des Damms finanziell unterstützen, nachkommen.

 

Survival und eine Reihe anderer regionaler und internationaler Organisationen sind überzeugt, dass Gibe III katastrophale Folgen für die Völker im Omo Tal haben wird. Diese Völker leben in der trockenen und schwierigen Umgebung bereits jetzt am Rande der Existenz. Wir rufen die Afrikanische Entwicklungsbank und andere mögliche Sponsoren dazu auf, dass Projekt nicht zu unterstützen, bis es nicht eine vollständige und unabhängige Studie zu dessen sozialen und ökologischen Folgen gibt. Darüber hinaus müssen zuerst die betroffenen Völker umfassend konsultiert werden und ihre freies und informiertes Einverständnis eingeholt werden.

 

Brief von Survival an die Leitung der Afrikanischen Entwicklungsbank (PDF, auf Englisch)

Lesen sie die Forderung der NGO International Rivers nach einer Untersuchung des Gibe III Damms unter der Compliance Review Mechanism Unit der Afrikanischen Entwicklungsbank

Lesen Sie einen zweiten Brief von Survival an die Leitung der Afrikanischen Entwicklungsbank (PDF, auf Englisch)

Lesen Sie einen Kommentar der Africa Resources Working Group (PDF, auf Englisch)

Lesen Sie ein Übersicht zum Damm von International Rivers (PDF, auf Englisch)

 

{Quelle: www.survivalinternational.de}

 

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